# Woher unsere Kulturpflanzen stammen: Vavilovs Genzentren und die Wege des Saatguts

> Vavilovs Vielfaltszentren, Domestikation und Handelswege: Wie Kartoffel, Apfel und Mais zu uns kamen und wie du alte Sorten selbst erhältst.

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- **Bereich:** Gartenpraxis › Aussaat & Anzucht (Grundwissen)
- **Zuletzt geprüft:** 06. Oktober 2026
- **Herausgeber:** samen.de (total10 GmbH), Redaktion

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Auf einer Saatguttüte stehen Art und Sorte. Welchen Weg die Pflanze bis in dein Beet hinter sich hat, steht dort nicht. Wenn ich im Winter meine Tüten sortiere, liegen Tomate und Paprika neben Erbsen und Salat. Die ersten beiden kamen aus Amerika, Erbsen werden Vorderasien zugeordnet und Salat dem Mittelmeerraum. Kennst du diese Wege, verstehst du, warum manche Arten in so vielen Formen vorkommen. Du siehst dann auch, was dein Garten zum Erhalt alter Sorten beitragen kann.

## Was sind Vavilovs Genzentren?

Der russische Botaniker Nikolai Vavilov beschrieb nach ausgedehnten Forschungsreisen Regionen, in denen bestimmte Kulturpflanzen in besonders vielen Formen vorkommen. Geläufig ist dafür das Wort Genzentren. Genauer ist der Begriff Vielfaltszentren, denn beschrieben wird die Formenvielfalt vor Ort.

Als historische Vielfaltszentren gelten nach Vavilov unter anderem China, Indien, Zentralasien und Vorderasien. Dazu kommen der Mittelmeerraum, Äthiopien, Mesoamerika und Teile Südamerikas.

Vavilov sah in diesen Gebieten oft auch die Ursprungsorte der jeweiligen Arten. Zwingend ist dieser Schluss nicht.

> **Kurz erklärt:** Vielfaltszentrum und Ursprungsgebiet sind nicht zwangsläufig derselbe Ort. Die Formenvielfalt einer eingewanderten Kulturpflanze kann sich auch dort entwickeln, wohin sie gebracht wurde. Solche Regionen heißen sekundäre Zentren.

### Welche Kulturpflanzen werden welcher Region zugeordnet?

Für die meisten dieser Regionen kennst du Beispiele aus Küche und Garten.

| Region | Beispiele für zugeordnete Kulturpflanzen |
|---|---|
| China | Sojabohne, Kohlarten, Pfirsich, Aprikose |
| Indien | Reis, Mango, Zitrusfrüchte, Hülsenfrüchte |
| Zentralasien | Weizen, Apfel, Birne |
| Vorderasien | Weizen, Gerste, Linsen, Erbsen |
| Mittelmeerraum | Olive, Kohl, Salat |
| Mesoamerika | Mais, Bohnen, Kürbisse, Chili |
| Teile Südamerikas | Kartoffel und Quinoa aus den Anden, Kakao und Ananas aus dem Amazonasbecken |

Weizen und Kohl stehen mehrfach in der Tabelle. Lies sie deshalb als Übersicht, wo große Formenvielfalt beschrieben wurde, und nicht als Herkunftsnachweis für jede einzelne Art.

Wie verzweigt ein Herkunftsweg sein kann, zeigt die Kartoffel. Die europäischen Kartoffeln lassen sich auf Pflanzen aus den Anden Perus zurückführen und ebenso auf chilenische Kartoffeln.

## Wie wurde aus der Wildpflanze eine Kulturpflanze?

Domestikation beginnt mit Auslese. Menschen bauten Wildpflanzen gezielt an und säten immer wieder Samen von Pflanzen mit erwünschten Eigenschaften aus. Über viele Generationen können dabei die genutzten Pflanzenteile größer werden. Natürliche Ausstreu- oder Ausbreitungsmechanismen können verloren gehen.

Der Mais macht das sichtbar. Seine wilde Urform, das Teosinte-Gras, trägt nur wenige kleine Körner, der heutige Mais dagegen große Kolben.

Wo Bauern über Generationen ihr eigenes Saatgut auslasen, entstanden lokale Sorten, die Landrassen. Landrassen sind an die Bedingungen ihrer Region angepasst.

Ausbreitungsmechanismen können bei der Domestikation verloren gehen, und im Garten wird eine Sorte durch wiederholten Anbau und Vermehrung erhalten. Eine Kulturpflanze, die ihre Samen nicht mehr selbst ausstreut, bleibt also auf Menschen angewiesen, die ernten und wieder säen. Deshalb folgen die Wege des Saatguts den Wegen der Menschen.

Der Auslese wird auch nachgesagt, dass sie Bitterstoffe verringert hat. Harmlos wird eine Kulturpflanze dadurch nicht automatisch. Grüne Gartenbohnen enthalten Phasin, deshalb isst du weder Samen noch Hülsen roh.

## Auf welchen Wegen kam das Saatgut um die Welt?

### Die Seidenstraße und der Apfel

Die Seidenstraße war ein Netz von Handelsrouten zwischen Asien und Europa. Pfirsiche und Aprikosen gelangten auf ihr aus China nach Westen, Weintrauben und Walnüsse nahmen die Gegenrichtung. Gewürze wie Pfeffer und Zimt kamen aus Indien.

Beim Apfel blieb es nicht beim Transport. Entlang der Seidenstraße trafen Abstammungslinien aufeinander, die vorher getrennt waren, und neue Kreuzungen wurden möglich. Formenvielfalt kann zudem auch in sekundären Zentren entstehen. Handelswege haben Vielfalt also nicht nur verteilt, sie haben auch neue entstehen lassen.

### Der Austausch zwischen Amerika und Europa

Mit den Fahrten des Kolumbus begann ein Austausch in beide Richtungen, bekannt als Columbian Exchange. Aus Amerika kamen Kartoffeln, Tomaten, Mais, Paprika und Kakao nach Europa. In die Gegenrichtung wanderten Weizen, Zuckerrohr, Kaffee und Bananen.

Zu dieser Geschichte gehört auch der Zuckerrohranbau in Amerika, der mit Plantagenwirtschaft und transatlantischem Sklavenhandel verbunden war.

Aus Mesoamerika stammt außerdem die Milpa, eine Anbauform, bei der Mais, Bohnen und Kürbis gemeinsam auf einer Fläche wachsen.

## Was bedeutet die Herkunft für dein Beet?

Mehrere Arten aus diesem Austausch verlangen im Garten Wärme. Tomaten, Paprika und Kürbisse können bereits bei niedrigen Plusgraden mit Wachstumsstockungen reagieren, und Paprika und Chili keimen bei 25 °C optimal. Wie du solche Artwerte beim Säen und Pflanzen einplanst, steht in den Grundlagen zu Aussaat und Anzucht unter [Keimbedingungen sowie Abhärten und Auspflanzen](/praxis/aussaat-anzucht/).

Die Milpa kannst du als Mischkultur nachstellen, wenn du den Standraum nach der endgültigen Größe jeder Kultur bemisst. Mischkultur kann die Pflanzen unterstützen, sie garantiert aber nichts. Im Mischkultur-Werkzeug schlägst du nach, [welche Gemüsearten im Beet zusammenpassen](/tools/mischkultur/), und die Regeln zu Fruchtfolge und Mischkultur stehen ebenfalls in den Grundlagen.

## Wo wird die Vielfalt heute gesichert?

Bei der In-situ-Erhaltung bleiben Pflanzenbestände in ihrem Vorkommensgebiet. Die Ex-situ-Erhaltung sichert genetische Ressourcen außerhalb davon, zum Beispiel in Genbanken.

| Einrichtung | Was dort geschieht |
|---|---|
| Genbank Gatersleben | Der größte Teil der Sammlung liegt als Saatgut bei −18 °C. |
| Kryokonservierung in der Genbank | Für Material, das sich nicht als Saatgut lagern lässt: unter anderem Gewebe in flüssigem Stickstoff bei −196 °C. |
| Dahlemer Saatgutbank | Saatgut wird vor dem Einfrieren und danach alle fünf Jahre auf Keimfähigkeit geprüft. |
| Saatguttresor auf Spitzbergen | Hier liegen Sicherheitsduplikate anderer Genbanken. |

Privatpersonen bekommen von der Dahlemer Saatgutbank kein Saatgut. Erhaltungsinitiativen dagegen geben Saatgut bedrohter Kulturpflanzensorten für den Eigenbedarf ab, damit es im Garten weitervermehrt werden kann. Wenn du eine alte Sorte anbauen willst, wendest du dich also an eine solche Initiative und nicht an die Saatgutbank.

Die Temperaturen aus der Tabelle gelten für Genbanken, nicht für deine Saatgutkiste. Für Gemüsesaatgut gelten 0 bis 10 °C allgemein als günstige Lagertemperatur, und geöffnete Päckchen bewahrst du kühl und trocken auf. Mehr zur Lagerung steht in den Grundlagen im Abschnitt zum Saatgut.

## Was kannst du selbst zum Erhalt alter Sorten beitragen?

Neben der Genbank gibt es einen weiteren Weg, eine Sorte zu erhalten, nämlich den wiederholten Anbau und die Vermehrung in Gärten. Der Nutzen reicht über deinen Garten hinaus, denn in alten Kulturpflanzensorten bleiben genetische Eigenschaften erhalten, die künftiger Züchtung und Ernährungssicherung nützen können.

### Welche Sorten kannst du selbst vermehren?

Für den Nachbau brauchst du samenfeste Sorten. Werden samenfeste Sorten sortenerhaltend vermehrt, tragen auch die folgenden Generationen die typischen Sortenmerkmale. Bei F1-Hybriden gelingt das nicht zuverlässig. Deren Nachkommen, die F2-Generation, können unterschiedliche Eigenschaften zeigen.

Fremdbestäubung kann auch bei samenfesten Sorten zu abweichenden Nachkommen führen, wenn passende andere Sorten oder verwandte Pflanzen den Pollen liefern. Ich zeichne deshalb vor der Aussaat auf, welche Sorte wo steht. Im Beetplaner [legst du fest, welche Sorte auf welchem Beet wächst](/tools/beetplaner/).

> **Achtung:** Von Zucchini und anderen Cucurbita-pepo-Kürbissen nimmst du kein eigenes Saatgut für die nächste Aussaat, wenn Zierkürbisse in der Nähe wachsen. Schmeckt ein Kürbisgewächs bitter, spuckst du es sofort aus und entsorgst es. Erhitzen beseitigt die giftigen Bitterstoffe nicht zuverlässig.

### Wie gibst du Saatgut weiter?

Auf Tauschbörsen und in Saatgutbibliotheken wechselt Saatgut von Garten zu Garten. In einer Saatgutbibliothek leihst du Saatgut aus, säst, pflegst und erntest, und am Ende gibst du selbst gewonnenes Saatgut zurück.

> **Mini-Checkliste:** Tauschsaatgut beschriftest du mit Erntejahr, Pflanzenart und Sorte. Selbst gewonnenes Saatgut lässt du gründlich trocknen, bevor es in ein luftdichtes Gefäß kommt. Lebensfähige Samen invasiver gebietsfremder Pflanzen der Unionsliste tauschst du nicht, weil für sie grundsätzlich das Verbot des vorsätzlichen Tauschens gilt.

Vielfalt hilft auch im eigenen Beet. Wachsen bei dir verschiedene Pflanzenarten, sinkt das Risiko, dass bei Extremwetter alle gleichzeitig ausfallen.

Für den Anfang genügt eine samenfeste Sorte, die du anbaust, beerntest und beschriftet weitergibst.

> **Marias Erfahrung:** Ich führe ein Gartentagebuch und notiere darin, welche Sorten gut keimen und sich zügig entwickeln. Auf jede Tüte schreibe ich außerdem, von wem das Saatgut kam. Im Winter lese ich diese Notizen, bevor ich die nächste Saison plane.

## Häufige Fragen

### Was sind Genzentren nach Vavilov und warum sind sie für die Pflanzenzüchtung wichtig?

Als Genzentren oder Vielfaltszentren gelten Regionen, in denen Kulturpflanzen in besonders vielen Formen vorkommen. Zu Vavilovs historischen Zentren gehören unter anderem China, Indien, Zentralasien, Vorderasien, der Mittelmeerraum, Äthiopien, Mesoamerika und Teile Südamerikas. Für die Züchtung zählt diese Formenvielfalt, weil in alten Kulturpflanzensorten genetische Eigenschaften erhalten bleiben, die künftig nutzbar sein können. Vielfaltszentrum und Ursprungsgebiet einer Art fallen dabei nicht zwangsläufig zusammen.

### Wie entstanden unsere heutigen Nutzpflanzen durch den Prozess der Domestikation?

Menschen bauten Wildpflanzen gezielt an und säten immer wieder Samen von Pflanzen mit erwünschten Eigenschaften aus. Dabei können die genutzten Pflanzenteile größer werden, und natürliche Ausstreu- oder Ausbreitungsmechanismen können verloren gehen. Ein Beispiel ist der Mais, dessen wilde Urform Teosinte nur wenige kleine Körner trägt.

### Welche Rolle spielt die Kryokonservierung bei der Saatguterhaltung?

Kryokonservierung ist für Material gedacht, das sich nicht als Saatgut lagern lässt. In der Genbank Gatersleben liegt der größte Teil der Sammlung als Saatgut bei −18 °C. Für das übrige Material nutzt die Genbank unter anderem die Kryokonservierung von Gewebe in flüssigem Stickstoff bei −196 °C.

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