# Myzelien im Substrat: Welche Pilze in deiner Erde arbeiten und wie du sie förderst

> Zersetzer, Mykorrhiza, Schimmel: welche Myzelien in Erde und Substrat leben, was sie für Nährstoffe und Struktur tun und wie du sie mit Kompost förderst.

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- **Bereich:** Gartenpraxis › Düngen, Boden & Kompost
- **Zuletzt geprüft:** 12. Oktober 2026
- **Herausgeber:** samen.de (total10 GmbH), Redaktion

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Du topfst um, und zwischen den Holzfasern der Erde ziehen sich feine weiße Fäden. Oder du setzt den Kompost um und stößt auf ein helles Geflecht. Beides ist Pilzmyzel, und oft steckt kein Schaden dahinter. Wenn ich so etwas finde, rieche ich an der Erde, fühle die Feuchte tiefer im Topf und schaue erst dann auf die Pflanze. Entscheidend ist, welche Pilzgruppe du vor dir hast, denn davon hängt ab, ob du sie förderst oder die Erde austauschst.

## Was ist Myzel?

Als Myzel bezeichnet man das Geflecht feiner Pilzfäden, über das ein Pilz Nährstoffe aufnimmt. Die einzelnen Fäden heißen Hyphen. Wächst ein Pilz sichtbar aus der Blumenerde, ist das nur ein Teil von ihm, das Geflecht liegt im Substrat. Im Boden zählen Pilze zusammen mit Bakterien, Algen und einzelligen Eukaryoten zu den Mikroorganismen. Wie aktiv dieses Bodenleben ist und wie es sich zusammensetzt, hängt unter anderem von Feuchte, Temperatur, pH-Wert und Nährstoffangebot ab.

## Welche Myzelien leben in Erde und Substrat?

Nach ihrer Lebensweise lassen sich die Pilze in deiner Erde grob ordnen: Zersetzer, Mykorrhizapilze und Krankheitserreger. Bei der Mykorrhiza unterscheidet man unter anderem die arbuskuläre Form und die Ektomykorrhiza.

| Gruppe | Was sie tut | Was das für dich heißt |
|---|---|---|
| Zersetzer (Saprophyten) | bauen abgestorbene organische Bestandteile ab, etwa Holzfasern, Rinde und Kompostreste | viele sind für Pflanzen unbedenklich; beim Abbau werden Nährstoffe frei, bei holzigen Bestandteilen kann Stickstoff gebunden werden |
| Arbuskuläre Mykorrhizapilze | bilden in den Rindenzellen der Wurzel fein verzweigte Arbuskeln für den Stoffaustausch | wachsen nur mit lebender Wirtspflanze; Karotten, Zwiebeln und Kürbisse sind Wirte, Kohlarten, Rüben und Spinat nicht |
| Ektomykorrhizapilze | umhüllen bei Waldbäumen die Feinwurzeln mit einem Pilzmantel | Baumarten unterscheiden sich in ihrem Mykorrhizatyp |
| Krankheitserreger | einige Bodenmikroorganismen, darunter Pilze, können Pflanzenkrankheiten auslösen | Erde aus Töpfen mit Wurzelfäule verwendest du nicht wieder |

Bei der Mykorrhiza bekommt die Pflanze vom Pilz Wasser und Nährsalze und versorgt ihn dafür mit Zucker aus der Photosynthese. Der Pilz erschließt dabei nur Nährstoffe, die schon im Boden sind, einen Dünger ersetzt er nicht. Warum ein Präparat an lebende Wurzeln gelangen muss und unter welchen Bedingungen es wirkt, liest du im Ratgeber [zur Wurzel-Pilz-Symbiose und zu Mykorrhiza-Präparaten](/praxis/duengen-boden/mykorrhiza-natuerlicher-booster-fuer-ihr-wurzelwachstum/).

## Pilze in der Blumenerde: harmlos oder ein Problem?

Sichtbare Pilze in Blumenerde können Zersetzer sein, die abgestorbene organische Bestandteile abbauen. Viele davon sind für deine Pflanzen unbedenklich, eine Erkrankung bedeuten sie nicht automatisch. Torffreie Erden können Holzfasern, Rinde oder Kompost enthalten, also genau die organischen Bestandteile, die Zersetzer abbauen. Auch ein kräftiger Geruch beim Öffnen des Sacks kann von mikrobieller Aktivität stammen, verdorben ist die Erde deshalb nicht automatisch.

Wird torffreie Erde länger gelagert, können Verpilzung, Nährstofffreisetzung und Salzgehalt zunehmen. Ich kaufe Erde deshalb möglichst kurz vor dem Pflanzen und rolle angebrochene Säcke oben fest zu. Bis zur Verwendung lagerst du sie kühl, trocken, lichtgeschützt und gut verschlossen. Ältere Reste mischst du frischer Erde bei, statt sie allein zu verwenden.

Anders liegt der Fall bei flaumigem Schimmel, der auf Zimmerpflanzenerde immer wiederkommt. Dann nimmst du die oberste Erdschicht ab, und kehrt er trotzdem zurück, topfst du um. Prüfe zugleich, ob du zu viel gießt und ob der Standort schlecht belüftet ist. Bei torffreier Erde kann die Oberfläche schon trocken wirken, während es unten im Topf noch nass ist. Welkt eine Pflanze trotz feuchter Erde, können vernässte und geschädigte Wurzeln die Ursache sein. Krankheitsfreie Erde aus dem Vorjahr lässt sich aufbereiten, Erde aus Töpfen mit Wurzelfäule dagegen nicht.

> **Mini-Checkliste:** Pilz in der Topferde
> - Weiße Fäden zwischen Holzfasern oder Rinde, die Pflanze wächst normal: Das spricht für Zersetzer.
> - Flaumiger Schimmel kehrt immer wieder: oberste Schicht abnehmen, Gießmenge und Belüftung prüfen.
> - Oberfläche trocken: vor dem Gießen mit dem Finger tiefer im Topf fühlen.
> - Pflanze welkt trotz feuchter Erde: erst die Feuchte prüfen, nicht sofort nachgießen.
> - Pflanze ist an Wurzelfäule eingegangen: die Erde nicht wiederverwenden.

## Was Myzelien für die Substratqualität leisten

Ein Kultursubstrat muss den Wurzeln Halt geben, Luft und Wasser bereitstellen, Nährstoffe speichern und abgeben und den pH-Wert puffern. Pilze und andere Mikroorganismen wirken an zwei dieser Aufgaben mit: an der Freisetzung von Nährstoffen und, im Gartenboden, an stabilen Krümeln.

### Nährstoffe freisetzen

Bodenmikroorganismen bauen organische Stoffe ab und setzen dabei mineralische Nährstoffe frei. Erst in dieser mineralischen Form nehmen die Wurzeln sie auf. Ein organischer Dünger in der Blumenerde wirkt deshalb zeitversetzt. In kleinen Gefäßen kann die Wirkung fester organischer Dünger wie Hornspäne sogar verzögert und unzureichend einsetzen. Wärme und Bodenfeuchte beschleunigen die Freisetzung, Frost, Trockenheit und Staunässe bremsen sie.

### Stabile Krümel im Gartenboden

Im Beet kann das Hyphennetz von Mykorrhizapilzen die Bodenkrümel stabilisieren und so Krümelgefüge und Erosionsschutz unterstützen. Schleimstoffe, die Mikroorganismen bilden, können die Krümel zusätzlich festigen. Ton, Humus, biologische Aktivität und Durchwurzelung wirken beim Aufbau eines stabilen Bodengefüges zusammen. Für mehrjährige Kübelpflanzen können gröbere Zuschläge wie Blähton oder Bims die Struktur der Erde auf lange Sicht verbessern.

### Die Kehrseite: gebundener Stickstoff

Beim mikrobiellen Abbau organischer Bestandteile torffreier Erden kann Stickstoff vorübergehend gebunden werden. Den Pflanzen fehlt er dann, obwohl die Erde vorgedüngt ist. Die weißen Fäden zwischen den Holzfasern können also zweierlei anzeigen: Hier wird abgebaut, und genau hier kann Stickstoff knapp werden. Bei hohem Holzfaseranteil kann deshalb mehr Stickstoffdüngung nötig sein als bei deiner bisherigen Erde. Hell- bis gelbgrüne ältere Blätter und gehemmter Wuchs können auf Stickstoffmangel hindeuten.

Bei Rindenhumus ist ein Teil dieser Arbeit vor dem Einsatz erledigt. Beim Kompostieren der Rinde werden wachstumshemmende Phenole und Gerbstoffe abgebaut, und ausgereifter Rindenhumus bindet nur noch wenig Stickstoff.

## Myzelreicher Kompost: So bringst du Pilze ins Substrat

Kompost liefert Nährstoffe und zugleich organische Substanz, die das Bodenleben fördert und zur Humusversorgung beiträgt. Damit ist er der naheliegende Weg, Pilze und andere Mikroorganismen in Beet und Topf zu bringen.

### Ein Starter ist nicht nötig

Bei fachgerechter Kompostierung bringst du die Mikroorganismen mit den Abfällen selbst ein, und zwar in ausreichender Zahl und Vielfalt. Einen neu angelegten Haufen kannst du zusätzlich mit Gartenerde animpfen.

> **Marias Erfahrung:** Wenn ich einen Kompost neu aufsetze, streue ich zwischen die ersten Lagen Gartenerde aus dem Beet. Herbstlaub sammle ich in einem Drahtkorb neben dem Haufen und gebe es über den Winter in dünnen Lagen mit Küchenabfällen und Gehölzhäckseln dazu.

> **Mythos-Check:** „Ohne Kompoststarter fehlen dem Kompost die richtigen Pilze.“ Das stimmt so nicht: Bei locker gemischten Garten- und Küchenabfällen sind Kompostzusätze normalerweise entbehrlich. Gegen Sauerstoffmangel im Haufen hilft übrigens auch Kalk nicht.

Auch gekaufte Mikroorganismen bringen nicht automatisch mehr. In einem vierjährigen biologischen Feldversuch ergab die Zugabe Effektiver Mikroorganismen keinen zusätzlichen Nutzen für Ertrag oder Bodenqualität. Die beobachteten Wirkungen gingen auf das organische Material und die Nährstoffe aus den Bokashi- und Mistgaben zurück. Zusammen mit dem, was die Abfälle ohnehin mitbringen, heißt das: Für mehr Bodenleben setzt du beim organischen Material an und nicht beim gekauften Zusatz.

### Mischung, Feuchte und Luft

Kombiniere feuchtes mit trockenem, grobes mit feinem und stickstoffarmes mit stickstoffreichem Material. Der Kompost braucht gute Durchlüftung und soll feucht, aber nicht nass sein. Fauliger Geruch kann auf zu nasses Material hinweisen, dann setzt du um und schützt den Haufen vor weiterem Regen. Starke Schimmelbildung kann dagegen auch bei zu trockenem Kompost auftreten. In diesem Fall setzt du ebenfalls um und befeuchtest das Material dabei. Auch ohne ausgeprägte Heißrotte kann durch Kaltrotte guter Kompost entstehen.

> **Jetzt dran:** Nimm beim nächsten Umsetzen Material aus der Mitte des Haufens in die Faust und drück es aus. Fühlt es sich an wie ein ausgedrückter Schwamm, passt die Feuchte für die Rotte.

Den Aufbau des Haufens, das passende Mischungsverhältnis und die Reifeprüfung findest du im Überblick, [wie du Kompost anlegst, pflegst und prüfst](/praxis/duengen-boden/).

### Reif und gesiebt ins Topfsubstrat

Für Topferde nimmst du nur reifen Kompost, dessen Pflanzenverträglichkeit du vorher mit einem Kressetest prüfst. Reiner Kompost taugt nicht als Erde für Keimlinge, weil seine hohen Nährsalzgehalte den Wurzeln Wasser entziehen können. Gemischt mit anderen Bestandteilen helfen dir diese Orientierungswerte:

| Verwendung | Kompost im Substrat | Vorbehalt |
|---|---|---|
| selbst gemischte Blumenerde | höchstens etwa 30 % | nur besonders gut durchgerotteter Kompost |
| Balkonkastenerde | höchstens 30 % | gesiebter Kompost |
| Zimmerpflanzen | grundsätzlich höchstens etwa 20 Volumen-% | Orchideen und Farne bekommen keinen Kompost |
| Aussaat und Stecklinge | meist höchstens 20 Volumen-% | wegen der Salz- und Nährstoffgehalte |
| Freiland-Pflanzsubstrat nach LWG-Rezept | je ein Drittel Gartenerde, Kompost und Rindenhumus | zum Selbstmischen |
| Rhododendren, Azaleen, Heidelbeeren | kein gewöhnlicher Gartenkompost | wegen ihrer Ansprüche an sauren Boden |
| Zitrusgewächse | selbst gemischte komposthaltige Substrate oft ungeeignet | wegen des häufig hohen pH-Werts |

> **Zahl im Blick:** Kompost für Blumenerde siebst du auf etwa 10 bis 15 mm. Nimmst du ihn zur Bodenverbesserung ins Beet, können gröbere Bestandteile bleiben.

Erde aus Töpfen mit fauligen Wurzeln kommt bei mir nicht auf den Kompost.

> **Achtung:** Im Gartenkompost werden Krankheitserreger von Menschen, Tieren und Pflanzen nicht zuverlässig abgetötet, weil die Rotte die nötigen Temperaturen oft nicht durchgehend hält. Erde aus Töpfen mit Wurzelfäule machst du über den Kompost also nicht wieder verwendbar.

## So förderst du das Pilzgeflecht im Gartenboden

Organische Substanz ist das Futter für das Bodenleben: Kompost, Grünschnitt und Erntereste versorgen die Bodenorganismen und halten Nährstoffe im Gartenkreislauf. Eine mäßige organische Düngung kann zudem das Vorkommen arbuskulärer Mykorrhizapilze fördern. Organischer Mulch liefert den Bodenorganismen weitere Nahrung. Holzhäcksel, Stroh und Rindenmulch können beim Abbau allerdings Stickstoff binden, das berücksichtigst du bei der Düngung.

> **Häufiger Fehler:** Kompost tief untergraben. Tiefer im Boden können bei Sauerstoffmangel pflanzenschädigende Fäulnisprodukte entstehen, deshalb arbeitest du ihn nur oberflächlich ein.

Lockere den Boden nur dort, wo der Oberboden tatsächlich gestört ist, denn unnötige Eingriffe können das Bodengefüge zerstören. Weniger Bodenstörung kann größere und vielfältigere Populationen von Bodenorganismen fördern. Zum Lockern eignet sich ein Sauzahn, weil er die Bodenschichten nicht wendet. Nassen Boden betrittst du nicht, weil dabei Verdichtung und Gefügeschäden entstehen können. Staunässe verursacht Sauerstoffmangel im Boden.

Gekalkt wird nur, wenn der gemessene pH-Wert für deine Bodenart zu niedrig ist. Eine pH-Anhebung durch Kalkung kann die mikrobielle Gemeinschaft zugunsten der Bakterien und zulasten der Pilze verschieben, besonders in der Humusauflage. Wer ohne Befund kalkt, verschiebt also womöglich das Bodenleben weg von den Pilzen, ohne dass der Boden den Kalk braucht. Ein passender pH-Wert allein sorgt allerdings noch nicht für ein günstiges Bodenleben, wenn die Bodenfeuchte fehlt.

Eine hohe Phosphorversorgung kann die Mykorrhizierung vermindern. Überhöhte Gaben versauernder Dünger können über einen sinkenden pH-Wert die Lebensbedingungen der Mikroorganismen verändern. Dünge deshalb auf Grundlage einer Bodenuntersuchung. Zielbereiche für den pH-Wert je Bodenart und die Kalkung nach Befund erklärt der oben verlinkte Überblick zu Düngen, Boden und Kompost.

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