Gefüllte späte Tulpen vermehren: Brutzwiebeln und Mutterpflanzen
- Brutzwiebeln erst abtrennen, wenn das Laub vertrocknet ist.
- Nach der Blüte dauert es im Mittel 6 bis 8 Wochen, bis das Laub eingezogen ist.
- Mutterpflanzen während der Blüte markieren: gesund und sortentypisch.
- Brutzwiebeln von Ende September bis Mitte November doppelt so tief setzen, wie sie hoch sind.
- Jungzwiebeln blühen gegebenenfalls erst im zweiten Jahr.

Eine gefüllte späte Tulpe wie die hellrosa ‘Angelique’ kannst du selbst vermehren, ohne neue Zwiebeln zu kaufen: über die Brutzwiebeln, die sie nach der Blüte bildet. Heikel wird es im Sommer, wenn das vergilbende Laub unordentlich aussieht und frühes Graben verlockend wirkt. Ich markiere deshalb schon während der Blüte, welche Pflanzen ich vermehren will, und lasse sie danach in Ruhe, bis die Blätter vertrocknet sind.
Was gefüllte späte Tulpen ausmacht
Gefüllte späte Tulpen tragen dicht gefüllte, pfingstrosenähnliche Blüten, heißen deshalb auch Paeonien-Tulpen und sind wegen dieser Fülle regenempfindlich. Je nach Sorte blühen sie von April bis Mai; für die Gruppe als Ganzes wird der Blühbeginn erst ab Mitte Mai angesetzt. Sorten, Standort, Pflanzzeit und Gestaltung erklärt der Ratgeber, wie du gefüllte späte Tulpen pflanzt, pflegst und im Beet kombinierst.
Drei Wege: Brutzwiebeln, Teilen, Samen
Wie Brutzwiebeln entstehen
Tulpen bilden nach der Blüte Brutzwiebeln, die weiterwachsen, bis das Laub eingezogen ist. Weil vegetativ vermehrte Tochterpflanzen dieselben Erbanlagen tragen wie die Mutterpflanze, bleibt die Sorte dabei erhalten. Wie verschieden Zwiebeln und Knollen sich vermehren, zeigt der Abschnitt Vermehren in unserem Ratgeber zu Blumenzwiebeln und Knollen.
Tulpenzwiebeln teilen
Teilen heißt bei mir, die Brutzwiebeln von der Mutterzwiebel abzunehmen; eine Tulpenzwiebel zerschneide ich nicht. In den niederländischen Freilandbeständen der Zwiebelproduktion werden die großen Zwiebeln verkauft und die jungen Brutzwiebeln weiterkultiviert.
Tulpensamen säen
Tulpensamen säen ist ein Weg für Züchter: SämlingeSämlinge sind junge Pflanzen, die durch Keimung aus dem Embryo eines Samens entstanden sind. Anders als Stecklinge oder veredelte Pflanzen gehen sie also aus einem Samen hervor. vereinen mütterliche und väterliche Erbteile, sodass die Merkmale deiner Sorte nicht garantiert sind. Bei der Wildtulpe Weinbergstulpe säst du im Herbst oder Winter in Schalen, bedeckst die Samen mit Erde und schützt sie vor starkem Regen. Im ersten Jahr bildet der Sämling nur ein Blatt und eine kleine Zwiebel, die erste Blüte folgt nach ungefähr fünf Jahren.
Mutterpflanzen wählen, solange sie blühen
Welche Zwiebeln du vermehrst, entscheidest du im Frühjahr, solange die Blüten offen sind. Nach dem Einziehen des Laubs lässt sich eine Zwiebel nicht mehr ihrer Blüte zuordnen, wenn du die Stelle nicht markiert hast.
Brutzwiebeln tragen dieselben Erbanlagen wie ihre Mutterzwiebel. In der Tulpenvermehrung für den Handel werden Pflanzen aussortiert, deren Blütenfarbe oder Blütenform nicht den gewünschten Eigenschaften entspricht. Markierst du nur Pflanzen, die sortentypisch blühen, vermehrst du also genau die Pflanzen, deren Blütenbild du behalten willst.
Sortentypisch heißt: so, wie die Sorte beschrieben ist. ‘Angelique’ blüht hellrosa, ‘Carnaval de Nice’ weiß mit roter Flammung. Bei ‘Ice Cream’ umschließen dunkelrote bis pinkfarbene äußere Blütenblätter eine weiße Mitte.
Geschwächte oder kranke Pflanzen nimmst du nicht als Ausgangsmaterial. Zeigt eine dunkel blühende Tulpe gelbe bis weiße Streifen in der Blüte, können Tulpengallmilben dahinterstecken. Dieses Bild lässt sich mit Virussymptomen verwechseln, und einen Virusverdacht klärt sicher erst eine Laboruntersuchung. Ich markiere solche Pflanzen nicht als Mutterpflanzen.
Ich stecke während der Blüte einen Stab neben jede Pflanze, die gesund wirkt und so blüht, wie es ihre Sorte verspricht. Im Sommer, wenn kein Laub mehr zu sehen ist, grabe ich nur an diesen Stellen.
Wann du die Brutzwiebeln abtrennst
Die Brutzwiebeln trennst du in der sommerlichen Ruhephase ab, nachdem das Laub eingezogen ist. Grabe die Zwiebeln erst aus, wenn ihre Blätter vertrocknet sind. Bis dahin bleibt das Laub an der Pflanze, auch wenn es gelb wird und welkt.
Nach der Blüte dauert es im Mittel 6 bis 8 Wochen, bis das Laub eingezogen ist. In dieser Zeit wachsen die Brutzwiebeln weiter. Wer direkt nach der Blüte gräbt, nimmt ihnen also genau diese Wochen.
Wie du die Wartezeit überbrückst, hängt vom Standort ab. An sommertrockenen Stellen können die Zwiebeln im Boden bleiben, bis du sie zum Abtrennen ausgräbst. In feuchten Lagen gräbst du sie aus, sobald der Blütenstängel eingetrocknet ist, und lagerst sie mitsamt dem einziehenden Laub kühl und dunkel bis zum Herbst. Die Brutzwiebeln löst du dann ab, sobald die Blätter vertrocknet sind.
Vergilbendes Laub abschneiden, weil es unordentlich wirkt. Wer das Laub zu früh entfernt, kann die Blüte im Folgejahr beeinträchtigen. Heranwachsende Stauden und Gräser können das vergilbende Laub stattdessen verdecken.
So nimmst du die Brutzwiebeln ab
Ich lockere die Erde mit der Grabegabel etwas abseits der markierten Stelle und hebe die Zwiebeln dann heraus, damit ich keine ansteche. Danach löse ich die Brutzwiebeln von der Mutterzwiebel und lege alles nach Größe sortiert in flache Kisten, die ich mit dem Sortennamen beschrifte.
Das Sortieren hat einen Grund: Eine größere Zwiebel ist ein Hinweis auf eine kräftigere Blüte. Die großen Zwiebeln setze ich im Herbst zurück ins Blumenbeet, die kleinen kommen ins Anzuchtbeet.
Jede Zwiebel prüfst du dabei. Für die Weiterkultur taugen nur feste, gesunde Zwiebeln ohne weiche Stellen, Krankheitszeichen oder Fraßspuren. Braune Flecken auf den fleischigen Schuppen mit etwa 1 mm großen schwarzen Dauerkörpern können auf TulpenfeuerTulpenfeuer ist eine Pilzkrankheit der Tulpen, ausgelöst durch den Grauschimmelerreger Botrytis tulipae. Befallene Tulpen treiben mit verkrüppelten, graubraun gefleckten Blättern aus; der Pilz überdauert in kranken Zwiebeln im Boden. hindeuten. Sortiere solche verdächtigen Zwiebeln aus, auch wenn der Fund für sich allein noch keine sichere Diagnose ist. Aus einem Bestand mit Tulpenfeuer hebst du keine Zwiebeln zur Wiederpflanzung auf.
Weiche, matschige Zwiebeln entsorgst du, und kranke Pflanzenteile gehören nicht auf den Hauskompost. Nach der Arbeit an kranken Zwiebeln reinigst du Werkzeug und Schuhe, weil anhaftende Erde Krankheiten verschleppen kann.
Zwiebel fest, trocken und glatthäutig. Keine weichen Stellen, kein Schimmel, keine Fraßspuren. Keine braunen Flecken mit schwarzen Dauerkörpern. Kiste mit dem Sortennamen beschriftet.
Die ersten Schritte nach dem Abtrennen
Bis zur Pflanzzeit lagerst du die Brutzwiebeln trocken, luftig und kühl und kontrollierst sie regelmäßig auf Schimmel oder Fäulnis. Luftundurchlässige Beutel sind dafür ungeeignet, weil Schwitzwasser Fäulnis begünstigt, und Äpfel gehören nicht daneben: Ihr ReifegasReifegas ist die gängige Bezeichnung für Ethylen, ein Gas, das manches Obst selbst bildet, besonders Äpfel. Es lässt Obst und Gemüse in der Nähe schneller reifen, welken oder austreiben. Ethylen kann einen vorzeitigen Austrieb fördern. Wie du die großen Zwiebeln über den Sommer bringst und was Tulpen im Winter brauchen, erklärt der Ratgeber, wie du gefüllte späte Tulpen nach der Blüte versorgst.
Ein eigenes Beet für die Jungzwiebeln
Ich setze die kleinen Brutzwiebeln in ein eigenes Anzuchtbeet, getrennt von den blühfähigen Zwiebeln, und stecke zu jeder Gruppe ein Schild mit der Sorte. Gartentulpen bevorzugen sonnige Plätze mit lockerem, durchlässigem und humosem Boden. Auf schwerem Boden legst du eine 3 bis 5 cm starke Drainageschicht aus Sand oder Kies unter die Zwiebeln; mehr zu Licht und Boden steht im Grundlagenratgeber zu Blumenzwiebeln im Abschnitt Standort und Boden.
Nimm dafür ein Beet, auf dem zuletzt keine Tulpen mit Tulpenfeuer oder GrauschimmelGrauschimmel ist eine häufige Pilzkrankheit an Gemüse, Obst und Zierpflanzen, verursacht durch den Pilz Botrytis cinerea. Typisch ist ein grauer, stäubender Pilzbelag auf befallenen Pflanzenteilen, etwa auf Früchten. standen. Nach einem solchen Befall sollen Tulpen auf ein anderes Beet wechseln.
Brutzwiebeln pflanzen
Für Tulpen gilt Ende September bis Mitte November als Pflanzzeit. Setze jede Brutzwiebel mit der Spitze nach oben, als Faustregel doppelt so tief, wie sie hoch ist. Eine kleine Brutzwiebel liegt damit flacher als ihre Mutterzwiebel. Zwischen den Zwiebeln lässt du flächig 2 bis 3 Zwiebelbreiten Platz.
Mist, Kompost und andere Dünger gehören nicht unmittelbar ins Pflanzloch. Fülle das Loch mit Erde, drücke sie leicht an und gieße gründlich an, auch wenn der Boden schon feucht ist; StaunässeStaunässe entsteht, wenn der Boden Regenwasser nicht schnell genug aufnehmen kann und sich das Wasser im Boden staut. Den Wurzeln fehlt dann Sauerstoff, und die Pflanzen werden geschwächt. soll dabei nicht entstehen. Bei Wühlmausproblemen setze ich die Brutzwiebeln in einen lückenlos geschlossenen Drahtkorb mit etwa 15 mm Maschenweite, der sie vor Fraß schützen kann.
Die einzelnen Handgriffe beim Setzen zeigt der Ratgeber, wie du Tulpenzwiebeln Schritt für Schritt pflanzt und pflegst. Wer seine Gartentermine gern auf Papier plant, findet bei unseren Werkzeugen den druckbaren Aussaatkalender für Blumenzwiebeln.
Jungzwiebeln zur ersten Blüte bringen
Im Frühjahr hältst du den Boden während des Wachstums gleichmäßig feucht, ohne dass Staunässe entsteht. Nach dem Austrieb bleibt das Laub stehen, bis es vergilbt. Es dient der Zwiebel dazu, Reserven für die nächste Blüte aufzubauen, und eine größere Zwiebel ist ein Hinweis auf eine kräftigere Blüte. Bei Jungzwiebeln, die noch nicht blühen, lohnt es sich deshalb besonders, das Laub jedes Jahr ungestört einziehen zu lassen.
Eine abgetrennte Brutzwiebel blüht gegebenenfalls erst im zweiten Jahr. Plane ein, dass Jungzwiebeln 1 bis 2 Jahre ohne Blüte bleiben.
Blüht eine Jungzwiebel schon, entfernst du den verblühten Kopf, damit die Pflanze ihre Energie in die Brutzwiebeln statt in Samen steckt. Ich sammle außerdem abgefallene Blütenblätter vom Laub, weil sie bei Regen faulen können. Schneidest du Blüten für die Vase, lass möglichst viel Laub an der Pflanze; wie du gefüllte späte Tulpen schneidest und in der Vase frisch hältst, steht in einem eigenen Ratgeber.
Nährstoffe lagern Frühjahrszwiebeln während des grünen Blattwachstums ein; wird das Laub gelb, bringt Düngen keinen Nutzen mehr. Zwiebelbeete bekommen alle 2 Jahre im Herbst eine Auflage aus Kompost, Lauberde oder verrottetem Mist. Mehr zu Zeitpunkt und Nährstoffen steht im Grundlagenratgeber zu Blumenzwiebeln im Abschnitt Gießen und Düngen.
Stolpersteine bei der Vermehrung
Nach dem Einziehen ruhen die Zwiebeln, und in dieser Phase bevorzugen Tulpen einen trockenen Standort. Eine sommerliche Trockenphase begünstigt die reiche Blüte der folgenden Saison, während regelmäßiges Gießen benachbarter Pflanzen ruhende Tulpenzwiebeln faulen lassen kann. Ein Anzuchtbeet direkt neben regelmäßig gegossenen Sommerblumen ist also ein ungünstiger Platz. Pflanze auch keine stark wasserbedürftigen Sommerblumen unmittelbar auf die Stellen, an denen Tulpen im Boden bleiben.
Auch sonst ist Nässe ein Risiko: Tulpen reagieren empfindlicher auf nasse Böden als Narzissen, und bei zu viel Nässe oder Staunässe im Winter können im Herbst gepflanzte Zwiebeln faulen.
Treiben Blätter verformt oder verdreht aus und tragen braune Flecken, bei feuchtem Wetter auch grauen Pilzbelag, kann Tulpenfeuer dahinterstecken. Schlecht austreibende Zwiebeln gräbst du bei diesem Verdacht samt umgebender Erde aus und entsorgst sie über den Hausmüll. Wie du Tulpenfeuer, Grauschimmel und Schädlinge einordnest, steht im Grundlagenratgeber zu Blumenzwiebeln im Abschnitt Krankheiten und Schädlinge.

