Witwenblume: Warum sie so heißt und was hinter ihrer Symbolik steckt
- Witwenblumen bilden die Gattung Knautia, Skabiosen die botanisch getrennte Gattung Scabiosa.
- Eine volkstümliche Deutung erklärt den Namen über die Kronzipfel: Die Wiesen-Witwenblume hat eine vierzipflige Blütenkrone.
- Skabiosen haben fünf Kronzipfel, an diesem Unterschied hängt die Namensdeutung.
- Im Englischen ist für die Dunkelrote Skabiose der Gartenname ‚Poor Widow‘ überliefert.
- Eine französische Sage lässt Skabiosen aus den Tränen einer Witwe entstehen.

Wer wissen will, warum die Witwenblume so heißt, findet schnell Geschichten über Göttinnen, Druiden und alte Trauerbräuche. Ich halte mich an das, was sich nachprüfen lässt: eine volkstümliche Namensdeutung, einen englischen Gartennamen und eine französische Sage. Den Kern davon kannst du an der Pflanze selbst überprüfen.
Die kurze Antwort: Eine volkstümliche Deutung verbindet den Namen mit der Blütenkrone. Bei der Wiesen-Witwenblume hat sie einen Zipfel weniger als bei den Skabiosen.
Warum heißt die Witwenblume so?
Der Name hängt an einem Detail, das du erst beim genauen Hinsehen bemerkst. Die Blütenkrone der Wiesen-Witwenblume Knautia arvensis läuft in vier Zipfel aus. Bei den Skabiosen der Gattung Scabiosa sind es fünf. Eine volkstümliche Deutung verbindet den Namen Witwenblume mit genau diesem Unterschied zur Skabiose.
Eine solche Deutung stammt aus dem Volksmund und ist keine gesicherte Wortgeschichte. Sie zeigt, wie sich Menschen einen Namen an der Pflanze selbst erklärt haben. Für die Frage nach dem Namen ist das die Antwort, die du an der Blüte nachvollziehen kannst.
Kronzipfel sind die Spitzen, in die eine Blütenkrone am Rand ausläuft. Wer sie zählt, schaut sich eine einzelne Blüte genau an.
Ich nehme im Sommer eine Handlupe mit auf die Wiese und zähle an einer Wiesen-Witwenblume die Kronzipfel nach. Eine Skabiose aus dem Beet halte ich daneben, damit ich beide Blüten direkt vergleichen kann.
Witwenblume oder Skabiose: zwei Gattungen, oft verwechselt
Viele Texte setzen Witwenblume und Skabiose gleich. Botanisch sind es zwei getrennte Gattungen: Witwenblumen gehören zu Knautia, Skabiosen zu Scabiosa. Die Übersicht zeigt, woran du sie auseinanderhältst.
| Merkmal | Witwenblume | Skabiose |
|---|---|---|
| Gattung | Knautia | Scabiosa |
| Blütenkrone | vierzipflig bei der Wiesen-Witwenblume | fünf Kronzipfel |
| Beispiele | Wiesen-Witwenblume (Knautia arvensis), Knautia macedonica, Wald-Witwenblume (Knautia dipsacifolia) | Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaria), Dunkelrote Skabiose (Scabiosa atropurpurea) |
| Sorte zum Merken | Knautia macedonica ‚Red Knight‘ | Scabiosa columbaria ‚Butterfly Blue‘ |
Wer beide Namen gleichsetzt, verwischt also genau den Unterschied, an dem die deutsche Namensdeutung hängt: die Zahl der Kronzipfel. Ich schreibe die Gattung deshalb immer mit dazu, wenn ich über die Symbolik spreche.
‚Butterfly Blue‘ für eine Witwenblume halten. Die Sorte gehört zur Tauben-Skabiose Scabiosa columbaria und ist keine Knautia macedonica. Auf meine Pflanzschilder kommen deshalb Gattung und Art, nicht nur der deutsche Name.
Kennen andere Sprachen das Witwen-Motiv auch?
Ja, allerdings bei den Skabiosen. Für die Dunkelrote Skabiose Scabiosa atropurpurea ist im Englischen der historische Gartenname ‚Poor Widow‘ überliefert, auf Deutsch ‚arme Witwe‘. Aus Frankreich kommt eine Sage, nach der Skabiosen aus den Tränen einer Witwe entstanden sind. Wenn ich sie erzähle, sage ich immer dazu, dass es eine Sage ist und kein historisches Ereignis.
| Sprache | Pflanze | Form der Überlieferung |
|---|---|---|
| Deutsch | Witwenblume, Gattung Knautia | volkstümliche Deutung über die Kronzipfel |
| Englisch | Dunkelrote Skabiose, Scabiosa atropurpurea | historischer Gartenname ‚Poor Widow‘ |
| Französisch | Skabiosen | Sage von den Tränen einer Witwe |
Der englische Gartenname und die französische Sage hängen an Skabiosen, der deutsche Name hängt an der Gattung Knautia. Das Witwen-Motiv verbindet damit zwei Gattungen, die botanisch getrennt sind. Eine feste Blumensprache mit Bedeutungen wie Treue, Glück oder Neuanfang leite ich daraus nicht ab, denn dafür fehlt mir eine Überlieferung, die ich prüfen kann.
Was ist an den Mythen über die Witwenblume dran?
Rund um die Witwenblume kursieren Geschichten über Persephone, Freya und keltische Druiden. Für keine davon habe ich eine Überlieferung gefunden, die ausdrücklich die Witwenblume nennt und sich nachprüfen lässt. Ich erzähle sie deshalb nicht weiter. Dasselbe gilt für Bedeutungen, die ihr in China, Japan, Afrika oder Nordamerika zugeschrieben werden.
„Witwenblumen sind aus den Tränen der Aphrodite um Adonis entstanden.“ In der überlieferten Adonis-Erzählung lässt Aphrodite nach seinem Tod eine blutrote Blume aus seiner Wunde wachsen. Das Tränen-Motiv gehört dagegen zur französischen Sage über Skabiosen. Die Behauptung mischt zwei verschiedene Geschichten zu einer neuen.
Was die Volkskunde zur Witwenblume beiträgt, ist damit vor allem die Deutung ihres Namens. Sie ist schlicht, aber du kannst sie an jeder Blüte der Wiesen-Witwenblume selbst überprüfen.
Manche Texte erzählen von Tees, Umschlägen und Salben aus Witwenblumen. Witwenblumen sind Zierpflanzen und keine Medizin, nachgesagte Heilwirkungen ersetzen keinen ärztlichen Rat. Was nicht sicher als essbar bestimmt ist, isst du nicht und brühst du auch nicht als Tee auf.
Welche Rolle spielt die Witwenblume heute?
Heute begegnet dir die Witwenblume auf Wiesen, in Staudenbeeten und in der Vase. Die ausdauernde Wiesen-Witwenblume blüht blauviolett und wächst auf frischen bis mäßig trockenen Wiesen und HalbtrockenrasenEin Halbtrockenrasen ist eine spezielle Form des Magerrasens auf ungedüngten Standorten. Er bleibt nur durch Mahd oder Beweidung offen, sonst würde dort Wald wachsen, und ist Lebensraum seltener Tier- und Pflanzenarten.. Knautia macedonica trägt rote bis dunkelrote Blüten und passt in Staudenmischungen für sonnige, trockene Standorte, während die Wald-Witwenblume als Halbschattenpflanze gilt. Welche Arten sich eignen und was sie für Insekten leisten, liest du im Ratgeber darüber, welche Witwenblumenarten in naturnahe Gärten passen.
Wie eng Pflanze und Tier zusammenhängen, zeigt ein Name: Die Knautien-Sandbiene trägt die Gattung der Witwenblume im Namen. Sie sammelt den Pollen für ihre Nachkommen an Witwenblumen und an der Tauben-Skabiose.
Im Staudenbeet kombiniert die Mischung ‚Farbenspiel‘ Knautia macedonica unter anderem mit Panicum virgatum ‚Rehbraun‘ und Nepeta racemosa ‚Superba‘. Sie ist für sonnige, nicht dauerhaft trockene Standorte gedacht. Ideen für Farbspiele, Höhenstaffelung und Blütenfolge findest du im Ratgeber, wie du mit Witwenblumen Staudenbeete gestaltest. Knautia macedonica eignet sich außerdem als Schnittblume.
Ziehst du Knautia macedonica ‚Red Knight‘ selbst aus Samen, läuft die VorkulturVorkultur heißt meist, dass du Gemüse im Haus oder geschützt aus Samen vorziehst und es später als abgehärtete Jungpflanze ins Freiland setzt. In Anbauplänen meint das Wort auch eine schnelle Kultur, die vor der Hauptkultur auf dem Beet steht. von März bis Mai. Wann andere Stauden an der Reihe sind, zeigt dir der Aussaatkalender für Stauden und Ziergräser.
Die Tradition im Bauerngarten und die Darstellung in der Kunst sind eigene Themen. Welche Tradition Witwenblumen im Bauerngarten haben und wie man sie heute neu einsetzt, beschreibt der Ratgeber über Witwenblumen im Bauerngarten und in der Volkskultur. Wie Maler und Illustratoren die Pflanze dargestellt haben, erfährst du im Beitrag über die Witwenblume in Malerei und botanischer Illustration. Was Stauden, ZweijährigeZweijährige sind Pflanzen, die im Jahr der Aussaat nur wachsen, oft zu einer Blattrosette, und erst im nächsten Jahr blühen. Dazu gehören etwa Stiefmütterchen, Goldlack, Bartnelken und Fingerhut. und Gräser grundsätzlich unterscheidet und woher Gartenstauden stammen, fasst das Kurzporträt der Stauden, Zweijährigen und Gräser zusammen.




