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Mikrohabitate in der Wildblumenwiese: So legst du Nistplätze, Totholz und Wasserstellen an

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 11 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Blüten liefern Nahrung, Mikrohabitate liefern Nistplätze, Verstecke und Winterquartiere.
  • Für Sandnistplätze eignet sich ungewaschener Sand mit 8 bis 30 % Ton- und Schluffanteil.
  • Für Wildbienen, die im Totholz nisten, sind Stämme, Strünke und starke Äste geeigneter als dünnes Reisig.
  • Königskerzen- und Distelstängel mehrjährig stehen lassen: Die Brut markstängelnistender Wildbienen schlüpft erst im übernächsten Jahr.
  • Eine Wasserstelle für Amphibien und Libellen bleibt fischfrei und bekommt raue, flach benetzte Ränder.
  • Jede Niststruktur braucht ein vielfältiges Blütenangebot in unmittelbarer Nähe.

Eine Wildblumenwiese kann in voller Blüte stehen und vielen Insekten trotzdem etwas Wichtiges vorenthalten: einen Platz zum Nisten und Überwintern. Ein insektenfreundlicher Garten braucht neben Blüten auch Nistplätze, Überwinterungsräume und Nahrungspflanzen für die Entwicklungsstadien der Tiere. Ich plane deshalb in jede Wiesenfläche kleine Sonderstellen ein: eine offene Sandstelle, einen Lesesteinhaufen, ein Stück Starkholz und eine Ecke, in der alte Stängel stehen bleiben.

Kurz erklärt

Ein Mikrohabitat ist eine kleine Struktur mit eigenen Bedingungen innerhalb einer größeren Fläche. In der Wildblumenwiese zählen dazu offene Bodenstellen, Lesesteinhaufen, liegendes Totholz, markhaltige Stängel, ungemähte Altgrasstreifen und flache Wasserränder.

Was Mikrohabitate in der Wildblumenwiese leisten

Artenreiche Wiesen bieten Insekten nicht nur Nahrung, sondern auch Raum für Fortpflanzung, Rückzug und Überwinterung. Gräser und Kräuter liefern Tieren dabei gleichermaßen Nahrung und Deckung. Totholz, Laub- und Steinhaufen sowie Trockenmauern ergänzen das Blütenangebot um Brutplätze für verschiedene Insekten. Strukturverarmung zählt neben Lebensraumverlust, Zerschneidung und dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu den Belastungen für Insekten.

Umgekehrt brauchen Niststrukturen ein vielfältiges Blütenangebot in unmittelbarer Nähe, damit die Tiere dort zugleich Nahrung finden. Wiese und Kleinstruktur gehören also zusammen: Die Wiese liefert die Blüten, die eine Niststelle in ihrer Nähe braucht, und die Kleinstruktur liefert die Brutplätze, die einer reinen Blütenfläche fehlen.

Mikrohabitat Wer es nutzt Darauf kommt es an
Offene Bodenstelle, Sandarium bodennistende Wildbienen ungewaschener Sand mit 8 bis 30 % Ton- und Schluffanteil
Lesesteinhaufen, Trockenmauer verschiedene Insekten als Brutplatz mindestens 0,5 m hoch, einige Hohlräume offen lassen
Starkholz im Totholz nistende Wildbienen Stämme, Strünke und starke Äste statt dünnem Reisig
Markhaltige Stängel markstängelnistende Wildbienen mehrjährig stehen lassen
Altgrasstreifen Tiere während der Mahd und im Winter, Vögel als Sitzwarte über Winter ungemäht lassen
Wasserstelle Insekten, Amphibien, Libellen raue, flach benetzte Ränder, Ausstiegshilfen, keine Fische

Bevor du baust: Bestand prüfen und Grundlagen klären

Prüfe vor einer Neuansaat, ob sich deine vorhandene Fläche durch angepasste extensive Pflege oder Selbstbegrünung ökologisch aufwerten lässt. Ich gehe jede Fläche vor einem Umbau einmal ab und notiere, was schon da ist: Baumstümpfe, Steine, feuchte Senken und kahle Stellen.

Eine auf Artenreichtum ausgerichtete magere Blumenwiese wird nicht gedüngt, damit konkurrenzstarke Gräser nicht zusätzlich gefördert werden. Feines Kräutersaatgut verteilst du auf der Bodenoberfläche und walzt es an. Nach der Aussaat hältst du die Fläche etwa 6 Wochen gleichmäßig feucht, eine etablierte Blumenwiese braucht im Sommer normalerweise kein zusätzliches Wasser. Gemäht wird je nach Wüchsigkeit und Standort ein- bis dreimal im Jahr, das Mähgut räumst du ab. Wie du dabei im Einzelnen vorgehst, steht in den Grundlagen zu Standort und Boden, Aussaat, Gießen sowie Mähen und Pflege von Wildblumen. Lies außerdem nach, wie du typische Fehler beim Anlegen einer Wildblumenwiese vermeidest; dort geht es um Standort, Bodenvorbereitung, Saatgutwahl und Aussaat.

Offene Bodenstellen: Sandarium und Ackerwildkräuter

Sandarium für bodennistende Wildbienen

Offene oder schütter bewachsene Bodenstellen sind Lebensraum für bodennistende Wildbienen und ergänzen damit jede Röhrennisthilfe. Im Garten fehlt der Tritt von Weidetieren, der auf Trockenrasen kleinflächige Rohbodenstellen schaffen kann. Solche Stellen legst du deshalb selbst an.

Für Sandnistplätze eignet sich ungewaschenes Sandsubstrat mit 8 bis 30 % Ton- und Schluffanteil. Ein eingegrabenes Sandarium kannst du in einer Grube anlegen, die 40 bis 60 cm tief ist. Ich hebe die Grube aus, fülle sie mit dem Substrat und halte die Oberfläche frei von Bewuchs.

Leg die offene Stelle nicht direkt neben einen Bestand der Riesen-Goldrute. Beim Entfernen ihrer Bestände sollen Bodenverletzungen möglichst gering bleiben, weil sie die Keimlinge fördern. Eine frisch geöffnete Bodenstelle in ihrer Nähe kann also genau das bewirken, was du beim Jäten vermeiden willst.

Eine Ecke für Ackerwildkräuter

Kornrade, Kornblume, Kamille und Mohn eignen sich für gemeinsame Ansaaten auf offenen, bearbeiteten Flächen. Eine solche Ecke ist zugleich ein Futterplatz: Kornblumen liefern Nektar für Honigbienen, Erd- und Steinhummeln sowie Schlupfwespen. Klatschmohn bietet bestäubenden Insekten reichlich Pollen, aber keinen Nektar. Die Stieltellerblüten der Kornrade sind vor allem an Tagfalter angepasst und bieten ihnen Nektar.

Die Kornrade braucht regelmäßig bearbeitete Standorte mit vegetationsfreien Stellen, an denen ihre Samen keimen können. Gleichzeitig bleiben ihre Samen im Boden nur wenige Monate keimfähig. Ohne regelmäßig geöffneten Boden fehlt ihr also beides: der Keimplatz und eine Samenreserve, die auf bessere Jahre wartet. Auch Klatschmohn wird in mehrjährigen Brachen ohne regelmäßige Bodenbewirtschaftung von konkurrenzstärkeren Arten verdrängt. Ich hacke meine Ackerblumen-Ecke deshalb regelmäßig flach durch, statt sie in die Wiese übergehen zu lassen.

Achtung

Die Kornrade gilt als giftig für Menschen, Vögel und Nutztiere. Säe sie nur als Zierpflanze und nicht dort, wo der Aufwuchs als Futter oder Nahrung genutzt wird.

Trockenzone: Lesesteinhaufen und magere Inseln

Ein Lesesteinhaufen lässt sich mindestens 0,5 m hoch aus unterschiedlich großen Steinen aufschichten. Lass dabei einige Hohlräume offen, denn sie dienen als Nistplätze. Um Lesestein- und Totholzhaufen empfiehlt sich ein unbearbeiteter Pufferstreifen von etwa 50 cm. Auch eine Trockenmauer zählt zu den Kleinstrukturen, die einer Wiese Brutplätze für Insekten hinzufügen.

Rund um die Steine kannst du eine magere, trockene Insel nach dem Vorbild der Trockenrasen gestalten. Trockenrasen entstehen an vollsonnigen Standorten auf flachgründigen, trockenen und oft nährstoffarmen Böden. Wiesen-Witwenblume, Taubenkropf-Leimkraut und Wilde Möhre sind heimische Pflanzen für solche trockenen, sonnigen Plätze. Das heimische Gewöhnliche Leinkraut passt auf lockeren, steinig-sandigen Boden in der Sonne, der trocken bis frisch und mäßig nährstoffreich ist. Rechne damit, dass es sich ausbreitet, denn die mehrjährige Pflanze bildet Ausläufer.

Die Gemeine Wegwarte eignet sich ebenfalls für nährstoffarme, durchlässige Böden. Sie verträgt es auf Dauer schlecht, von Gräsern oder Gebüschen überwachsen zu werden. Kalkreiche Sandrasen tragen dagegen eine niedrige, lückige Vegetation. Eine magere, lückige Trockeninsel kann die Wegwarte deshalb länger vor dem Überwachsen bewahren als dichter Wiesenaufwuchs.

Totholz: Starkholz statt Reisig

Für Wildbienen, die im Totholz nisten, sind Baumstämme, Baumstrünke und starke Äste geeigneter als dünnes Reisig. Ich lege deshalb lieber einen alten Stammabschnitt an den Wiesenrand als einen Haufen Schnittgut. Auch um den Holzhaufen bleibt ein unbearbeiteter Streifen von etwa 50 cm. Zusammen mit Laub- und Steinhaufen zählt Totholz zu den Kleinstrukturen, die das Blütenangebot um Brutplätze ergänzen.

Nisthilfe aus Hartholz als Ergänzung

Für hohlraumnistende Wildbienen eignen sich Bohrgänge in Hartholz. Gebohrt wird ins Längsholz, und die Gänge bleiben frei von nach innen ragenden Fasern. Die Nisthilfe richtet sich an hohlraumnistende Arten, für Bodennister ergänzt du sie um offene Bodenstellen.

Merkmal Angabe
Material Hartholz, Bohrung ins Längsholz
Durchmesser der Bohrgänge 2 bis 9 mm
Tiefe der Bohrgänge 8 bis 10 cm
Innenseite der Gänge splitterfrei, ohne nach innen ragende Fasern
Standort wind- und regengeschützt, nicht zu schattig
Höhe über dem Boden mindestens 0,5 m
Bambusröhren verschließender Knoten am hinteren Ende des Nistgangs
Häufiger Fehler

Niströhrchen zu früh reinigen. Ob in einem Gang noch Brut sitzt, siehst du von außen nicht sicher. Stell deshalb lieber neue Röhrchen dazu, statt alte auszuleeren.

Stängel und Altgras: Strukturen, die durch Stehenlassen entstehen

Abgestorbene Königskerzen- und Distelstängel sollen mehrjährig stehen bleiben. Markstängelnistende Wildbienen ziehen frühestens im Folgejahr ein, und ihre Brut schlüpft erst im übernächsten Jahr. In Randbereichen der Wiese können auch abgestorbene Karden- oder Distelstängel zwei Jahre lang erhalten bleiben. Stehen gelassene Stängel dienen Insekten außerdem als Winterquartier und Eiablageplatz.

Bei geeigneten Blühmischungen und Staudenpflanzungen können die Stängel über Winter stehen bleiben und erst im Frühjahr zurückgeschnitten werden. Für markstängelnistende Wildbienen kommt dieser Schnitt nach dem ersten Winter aber zu früh, weil sie erst im Folgejahr einziehen und ihre Brut im übernächsten Jahr schlüpft. Krankes Pflanzenmaterial entfernst du trotzdem, auch wenn du sonst zurückhaltend schneidest.

Marias Erfahrung

Ich lasse am Wiesenrand eine Gruppe Karden- und Königskerzenstängel stehen und binde im Herbst ein Stück Bast darum. So erkenne ich beim Aufräumen im Frühjahr sofort, welche Stängel bleiben.

Ungemähte Altgrasstreifen bieten während der Mahd Rückzugsräume und können Nist- und Überwinterungsstrukturen erhalten. Bleiben sie über Winter stehen, dienen sie Tieren als Überwinterungsquartier und Vögeln als Sitzwarte. Auf Flächen mit Wegwarte bleiben Teilbereiche bis zum nächsten Frühjahr ungemäht, damit Pflanzen und überwinternde Insekten ihren Fortpflanzungszyklus abschließen können. Wie du die Mahd über die Teilflächen verteilst, gehört zur Wiesenpflege im Jahreslauf und steht in den Wildblumen-Grundlagen.

Feuchtzone und Wasserstelle anlegen

Insekten finden an rauen, flach benetzten Rändern einer Wasserstelle Halt. Tiefere Bereiche brauchen Ausstiegshilfen, damit hineingefallene Tiere wieder herauskommen. Soll die Wasserstelle Amphibien und Libellen dienen, bleibt sie fischfrei, weil Fische deren Eier und Larven fressen.

Die Larven der Blaugrünen Mosaikjungfer verbringen bis zu zwei Jahre unter Wasser. Eine Mulde, die im Sommer trocken fällt, kann ihnen deshalb nicht als Entwicklungsgewässer dienen. Für diese Art brauchst du eine Stelle, die dauerhaft Wasser führt. Zum Nachfüllen eignet sich gesammeltes Regenwasser, das zugleich Trinkwasservorräte schont.

Böden mit hohem Tonanteil eignen sich nur eingeschränkt zur Versickerung von Regenwasser, weil sich Wasser dort stauen kann. Ich nutze solche Stellen, an denen nach Regen ohnehin Wasser steht, bevorzugt für die Feuchtzone. Für die Bepflanzung kommen Arten nasser Standorte infrage: Der heimische Blutweiderich wächst an feuchten bis nassen und zeitweise überfluteten Standorten. Sumpf-Vergissmeinnicht besiedelt feuchte bis nasse Wiesen und Grabenränder und blüht von Mai bis September. Vergissmeinnicht gilt als Pflanzengruppe, die vorwiegend von Bienen besucht wird.

Mini-Checkliste

raue, flach benetzte Ränder; Ausstiegshilfen in tieferen Bereichen; keine Fische; eine dauerhaft wasserführende Stelle, wenn Libellenlarven darin aufwachsen sollen; gesammeltes Regenwasser zum Nachfüllen.

Welche Tiergruppen du gezielt förderst

Von Insekten, die an heimischen Wildpflanzen leben, ernähren sich unter anderem Vögel, Igel, Amphibien und Reptilien. Brutplätze für Insekten können damit auch diesen Tieren zugutekommen.

Tiergruppe Was hilft in der Wiese Pflanzen und Strukturen
Bodennistende Wildbienen offene, schütter bewachsene Bodenstellen Sandarium, Blüten in unmittelbarer Nähe
Hohlraumnistende Wildbienen Bohrgänge in Hartholz Nisthilfe an geschütztem Platz
Markstängelnistende Wildbienen mehrjährig stehende Stängel Königskerze, Distel, Karde
Pollenspezialisten ihre Pollenpflanze im Blütenangebot Glockenblumen für Scherenbienen
Tag- und Nachtfalter Raupenfutter, Nektar, wenig Kunstlicht Gräser, Leinkraut, Nachtkerze
Schwebfliegen Blütennahrung für die erwachsenen Tiere Margerite
Amphibien und Libellen fischfreies Wasser, schonende Mahd Wasserstelle mit flachen Rändern
Vögel Insekten zur Brutzeit, Fruchtstände, Brutplätze stehen gelassene Fruchtstände, Dornsträucher

Wildbienen: Spezialisten brauchen ihre Pflanze

Polylektische Wildbienen nutzen verschiedene Pflanzengruppen, andere Arten sind eng an eine Pflanzengruppe gebunden. Einzelne Scherenbienenarten sammeln ihren Pollen ausschließlich an Glockenblumen und brauchen sie deshalb im Blütenangebot. Auch die Glockenblumen-Sägehornbiene, Melitta haemorrhoidalis, ist beim Pollensammeln auf Glockenblumen spezialisiert. Weil Niststrukturen Blüten in unmittelbarer Nähe brauchen, hilft eine Niststelle einer solchen Spezialistin nur, wenn dort auch Glockenblumen blühen. Auf lehmigem Wiesenboden kommt dafür etwa die Wiesenglockenblume infrage.

Achte auf ungefüllte Blüten. Bei gefüllten Blüten können pollenführende Staubblätter zu Blütenblättern umgebildet sein, was das Pollenangebot für Insekten einschränkt. Insektenfreundliche Pflanzungen bieten außerdem ein zeitlich gestaffeltes Blütenangebot vom Frühjahr bis in den Spätherbst.

Die Wiesenmargerite ernährt verschiedene Wildbienen, darunter Masken-, Furchen- und Schmalbienen. Die geschlossenen Blüten des Gewöhnlichen Leinkrauts öffnen kräftige Hummeln und andere große Wildbienen. Die Gartenresede wird von der Reseden-Maskenbiene, Hylaeus signatus, besucht.

Tag- und Nachtfalter: Raupenfutter mitdenken

Falter brauchen neben Nektar auch Futterpflanzen für ihre Raupen. Die Raupen des Großen Ochsenauges fressen an Gräsern, weshalb Gräser in die Wiese gehören. Am Gewöhnlichen Leinkraut leben die Raupen der Möndcheneule, der Goldbraunen Hauhecheleule und des Roten Scheckenfalters. Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling legt seine Eier an die Blüten des Großen Wiesenknopfs.

Für Nachtfalter öffnet die Gewöhnliche Nachtkerze ihre Blüten am Abend und bietet ihnen Nektar. Langrüsselige Schwärmer erreichen den Nektar am Ende der langen Blütenröhren. Die Nachtviole duftet vor allem gegen Abend, liefert Wildbienen Pollen und wird vor allem von Nachtfaltern bestäubt. In Deutschland wird sie als etablierter Neophyt geführt.

Die Raupen des Nachtkerzenschwärmers fressen auch an Nachtkerzen, überwiegend aber an verschiedenen Weidenröschen. Bestände seiner Raupenfutterpflanzen mähst du frühestens ab September oder im Winter und möglichst abschnittsweise. Reduziere außerdem künstliches Licht im Garten. Notwendige Beleuchtung ist schwach, warmweiß, nach unten gerichtet und läuft über Bewegungsmelder.

Schwebfliegen, Käfer und Schlupfwespen

Bei blattlausfressenden Schwebfliegenarten leben die erwachsenen Tiere von Blütennahrung, ihre Larven fressen Blattläuse. Die Wiesenmargerite versorgt neben Wildbienen auch Käfer und Schwebfliegen. Kornblumen liefern zusätzlich Schlupfwespen Nektar.

Amphibien und Libellen: Wasser und schonende Mahd

Neben der fischfreien Wasserstelle zählt die Mahd. Eine Schnitthöhe von 10 cm hilft, Lurche und andere Tiere zu schonen. Balkenmäher mit Messerschneidwerk gefährden bei der Wiesenmahd weniger Tiere als Rotationsmäher.

Vögel: Insekten, Samen und Brutplätze

Viele Gartenvögel brauchen während der Brutzeit tierische Nahrung. Im Herbst und Winter bieten Fruchtstände und Beeren zusätzliche Nahrungsquellen. Der Stieglitz nutzt Sämereien, deshalb unterstützen ausgereifte und stehen gelassene Fruchtstände sein Nahrungsangebot. Dichte Dornsträucher und Kletterpflanzen bieten Singvögeln Brutplätze und ergänzen eine offene Gartenwiese. Eine regelmäßig besuchte Vogeltränke bekommt täglich frisches Wasser.

Beobachten und dokumentieren

Ich fotografiere eine Fläche vor jedem Umbau vom selben Standpunkt aus und schreibe auf, was dort blüht und fliegt. Auch bei umgestalteten kommunalen Grünflächen wird die Entwicklung über Kartierungen vor und nach der Maßnahme dokumentiert. Im Garten geht das im Kleinen.

Für die Pflanzen eignen sich phänologische Beobachtungen. Sie halten fest, wann wiederkehrende Entwicklungsstadien wie Austrieb, Blüte und Fruchtreife eintreten. Beim Löwenzahn gilt als Blühbeginn die erste vollständige Entfaltung der Blütenkörbe, Nachblüten im selben Jahr zählen nicht. Weil Witterung und Klima die Blühtermine beeinflussen, vergleichst du deine Notizen über mehrere Jahre. Verschiebt sich die Entwicklung der Wildpflanzen, kann sich auch das zeitliche Zusammenspiel mit den Bestäubern verändern.

Für Tagfalter lohnt ein Blick auf das Vorgehen beim Tagfalter-Monitoring. Dort werden feste Zählstrecken von April bis September begangen, mindestens zehnmal, besser wöchentlich.

Pflanzen geben dir auch Hinweise auf den Boden. Mehrere unterschiedliche Zeigerpflanzen am gleichen Standort erlauben dabei eine genauere Einschätzung als eine einzelne Art. Gut gedeihender Löwenzahn kann zum Beispiel auf einen stickstoffreichen Boden hinweisen.

Jetzt dran

Leg eine feste Runde durch die Wiese an, die an jedem Mikrohabitat vorbeiführt. Notiere bei jedem Gang Datum, Wetter, was blüht und welche Tiere du siehst.

Mikrohabitate vernetzen

Langlebige artenreiche Wiesen, Säume und Wegränder sind für Insekten wertvoller als nur vorübergehend bestehende Blühflächen. Zerschneidung gehört dagegen zu den Belastungen für Insekten. Ich verbinde die Strukturen in meinem Garten über ungemähte Streifen, damit Steinhaufen, Totholz und Wasserstelle nicht als Inseln im kurzen Rasen liegen.

Für gebietseigenes Saat- und Pflanzgut krautiger Arten ist Deutschland in 22 Ursprungsgebiete gegliedert. Regionale Herkünfte derselben Wildpflanzenart können sich in Blühzeitpunkt und Widerstandsfähigkeit gegenüber Frost oder Hitze unterscheiden. Die Kennzeichnungen VWW-Regiosaaten und RegioZert helfen dir, zertifiziertes regionales Wildpflanzensaatgut zu erkennen.

Willst du über den Gartenzaun hinaus wirken, ändert sich die Lage. Gebäuden zugeordnete Gärten zählen grundsätzlich nicht zur freien Natur im Sinne von § 40 BNatSchG, maßgeblich bleibt die Zuordnung der Fläche im Einzelfall. Extensiv genutzte Flächen innerhalb von Siedlungen können dagegen zur freien Natur gehören, weshalb dort die Anforderungen an gebietseigene Herkünfte im Einzelfall zu prüfen sind. Was du im eigenen Garten säst, darfst du also nicht automatisch auf den Grünstreifen vor der Tür übertragen. Vor einer Bepflanzung öffentlicher Flächen stimmst du dich mit dem zuständigen Grünflächenamt ab und holst dessen Zustimmung ein.

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Häufige Fragen

Was sind Mikrohabitate in einer Wildblumenwiese und welche Rolle spielen sie für die Biodiversität?
Mikrohabitate sind kleine Strukturen mit eigenen Bedingungen innerhalb der Wiese, etwa offene Sandstellen, Lesesteinhaufen, liegendes Starkholz, stehen gebliebene Stängel oder eine flache Wasserstelle. Sie ergänzen das Blütenangebot um Brutplätze, Verstecke und Winterquartiere, denn Insekten brauchen neben Blüten auch Nistplätze, Überwinterungsräume und Futterpflanzen für ihre Larven und Raupen. Damit die Tiere sie nutzen, braucht jede Niststruktur ein vielfältiges Blütenangebot in unmittelbarer Nähe.
Warum sind offene Bodenstellen und Steinhaufen wichtige Strukturelemente in Wildblumenwiesen?
Offene oder schütter bewachsene Bodenstellen sind Lebensraum für bodennistende Wildbienen und ergänzen damit jede Röhrennisthilfe. Ein Lesesteinhaufen aus unterschiedlich großen Steinen bietet in seinen Hohlräumen Nistplätze und wird mindestens 0,5 m hoch aufgeschichtet. Rund um Stein- und Totholzhaufen lässt du am besten einen etwa 50 cm breiten Streifen unbearbeitet.
Welche Bedeutung haben Totholz und Reisighaufen für die Tiervielfalt?
Totholz, Laub- und Steinhaufen ergänzen das Blütenangebot einer Wiese um Brutplätze für verschiedene Insekten. Für Wildbienen, die im Totholz nisten, sind Baumstämme, Baumstrünke und starke Äste allerdings geeigneter als dünnes Reisig. Lass um den Holzhaufen einen etwa 50 cm breiten Streifen unbearbeitet und sorge für Blüten in unmittelbarer Nähe.
Was brauchen bodennistende Wildbienen in der Wildblumenwiese?
Bodennistende Wildbienen brauchen offene oder schütter bewachsene Bodenstellen und ein vielfältiges Blütenangebot direkt daneben. Für ein Sandarium eignet sich ungewaschenes Sandsubstrat mit 8 bis 30 % Ton- und Schluffanteil. Die Grube dafür kann 40 bis 60 cm tief ausgehoben werden.
Worin unterscheiden sich Mikrohabitate von Insektenhotels und anderen Nisthilfen?
Eine Nisthilfe mit Bohrgängen in Hartholz richtet sich an hohlraumnistende Wildbienen. Bodennistende Arten brauchen dagegen offene Bodenstellen, markstängelnistende Arten mehrjährig stehende Stängel und im Totholz nistende Arten Stämme oder starke Äste. Bei der Pflege einer Nisthilfe geht die Brut vor: Statt Niströhrchen nach Kalender zu reinigen, stellst du neue dazu und tauschst nur Röhrchen aus, deren Verschluss offen ist.
Wie legst du eine Feuchtstelle in der Wildblumenwiese an?
Gib der Wasserstelle raue, flach benetzte Ränder, an denen Insekten Halt finden, und baue in tieferen Bereichen Ausstiegshilfen ein. Soll sie Amphibien und Libellen dienen, bleibt sie fischfrei, weil Fische deren Eier und Larven fressen. Eine Mulde, die im Sommer austrocknet, reicht für die Blaugrüne Mosaikjungfer nicht, denn ihre Larven leben bis zu zwei Jahre unter Wasser.
Stimmt es, dass Mikrohabitate automatisch entstehen oder müssen sie gezielt geplant werden?
Manche entstehen von selbst, wenn du sie zulässt: Stehen gelassene Stängel dienen Insekten als Winterquartier und Eiablageplatz, ungemähte Altgrasstreifen als Rückzugsraum. Offene Bodenstellen schaffst du dagegen gezielt, denn im Garten fehlt der Tritt von Weidetieren, der auf Trockenrasen kleinflächige Rohbodenstellen schaffen kann. Prüfe vor einer Neuanlage außerdem, ob sich die vorhandene Fläche durch extensive Pflege oder Selbstbegrünung ökologisch aufwerten lässt.
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