Erste Hilfe bei Chili-Verbrennungen: richtig spülen und beim Schneiden vorbeugen
- Haut: benetzte Kleidung ausziehen, ausgiebig mit fließendem, sauberem, lauwarmem Wasser spülen, den Giftnotruf anrufen.
- Auge: Kontaktlinsen herausnehmen und sofort 10 bis 15 Minuten mit sauberem, lauwarmem Wasser spülen.
- Capsaicin ist fettlöslich und nicht wasserlöslich, deshalb spülst du ausgiebig statt nur kurz.
- Eine feste Dauer für das Brennen gibt es nicht, denn die Schärfe schwankt sogar zwischen Früchten derselben Pflanze.
- Bei Bewusstlosigkeit oder Atem- und Kreislaufstillstand alarmierst du sofort den Rettungsdienst unter 112.
- Küchenhandschuhe beim Schneiden, Entkernen, Trocknen und Saatgutgewinnen, auch bei Sorten, die als mild gelten.
- Kinder reagieren besonders empfindlich auf scharfe Chili-Produkte, Mutproben sind tabu.

Ein Griff ans Auge, kurz nachdem du eine scharfe Chili entkernt hast, und schon brennt es. Dann zählt, dass du sofort richtig spülst und den Scharfstoff nicht weiter verteilst. Ich lege mir deshalb Küchenhandschuhe bereit, bevor ich die erste scharfe Frucht anschneide. Hier liest du, was du bei Chili auf der Haut, im Auge und im Mund tust, wann du Hilfe holst und wie du beim Ernten und Verarbeiten vorbeugst.
Das tust du sofort.
- Haut: benetzte Kleidung ausziehen, die Stelle ausgiebig mit fließendem, sauberem, lauwarmem Wasser spülen, den Giftnotruf anrufen.
- Auge: Kontaktlinsen herausnehmen, sofort 10 bis 15 Minuten mit sauberem, lauwarmem Wasser spülen.
- Bewusstlosigkeit oder Atem- und Kreislaufstillstand: sofort den Rettungsdienst unter 112 alarmieren.
- Hände mit Scharfstoff von Augen, Nase und Mund fernhalten.
Capsaicin ist der Scharfstoff der Chili. Es aktiviert den TRPV1-Rezeptor und reizt so die Nerven für Schmerz- und Wärmewahrnehmung; daraus entsteht der brennende Hitzeschmerz. Für die Erste Hilfe ist eine Eigenschaft wichtig: Capsaicin ist fettlöslich und nicht wasserlöslich.
Chili auf der Haut: was du sofort tust
Zieh zuerst Kleidung aus, die mit Chilisaft benetzt ist. Danach spülst du die betroffene Haut ausgiebig unter fließendem, sauberem, lauwarmem Wasser. Nimm dir dafür Zeit, denn Capsaicin löst sich nicht in Wasser. Anschließend gehört der Anruf beim Giftnotruf dazu, so sieht es die allgemeine Erste Hilfe bei reizenden Stoffen auf der Haut vor.
Solange deine Hände noch Scharfstoff tragen, hältst du sie von Augen, Nase und Mund fern. Die Scharfstoffe können Augen und Schleimhäute reizen, und über die Finger gelangen sie leicht dorthin.
„Wasser macht Chili-Brennen schlimmer, nimm lieber Öl oder Milch.“ Richtig daran ist, dass Capsaicin fettlöslich und nicht wasserlöslich ist. Bei reizenden Stoffen auf Haut und Augen bleibt sauberes, lauwarmes Wasser die allgemeine Erste Hilfe.
Wie lange brennt Chili auf der Haut?
Wie stark und wie lange es brennt, hängt unter anderem davon ab, wie scharf die Frucht war. Die Schärfe richtet sich nach Sorte, Reifegrad, Sonne und Wärme und kann sogar zwischen Früchten derselben Pflanze schwanken.
Solange Capsaicin auf der Haut sitzt, kann es die Nerven für Schmerz- und Wärmewahrnehmung weiter reizen. Warte deshalb nicht ab, ob es von selbst nachlässt, sondern spül ausgiebig unter fließendem, lauwarmem Wasser. Brennt die Stelle danach weiter, schilderst du dem Giftnotruf, welche Chili du verarbeitet hast und wo es brennt.
Chili im Auge: so spülst du richtig
Trägst du Kontaktlinsen, nimmst du sie als Erstes heraus. Dann spülst du das Auge sofort 10 bis 15 Minuten mit sauberem, lauwarmem Wasser. Stell dir einen Kurzzeitwecker, damit du nicht zu früh aufhörst. Bist du unsicher, wie es danach weitergeht, holst du dir beim Giftnotruf Rat.
Ins Auge kommt beim Spülen nur sauberes, lauwarmes Wasser. Öl, Milch oder andere Hausmittel trägst du dort nicht auf.
Wenn es im Mund brennt
Verlass dich bei Brennen im Mund nicht auf Hausmittel wie Milch, Joghurt oder Honig. Vorbeugen kannst du schon beim Kochen. Willst du die Schärfe vermindern, entfernst du vor allem die inneren Scheidewände und die Samen. Ist ein Gericht trotzdem zu scharf geraten, kann Crème fraîche die wahrgenommene Schärfe abmildern. An eine unbekannte Sorte tastest du dich beim Würzen vorsichtig heran.
Hohe Capsaicin-Aufnahmen aus sehr scharfen Speisen oder Konzentraten können Magen-Darm- und Kreislaufbeschwerden auslösen. Eine allgemein sichere Verzehrmenge lässt sich aus der Scoville-Zahl nicht ableiten. Für Capsaicinoide reicht die Datenlage auch nicht für einen gesundheitsbasierten Richtwert. Von Mutproben mit sehr scharfen Chilis oder Konzentraten rate ich deshalb ab.
Giftnotruf oder 112: wann du Hilfe holst
Nach Hautkontakt mit Scharfstoff gehört der Anruf beim Giftnotruf zur allgemeinen Ersten Hilfe. Hat ein Kind scharfe Chili oder ein Chiliprodukt erwischt, ist der Giftnotruf ebenfalls deine Anlaufstelle. Kinder reagieren besonders empfindlich auf scharfe Chili-Produkte, und schwere Vergiftungen nach Chilizubereitungen sind beschrieben. Bei Bewusstlosigkeit oder Atem- und Kreislaufstillstand alarmierst du sofort den Rettungsdienst unter 112.
Vorbeugen beim Ernten, Entkernen und Verarbeiten
Küchenhandschuhe schützen dich beim Schneiden und Verarbeiten scharfer Chilis vor direktem Kontakt mit den Scharfstoffen. Damit gelangt weniger davon über die Finger an Augen und Schleimhäute.
Wo die meiste Schärfe sitzt
Besonders viel Capsaicin steckt im Plazentagewebe, an dem die Samen der Chili sitzen. Beim Entkernen und beim Abstreifen von Saatgut arbeitest du also genau an der schärfsten Stelle der Frucht. Beide Handgriffe machst du deshalb nur mit Handschuhen.
Handschuhe auch bei milden Sorten
Aus der Fruchtfarbe kannst du die Schärfe einer Chili nicht zuverlässig ablesen. Sie hängt von der genetischen Anlage und von Umweltbedingungen wie Temperatur und Wasserversorgung ab. Pimientos de Padrón sind häufig mild, können aber scharf ausfallen und werden mit zunehmender Reife schärfer. Auch bei Hungarian Hot Wax, die als mittelscharf gilt, können einzelne Früchte noch schärfer sein. Ich ziehe die Handschuhe deshalb bei jeder Chili an, auch bei Sorten, die als mild gelten.
Ernte, Trocknen und Saatgut
Chilis erntest du mit Messer oder Schere. Für getrocknete Chilis halbierst du die Früchte längs und entfernst den gesamten Stielansatz samt Samen. Getrocknete scharfe Chilis lassen sich im Mörser zu Chilipulver zerreiben, auch dabei bleiben die Handschuhe an. Für eigenes Saatgut nimmst du vollständig ausgereifte Früchte und streifst die Samen mit Messer oder Löffel aus der geöffneten Frucht.
Ich ziehe die Küchenhandschuhe an, bevor ich die erste scharfe Frucht anschneide, und lasse sie an, bis Messer und Brett gespült sind. Beim Ausziehen sorge ich dafür, dass die Außenseite nach innen kommt und meine bloße Hand sie nicht berührt. Danach wasche ich mir die Hände.
Gärtnerst du mit Kindern, übernehmen sie die Gemüsepaprika, und die scharfen Chilis erntest und schneidest du selbst. Vor dem gemeinsamen Zubereiten der Ernte gehört gründliches Händewaschen dazu. Scharfe Früchte, getrocknete Chilis und Chilipulver bewahrst du außer Reichweite von Kindern auf.
Was die Scoville-Zahl über das Risiko sagt
Die Schärfe von Chilis wird in Scoville-Einheiten angegeben, die für den Capsaicingehalt stehen. Die Zahl beschreibt einen Gehalt und keine Verzehrmenge oder Kontaktgrenze. Wie die Skala aufgebaut ist und wo typische Sorten liegen, erkläre ich bei den Sorten und der Scoville-Skala im Paprika-und-Chili-Ratgeber.





