Obstbäume richtig düngen: Termine, Mengen und Technik
- Stickstoff gibst du nur, falls die Bodenversorgung nicht ausreicht, verteilt auf Ende März bis Anfang April und Anfang bis Mitte Juni.
- Vor Juli ist bei winterharten Obstgehölzen im Garten Schluss mit Stickstoff, damit die Triebe rechtzeitig ausreifen.
- Kleinkronige Apfel- und Birnbäume im Vollertrag bekommen im Kompostverfahren der Bayerischen Gartenakademie jährlich 4 l Kompost auf etwa 1 m Baumscheibendurchmesser und ergänzend 70–100 g Hornmehl je Baum.
- In den ersten Standjahren genügen in diesem Verfahren 1–1,5 l reifer Kompost je Pflanze und Jahr für die Phosphor- und Kaliumversorgung.
- Reifen Kompost harkst du oberflächennah ein, und Dünger streust du auf feuchten Boden, nicht auf feuchte Blätter.
- Steht ein Nährstoff in der Bodenanalyse in der sehr hohen Versorgungsstufe E, setzt du seine Gabe vorübergehend aus.
Treibt dein Obstbaum lange Ruten und setzt kaum Blüten an, kann zu viel Stickstoff dahinterstecken. Bekommt ein Obstgehölz davon mehr, als es braucht, wachsen die Triebe auf Kosten von Blüten und Früchten. Beim Düngen entscheiden deshalb drei Dinge: der Termin, die Menge und die Art, wie du ausbringst. Ich gehe im Frühjahr mit Eimer, Messbecher und Harke von Baum zu Baum und sehe mir jede BaumscheibeDie Baumscheibe ist die Bodenfläche rund um den Stamm eines Baums oder Strauchs, die du frei von Gras und Unkraut hältst oder mulchst. So nehmen Gräser und Unkraut dem Gehölz weniger Wasser und Nährstoffe weg. einzeln an.
Was ist der beste Dünger für Obstbäume?
Einen Dünger, der zu jedem Obstbaum passt, gibt es nicht. Was dein Baum braucht, hängt davon ab, was der Boden schon liefert. Für den Garten gibt es ein Düngeverfahren der Bayerischen Gartenakademie: Es baut auf reifem Kompost auf und ergänzt bei Bäumen im Vollertrag HornmehlHornmehl ist fein gemahlenes Horn, das als organischer Stickstoffdünger verwendet wird. Es gibt den Stickstoff im Boden nach und nach frei, aber schneller als die gröberen Hornspäne.. So dünge ich auch, mit Kompost als Grundlage und Hornmehl für den Stickstoff.
Ein Mehrnährstoffdünger ist nicht automatisch die richtige Wahl. Zeigt die Bodenanalyse eine sehr hohe Phosphatversorgung und zugleich einen Kaliummangel, ergänzt du gezielt, was fehlt. Bei ummantelten mineralischen Depotdüngern gibt eine Hüllschicht die Nährstoffe schrittweise frei. Mehr zur Düngerwahl steht im Überblick zu Obst und Obstgehölzen, im Abschnitt über das Düngen mit Kompost, Hornmehl und festen Terminen.
Wann düngst du Obstbäume?
Die Termine richten sich nach dem Stickstoff, weil er das Triebwachstum antreibt. Reicht die Bodenversorgung nicht aus, wird Stickstoff für Obstgehölze auf zwei Zeiträume verteilt: Ende März bis Anfang April und Anfang bis Mitte Juni. Reifen Kompost bringst du vorzugsweise zum Austrieb im Frühjahr aus.
| Zeitraum | Was ansteht | Bedingung |
|---|---|---|
| Zum Austrieb im Frühjahr | Reifen Kompost oberflächennah einharken | Der bevorzugte Termin für Kompost |
| Ende März bis Anfang April | Hornmehl als Ergänzung zum Kompost | Im Kompostverfahren für kleinkronige Bäume im Vollertrag |
| Ende März bis Anfang April | Erster Zeitraum für Stickstoff | Falls die Bodenversorgung nicht ausreicht |
| Anfang bis Mitte Juni | Zweiter Zeitraum für Stickstoff | Falls die Bodenversorgung nicht ausreicht |
| Vor Juli | Die Stickstoffdüngung endet | Winterharte Obstgehölze im Garten |
Hornmehl ist selbst ein Stickstoffdünger. Streust du es im ersten Zeitraum, ist das deine Stickstoffgabe für diesen Termin. Wer die Gabe aufteilt, senkt im Hausgarten das Risiko einer Überversorgung. Stickstoff in beiden Zeiträumen bedeutet also: Du teilst die Jahresmenge auf und erhöhst sie nicht.
Warum ist vor Juli Schluss mit Stickstoff?
Winterharte Obstgehölze im Garten bekommen ab Juli keinen Stickstoff mehr. Die Düngung endet vorher, damit die Triebe rechtzeitig ausreifen. Stickstoff fördert neue Triebe, und die brauchen bis zum Winter Zeit zum Ausreifen. Im Spätsommer und Herbst lasse ich den Stickstoff bei meinen Bäumen deshalb weg.
Wie viel Dünger braucht ein Obstbaum?
Die Menge beginnt beim Bedarf. Für Apfel und Birne liegt der Jahresbedarf bei 3 g Stickstoff je m², vor Anrechnung der Bodenversorgung. Die Zahl beschreibt also, was der Baum braucht, und noch nicht, was du streust.
Was dein Boden schon liefert, erfährst du aus einer Bodenanalyse, und deshalb gehört sie an den Anfang. Steht ein Nährstoff darin in der sehr hohen VersorgungsstufeDie Versorgungsstufe zeigt im Prüfbericht einer Bodenuntersuchung, wie gut dein Boden mit einem Nährstoff wie Phosphor, Kalium oder Magnesium versorgt ist. Die Stufen reichen von A (sehr niedrig) über C (anzustreben) bis E (sehr hoch) oder F (überhöht). E, setzt du die Gabe dieses Nährstoffs vorübergehend aus. Wie du die Probe nimmst, beschreibt der Überblick zu Obst und Obstgehölzen im Abschnitt zur Bodenanalyse.
Für den Garten nennt das Kompostverfahren der Bayerischen Gartenakademie diese Mengen:
| Baum | Kompost im Jahr | Hornmehl je Baum |
|---|---|---|
| Obstbäume und Beerensträucher in den ersten Standjahren | 1–1,5 l reifer Kompost je Pflanze, das genügt für die Phosphor- und Kaliumversorgung | Im Verfahren für Bäume im Vollertrag vorgesehen |
| Kleinkronige Apfel- und Birnbäume im Vollertrag | 4 l auf etwa 1 m Baumscheibendurchmesser | 70–100 g, Ende März bis Anfang April |
| Kleinkronige Kirsch- und Zwetschgenbäume im Vollertrag | 4 l auf etwa 1 m Baumscheibendurchmesser | 100–140 g, Ende März bis Anfang April |
Im Vollertrag steht ein Baum, wenn er die Aufbaujahre hinter sich hat und regelmäßig trägt. Die Mengen beziehen sich auf kleinkronige Bäume und eine Baumscheibe von etwa 1 m Durchmesser. Für einen großkronigen Hochstamm gelten sie nicht ohne Weiteres, dort richtest du dich nach der Bodenanalyse. Ein eigener Ratgeber zeigt, welche Düngestrategie zu welchem Obstgartensystem passt, vom Intensivobstbau bis zur Streuobstwiese.
Warum reicht Kompost allein nicht für den Stickstoff?
Gartenkompost enthält im Durchschnitt je Liter 0,75 g verfügbaren Stickstoff, 4 g Phosphat als P₂O₅, 9 g Kalium als K₂O und 2 g Magnesium als MgO.
Der Stickstoff im Gartenkompost wird nur langsam frei. Von seinem GesamtstickstoffGesamtstickstoff ist die gesamte Stickstoffmenge im Boden. Dazu gehören der kleine mineralische Anteil (Nitrat und Ammonium), den Pflanzen direkt aufnehmen können, und der größere Teil, der in organischen Verbindungen gebunden ist. werden im Jahr nur rund 3–5 % mineralisiert und damit für die Pflanze verfügbar. Zugleich bringt jeder Liter deutlich mehr Kalium und Phosphat mit als verfügbaren Stickstoff, und auch organische Dünger können eine Überversorgung verursachen. Wer fehlenden Stickstoff mit mehr Kompost ausgleichen will, reichert deshalb vor allem die anderen Nährstoffe an. Den Stickstoff ergänzt im Verfahren das Hornmehl. In HornspänenHornspäne sind ein organischer Stickstoffdünger und die gröbste Form der Horndünger. Mikroorganismen müssen sie im Boden erst abbauen; wegen der groben Körnung geben sie ihren Stickstoff langsamer frei als das feiner vermahlene Hornmehl., Horngrieß und Hornmehl stecken typischerweise 10–14 % Stickstoff.
Düngst du seit vielen Jahren mit Kompost, liefert der Boden fortlaufend Stickstoff nach. Diese NachlieferungBeim Düngen meint Nachlieferung die Nährstoffe, vor allem Stickstoff, die der Boden selbst für die Pflanzen freisetzt: aus dem Bodenvorrat, aus organischer Düngung der Vorjahre und aus Vorfrüchten oder Gründüngung. Diese Menge zieht man vom Düngebedarf ab. rechnest du bei weiteren Stickstoffgaben mit ein.
Brauchen Kirsche und Zwetschge mehr als Apfel und Birne?
Im Kompostverfahren bekommen Kirsch- und Zwetschgenbäume mehr Hornmehl als Apfel- und Birnbäume. Das passt zu den Bedarfstabellen: Für Pflaume, Zwetschge und Mirabelle liegt der Stickstoffbedarf bei 7 g je m² und Jahr, wieder vor Anrechnung der Bodenlieferung. Wie sich der Nährstoffbedarf von Kernobst, Steinobst und den einzelnen Beerenarten unterscheidet, schlüsselt ein eigener Ratgeber auf.
Wie bringst du den Dünger aus?
Kompost: flach einharken, nicht vergraben
Reifen Kompost harkst du oberflächennah ein, in tiefere Bodenschichten vergraben wird er nicht. Ich verteile ihn mit der Schaufel gleichmäßig auf der Baumscheibe und ziehe ihn mit der Harke flach ein. Direkt am Stamm lasse ich keinen Haufen liegen. Frische Holzhäcksel streue ich nicht auf die Baumscheibe junger Obstgehölze, weil ihre Zersetzung den Pflanzen verfügbaren Stickstoff entziehen kann. Mehr dazu findest du im Ratgeber dazu, wie du Kompost für Obstbäume herstellst und je nach Obstart ausbringst.
Hornmehl: abmessen und auf feuchten Boden streuen
Streue Dünger auf feuchten Boden, nicht auf feuchte Blätter. Ich bringe Hornmehl deshalb aus, wenn die Baumscheibe nach einem Regen noch feucht ist. Verteile es gleichmäßig über die Baumscheibe und arbeite es leicht ein.
Ich wiege das Hornmehl im Frühjahr einmal mit der Küchenwaage ab und markiere die Füllhöhe am Messbecher. Draußen messe ich dann mit dem Becher und muss am Baum nicht schätzen.
Bei welchem Wetter bringt Düngen nichts?
Bei Trockenheit Dünger nachlegen. Bei Frost, Trockenheit oder Staunässe geben organische Dünger keine oder nur wenige Nährstoffe frei. Mehr Dünger behebt diese Ursache nicht.
Bei feuchtwarmem Wetter kann organischer Dünger dagegen starke Nährstoffschübe auslösen, und die Auswaschungsgefahr steigt. Organischer Dünger gibt bei Trockenheit kaum Nährstoffe frei, und die Stickstoffdüngung soll vor Juli enden. Bleibt die Gabe im Juni trocken liegen, kann sich ihre Wirkung also in eine Zeit verschieben, in der der Baum keinen Stickstoff mehr bekommen soll. Ich achte im Juni deshalb besonders darauf, dass der Boden beim Streuen feucht ist.
Ein eigener Ratgeber zeigt, wie du die Düngung an Baumalter, Trockenheit und Staunässe anpasst. Um heiße, trockene Sommer geht es im Ratgeber dazu, wie du die Obstdüngung an Hitze und veränderte Vegetationsperioden anpasst.
Wann hilft Blattdüngung?
Über das Blatt lassen sich vorübergehende Engpässe bei SpurenelementenSpurenelemente sind Nährstoffe, die Pflanzen nur in kleinen Mengen brauchen, ohne die sie aber nicht normal wachsen: Eisen, Mangan, Kupfer, Zink, Bor, Molybdän und Chlor. Man nennt sie auch Spurennährstoffe oder Mikronährstoffe. überbrücken, wenn der Baum sie aus dem Boden nur eingeschränkt aufnimmt. Ungünstige Bodenbedingungen korrigiert das nicht. Oberhalb von 25 °C wird kein Blattdünger ausgebracht. Mischen, Dosieren und Sprühen behandelt der Ratgeber dazu, wie Blattdüngung bei Obstbäumen funktioniert und wann sie der Bodendüngung überlegen ist.
Und Obst im Kübel?
Obst im Kübel düngst du nach einem eigenen Rhythmus, weil der Wurzelraum begrenzt ist. Als Orientierung gilt für Obstgehölze im Kübel: während der Hauptwachstumszeit bis Ende Juni alle 2–3 Wochen flüssig düngen und dabei die Dosierung des Produkts einhalten. Ab August bekommt Kübelobst keinen Dünger mehr. Steht bei dir Zitrus oder anderes Obst im Kübel, erklärt ein eigener Ratgeber Gaben, Intervalle und den Umgang mit Salzablagerungen: wie du Obstbäume im Kübel düngst.
Nährstoffe, pH-Wert, Mangelzeichen: die Grundlagen in Kürze
Hinter Termin und Menge stehen Grundlagen, die der Überblick zu Obst und Obstgehölzen ausführlich behandelt. Fürs Düngen brauchst du davon vier Punkte.
In Düngetabellen stehen N, P₂O₅, K₂O und MgO für Stickstoff, Phosphor, Kalium und Magnesium. Stickstoff bekommen Obstbäume und Obststräucher nur mäßig, denn ein Überschuss verstärkt das Triebwachstum zulasten der Blüten- und Fruchtbildung. Die Bedarfswerte stehen dort im Abschnitt zum Nährstoffbedarf.
Welcher pH-Wert passt, hängt von der Bodenschwere ab: Auf leichten Böden liegt der empfohlene Bereich niedriger als auf schweren. Die Bereiche nach Bodenart nennt der Abschnitt zu Standort und Boden.
Helle oder verfärbte Blätter können auf einen fehlenden Nährstoff hindeuten, eine Diagnose sind sie nicht. Auch der pH-Wert kann dahinterstecken, denn bei Boden-pH-Werten über 7 neigen Quitten zu ChloroseChlorose ist eine unnatürliche Gelbfärbung der Blätter, weil das Blattgrün schlecht ausgebildet oder zerstört wird. Am häufigsten ist bei uns die Eisenmangel-Chlorose, oft ausgelöst durch kalkhaltigen Boden und Leitungswasser., also zu vergilbten Blättern. Prüfe deshalb zuerst den Boden und dünge erst danach; mehr dazu steht im Abschnitt zu Nährstoffmangel und Überdüngung.
Was der Boden an Nitratstickstoff, Kalium und Magnesium zu viel bekommt, kann ins Grundwasser ausgewaschen werden. Das betrifft nicht nur Mineraldünger, denn auch organische Dünger können eine Überversorgung verursachen. Weiter führt der Ratgeber dazu, wie du deinen Obstgarten umweltschonend düngst und Auswaschung gering hältst.

