Sträucher, Obstbäume und Hecken schneiden: Wann welche Pflanze dran ist
- Frühjahrsblüher wie Forsythie und Flieder schneidest du bei Bedarf unmittelbar nach der Blüte.
- Sommerflieder und Bartblume kommen im Frühjahr dran, sobald keine strengen Fröste mehr zu erwarten sind.
- Apfel und Birne schneidest du im Winter, Kirschen und Zwetschgen bevorzugt nach der Sommerernte.
- Von Anfang März bis Ende September setzt du Hecken grundsätzlich nicht auf den Stock, schonende Form- und Pflegeschnitte bleiben unter Beachtung des Artenschutzes erlaubt.
Kürzt du die Forsythie vor der Blüte, schneidest du ihre bevorstehende Blüte gleich mit ab. Den Sommerflieder dagegen nimmst du im Frühjahr zurück, weil er an neuen Trieben blüht. Der richtige Schnittzeitpunkt hängt also zuerst an der Pflanze und danach am Wetter. Ich gehe im Spätwinter mit einem Notizbuch durch den Garten und schreibe zu jedem Strauch, jeder Rose und jedem Baum auf, wann er dran ist.
Schnittkalender: Welche Pflanzengruppe wann dran ist
So verteilt sich der Schnitt über das Gartenjahr, sortiert nach Pflanzengruppe. Die rechte Spalte nennt, was den Termin begrenzt.
| Pflanzengruppe | Schnittzeit | Worauf du achtest |
|---|---|---|
| Frühjahrsblühende Sträucher wie Forsythie, Ranunkelstrauch, Flieder | bei Bedarf unmittelbar nach der Blüte | ein früherer Schnitt entfernt die bevorstehende Blüte |
| Sommerflieder und Bartblume | im Frühjahr, etwa März bis April | erst, wenn keine strengen Fröste mehr zu erwarten sind |
| Öfter blühende Rosen | im Frühjahr | nach den starken Frösten |
| Einmal blühende Strauchrosen | nur gelegentlich auslichtenAuslichten ist ein Schnitt, bei dem einzelne Triebe ganz herausgenommen werden, statt alle einzukürzen. Bei Sträuchern schneidest du dafür ältere, kranke oder zu schwache Triebe direkt über dem Boden ab. | das mehrjährigeMehrjährige oder ausdauernde Pflanzen leben mehrere Jahre und überstehen den Winter mit Überdauerungsorganen, Speicherorganen oder ausgedehnten Wurzeln. Krautige Mehrjährige heißen Stauden, auch Zwiebel- und Knollenpflanzen gehören dazu. Blütenholz bleibt stehen |
| Apfel, Birne, Quitte | im Winter | bei trockenem Wetter bis etwa −5 °C möglich |
| Kirsche, Zwetschge | bevorzugt nach der Sommerernte | sehr späte Zwetschgensorten ausgenommen; über 25 °C kühlere Tage abwarten |
| Pfirsich | während oder nach der Blüte | wenn sich Blüten- und FruchtansatzFruchtansatz ist das Entstehen einer Frucht aus einer Blüte, besonders bei Obstbäumen, aber auch bei Fruchtgemüse. Außerdem nennt man die junge, sich gerade entwickelnde Frucht selbst so. beurteilen lassen |
| Walnuss | im August | dann tritt weniger Saft aus den Schnittstellen |
| Obstbäume allgemein | möglichst nicht von Oktober bis Dezember | Reservestoffverlagerung und Wundverschluss sind dann ungünstig |
| Thujahecke | Juni bis Juli | sonnige Tage meiden, nicht ins alte Holz schneiden |
| Hecken allgemein | von Anfang März bis Ende September grundsätzlich nicht auf den Stock setzen | schonende Form- und Pflegeschnitte bleiben erlaubt, Artenschutz beachten |
| Standfeste Stauden und Gräser | vor dem neuen Austrieb | dürfen über Winter stehen bleiben; immergrüne Arten gesondert behandeln |
Im Herbst schneidest du nach diesem Kalender also weder Obstbäume noch standfeste Stauden.
Sträucher schneiden: Zuerst die Blütezeit klären
Bei Blütensträuchern hängt der Termin daran, wann sie blühen. Danach richtet sich, ob du im Frühjahr oder erst nach der Blüte zur Schere greifst.
Frühjahrsblüher: direkt nach der Blüte
Forsythie, Ranunkelstrauch und Flieder schneidest du nur bei Bedarf, und zwar unmittelbar nach ihrer Blüte. Ein Schnitt vor der Blüte würde die bevorstehende Blüte entfernen. Ich schaue mir diese Sträucher während der Blüte genau an und binde ein Band an Zweige, die zu lang oder zu dicht stehen. Nach dem Verblühen schneide ich dann genau diese Zweige.
Sommerblüher: im Frühjahr, wenn kein strenger Frost mehr droht
Sommerflieder und Bartblume haben ihr Schnittfenster im Frühjahr, etwa von März bis April. Du wartest damit, bis keine strengen Fröste mehr zu erwarten sind. Den Sommerflieder der Art Buddleja davidii schneidest du zurück, wenn seine Knospen aufbrechen. Weil er an neuen Trieben blüht, kostet ihn dieser Frühjahrsschnitt keine Blüte, während derselbe Termin bei der Forsythie die bevorstehende Blüte entfernen würde.
So lichtest du einen Blütenstrauch aus
Bei frei wachsenden Blütensträuchern nimmst du ältere und schwache Triebe bodennah heraus. Überlange Zweige setzt du auf eine tiefere Verzweigung zurück. Eine zu dicht gewordene freiwachsende Hecke lichtest du genauso aus: Dicke Triebe kommen bodennah heraus, statt dass du sämtliche Äste einkürzt.
Beim Auslichten arbeite ich mich von unten nach oben vor. Zuerst suche ich an der Basis die ältesten Triebe, danach die schwachen und zuletzt die überlangen Zweige.
Rosen: Wie oft sie blühen, bestimmt den Termin
Bei Rosen klärst du zuerst, ob sie einmal oder öfter im Jahr blühen. Öfter blühende Rosen schneidest du im Frühjahr, sobald die starken Fröste vorbei sind. Einmal blühende Strauchrosen behalten ihr mehrjähriges Blütenholz und werden nur gelegentlich ausgelichtet. Ich schreibe beim Pflanzen auf das Etikett, zu welcher Gruppe eine Rose gehört, und hänge es an den Strauch.
Obstbäume: Kernobst im Winter, Steinobst im Sommer
Bei Obstbäumen trennst du zuerst Kernobst von Steinobst. Apfel, Birne und Quitte werden häufig im Winter geschnitten. Für den Winterschnitt von Kernobst wählst du trockenes Wetter. Kirschen und Zwetschgen schneidest du bevorzugt nach der Sommerernte, sehr späte Zwetschgensorten sind die Ausnahme. Für Steinobst spricht der Sommer, weil die Schnittwunden dann besser verheilen. Bei Temperaturen über 25 °C wartest du mit dem Sommerschnitt von Steinobst auf kühlere Tage.
Pfirsich und Walnuss
Pfirsichbäume kannst du während oder nach der Blüte schneiden, wenn sich Blüten- und Fruchtansatz beurteilen lassen. Für nötige Schnitte an der Walnuss eignet sich der August besonders, weil dann weniger Saft aus den Schnittstellen austritt.
Was der Termin am Baum bewirkt
Starke Winterschnitte fördern kräftigen Neuaustrieb, nach einem Sommerschnitt folgt bis zum Herbst dagegen häufig kein oder nur mäßiger Neuaustrieb. Ein starker Obstbaumschnitt kann außerdem zulasten von Blütenbildung und Ertrag gehen. Bei Pflaumen und Zwetschgen leitest du deshalb vorzugsweise auf geeignete Seitenäste ab, statt viele Triebe stark einzukürzen. Weil starke Winterschnitte den Austrieb anregen und ein später Winterschnitt diesen Reiz mindern kann, schneidest du einen wüchsigen Apfel eher spät. Von Oktober bis Dezember lässt du Obstbäume möglichst ungeschnitten, weil Reservestoffverlagerung und Wundverschluss dann ungünstig sind.
Wie du Obstbäume, Beerensträucher und Reben gezielt für mehr Ertrag schneidest, zeigt ein eigener Ratgeber. Welche Regeln bei jedem Baumschnitt gelten, vom Astring bis zur Drei-Schnitt-Technik, erklärt ein weiterer. Wie du Hochstamm, Halbstamm, Busch und Spalier in Form schneidest, liest du im Ratgeber zu den Baumformen.
Hecken: Formschnitt im Sommer, kein Radikalschnitt in der Schutzzeit
Bei Hecken zählen zwei Termine: das Schnittfenster der Pflanze und die gesetzliche Schutzzeit.
Von Anfang März bis Ende September dürfen Hecken grundsätzlich nicht beseitigt oder auf den Stock gesetzt werden. Schonende Form- und Pflegeschnitte bleiben in dieser Zeit erlaubt, wenn du den Artenschutz beachtest. Prüfe vor jedem Gehölzschnitt, ob geschützte Tiere oder ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten betroffen sind.
Auf den Stock setzen bedeutet, die Gehölze bodennah abzuschneiden. Planst du das für deine Hecke, legst du es in die Zeit außerhalb der Schutzzeit und prüfst auch dann den Artenschutz. Ich gehe vor jedem Heckenschnitt langsam an der Hecke entlang und schaue hinein, ob dort Vögel brüten.
Wie oft du schneidest, hängt an der Art und am gewünschten Bild. Formhecken aus Liguster, Hainbuche oder Feldahorn bekommen je nach gewünschtem Erscheinungsbild zwei Schnitte im Jahr. Buchs, Eibe, Berberitze, Kirschlorbeer und Thuja kommen meist mit einem Schnitt aus.
Den regelmäßigen Pflegeschnitt der Thujahecke legst du in den Juni oder Juli. Sonnige Tage meidest du dabei, weil freigelegte Triebe verbrennen können. Schneide Thuja nicht bis ins alte Holz zurück, denn dort entstehen neue Triebe nur zögerlich oder gar nicht. Die Thujahecke formst du im Querschnitt trapezförmig, also unten breiter als oben. Bei Hitze verschiebst du jeden Heckenschnitt auf kühlere, bedeckte Tage.
Welche Heckenpflanze du wann und wie schneidest, von Liguster bis Kirschlorbeer, zeigt der Ratgeber zum Heckenschnitt.
Stauden, Gräser und Kletterpflanzen
Standfeste, abgestorbene Stauden und Gräser dürfen über Winter stehen bleiben. Du schneidest sie zurück, bevor der neue Austrieb beginnt. Immergrüne Arten fallen nicht unter diese Regel und werden gesondert behandelt.
Schneidest du eine Kletterpflanze im Frühjahr, liegt ihre Holzrankhilfe frei. Kontrolliere sie in diesem Moment und bessere sie bei Bedarf aus, ohne pflanzenschädliche Lasuren oder Farben mit Bioziden. An Spalierpflanzen prüfst du gleich die Bindungen, damit sie nicht in die wachsenden Triebe einwachsen.
Das Wetter am Schnitttag
Steht der Termin, entscheidet das Wetter über den Tag. Im Winter schneidest du Kernobst bei trockenem Wetter. Im Sommer meidest du heiße Tage, an der Thuja zusätzlich sonnige. Ein Sommerschnitt vor einer bewölkten Wetterphase senkt das Risiko von Sonnenbrand an Früchten und Trieben, die vorher beschattet waren. Ich schaue deshalb vor jedem Sommerschnitt in die Vorhersage für die folgenden Tage.
„Bei Frost wird nie geschnitten“ stimmt so pauschal nicht. Den Winterschnitt von Kernobst kannst du bei trockenem Wetter bis etwa −5 °C machen. Öfter blühende Rosen, Sommerflieder und Bartblume schneidest du dagegen erst, wenn die starken Fröste vorbei sind.
Blüht die Pflanze im Frühjahr oder im Sommer? Liegt der Obstbaumschnitt außerhalb der Zeit von Oktober bis Dezember? Ist es im Winter trocken und im Sommer kühl? Hast du die Hecke auf brütende Vögel und andere geschützte Tiere geprüft?
Schnitttechnik, Werkzeug und Sicherheit in Kürze
Beim Einkürzen eines Obstbaumtriebs schneidest du kurz oberhalb einer nach außen gerichteten Knospe, ohne sie zu verletzen oder einen langen Stummel stehen zu lassen. Wie du jeden Schnitt vom Schnittwinkel bis zur Veredelung sauber ansetzt, zeigt ein eigener Ratgeber.
Als Grundausstattung für den Gehölzschnitt reichen eine geeignete Gartenschere und eine leichtgängige Säge. Bypassscheren eignen sich für dünnere Triebe an Rosen und Stauden, Ambossscheren für hartes, trockenes Totholz. Äste, die für die Schere zu dick sind, sägst du ab.
Beim Schneiden bleibt die freie Hand außerhalb des Schnittbereichs, auch bei elektrischen Scheren. Scheren trägst du geschlossen und gesichert. Bei schweren Verletzungen durch Gartenwerkzeuge wählst du unmittelbar den Notruf 112.
Zu den Schnittfehlern gehören zu starke Eingriffe und zu große Wunden. Beim Pflegeschnitt alter Streuobstbäume entfernst du je Eingriff in der Regel höchstens 30 % der Kronenmasse. Astwunden über 10 cm Durchmesser vermeidest du bei der Streuobstpflege besonders auf der Astoberseite.
Nach dem Schnitt beobachtest du die Schnittstellen weiter, und die Klinge deiner Gartenschere reinigst du nach jedem Arbeitstag. Scherentypen, den Umgang mit Schnittwunden, Werkzeugpflege und sicheres Arbeiten vertiefen die Grundlagen zum Schneiden, zur Werkzeugpflege und zum sicheren Arbeiten.
Wohin mit dem Schnittgut?
Gesunde holzige Reste aus Baum- und Strauchschnitt kannst du häckseln und danach als Kompost- oder Mulchmaterial verwenden. Auf dem Kompost schichtest du kleine oder geschredderte Äste abwechselnd mit feuchtem Material wie Rasenschnitt. Kranke oder schädlingsbefallene Pflanzenteile gibst du über die kommunale Entsorgung ab, weil die Eigenkompostierung eine vollständige Hygienisierung meist nicht gewährleistet. Ins Mulchmaterial gehören kranke Pflanzen ebenfalls nicht. Vor dem Reinigen eines Häckslers ziehst du den Netzstecker oder nimmst den Akku heraus.
Brauchst du einen Häcksler nur selten, leih dir einen, statt ein eigenes Gerät zu kaufen. Gemeinschaftlich nutzbare Gartengeräte findest du zum Beispiel über Nachbarschaftsorganisationen, Kleingartenvereine oder Stadtbibliotheken.

