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Pflanzenwunde verschließen: Wann Wachs oder Folie dazugehört und wann nicht

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 7 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Schnittwunden am Apfelbaum streichst du nicht vollflächig zu, damit Feuchtigkeit aus dem zentralen Holzkörper entweichen kann.
  • Ein fungizidhaltiger Wundanstrich bietet an Apfelbaum-Schnittstellen keinen verlässlichen dauerhaften Schutz vor späteren Pilzinfektionen.
  • Beim Umveredeln von Obstbäumen deckst du die vorgesehenen Schnittflächen mit kalt verstreichbarem Wachs ab.
  • Frische, flächige Anfahrschäden am Laubbaumstamm benetzt du mit Wasser und deckst sie lichtundurchlässig ab, ohne zu säubern oder auszuschneiden.
  • Den Stumpf eines abgebrochenen Astes nimmst du knapp außerhalb des Astrings ab, ohne diesen Rindenwulst zu verletzen.

Ein Ast bricht im Sturm, der Rasenmäher schrammt die Rinde am Stamm auf, oder nach dem Obstbaumschnitt bleibt eine große Schnittfläche zurück. Dann stellt sich die Frage, ob du die Wunde verschließen musst. Ich greife in solchen Momenten nicht zuerst zum Pinsel, sondern schaue mir die Wunde genau an. Ob ein künstlicher Verschluss sinnvoll ist, hängt nämlich davon ab, welche Art von Wunde vor dir liegt.

Glatte Schnittwunden lasse ich in aller Regel offen. An zwei Stellen gehört eine Abdeckung dagegen fest zum Handwerk: beim Umveredeln von Obstbäumen und bei frischen, flächigen Rindenschäden am Stamm von Laubbäumen. Im Folgenden zeige ich dir, wie du die Wunde beurteilst, wie du Schritt für Schritt vorgehst und welche Fehler du dir sparen kannst.

Muss ich eine Pflanzenwunde verschließen?

Nicht jede Wunde braucht Hilfe von außen. Bäume reagieren auf eine Verwundung selbst: Innen schotten sie das verletzte Holz ab, außen überwallen sie die Wunde vom Rand her. Wie Pflanzen ihre Wunden aus eigener Kraft verschließen und welche Wundarten es gibt, erklärt ein eigener Ratgeber.

Die Übersicht zeigt dir, was du bei welcher Wunde tust:

Wunde Verschluss So gehst du vor
Glatte Schnittwunde am Apfelbaum nicht vollflächig Holzkörper in der Mitte frei lassen, Schnittstelle weiter beobachten
Schnittflächen beim Umveredeln von Obstbäumen ja, mit Wachs vorgesehene Schnittflächen mit kalt verstreichbarem Wachs abdecken
Kopulationsstelle bei der Veredelung Bindung fest mit Bast oder Veredelungsgummi verbinden, Zugaugen frei lassen
Frischer, flächiger Anfahrschaden am Laubbaumstamm ja, mit Folie mit Wasser benetzen, lichtundurchlässig abdecken, etwa 3–5 cm Randüberstand
Abgebrochener Ast erst nachschneiden Stumpf knapp außerhalb des Astrings abnehmen, dann wie eine Schnittwunde behandeln
Bruch mit Zweifel an der Standsicherheit erst Sicherheit klären Baum fachlich untersuchen lassen, bei akuter Gefahr absperren oder kennzeichnen

Welche Mittel es gibt, vom Wachs bis zu überlieferten Hausrezepten, und welches Mittel zu welcher Wunde passt, ordnet ein Methodenüberblick ein. Ich bleibe hier bei den Fällen, für die es klare Arbeitsschritte gibt.

So beurteilst du die Wunde

Bevor du etwas aufträgst, klärst du am Baum ein paar Fragen. Ich gehe sie direkt vor der Wunde durch, mit Zollstock und Schere in der Tasche.

Welche Art von Wunde ist es?

Die Art der Wunde bestimmt die Versorgung. Eine glatte Schnittwunde entsteht, wenn du mit Schere oder Säge einen Ast abnimmst. Bei einem Anfahrschaden löst sich die Rinde dagegen flächig vom Holz, etwa nach einem Stoß mit dem Rasenmäher. Ein abgebrochener Ast hinterlässt einen ausgefransten Stumpf. An einer Veredelungsstelle hast du bewusst geschnitten, damit Edelreis und Unterlage zusammenwachsen.

Wie groß ist die Wunde, und wo sitzt sie?

Bei der Streuobstpflege sind Astwunden über 10 cm Durchmesser zu vermeiden, besonders auf der Astoberseite. Kleinere Wunden sind damit nicht automatisch unbedenklich. Ich halte bei dicken Ästen den Zollstock an, bevor ich die Säge ansetze. Dabei frage ich mich, ob der Schnitt wirklich an dieser Stelle sitzen muss. Ist eine große Wunde schon da, etwa nach einem Astbruch, beobachtest du sie nach der Versorgung besonders aufmerksam.

Ist der Rindenschaden frisch?

Bei Rindenschäden kommt es darauf an, wie frisch sie sind. Auf frischen Rindenablösungen können erhaltene teilungsfähige Zellen einen Flächenkallus bilden, aus dem neue Rinde und Wundkambium entstehen. Die Folienmethode weiter unten ist genau für solche frischen Schäden gedacht.

Steht der Baum noch sicher?

Nach Sturm, Unfallschäden oder einem großen Eingriff braucht der Baum eine zusätzliche Kontrolle. Ich gehe dann einmal um ihn herum und schaue vom Boden aus in Krone, Stamm und Wurzelbereich. Bei älteren Hausbäumen gehört die Standsicherheit ohnehin zur Kontrolle, und dafür ist gegebenenfalls eine Fachperson nötig.

Achtung

Bleiben Zweifel an der Stand- oder Bruchsicherheit, lass den Baum eingehend fachlich untersuchen. Lässt sich eine akute Gefahr nicht sofort beseitigen, sperrst du die Stelle zumindest ab oder kennzeichnest sie.

Passt der Zeitpunkt?

Wann eine Wunde entsteht, wirkt sich auf ihren Verschluss aus. Steinobst schneidest du vorzugsweise im Sommer, weil Schnittwunden dann besser verheilen. Von Oktober bis Dezember vermeidest du Schnitte an Obstbäumen möglichst, weil Reservestoffverlagerung und Wundverschluss in dieser Zeit ungünstig sind. Wie du Schnittwunden passend zur Jahreszeit versorgst, vertieft der Ratgeber zum Baumschnitt im Jahreslauf.

Schritt für Schritt: frischen Rindenschaden am Stamm abdecken

Für frische, flächige Anfahrschäden an Laubbaumstämmen gibt es eine Folienmethode, die ohne Messer und Bürste auskommt. Sie verzichtet auf mechanisches Säubern und auf nachträgliches Ausschneiden. Das passt zur Wunde selbst: Wer die Fläche schrubbt oder nachschneidet, kann genau die teilungsfähigen Zellen entfernen, aus denen Flächenkallus und neue Rinde entstehen sollen.

So gehst du vor:

  1. Prüfe, ob der Schaden frisch ist. Die Methode gilt für frische Schäden an Laubbäumen.
  2. Benetze die Wundfläche mit Wasser. Bürste, Lappen und Messer bleiben weg.
  3. Lege eine lichtundurchlässige Folie über die Wunde.
  4. Lass die Folie rundum etwa 3–5 cm über den Wundrand hinausreichen.
  5. Befestige die Folie so, dass sie anliegt und nicht verrutscht.
  6. Nach etwa einem Jahr kann die Abdeckung wieder ab.
Marias Erfahrung

Entdecke ich am Stamm eine frische Schramme vom Mäher, hole ich zuerst die Gießkanne und lasse die Bürste im Schuppen. Die Folie schneide ich erst zu, wenn die Wundfläche benetzt ist.

Schritt für Schritt: Veredelungsstellen versorgen

An einer Veredelung schneidest du bewusst in lebendes Holz. Damit Edelreis und Unterlage verwachsen, müssen ihre Kambiumschichten möglichst großflächig eng aneinanderliegen. Die Versorgung der Wunde gehört hier fest zum Ablauf.

Bei der Kopulation verbindest du die Veredelungsstelle fest mit Bast oder Veredelungsgummi. Die Zugaugen am Edelreis bleiben dabei frei. Ist die Obstbaumveredelung angewachsen, schneidest du die Bastbindung nach etwa 4–6 Wochen auf.

Beim Umveredeln setzt du einem bestehenden Obstbaum Edelreiser einer anderen Sorte auf. Die vorgesehenen Schnittflächen deckst du dabei mit kalt verstreichbarem Wachs ab. Wie du Schnitte vom Knospenschnitt bis zur Veredelung sauber ansetzt, zeigt der Ratgeber zur Schnitttechnik.

Tipp

Schreib das Veredelungsdatum auf das Etikett am Baum. Dann siehst du auf einen Blick, wann die Bastbindung fällig ist.

Schnittwunden und abgebrochene Äste versorgen

Glatte Schnittwunde am Apfelbaum

Schnittwunden am Apfelbaum bestreichst du nicht vollflächig mit Wundverschlussmittel. Die Feuchtigkeit aus dem zentralen Holzkörper muss entweichen können. Ich lasse saubere Schnittwunden am Apfelbaum deshalb offen und beobachte, ob sich vom Rand her Überwallung zeigt.

Mythos-Check

„Ein Wundanstrich hält Pilze dauerhaft fern.“ An Apfelbaum-Schnittstellen bietet selbst ein fungizidhaltiger Wundanstrich keinen verlässlichen dauerhaften Schutz vor späteren Pilzinfektionen. Ich setze deshalb auf saubere Schnitte und behalte die Wunde danach im Blick.

Abgebrochener Ast

Ein abgebrochener Ast hinterlässt einen ausgefransten Stumpf, den du sauber nachschneidest. Willst du den Ast vollständig entfernen, schneidest du knapp außerhalb des Astrings, ohne diesen Rindenwulst am Astansatz zu verletzen. Ist das Reststück schwer, sägst du es zuerst von unten an, trennst es weiter außen von oben ab und nimmst den Stumpf zuletzt sauber ab. Danach behandelst du die Stelle wie eine glatte Schnittwunde.

Typische Fehler beim Wundverschluss

Die ganze Schnittfläche zustreichen

Es liegt nahe, eine große Schnittfläche komplett zuzustreichen, damit nichts eindringt. Am Apfelbaum steht der vollflächige Anstrich aber der Feuchtigkeit im Weg, die aus dem zentralen Holzkörper entweichen soll. Auf einen dauerhaften Pilzschutz kannst du dabei ebenfalls nicht bauen. Lass den Holzkörper in der Mitte frei und beobachte die Wunde.

Frische Rindenwunden säubern oder ausschneiden

Bei einem frischen Anfahrschaden wirkt es ordentlich, lose Rindenfetzen abzuschneiden und die Fläche blank zu bürsten. Die Folienmethode sieht beides nicht vor, die Wundfläche wird nur mit Wasser benetzt. Messer und Bürste bleiben im Schuppen, damit die teilungsfähigen Zellen auf der Wunde erhalten bleiben.

Eine durchsichtige oder zu knappe Folie nehmen

Die Abdeckung muss lichtundurchlässig sein, eine durchsichtige Folie erfüllt das nicht. Schließt die Folie genau mit dem Wundrand ab, fehlt der Randüberstand von etwa 3–5 cm. Ich lege die Folie zur Probe an und prüfe den Überstand an der schmalsten Stelle.

Den Astring verletzen oder einen Stumpf stehen lassen

Beim Abnehmen eines Astes sitzt der Schnitt knapp außerhalb des Astrings. Schneidest du in den Rindenwulst hinein, verletzt du genau den Bereich, der erhalten bleiben soll. Setzt du zu weit außen an, bleibt ein Stumpf stehen. Wie du die Säge an dieser Stelle führst, zeigt der Ratgeber zur Schnitttechnik.

Krankes Schnittgut kompostieren

Schnittgut von kranken oder befallenen Ästen landet schnell auf dem eigenen Haufen. Die Eigenkompostierung gewährleistet eine vollständige Hygienisierung aber meist nicht. Gib solches Schnittgut über die kommunale Entsorgung ab und nimm es auch nicht als Mulch. Bist du unsicher, was hinter dem Schaden steckt, kläre die Ursache mit fachkundiger Beratung, bevor du irgendetwas behandelst.

Nach dem Schnitt: beobachten und vorbeugen

Mit der Versorgung ist die Arbeit nicht vorbei. Zur Nachsorge gehört, die Schnittstellen nach dem Schnitt weiter zu beobachten. Große Schnittstellen notiere ich mir im Gartentagebuch, damit ich sie nicht aus den Augen verliere.

Mini-Checkliste

Darauf schaust du bei der Kontrolle:

  • Zeigt sich am Wundrand Überwallung?
  • Liegt die Folie auf dem Rindenschaden noch an und steht rundum über?
  • Ist an der Veredelung die Bastbindung fällig?
  • Hat ein Sturm am Baum etwas verändert, das eine zusätzliche Kontrolle nötig macht?

Wunden hältst du schon beim Schneiden klein, wenn das Werkzeug zur Aststärke passt. Als Orientierung eignet sich eine Gartenschere für Zweige bis etwa 2 cm Durchmesser, für dickere Äste nimmst du eine geeignete Säge. Wie du Scherentyp, Schnittzeitpunkt und sicheres Arbeiten aufeinander abstimmst, steht in den Grundlagen zum Schneiden und zum sicheren Arbeiten.

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