Wildabweiser anpassen: was du von Frühjahr bis Winter änderst
- Richte die Abwehr nach dem Kalender der Tiere: Rehe an jungen Rebtrieben im Frühjahr, Vögel am reifenden Obst, Hasen an der Rinde bei Schnee.
- Vogelschutznetze straff und vollständig geschlossen spannen und mindestens einmal täglich auf verfangene Vögel kontrollieren.
- Schreckbänder und andere optische Vogelabweiser nimmst du unmittelbar nach der Ernte wieder ab.
- Bei Wildschweinen zuerst die Futterquellen sichern; Zufüttern als Ablenkung wird nicht empfohlen.
- Vor länger liegendem Schnee kommen Stammschoner oder Drahthosen an junge Bäume.
Eine Wildabwehr, die im Frühjahr richtig steht, kann im Herbst an der falschen Stelle stehen. An Weinreben können Rehe im Frühjahr junge Triebspitzen abbeißen und im Herbst einzelne Beeren aus den Trauben fressen. Hält sich eine Schneedecke länger, können Hasen und Wildkaninchen die Rinde junger Bäume schädigen. Ich gehe meine Abwehr deshalb immer dann ab, wenn sich im Garten etwas ändert: wenn die Reben austreiben, wenn das Obst reift und wenn Schnee liegen bleibt.
Abweiser wirken über Geruch, über Reize wie Schall, Licht und Bewegung oder als Barriere wie Zaun, Netz und Drahthose. Welche Geräte und Systeme es gibt, wie gut sie wirken und wie du sie aufbaust, steht in der Übersicht zu Arten, Wirkung und Aufbau von Wildabweisern. Hecken, Abwehrpflanzen und Hausmittel-Sprays sammelt der Ratgeber dazu, wie du Wildtiere mit natürlichen Mitteln aus dem Garten fernhältst. Hier geht es darum, was du im Lauf des Jahres umstellst.
Welches Tier ist wann im Garten?
Ich richte die Abwehr nach dem, was gerade austreibt und reift, nicht nach dem Kalenderblatt. Die Übersicht zeigt, welche Tiere zu welcher Zeit woran gehen und was du dann anpasst.
| Wann | Tier | Woran | Was du anpasst |
|---|---|---|---|
| Frühjahr | Reh | junge Triebspitzen an Weinreben | Reben und junge Gehölze vor dem Austrieb einzäunen |
| trockene, warme Jahreszeit (Berliner Raum) | Wildschwein | Nahrung in Gärten und Grünanlagen | Abfalltonnen und Essensreste unerreichbar machen |
| bis zur Ernte | Vögel | Obst an kleinen Bäumen und Beerensträuchern | Netz straff und geschlossen, mindestens einmal täglich auf verfangene Vögel prüfen |
| Herbst | Reh | einzelne Beeren aus den Trauben | Schutz an den Reben bis zur Lese stehen lassen |
| länger geschlossene Schneedecke | Hase, Wildkaninchen | Rinde junger Bäume | Stammschoner oder Drahthosen anlegen |
| Winter | Maulwurf | Erdhügel und Wühltätigkeit, er bleibt aktiv | Zuwanderung vorbeugend sperren, nie fangen oder töten |
Frühjahr: Was schützt du, bevor die Triebe kommen?
Im Frühjahr geht es um junge Triebe und frisch gepflanzte Gehölze. Damit Rehe die Triebspitzen an den Reben nicht erwischen, steht der Zaun vor dem Austrieb. Für Gehölze wird gegen Rehwild eine Zaunhöhe von mindestens 1,50 m empfohlen. Auch Eibensämlinge werden von Schalenwild gefunden und verbissen, deshalb kommen sie mit hinter den Zaun.
Gegen Hasen und Wildkaninchen können Drahthosen oder Kunststoffmanschetten junge Baumstämme schützen. Die Kronenzweige, an die die Tiere herankommen, bleiben dabei gefährdet. Bei jungen Bäumen mit tief hängenden Zweigen ziehe ich deshalb zusätzlich einen Zaun um den Baum.
Ein Schutzzaun gegen Hasen und Wildkaninchen ist mindestens 1 m hoch. Er wird 30 cm tief eingegraben. Seine Maschen sind höchstens 40 mm weit.
Bevor irgendetwas austreibt, gehe ich die Zaunlinie am Boden ab. Wo der eingegrabene Rand frei liegt oder sich unter dem Geflecht eine Lücke zeigt, grabe ich ihn wieder ein.
Sommer: Was ändert sich bei Trockenheit?
Im Berliner Raum suchen Wildschweine besonders in der trockenen, warmen Jahreszeit Gärten und Grünanlagen auf. Dort finden sie leichter Nahrung als im Wald. Ein Teil der untersuchten Berliner Wildschweine nutzt städtische Bereiche vor allem nachts. Diese Tiere haben gelernt, dass die Nahrungssuche dort mit geringem wahrgenommenem Risiko möglich ist.
Wenn Wildschweine wegen der leichteren Nahrung kommen und Essensreste ein vermeidbarer Nahrungsanreiz sind, setzt die Anpassung im Sommer zuerst bei den Futterquellen an. Abfalltonnen stehen geschlossen innerhalb der Grundstücksumzäunung. Essensreste entsorgst du so, dass Wildschweine sie nicht erreichen.
Ein Futterplatz am Grundstücksrand soll die Wildschweine von den Beeten weglocken. Zusätzliches Füttern kann aber mehr Nachwuchs fördern und dadurch mehr Schäden. Als Ablenkung zum Schutz der Kulturen wird es deshalb nicht empfohlen.
Auf Geruchsabwehr verlässt du dich bei Wildschweinen besser nicht. Ihre Wirkung ist nicht abschließend geklärt, weil einzelne Tiere darauf reagieren und andere nicht.
Wer einen elektrischen Wildschutzzaun betreibt, muss aufwachsenden Bewuchs regelmäßig zurückschneiden. Berühren Pflanzen den Zaun, können sie die elektrische Ladung in den Boden ableiten. Ich nehme beim Gang am Zaun entlang deshalb immer die Grasschere mit.
Triffst du im Garten auf ein Wildschwein, bleib ruhig und halte Abstand. Lass dem Tier immer einen Weg, auf dem es sich zurückziehen kann.
Erntezeit: Wie lange bleiben Netze und Schreckbänder?
Über kleinen Obstbäumen und Beerensträuchern spanne ich Vogelschutznetze straff und schließe sie vollständig. Bei Sträuchern verankere ich den Rand im Boden, bei kleinen Bäumen binde ich das Netz unter der Krone zusammen. Kontrolliere deine Netze mindestens einmal täglich auf verfangene Vögel. Ich mache das morgens bei der ersten Runde durch den Garten. Hängt doch ein Vogel darin, schneidest du das Netz mit Handschuhen rund um ihn auf, statt an ihm zu zerren, und bringst ihn in einem Karton zu einer Wildvogelhilfe, Auffangstation oder zum Tierarzt.
Schreckbänder, Folienstreifen und Greifvogeldrachen sollen im Obstbau unmittelbar nach der Ernte wieder abgenommen werden. Vogelscheuchen, Greifvogelattrappen und akustische Abschreckung wirken dort mit wechselndem Erfolg, weil Vögel sich an solche Reize gewöhnen können. Zusammen heißt das: Wer die Bänder lange vor der Reife aufhängt, gibt den Vögeln Zeit zur Gewöhnung, bevor es überhaupt etwas zu schützen gibt. Ich hänge sie deshalb erst auf, wenn das Obst reift, und nehme sie mit der letzten Ernte ab.
An Weinreben können Rehe im Herbst einzelne Beeren aus den Trauben fressen. Den Schutz an den Reben baue ich deshalb erst nach der Lese ab.
Winter: Was tun bei Schnee und Tieren ohne Winterruhe?
Hält sich eine Schneedecke länger, können Hasen und Wildkaninchen die Rinde junger Bäume schädigen. Als vorbeugender Schutz kommen Stammschoner oder Drahthosen infrage. Vorbeugend heißt, dass der Schutz am Stamm sitzt, bevor der Schnee liegen bleibt.
Maulwürfe bleiben auch im Winter aktiv und suchen weiter nach Nahrung. Pflanzen fressen sie nicht, ihre Erdhügel und ihre Wühltätigkeit können aber Schäden verursachen. Der Maulwurf steht unter besonderem Artenschutz, du darfst ihn weder fangen noch töten. Vorbeugend lässt sich die Zuwanderung mit engmaschigem Drahtgeflecht oder Platten begrenzen. Diese gräbst du an der Grundstücksgrenze mindestens 50 bis 60 cm tief ein. Auch Wühlmäuse halten keinen Winterschlaf.
Im Winter sehe ich Zäune, Netze und Drahthosen durch und lege fest, was im Frühjahr wohin kommt. Dazu zeichne ich meine Beete im digitalen Beetplan ein und notiere mir, wo im Vorjahr Fraßspuren waren.
Vor dem Winter Stammschoner oder Drahthosen an junge Bäume legen. Schreckbänder und andere optische Vogelabweiser nach der letzten Ernte abnehmen. Die Zaunlinie am Boden auf Lücken prüfen. Akustische Abwehr abschalten, wo nichts mehr zu schützen ist.
Warum lässt die Wirkung von Abweisern nach?
Viele Abweiser arbeiten mit Schreckreizen: einem Geräusch, einem Glitzern, der Gestalt eines Greifvogels. An solche Reize können sich Tiere gewöhnen. Bei der landwirtschaftlichen Wildschweinabwehr können unregelmäßig abgespielte Geräusche, auch Warnrufe, die Gewöhnung verzögern. Zuverlässig verhindern können sie sie nicht.
Dazu kommt, dass Wildschweine lernen, wo die Nahrungssuche wenig riskant ist. Wenn selbst wechselnde Geräusche die Gewöhnung nur hinauszögern, bleibt ein Geräuschgerät allein für ein Beet, an dem dir viel liegt, ein unsicherer Schutz. Ich setze Schreckreize deshalb nur dort ein, wo dahinter noch ein Zaun oder ein Netz steht.
„Ultraschall hält Nager und Maulwürfe zuverlässig fern.“ Stimmt so nicht. Geräte mit Schall, Ultraschall oder elektromagnetischen Feldern haben sich zur Vertreibung von Ratten nach bisherigem Kenntnisstand als wirkungslos erwiesen. Bei Maulwürfen ist die Wirkung akustischer Geräte nicht gesichert.
Wie bleibt die Abwehr rücksichtsvoll?
Abwehr soll Tiere fernhalten, nicht quälen. Wild lebende Tiere dürfen nicht mutwillig beunruhigt werden. Keinem Tier dürfen ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden. Deshalb gehört zu jedem Netz die Kontrolle auf verfangene Vögel, auch in den letzten Tagen vor der Ernte.
Bei Geräuschen kommt die Nachbarschaft dazu. Lärm ohne berechtigten Anlass oder in vermeidbarem Ausmaß kann ordnungswidrig sein, wenn er Nachbarschaft oder Allgemeinheit erheblich belästigt oder die Gesundheit anderer schädigen kann. Ich schalte akustische Abwehr deshalb ab, sobald es an der Stelle nichts mehr zu schützen gibt.
Zu einem Pflanzenschutzmittel greifst du im Hausgarten erst, wenn andere Maßnahmen erfolglos geblieben sind und erhebliche Ernteverluste drohen. Dann nur zu einem, das für den Haus- und Kleingarten gekennzeichnet und für Pflanze und Schadorganismus zugelassen ist, nach Gebrauchsanleitung und Schutzvorgaben und mit Kindern und Haustieren auf Abstand. Wie natürliche und chemische Wege im Vergleich abschneiden, liest du im Ratgeber zu NützlingenNützling ist kein biologischer Fachbegriff, sondern eine Sammelbezeichnung für wildlebende Tiere, die dem Menschen nützen: Sie fressen Schädlinge wie Blattläuse, bestäuben Pflanzen oder tragen zur Bodenfruchtbarkeit bei. und Schädlingen.

