Kaninchen- und Meerschweinchenfutter: was beide vertragen und was giftig ist
- Heu und frische Wiesengräser und Wiesenkräuter sind für Kaninchen und Meerschweinchen die gemeinsame Grundlage.
- Meerschweinchen müssen Vitamin C über das Futter aufnehmen, Kaninchen bilden es selbst.
- Chicorée, Radicchio und Zuckerhut eignen sich für die Frischfütterung beider Arten.
- Herbstzeitlose, Eibe und Eisenhut sind giftig, die Herbstzeitlose bleibt es auch getrocknet im Heu.
- Neues Futter führst du bei beiden Arten langsam über 14 Tage ein.
Ein gemeinsamer Napf für Kaninchen und Meerschweinchen klingt praktisch, doch beim Grünfutter trennen sich die beiden Arten an einer Stelle. Meerschweinchen müssen Vitamin C mit dem Futter aufnehmen, Kaninchen bilden es selbst. Dazu kommen Giftpflanzen wie die Herbstzeitlose, deren Giftstoffe auch im getrockneten Heu erhalten bleiben. Wenn ich Grünfutter aus Wiese und Beet hole, lasse ich deshalb jede Pflanze stehen, die ich nicht sicher bestimmen kann.
Was brauchen Kaninchen und Meerschweinchen?
Die Grundlage teilen sich beide Arten. Wiesengräser und Wiesenkräuter gehören bei Kaninchen und Meerschweinchen zur Hauptnahrung, täglich frisch und zusätzlich als Heu. Für Kaninchen gilt Heu zusammen mit Saftfutter als Fütterungsgrundlage, also mit frischem Grün aus Wiese, Beet und Gemüsefach.
Der Unterschied liegt beim Vitamin C. Meerschweinchen können es im Gegensatz zu Kaninchen nicht selbst bilden und müssen es über das Futter aufnehmen. Wer für beide Arten füttert, kann deshalb Heu und Wiesengrün teilen, gibt den Meerschweinchen aber gezielt Vitamin-C-haltiges Frischfutter dazu.
| Thema | Kaninchen | Meerschweinchen |
|---|---|---|
| Vitamin C | bilden es selbst | müssen es mit dem Futter aufnehmen |
| Grundlage | Heu mit Saftfutter, dazu Wiesengräser und Wiesenkräuter | Wiesengräser und Wiesenkräuter, frisch und als Heu |
| Futterumstellung | langsam, über 14 Tage | langsam, über 14 Tage |
Heu und Frischfutter im Alltag
Heu als Basis für beide
Heu ist bei Kaninchen und Meerschweinchen keine Beilage, sondern die Basis jeder Fütterung. Gutes Heu riecht aromatisch, sieht grün aus und ist frei von Schimmel. Ich ziehe es vor dem Füttern auseinander und sortiere aus, was muffig riecht oder dunkle Stellen zeigt. Dabei achte ich auch auf Reste von Giftpflanzen wie der Herbstzeitlose.
Frischfutter und Wasser
Frisches Grün ergänzt das Heu und bringt Abwechslung in den Napf. Für Meerschweinchen gehört Vitamin-C-haltiges Grün fest dazu, weil sie dieses Vitamin nur über das Futter bekommen. Daneben brauchen Kaninchen und Meerschweinchen stets genügend frisches Tränkwasser, auch wenn sie draußen auf der Wiese fressen.
Verteil das Frischfutter im Gehege, statt alles in einen Napf zu legen. Verteilt angebotenes Futter kann Kaninchen dazu anregen, danach zu suchen und es sich zu erarbeiten.
Futterpflanzen für Kaninchen in Kürze
Kaninchen fressen Kräuter, Blattgemüse und die Blätter einiger Gehölze. Eine knappe Auswahl:
- Kräuter: Löwenzahn, Petersilie, Basilikum
- Blattgemüse: Chicorée, Endivie, Möhrengrün, Fenchelgrün
- Gehölzblätter: Hasel, Apfel, Johannisbeere
Wie du diese Pflanzen anbaust und welche noch passen, erfährst du im Ratgeber dazu, welche Wiesenkräuter, Gartenkräuter und Obstbaumblätter Kaninchen fressen.
Futterpflanzen für Meerschweinchen in Kürze
Bei Meerschweinchen richtet sich die Auswahl nach dem Vitamin C. Petersilie enthält als Lebensmittel-Tabellenwert etwa 160 mg Vitamin C je 100 g Frischware. Für rote, rohe Paprika liegt der Tabellenwert bei etwa 140 mg je 100 g Frischware. Solche Tabellenwerte sind Mittelwerte und können bei der Pflanze in deinem Napf abweichen. Mit welchen Wiesenkräutern, Küchenkräutern und Gemüsen du den Vitaminbedarf deckst und wie du sie selbst ziehst, zeigt der Ratgeber dazu, welche vitamin-C-reichen Pflanzen Meerschweinchen brauchen.
Welche Futterpflanzen vertragen Kaninchen und Meerschweinchen beide?
Wer beide Arten versorgt, sucht die Schnittmenge der Futterlisten. Den Kern bilden Wiesengräser und Wiesenkräuter, frisch geschnitten oder getrocknet als Heu. Unter den Blattsalaten eignen sich Chicorée, Radicchio und Zuckerhut für die Frischfütterung beider Arten. Eine Kleintierwiesen-Mischung aus Futtergräsern und Weißklee ist zum Beispiel für Kaninchen, Meerschweinchen, Hühner und Gänse gedacht.
| Futterpflanze | Was du anbietest | Hinweis |
|---|---|---|
| Wiesengräser und Wiesenkräuter | frisch geschnitten und als Heu | Hauptnahrung beider Arten |
| Kleintierwiese aus Futtergräsern und Weißklee | frischer Aufwuchs oder Heu | für Beweidung oder Heugewinnung gedacht |
| Chicorée, Radicchio, Zuckerhut | Blätter | Blattsalate für die Frischfütterung |
| Zweige von Obstbäumen, Weide und Hasel | Zweige und Äste, nur ungespritzt | Nagematerial für Kaninchen, Beschäftigung für Meerschweinchen |
Wenn ich Futter für beide Arten zusammenstelle, beginne ich mit dieser Schnittmenge und lege für die Meerschweinchen Vitamin-C-haltiges Grün dazu. Bei allem, was nicht in der Tabelle steht, kläre ich vorher, ob es für die jeweilige Art geeignet ist. Danach führe ich es einzeln ein.
Welche Pflanzen sind giftig oder ungeeignet?
Giftpflanzen gehören gar nicht ins Futter, auch nicht zum Ausprobieren. Herbstzeitlose und Eibe sind für Kaninchen und Meerschweinchen giftig. Bei der Eibe betrifft das Rinde, Nadeln und Samen. Eisenhut ist für sämtliche Tierarten giftig.
Getrocknet sei die Herbstzeitlose im Heu kein Problem mehr. Das stimmt nicht, denn ihre Giftstoffe bleiben nach Trocknung, Silierung und Lagerung erhalten. Ich schaue deshalb auch das Heu durch, bevor es in die Raufe kommt.
Kreuzkräuter lasse ich ebenfalls draußen. Ihre Pyrrolizidinalkaloide können über Heu oder Silage bei Rindern und Pferden schwere bis tödliche Vergiftungen verursachen. Auch Zierpflanzen aus Garten und Wohnung haben im Napf nichts zu suchen, etwa Maiglöckchen, Oleander, Rhododendron, Efeu, Tulpen und Narzissen. Aus der Küche bleiben Avocado, Zwiebeln, Knoblauch, Rhabarberblätter und die grünen Teile von Tomaten draußen. Kartoffeln gehören ebenfalls nicht dazu, denn Hitze zerstört das Solanin in ihnen nicht.
Beim Sammeln von Wildkräutern halte ich mich an feste Regeln. Ich nehme nur Pflanzen mit, die ich sicher bestimme. Flächen an stark befahrenen Straßen, gedüngte Felder und Wege, auf denen Hunde ausgeführt werden, lasse ich aus.
Pflanze sicher bestimmt; Fundort abseits stark befahrener Straßen und gedüngter Felder; Zweige nur von ungespritzten Gehölzen; zu Hause gewaschen und welke Blätter aussortiert.
Hast du den Verdacht, dass ein Tier eine Giftpflanze gefressen hat, hol sofort tierärztliche Hilfe. Warte nicht ab, ob sich Anzeichen zeigen.
Wie bereite ich Frischfutter vor und wie viel gebe ich?
Waschen und vorbereiten
Gekauftes Gemüse und Salat wasche ich unter fließendem Wasser und lasse alles abtropfen. Welke oder beschädigte Blätter sortiere ich dabei aus. Bei gekauften Salatköpfen entferne ich zusätzlich die äußeren Blätter. Bei Meerschweinchen tauschst du nicht gefressenes Frischfutter und Heu täglich aus, und ich halte es bei Kaninchen genauso.
Wie viel Frischfutter?
Etwa 200 g gemischtes Frischfutter je kg Körpergewicht und Tag gelten für Kaninchen wie für Meerschweinchen als Orientierung, wenn Heu die Futtergrundlage bildet. Das ist ein Richtwert und keine feste Menge für jedes Tier.
Weil sich dieser Richtwert auf das Körpergewicht bezieht, kommst du ohne Waage nicht weit. Ich wiege die Tiere und schreibe das Gewicht auf, bevor ich die Frischfuttermenge festlege. Gemischt heißt dabei: mehrere Pflanzen zusammen statt einer einzigen Sorte. Bleiben immer wieder Reste liegen, passe ich die Menge an.
Neue Futterpflanzen einführen
Neues Futter stellst du bei Kaninchen und Meerschweinchen langsam um, verteilt über 14 Tage. Bei Kaninchen braucht der Verdauungsapparat diese Zeit, um sich auf das neue Angebot einzustellen. Ich nehme immer nur eine neue Pflanze auf einmal dazu und mische sie unter das gewohnte Grün. Ihren Anteil erhöhe ich Schritt für Schritt und beobachte dabei Kot und Fressverhalten.
Frisst ein Meerschweinchen nicht mehr, ist das ein tierärztlicher Notfall. Bring es dann ohne Umweg zur Tierärztin oder zum Tierarzt.
Lagern und haltbar halten
Vitamin C ist hitze- und lichtempfindlich, deshalb verändern Lagerung und Zubereitung den Gehalt in Futterpflanzen. Weil Meerschweinchen ihr Vitamin C über das Futter aufnehmen müssen, ernte ich ihr Grün erst kurz vor dem Füttern und biete es roh an. Was ich doch lagern muss, kommt kühl und dunkel ins Gemüsefach, in einem luftdurchlässigen Beutel. Faulige oder schimmelige Teile sortiere ich sofort aus. Schimmelpilzgifte können Futterpflanzen schon auf dem Feld oder erst im Lager belasten.
Heu lagert trocken und geschützt vor erneutem Wasserzutritt. Über dem Lager braucht es genug Luftraum, damit feuchtwarme Luft abziehen kann. Für lagerstabiles, dicht lagerbares Heu nennt die landwirtschaftliche Beratung einen Wassergehalt von weniger als 14 %. Das betrifft dich vor allem, wenn du von einer eigenen Kleintierwiese selbst Heu machst.
Heu, Zähne und Gewicht: worauf du achtest
Futter ist keine Medizin, und keine Pflanze ersetzt den Besuch beim Tierarzt. Worauf du achten kannst, ist die Zusammensetzung im Napf.
Rohfaser und Heu
Rohfaserhaltiges Grundfutter wie Heu und frisches Wiesengras bildet bei Kaninchen und Meerschweinchen die Basis. Frischfutter und Leckerli kommen dazu, sie ersetzen diese Basis aber nicht. Heu fehlt bei mir nie in der Raufe, auch an Tagen mit viel frischem Grün.
Zähne und Nagen
Die Zähne von Meerschweinchen wachsen ständig nach. Abgenutzt werden sie vor allem beim Kauen von rohfaserhaltigem Grundfutter. Zusätzlich kannst du beiden Arten Zweige anbieten. Kaninchen bekommen ungespritzte Zweige von Apfel, Birne, Weide, Buche oder Haselnuss als Nagematerial. Für Meerschweinchen eignen sich Äste von ungespritzten Obstbäumen, Weiden oder Haselnusssträuchern zur Beschäftigung.
Gewicht im Blick
Wie viel Futter ein Tier braucht, lässt sich nur mit Blick auf den Energiegehalt des Futters abschätzen. Obst und Leckerli zähle ich deshalb zur Tagesmenge, statt sie obendrauf zu geben. Verändert sich das Gewicht, schaue ich zuerst auf diese Extras und erst danach auf das übrige Frischfutter.
Futter durchs Jahr
Frühjahr und Sommer
Im Frühjahr wächst die Wiese wieder, und nach dem Winter mit viel Heu kommt frisches Grün in den Napf. Für die Tiere ist das ein Futterwechsel wie jeder andere. Weil Kaninchen und Meerschweinchen neues Futter langsam über 14 Tage kennenlernen sollen, steigere ich den Anteil an frischer Wiese im Frühjahr Schritt für Schritt. Im Sommer brauchen die Tiere im Freigehege einen kühlen Schattenplatz, der allen gleichzeitig Platz bietet.
Herbst
Im Herbst ernte ich, was das Beet noch hergibt. Bei der Wegwarte, zu der Chicorée, Radicchio und Zuckerhut gehören, reicht die Erntezeit von Juni bis November. Petersilie der Sorte Laura lässt sich von Juni bis November ernten. Beim Gehölzschnitt lege ich ungespritzte Zweige von Obstbäumen, Weide und Hasel für die Tiere beiseite.
Winter: was statt Wiese in den Napf kommt
Im Winter trägt Heu die Fütterung. Frisch kommen Chicorée, Radicchio und Zuckerhut dazu, die sich für beide Arten eignen. Den Chicorée kaufe ich dafür auch zu und wasche ihn wie jedes andere Gemüse. Petersilie ziehe ich zusätzlich in Töpfen mit Kräutererde und Abzugslöchern auf der Fensterbank.
Wenn ich im Winter zwischen Chicorée, Radicchio und Zuckerhut wechsle, nehme ich eine neue Sorte erst dazu, wenn die vorige gern gefressen wird. Dabei schaue ich auf Kot und Fressverhalten.
Wann welche Futterpflanze gesät wird, damit im Herbst und Winter etwas nachwächst, siehst du im Kalender mit den Saatzeiten der Futterpflanzen zum Ausdrucken.
Futterpflanzen selbst anbauen
Wer Futter selbst zieht, kann sich an der gemeinsamen Schnittmenge orientieren: eine Kleintierwiese aus Futtergräsern und Weißklee, dazu Blattzichorien und Petersilie. Zeitfenster, SaattiefeDie Saattiefe gibt an, wie dick die Erdschicht über einem Samenkorn nach der Aussaat ist. Als Faustregel bedeckst du einen Samen höchstens dreimal so dick mit Erde, wie das Korn selbst ist. und Abstand je Kultur findest du im Grundlagen-Abschnitt zur Aussaat je Kultur bei Futterpflanzen und Weide. Wie du die Pflanzen speziell für Kaninchen oder für Meerschweinchen anbaust, vertiefen die beiden Tier-Ratgeber weiter oben.
Häufige Fehler beim Füttern
- Heu als Beilage behandeln: Heu und Wiesengrün sind die Grundlage, Frischfutter ergänzt sie nur.
- Futter auf einen Schlag wechseln: Umstellungen verteilst du bei beiden Arten über 14 Tage, auch beim Wechsel der Jahreszeiten.
- Den Kaninchenplan für Meerschweinchen übernehmen: Meerschweinchen brauchen Vitamin C über das Futter. Auch auf andere Kleintiere lassen sich Futterlisten nicht übertragen, Degus etwa sollen wegen ihrer Neigung zu Diabetes kein Obst bekommen. Was für sie gilt, steht im Ratgeber darüber, was Chinchillas, Alpakas und Degus fressen dürfen.
- Reste liegen lassen: Nicht gefressenes Frischfutter und Heu kommen bei Meerschweinchen täglich raus.
- Unbekanntes sammeln: Was du nicht sicher bestimmen kannst, bleibt stehen, und Zweige stammen nur von ungespritzten Gehölzen.
Möhren als Hauptfutter für Kaninchen. Die Fütterungsgrundlage ist Heu zusammen mit Saftfutter. Möhrengrün zählt zu den geeigneten Grünfutterpflanzen, die Möhre selbst ersetzt aber weder Heu noch Wiesengrün.





