Futterpflanzen & Weide
Futterpflanzen anbauen: Futterkohl, Futterrüben, Zichorie, Klee und Kleintier-Wiese – Standort, Aussaat, Pflege, Ernte, Lagerung und Futterhygiene.


Pflanz- und Aussaatzeiten unterscheiden sich je Art. Gezeigt sind die Arten mit den meisten Ratgebern; den Kalender jeder weiteren Art findest du in ihrem Ratgeber.
Ein paar Reihen Futterrüben, ein Streifen Kleintier-Wiese, Futterkohl auf dem Wildacker oder eine Weide für Rinder: Unter Futterpflanzen läuft keine einzelne Kultur, sondern eine ganze Gruppe mit sehr verschiedenen Ansprüchen. Auf dieser Seite habe ich das Ordnungswissen aus meinen Futterpflanzen-Ratgebern gebündelt: welche Pflanzen dazugehören, was sie an Standort, Aussaat, Pflege und Düngung verlangen und wie Ernte, Lagerung und Futterhygiene zusammenhängen. Viele belastbare Werte stammen aus dem Feldfutterbau oder vom Wildacker, deshalb steht bei jedem Wert dabei, für welchen Anbau er gilt. Die einzelnen Ratgeber vertiefen jede Kultur und jedes Tier; hier steht das Gerüst.
Futterpflanzen im Überblick: Grünland, Futterkohl, Rüben und Zichorie
Am Anfang steht das Grünlandfutter von Wiese und Weide. Es setzt sich typischerweise aus Gräsern, Kräutern und Leguminosen zusammen, zum Beispiel aus Weidelgras, Spitzwegerich und Klee. Für kleine Flächen gibt es fertige Gräser- und Kleemischungen: Eine als Kleintier-Wiese angebotene Mischung ist mehrjährig und erreicht etwa 10 bis 20 cm Wuchshöhe.
Dazu kommt der Futterkohl. Markstammkohl (Brassica oleracea var. medullosa) stammt aus dem Mittelmeerraum. Furchenkohl wächst auf dem Wildacker mindestens zweijährig und kann bei unvollständigem Abäsen auch drei Jahre überdauern. Futterkohl kann auf dem Wildacker bis zu 2 m hoch werden und bietet Wildtieren dadurch Deckung. Im Gemüsebeet steht daneben der Blattkohl (Brassica oleracea var. viridis).
Die Futterrübe, auch Runkelrübe genannt (Beta vulgaris subsp. vulgaris var. rapaceae), ist zweijährig und erreicht ihre Blühphase im zweiten Standjahr. Die Wegwarte (Cichorium intybus), zu der die Futterzichorie gehört, wird 20 bis 80 cm hoch. Dazu kommen Grünfutter für Haus- und Kleintiere wie Katzengras und Ziervogelgras, deren Anzucht eigene Ratgeber vertiefen. Welche Futterpflanzen für Nutztiere sonst noch infrage kommen, zeigt der Nutztier-Überblick.
Standort, Boden und Winterhärte
Bei Luzerne und Blattkohl steht ein durchlässiger Boden obenan. Luzerne braucht warme, sonnige Standorte mit tiefgründigem, durchlässigem Boden und verträgt keine Staunässe. Für Blattkohl wird ein gut durchlässiger Boden empfohlen.
Beim pH-Wert gehen die Ansprüche auseinander. Für Kleearten im Feldfutterbau wird ein optimaler Boden-pH von 6,0 bis 6,7 angegeben. Luzerne im Feldfutterbau bevorzugt einen Boden-pH von 7,0 bis 7,5. Futterkohl auf dem Wildacker verträgt auf durchlässigen Böden einen pH-Wert von 4,5 bis 8; das ist eine Toleranzspanne und kein Optimum. Wie du den Boden für Futterkohl vorbereitest, vertieft ein eigener Ratgeber.
Bei der Kälte nennen die Quellen eine Spanne, die von der Kulturform abhängt. Für ausgewachsenen Markstammkohl werden −12 °C Kältetoleranz angegeben, für an Kälte gewöhnten Futterkohl auf dem Wildacker bis −15 °C. Für Luzerne wird eine Winterfestigkeit bis etwa −20 °C genannt, die vom Vegetationszustand im Herbst abhängt.
Aussaat: Zeitfenster, Tiefe und Abstand je Kultur
Die Aussaatfenster liegen je Kultur weit auseinander, deshalb lohnt der Blick auf jede einzelne.
Runkelrübe: Die Aussaatzeit reicht von März bis Mai, die Saattiefe beträgt 2 bis 3 cm. Der Bestand steht als System aus 30 cm Abstand in der Reihe und 40 cm Reihenabstand. Die Keimdauer liegt bei 14 bis 21 Tagen. Für die Direktsaat von Futterrüben nennt der ökologische Feldanbau eine Bodentemperatur von mindestens 5 bis 8 °C. Ich stecke vor der Rübensaat ein Bodenthermometer in die Saatreihe und lese es ab, bevor ich säe.
Futterkohl und Blattkohl: Furchenkohl für den Wildacker wird von Mai bis Juli ausgesät. Blattkohl wird im Frühjahr oder Herbst gesät und keimt in 5 bis 12 Tagen. Im Beet steht er als System aus 30 cm in der Reihe und 76 cm Reihenabstand.
Wegwarte: Gesät wird von Juni bis Juli, 0,5 bis 2 cm tief, und die Keimdauer liegt bei 7 bis 21 Tagen. Der Abstand reicht von 10 bis 30 cm in der Reihe bei 20 bis 60 cm Reihenabstand. Die Kulturdauer wird mit 90 bis 168 Tagen angegeben.
Kleintier-Wiese: Die als Kleintier-Wiese angebotene Gräser- und Kleemischung wird etwa 0,5 bis 1 cm tief ausgesät und keimt in 7 bis 21 Tagen. Als Keimtemperaturbereich werden für diese Mischung 10 bis 20 °C angegeben.
Handgriffe für Saatbett und Aussaat findest du im Ratgeber, wie du Futterpflanzen richtig aussäst. Zum Planen gibt es außerdem den Aussaatkalender für Futterpflanzen zum Ausdrucken.
Pflege: Unkraut, Vereinzeln und Winterhöhe
Bei Futterrüben zählt die Zeit nach dem Auflaufen. Besonders in der vierten bis achten Woche nach dem Auflaufen brauchen sie geringe Unkrautkonkurrenz. Im ökologischen Futterrübenanbau wird mit dem Vereinzeln bis zum 4-Blatt-Stadium gewartet, um dabei zugleich spätere Unkräuter zu entfernen. Ich vereinzle meine Rüben deshalb im selben Durchgang wie das Hacken und arbeite jede Reihe einmal komplett durch.
Bei Luzerne zählt der Herbst. Im Feldfutterbau geht sie idealerweise mit etwa 15 cm Wuchshöhe in den Winter, und ihre Winterfestigkeit hängt vom Vegetationszustand im Herbst ab.
Die Pflege einer Kleintier-Wiese über die Saison ist ein eigenes Thema mit Schnitt, Nutzung und Nachsaat. Wie das im Einzelnen aussieht, beschreibt der Ratgeber, wie du eine Kleintier-Wiese anlegst und pflegst.
Gießen und Düngen nach Pflanzengruppe
Eine feste Gießmenge für alle Futterpflanzen gibt es nicht. Für einen 20 cm hohen, voll entwickelten Grünlandbestand nennt ein Bewässerungsmodell an heißen, wolkenfreien Sommertagen maximal 5,8 mm Wasserverbrauch pro Tag, und zwar bei unbegrenztem Bodenwasserangebot. Das ist ein Modellwert und keine tägliche Gießmenge. Mehr Wasser ist dabei nicht automatisch besser, denn Luzerne verträgt keine Staunässe. Für Rüben vertieft der Ratgeber, wie du Futterrüben bewässerst, die Technik.
Beim Düngen trennen sich die Gruppen. Futterrüben zählen zu den Starkzehrern. Für Blattkohl im Gemüsebeet kannst du Kompost einarbeiten oder einen organischen, stickstoffbetonten Gartendünger verwenden. Im Feldanbau von Markstammkohl wird die Stickstoffdüngung auf eine Gabe vor der Saat und eine weitere bei etwa 30 cm Pflanzenhöhe aufgeteilt. Klee und Luzerne folgen einer anderen Logik: Kleinkörnige Futterleguminosen können durch die Stickstofffixierung ihrer Knöllchenbakterien ohne Stickstoffdüngung auskommen.
Krankheiten und Schädlinge: vorbeugen statt behandeln
Vorbeugung beginnt beim Standort. Bei Futterkohl kommt die Kohlhernie dazu, eine Krankheit der Kohlpflanzen. Die Kohlhernie infiziert Kohlpflanzen besonders stark bei 20 bis 25 °C und wird durch feuchte, staunasse sowie saure Böden begünstigt.
Futterrüben oder Kohl auf eine Fläche setzen, die zu Nässe neigt. Gegen Wurzelbrand bei Futterrüben werden vernässungsgefährdete Böden gemieden, und die Kohlhernie wird durch feuchte und staunasse Böden begünstigt. Prüfe vor der Saat, ob auf der Fläche nach Regen Wasser stehen bleibt.
Bei den Schädlingen setzt die Vorbeugung früh an. Die Kleine Kohlfliege legt etwa ab Mitte April Eier, deshalb werden Kohlkulturen im Hausgarten unmittelbar nach Saat oder Pflanzung mit einem Kulturschutznetz abgedeckt. Ich lege das Netz noch am Tag der Saat auf und schließe die Ränder mit Erde. An eine Wiese angrenzende Futterrübenflächen können durch einen etwa 2 bis 3 m breiten, kurz gehaltenen Grasstreifen vorbeugend gegen einwandernde Schnecken geschützt werden.
Der Pflanzenschutz bleibt eine Stufenfolge ohne Mittel und Dosierungen: vorbeugen über Standort, Netz und Abstand, dann kontrollieren, dann von Hand eingreifen. Typische Probleme an Rüben ordnet der Ratgeber ein, wie du Futterrüben vor Schädlingen und Krankheiten schützt.
Ernte und Verwertung
Die Runkelrübe wird von September bis November geerntet. Wann und mit welcher Technik du die Rüben aus dem Boden holst, steht im Ratgeber, wie du Futterrüben richtig erntest.
Beim Markstammkohl liegt der angegebene Erntezeitpunkt bei 12 bis 15 % Trockensubstanz. Als Zweitfrucht angebauter Markstammkohl wird ab Mitte Oktober für Frischfutter oder Silage geerntet. Genutzt werden die Blätter, und ganze Pflanzen werden als Frischfutter oder Silage verwertet. Für die als Kleintier-Wiese angebotene Gräser- und Kleemischung ist eine Nutzhöhe von etwa 20 cm angegeben.
Aus der Forschung kommt ein Blick auf Luzerne als Eiweißfutter. In Versuchen zur Gewinnung von Luzerne-Eiweißfutter für Geflügel werden als Erntevarianten die oberen 30 % beziehungsweise 45 % der Pflanze geschnitten. Eine allgemeine Schnitt- oder Fütterungsempfehlung ist das nicht, sondern ein Versuchsaufbau.
Lagern und Futterhygiene
Frische Futterrüben sind bei etwa 5 °C begrenzt lagerfähig. Wärme begünstigt dabei die Austrocknung, Frost mit anschließendem Auftauen die Fäulnis. Für Pferdeheu wird vor dem ersten Verfüttern eine Nachreifezeit von 8 bis 10 Wochen nach der Ernte angegeben. Für die sommerliche Lagerung von Pferdeheu wird eine Restfeuchte unter 14 % bei ausreichender Nachreife empfohlen. Schimmelpilzgifte (Mykotoxine) können Futterpflanzen bereits auf dem Feld oder erst während der Lagerung kontaminieren.
Pyrrolizidinalkaloide aus Kreuzkräutern können auch über Heu oder Silage bei Rindern und Pferden schwere bis tödliche Vergiftungen verursachen. Kreuzkraut gehört deshalb weder ins Heu noch in die Silage; schau dir die Fläche vor der Mahd genau an. Nitratreiches Herbstfutter kann besonders für Wiederkäuer ein Vergiftungsrisiko sein, weil Nitrat zu Nitrit umgewandelt werden und die Bildung von Methämoglobin begünstigen kann. Eine pauschal sichere Futtermenge lässt sich daraus nicht ableiten.
Hirse kann unter Stress durch Fraßdruck, Dürre oder Kälteperioden Blausäure bilden. Eine pauschale Wartezeit gibt gestresste Hirse-Grünpflanzen nicht zum Verfüttern frei. Wie du Futterrüben einlagerst, vertieft der Ratgeber, wie du Futterrüben richtig erntest und lagerst.
Futterwert und Rübentypen
Für Futterrüben nennt die Gruber Tabelle der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft diese Futtertabellenwerte:
- 146 g Trockenmasse je kg Frischmasse
- 80 g Rohprotein je kg Trockenmasse
- 545 g Zucker je kg Trockenmasse
- 7,47 MJ Nettoenergie Laktation (NEL) je kg Trockenmasse
- 2,7 g Kalzium je kg Trockenmasse
Die Futtertabelle wechselt die Bezugsgröße. Der Trockenmassegehalt steht je Kilogramm Frischmasse, also je Kilogramm frischer Rübe. Rohprotein, Zucker, Energie und Kalzium stehen dagegen je Kilogramm Trockenmasse, und Werte mit verschiedener Bezugsgröße lassen sich nicht direkt nebeneinanderlegen.
Bei den Rübentypen gibt eine Futterwerttabelle für die Gehaltsrübe 17 bis 19 % Trockenmasse und für die Halbzuckerrübe 14 bis 16 % Trockenmasse als Tabellenwert an. Beim Markstammkohl gibt es blattarme und blattreiche Typen; niedrig wachsende Sorten besitzen höhere Trockenmassegehalte als stängelige Sorten. Tabellenwerte beschreiben Inhaltsstoffe, keine Wirkung auf die Gesundheit deiner Tiere. Mehr dazu steht im Ratgeber, was im Nährstoffgehalt von Futterrüben steckt.
Fruchtfolge und Mischkultur
Für Rüben, Kohl und Luzerne liegen Anbaupausen vor, jeweils mit eigenem Bezug. Für die Runkelrübe wird eine Fruchtwechselpause von 4 Jahren genannt. Futterrüben werden im ökologischen Feldanbau nach humusaufbauenden Kulturen eingeordnet. Für Futterkohl im ökologischen Zwischenfruchtanbau gilt eine Anbaupause von mindestens 5 Jahren zu anderen Kreuzblütlern. Im Feldfutterbau werden für Luzerne gegenüber sich selbst und anderen Leguminosen Anbaupausen von 4 bis 6 Jahren eingehalten.
Mischkultur heißt bei Futterpflanzen auch Mischbestand: Grünlandfutter setzt sich typischerweise aus Gräsern, Kräutern und Leguminosen zusammen, und die Kleintier-Wiese ist eine Gräser- und Kleemischung. Wie du Futterpflanzen im Beet kombinierst, vertieft der Ratgeber, wie Mischkulturen im Futterpflanzenanbau funktionieren. Eine Mischkultur ist dabei eine Planungshilfe, keine Garantie für gesunde Bestände.
Wiese und Weide: Aufwuchshöhe und Weidesysteme
Auf der Weide steuerst du den Aufwuchs über Messen und über das Weidesystem. Für die Kurzrasenweide mit Milchkühen gibt es Zielhöhen: In Hauptwachstumsphasen liegt die Ziel-Aufwuchshöhe bei 5 bis 6 cm, gemessen mit der Deckelmethode. In wachstumsschwachen Phasen liegt sie bei 6 bis 7 cm, ebenfalls mit der Deckelmethode gemessen. Kontrolliert wird der Grasaufwuchs einer Kurzrasenweide für Rinder wöchentlich mit derselben Methode. Diese Werte gehören zu diesem System und zu dieser Tierart.
Bei der Wahl des Weidesystems geht es um Arbeit und Ausnutzung. Umtriebsweiden und besonders Portionsweiden benötigen mehr Arbeit als Standweiden, ermöglichen jedoch eine bessere Ausnutzung des Futterbestands. Welche Gräser, Klee und Luzerne für Rinder infrage kommen, vertieft ein eigener Ratgeber.
Kleintierfütterung im Jahresverlauf: frisch von der Fläche oder aus dem Lager
Wer Kaninchen oder Meerschweinchen hält, fragt sich je nach Jahreszeit neu, was frisch von der Fläche kommt und was aus dem Lager. Die als Kleintier-Wiese angebotene Gräser- und Kleemischung ist mehrjährig; ihre angegebene Nutzhöhe steht im Abschnitt Ernte und Verwertung. Die Futterhygiene betrifft beide Wege: Schimmelpilzgifte (Mykotoxine) können Futterpflanzen bereits auf dem Feld oder erst während der Lagerung kontaminieren.
Welche Pflanze zu welcher Tierart passt, vertiefen die Ratgeber je Tier. Mehr zum Jahresverlauf steht im Ratgeber, wie du Kaninchen und Meerschweinchen mit Grünfutter versorgst.
Zum Vertiefen: die Futterpflanzen-Ratgeber
Das war das Fundament – für jedes Thema findest du hier den vertiefenden Ratgeber:
- Anzucht & Aussaat: Futterrüben im Kleingarten, so säst du eine perfekte Kleintier-Wiese aus, Winterraps aussäen, alle 19 Ratgeber zu Anzucht & Aussaat ↓
- Sorten & Auswahl: die wichtigsten Futterpflanzen für Nutztiere, Ziervogelgras und Alternativen
- Wissen & Sonstiges: Futterpflanzen für Hühner, Vitaminreiche Futterpflanzen für gesunde Meerschweinchen, Katzengras als natürliches Enrichment
- Krankheiten & Schädlinge: Futterzichorie pflegen
- Pflege & Düngen: Kleintier-Wiese richtig anlegen und pflegen
- Fruchtfolge & Mischkultur: Ertragreiches Duo
- Planen und drucken: der Beetplaner, der Aussaatkalender zum Ausdrucken, der Mischkultur-Planer
Anzucht & Aussaat
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Pflege & Düngen
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