Historische Düngermethoden für Zimmerpflanzen: was Kompost, Jauche und Hornspäne heute taugen
- Reiner Kompost ist als Topferde zu nährstoffreich und gehört nur als Anteil in eine Erdmischung.
- Hornspäne und Hornmehl mischst du vor dem Pflanzen in torffreie Erde, Hornspäne geben den Stickstoff langsamer ab.
- Jauche, Kompost und Hornspäne wirken erst, wenn Mikroorganismen sie abgebaut haben.
- Auch Naturdünger können überdüngen und den Salzgehalt im Topf erhöhen.
- Holzasche aus dem eigenen Ofen ist wegen möglicher Schadstoffe und Schwermetalle kein empfehlenswerter Dünger.

Kompost aus dem Garten, Brennnesseln vom Wegrand, Kaffeesatz aus der Küche: Viele alte Düngermethoden arbeiten mit Material, das im Haushalt ohnehin anfällt. Im Blumentopf gelten dafür aber andere Regeln als im Beet. Reiner Kompost ist als Topferde zu nährstoffreich, Holzasche aus dem eigenen Ofen kann Schadstoffe mitbringen, und auch Naturdünger können überdüngen. Ich nutze einige der alten Methoden für meine Zimmerpflanzen und frage bei jeder zuerst, wie sie sich in einem Gefäß mit wenig Erde verhält.
In Kompost, Jauche und Hornspänen sind die Nährstoffe organisch gebunden. Pflanzenverfügbar werden sie erst, wenn Mikroorganismen das Material abbauen. Diesen Vorgang nennt man MineralisierungMineralisierung ist der Abbau organischer Stoffe wie Erntereste, Mulch, Kompost oder Mist im Boden. Bodenlebewesen schließen sie dabei auf, sodass die darin gebundenen Nährstoffe für Pflanzen verfügbar werden., und er läuft nach und nach ab.
Welche alten Düngermethoden passen in den Topf?
Bevor es mineralische Dünger gab, kamen die Nährstoffe aus dem, was in Haushalt, Garten und Schlachtung übrig blieb. Für Zimmerpflanzen taugen diese Methoden unterschiedlich gut. Die Übersicht zeigt, wie ich sie einordne.
| Methode | Was dahintersteckt | So ordne ich sie für den Topf ein |
|---|---|---|
| Kompost, auch aus der Wurmkiste | organisch gebundene Nährstoffe, die durch Mineralisierung frei werden | nur als Anteil einer Erdmischung, pur zu nährstoffreich |
| Brennnessel- und Beinwelljauche | in Wasser vergorene Pflanzen | auf feuchte Erde gießen, nicht über die Blätter sprühen |
| Hornspäne und Hornmehl | Stickstoff, Hornspäne geben ihn langsamer ab | vor dem Pflanzen in torffreie Erde mischen |
| Knochenmehl und Guano aus dem Handel | gekaufte organische Dünger | Dosierung nach Verpackungsanweisung |
| Kaffeesatz, Eier- und Bananenschalen | Küchenreste ohne Mengenangabe | einzeln ausprobieren und auf die Blätter schauen |
| Holzasche aus Ofen oder Kamin | Verbrennungsrückstand | kein empfehlenswerter Dünger wegen möglicher Schadstoffe und Schwermetalle |
Kompost für Zimmerpflanzen: Zutat, keine Topferde
Reinen Kompost nehme ich nie als Topferde, denn als Gefäßsubstrat ist er zu nährstoffreich. Dazu kommt sein hoher pH-Wert, der ihn für kalkempfindliche Pflanzen ungeeignet machen kann. Azaleen etwa sind kalkempfindliche Moorbeetpflanzen, für sie wird ein Substrat-pH von 4,0 bis 4,5 angegeben. Für eine Azalee kann reiner Kompost damit aus zwei Gründen ungeeignet sein: zu viele Nährstoffe und ein zu hoher pH-Wert. Kalkempfindliche Topfpflanzen setzt du besser in abgestimmte Azaleen- oder Moorbeetsubstrate.
Als Anteil einer Mischung ist Kompost dagegen ein üblicher Bestandteil von Topferden. Ich mische ihn unter Blumenerde und achte darauf, dass die Mischung locker und luftdurchlässig bleibt. Eine geeignete Zimmerpflanzenerde ist außerdem strukturstabil und kann Wasser aufnehmen, speichern und wieder abgeben.
Kompost kann schon in deiner Erde stecken
In torffreien Erden lässt sich Torf durch Mischungen aus gütegesichertem Substratkompost, Holzfasern, Rindenhumus, Kokosmaterial und mineralischen Zuschlägen ersetzen. Bei der Nachdüngung von Topfpflanzen zählt die Grunddüngung mit, die schon im Substrat steckt. Wer frische Blumenerde zusätzlich mit eigenem Kompost anreichert, legt also womöglich Nährstoffe auf einen Vorrat, der schon da ist. Lies deshalb vorher auf der Packung nach, ob die Erde vorgedüngt ist und Kompost enthält.
Mische Kompost nur in die Erdmenge, die du beim Umtopfen direkt verbrauchst. Bei längerer Lagerung kann die Freisetzung organisch gebundener Nährstoffe den Salzgehalt torffreier oder torfreduzierter Erden erhöhen. Übrig gebliebenes Substrat lagerst du dunkel, kühl und trocken.
Wurmkompost aus der Wohnung
Ohne Garten kannst du in einer Wurmkiste kompostieren: Kompostwürmer verarbeiten darin Küchenreste zu Wurmhumus. Für den Topf ist das Kompost, und er gehört wie Gartenkompost als Anteil in eine Mischung, nicht pur ins Gefäß. Der Flüssigkeit, die aus der Kiste abläuft und oft Wurmtee heißt, wird eine düngende Wirkung nachgesagt. Wie viele Nährstoffe darin stecken, steht auf keinem Etikett. Eine EC-Messung hilft nur begrenzt weiter, denn sie erfasst die gesamte gelöste Salzbelastung, aber nicht die einzelnen Nährstoffe. Ich behandle Wurmtee deshalb wie eine selbst angesetzte Jauche.
Brennnessel- und Beinwelljauche in der Wohnung
Pflanzenjauchen sind alte Hausrezepte aus dem Garten. Der BrennnesseljaucheBrennnesseljauche ist ein selbst angesetzter Flüssigdünger aus Brennnesselblättern, die zehn bis 14 Tage in Wasser gären. Sie liefert schnell verfügbaren Stickstoff und eignet sich besonders für stark zehrendes Gemüse. wird vor allem Stickstoff nachgesagt, der Beinwelljauche Kalium. Angesetzt werden die Pflanzen in Wasser, das anschließend gärt. Auch hier sind die Nährstoffe organisch gebunden und werden erst durch Mikroorganismen frei. Wie jeder organische Dünger kann eine Jauche zur Überversorgung und zu erhöhtem Salzgehalt im Substrat beitragen.
Eine Mengenangabe wie auf einer gekauften Düngerflasche hat eine selbst angesetzte Jauche nicht. Ich taste mich deshalb heran und schaue mir danach die neuen Blätter an.
Ich setze Jauche draußen auf dem Balkon an, nicht in der Wohnung. Vor dem Düngen gieße ich den Topf mit klarem Wasser an, denn Düngerlösung gehört auf bereits feuchte Erde, damit die Wurzeln keinen Schaden nehmen. Über die Blätter sprühe ich Jauche nicht.
BlattdüngungBei der Blattdüngung werden Nährstoffe, meist Spurenelemente, direkt auf die Blätter gebracht und über das Blatt aufgenommen. Sie wirkt schnell, hält aber nur begrenzt an und überbrückt vor allem akute Versorgungsengpässe. kann zwar Nährstoffe zuführen, ist wegen möglicher Verbrennungen und fehlender nachhaltiger Wirkung aber nur begrenzt einsetzbar. Gelbe Blätter mit Blattfall können auf Nährstoffmangel hindeuten, ebenso aber auf Lichtmangel, Temperaturschwankungen oder WasserstressWasserstress bedeutet, dass eine Pflanze zu wenig Wasser bekommt. Bei Gehölzen zeigt er sich oft erst einige Monate später durch Blatt- oder Nadelfall, schwaches Wachstum und höhere Anfälligkeit für Schädlinge und Krankheiten.. Wer darauf reflexhaft mit mehr Jauche reagiert, bringt womöglich nur mehr Salz in den Topf, obwohl die Ursache beim Licht oder beim Gießen liegen kann.
Hornspäne und Hornmehl: Stickstoff auf Vorrat
Horn gehört zu den alten organischen Düngern und ist heute aufbereitet im Handel. Hornspäne und Hornmehl liefern Stickstoff, den Pflanzen für Blatt- und Triebwachstum brauchen. Hornspäne geben ihn langsamer ab als Hornmehl. Zur vorbeugenden Stickstoffversorgung mischst du sie schon vor dem Pflanzen in torffreie Gefäßerde.
Ich arbeite Hornspäne beim Umtopfen in die frische Erde ein. Wirksam werden sie erst, wenn Mikroorganismen sie abgebaut haben. Bei niedrigeren Temperaturen verzögert sich die Wirkung organischer Langzeitdünger zusätzlich.
In Kakteenerde lasse ich Hornspäne weg. Für Kakteen sind stark stickstoffbetonte Dünger ungünstiger als Dünger mit geringerem Stickstoffanteil und Betonung von Phosphor und Kalium.
Knochenmehl stammt aus derselben Tradition der Schlachtnebenprodukte. Bei gekaufter Ware richtest du die Dosierung nach der Verpackungsanweisung und rechnest eine vorhandene Grunddüngung im Substrat mit ein.
Kaffeesatz, Eierschalen, Bananenschalen: Küchenreste einordnen
Küchenreste landen in vielen Haushalten im Blumentopf. Dem Kaffeesatz wird nachgesagt, er dünge und säuere die Erde an. Eierschalen sollen Calcium liefern, Bananenschalen Kalium. Beide Nährstoffe zählen zu den HauptnährstoffenHauptnährstoffe sind die Nährstoffe, die Pflanzen in größeren Mengen brauchen: Stickstoff, Phosphor, Kalium, Calcium, Magnesium und Schwefel. Beim Düngen im Garten stehen Stickstoff, Phosphor, Kalium und Magnesium im Vordergrund. der Pflanzen. Bei Kaffeesatz und Bananenschalen sind die Nährstoffe aber organisch gebunden und werden erst nach dem Abbau durch Mikroorganismen frei.
Für keinen dieser Reste gibt es eine Mengenangabe. Ich probiere nie mehrere Reste gleichzeitig an einer Pflanze aus und beobachte danach die Blätter. Bei Phalaenopsis lasse ich Küchenreste ganz weg. Sie wachsen in Rindensubstrat mit hoher Luft- und Wasserdurchlässigkeit, und zu hohe oder zu häufige Düngergaben können Orchideenwurzeln schädigen.
Holzasche: alter Brauch, heute keine Empfehlung
Holzasche hat als Dünger eine lange Tradition, ihr werden Kalium und eine kalkende Wirkung nachgesagt. Für Zimmerpflanzen lasse ich sie trotzdem weg. Holzasche aus privaten Feuerstätten kann mit Schadstoffen und Schwermetallen belastet sein und ist deshalb kein empfehlenswerter Dünger für die Pflanzenpflege.
Gegen Kaminasche spricht nicht erst eine zu große Menge, sondern schon die mögliche Belastung mit Schadstoffen und Schwermetallen. Für die Nährstoffversorgung nimmst du besser einen Dünger, dessen Dosierung auf der Verpackung steht.
Mulch, Gründüngung und Mischkultur auf der Fensterbank
Mulchen heißt, die Erde mit organischem Material abzudecken, im Garten zum Beispiel mit Laub oder Stroh. Im Topf verdeckt eine solche Schicht die Oberfläche, an der du sonst die Feuchte abliest. Bei torffreier Erde kann die Oberfläche ohnehin trocken wirken, obwohl das Substrat weiter unten noch nass ist. Ich hebe meine Töpfe deshalb vor dem Gießen an und schätze den Feuchtezustand am Gewicht. Obenauf liegender Sand hat einen anderen Zweck: Bei torffreier Erde kann eine ungefähr 1 cm hohe Schicht aus Quarz- oder grobem Sand gegen TrauermückenTrauermücken sind Mücken, die feuchte Umgebung lieben und ihre Eier auf oder in die Erde legen. Schaden richten vor allem ihre weißen Larven an: Sie fressen an Wurzeln, besonders bei Aussaaten und Stecklingen. helfen. Verlass dich aber nicht darauf.
Bei der Gründüngung werden Pflanzen angebaut und frisch in den Boden eingearbeitet. Für Töpfe wird manchmal vorgeschlagen, gehacktes Mikrogrün in die oberste Erdschicht zu geben. Das Grün ist organisches Material und muss wie jeder Küchenrest erst von Mikroorganismen abgebaut werden.
Von der Mischkultur bleibt im Zimmer ein Grundsatz: In ein gemeinsames Pflanzgefäß kommen nur Pflanzen mit annähernd gleichen Ansprüchen an Licht, Wasser und Nährstoffe. Dann kannst du alle Pflanzen im Gefäß mit demselben Dünger versorgen.
Wann und wie oft du mit Naturdünger düngst
Für viele Zimmerpflanzen wird während der Wachstumsphase im Frühling und Sommer eine Flüssigdüngung alle 2 bis 4 Wochen empfohlen. Bei weniger Winterlicht brauchen Zimmerpflanzen weniger Nährstoffe, auch wenn der Raum warm bleibt. Die Einzelheiten findest du im Kapitel Düngen im Zimmerpflanzen-Ratgeber und im Ratgeber dazu, wie du deine Zimmerpflanzen im Jahreslauf mit Nährstoffen versorgst.
Jauche, Kompost und Küchenreste passen nicht zur HydrokulturHydrokultur ist eine Kulturmethode ohne Erde: Die Wurzeln wachsen in einem neutralen Füllsubstrat wie Blähton, und eine Nährlösung aus Wasser und gelösten Nährstoffen versorgt die Pflanze.. In erdelosen Kulturen müssen sämtliche benötigten Nährstoffe gezielt dosiert zugeführt werden, und bei selbst gemachten Düngern kennst du die Menge nicht.
Naturdünger oder Mineraldünger?
Organisch und mineralisch schließen sich nicht aus: Organisch-mineralische Dünger kombinieren beide Formen der Nährstoffbindung. Bei mineralischen Stickstoffdüngern liegt ein Nachteil in der Herstellung, denn die industrielle Ammoniakherstellung als ihr Ausgangspunkt ist energieaufwendig. Gekaufte Dünger bringen dafür eine Dosierungsanweisung auf der Verpackung mit, an die du dich hältst. Bei beiden Düngerarten richtest du dich nach dem Bedarf der Pflanze. Mehr Hintergrund liefert der Ratgeber dazu, was du über Nährstoffe und Düngerarten für Zimmerpflanzen wissen solltest.
„Mit Naturdünger kann man nicht überdüngen.“ Das stimmt nicht. Auch die Freisetzung von Nährstoffen aus organischen Düngern kann zur Überversorgung und zu erhöhtem Salzgehalt im Substrat beitragen.
Wenn es doch zu viel war
Bei SalzschädenSalzschäden sind Schäden an Pflanzen durch zu viel Salz im Boden oder Substrat, etwa nach zu hohen Düngergaben oder durch Streusalz. Typisch sind Blätter, die vom Rand her braun werden, und ein gehemmtes Wachstum. durch Überdüngung stellst du die Düngung ein. Falls nötig, topfst du um und tauschst dabei einen Teil der alten Erde aus. Woran du Düngefehler erkennst, zeigt der Ratgeber dazu, wie du beim Düngen von Zimmerpflanzen richtig dosierst und Fehler korrigierst.
Bevor ich mit Naturdünger dünge, gehe ich diese Punkte durch.
- Wächst die Pflanze gerade, oder steht sie im lichtarmen Winter still?
- Steckt in der Erde schon eine Grunddüngung, etwa aus frischer Blumenerde oder Kompost?
- Ist der Ballen bereits feucht?
- Passt der Dünger zur Pflanze? Hornspäne nicht in Kakteenerde, Küchenreste nicht zu Phalaenopsis, reiner Kompost nicht zu kalkempfindlichen Pflanzen.
- Holzasche bleibt draußen.

