Komponenten der Bonsaierde: Was Akadama, Lava, Bims und Rinde leisten
- Bonsais brauchen ein wasserdurchlässiges Substrat, das trotzdem Wasser speichert und den Wurzeln Luft lässt.
- Akadama und Bims halten Wasser in ihren Poren, Lava und Bims machen die Mischung strukturstabil.
- Kiefernrinde lockert die Erde, zersetzt sich aber mit der Zeit.
- Organische Zusätze geben Nährstoffe nach und nach frei und können trotzdem den Salzgehalt erhöhen.
- Reiner Kompost enthält als Gefäßsubstrat zu viele Nährstoffe und gehört nur als Beimischung in die Erde.
- Das Mischungsverhältnis richtet sich nach der Art und danach, wie hell und warm der Baum steht.

Ein Bonsai wurzelt in wenig Erde, meist in einer flachen Schale. Steht diese Erde dauerhaft nass, fehlt den Wurzeln Sauerstoff, und sie können faulen. Wenn ich eine neue Mischung ansetze, nehme ich mir deshalb jede Komponente einzeln vor und siebe sie, bevor sie in die Wanne kommt.
Bonsai ist keine eigene Baumart, sondern eine Kultur- und Gestaltungsform für ganz verschiedene Pflanzenarten. Ein Einheitsrezept für alle Bäume gibt es deshalb nicht. Gemeinsam ist ihnen ein Grundanspruch: Bonsais brauchen ein wasserdurchlässiges SubstratSubstrat ist der Fachbegriff für Erde oder Erdmischungen, in die du aussäst, pflanzt oder umtopfst, etwa Aussaaterde, Topferde oder Kübelpflanzenerde. Es wird aus organischen und mineralischen Bestandteilen gemischt.. Die Bausteine dafür sind Akadama, Kiefernrinde, Lava, Bims und organische Zusätze, und jeder davon übernimmt eine eigene Aufgabe.
Warum Blumenerde für Bonsai nicht reicht
Gewöhnliche Blumenerde verdichtet in der flachen Schale leicht und lässt das Wasser dann nicht mehr zuverlässig ablaufen. Verklumpt Lehmerde stark und wird hart, kann sie bei Bonsais sogar die Aufnahme von Wasser und Nährstoffen erschweren. Wie sich Erden je Pflanzengruppe unterscheiden und welches Substrat mit welchem pH-Wert zu deinen Zimmerpflanzen passt, erklärt die Zimmerpflanzen-Übersicht.
Was eine gute Bonsaierde leisten muss
Ein geeignetes Topfsubstrat muss auf Dauer drei Dinge schaffen: Wasser speichern, überschüssiges Wasser ableiten und den Wurzeln genug Luft lassen. Damit das so bleibt, braucht die Mischung StrukturstabilitätStrukturstabilität beschreibt, wie dauerhaft eine Blumenerde oder ein Substrat locker bleibt. Strukturstabile Erde gibt den Wurzeln Halt, ohne mit der Zeit zusammenzusacken oder zu verdichten.. Eine strukturstabile Mischung beugt vor, dass sie im unteren Teil der Schale verdichtet und vernässt.
Gutes Substrat verbindet zwei Porengrößen. Kleine Poren im Inneren poröser Körner halten Wasser fest. Große Poren zwischen den Körnern lassen überschüssiges Wasser ablaufen und bringen Luft an die Wurzeln.
Drainage: Überschüssiges Wasser muss ablaufen
Prüfe vor dem Befüllen, ob die Abzugslöcher der Schale frei sind, denn ohne funktionierenden Wasserabzug staut sich das Gießwasser. Grobe Körner wie Lava und Bims halten zwischen sich große Zwischenräume offen, durch die das Wasser nach unten abläuft. Zum Testen füllst du die fertige Mischung in einen Topf mit Abzugslöchern und gießt durchdringend. Läuft das Wasser durch und unten heraus, stimmt die DrainageDrainage bedeutet, dass überschüssiges Wasser aus der Erde abfließen kann, damit keine Staunässe entsteht. Im Pflanzgefäß sorgen dafür Abzugslöcher und eine grobe Drainageschicht, etwa aus Tonscherben oder Blähton.. Bleibt es oben stehen, ist die Mischung zu dicht, und du erhöhst den groben Anteil.
Belüftung: Sauerstoff für die Wurzeln
Wurzeln brauchen Luft im Substrat. Bleibt die Erde dauerhaft nass, können Wurzeln an Sauerstoffmangel absterben. Der Baum sieht dann trotz feuchter Erde aus, als wäre er vertrocknet. Schlaffe Blätter sind also kein sicheres Zeichen für Durst: Prüfe vor dem Gießen, wie feucht das Substrat ist. Steht ein Ballen nass, entfernst du überschüssiges Wasser und gießt erst einmal nicht weiter.
Wasserspeicherung: Vorrat zwischen zwei Wassergaben
Die Mischung soll genug Wasser halten, um den Baum zwischen zwei Wassergaben zu versorgen, ohne matschig zu werden. Diese Aufgabe übernehmen poröse Bestandteile: Akadama und Bims halten Wasser in ihren Poren und geben es nach und nach ab. Wie du Mischung und Gießen aufeinander abstimmst, erklärt der Ratgeber dazu, wie Bonsaierde und Gießen zusammenpassen.
Und der pH-Wert?
Wer eine handelsübliche Fertigerde für den Großteil der Zierpflanzen kauft, bekommt einen eingestellten pH-Wert von 5,5 bis 6,5. Für Azaleen als kalkempfindliche Moorbeetpflanzen gilt dagegen ein Substrat-pH von 4,0 bis 4,5. Ein unpassender Wert kann die Nährstoffaufnahme trotz ausreichender Nährstoffe begrenzen, Grundlagen dazu stehen im Kapitel Substrat, pH-Wert und HydrokulturHydrokultur ist eine Kulturmethode ohne Erde: Die Wurzeln wachsen in einem neutralen Füllsubstrat wie Blähton, und eine Nährlösung aus Wasser und gelösten Nährstoffen versorgt die Pflanze. der Zimmerpflanzen-Übersicht.
Akadama und Kiefernrinde: die Grundbausteine
Akadama: körnige Tonerde aus Japan
Akadama ist eine gelblich-braune, körnige Tonerde aus Japan. Ihre Körner sind porös, sie nehmen Wasser auf und geben es langsam wieder ab. Zwischen den Körnern bleiben Zwischenräume, durch die überschüssiges Wasser abläuft und Luft an die Wurzeln gelangt. In vielen Bonsai-Mischungen bildet Akadama deshalb den Grundstock. Beim Sieben achte ich darauf, wie viel Staub und zerbröseltes Korn durch das Sieb fällt, denn feines Material setzt die Zwischenräume zu.
Kiefernrinde: lockert und lüftet
Kiefernrinde lockert das Substrat und schafft Lufträume, die einer Verdichtung entgegenwirken. Durch ihre grobe Struktur kommt Sauerstoff an die Wurzeln. Anders als die mineralischen Bestandteile ist Rinde organisch und zersetzt sich mit der Zeit. Dabei machen Mikroorganismen gebundene Nährstoffe nach und nach verfügbar, gleichzeitig kann die Mischung nachverdichten. Je länger ein Bonsai in derselben Erde steht, desto stärker verändert also der Rindenanteil die Struktur.
Lava und Bims: Struktur und Wasserabzug
Lava und Bims sind poröse mineralische Zuschläge aus vulkanischem Gestein. Als Zuschlag können beide eine Gefäßerde strukturstabiler machen, sodass die Zwischenräume für Wasser und Luft offen bleiben.
Lava
Lavagestein ist von vielen kleinen Hohlräumen durchzogen, die Wasser aufnehmen. Seine groben Körner lassen dazwischen viel Platz, durch den überschüssiges Wasser abläuft. Für Arten, die empfindlich auf dauernasse Wurzeln reagieren, ist ein höherer Lava-Anteil ein Weg zu einer durchlässigeren Mischung.
Bims
Bims ist ein leichtes, offenporiges Vulkangestein. Er kann ebenso wie Zeolith Wasser speichern, und seine offenen Poren lockern zugleich das Substrat. Damit passt Bims zu Mischungen, die gleichmäßig feucht bleiben sollen, ohne dass die Wurzeln im Wasser stehen. Lava und Bims siebe ich trocken, damit ihr Staub nicht in die Mischung gelangt.
Komponenten ungesiebt aus dem Sack mischen. Der feine Staub füllt genau die großen Zwischenräume, durch die Wasser ablaufen und Luft nachkommen soll.
Organische Zusätze: Nährstoffe mit Grenzen
Als organischer Anteil kommen neben Kiefernrinde vor allem RindenhumusRindenhumus ist feine, kompostierte Rinde. Du arbeitest ihn leicht in die Beeterde ein, um dem Boden organische Substanz und Nährstoffe zuzuführen – anders als Rindenmulch, der als Abdeckung obenauf liegt., Kokosmaterial und Substratkompost infrage. Torf lässt sich in Mischungen durch Holzfasern, Rindenhumus, Substratkompost und Kokosmaterialien ersetzen. Wer torffrei mischen will, liest das Etikett genau, denn auch Erde mit der Bezeichnung Bio kann Torf enthalten.
Die Nährstoffe in organischen Zusätzen sind gebunden. Mikroorganismen müssen sie erst abbauen, dann werden sie nach und nach für die Wurzeln verfügbar. Vor ÜberdüngungÜberdüngung heißt, dass ein Boden mehr Nährstoffe bekommt, als die Pflanzen brauchen. Die Überschüsse reichern sich im Boden an oder werden ausgewaschen und belasten dann Boden und Umwelt. schützt das nicht: Werden mehr Nährstoffe frei, als der Baum braucht, kann das Substrat überversorgt sein und sein Salzgehalt steigen.
Als alleiniges Gefäßsubstrat enthält Kompost zu viele Nährstoffe. Für kalkempfindliche Arten kann er außerdem wegen seines hohen pH-Werts ungeeignet sein. Kompost kommt deshalb nur als Beimischung in die Bonsaierde. Wer Kompost oder Rindenhumus untermischt, bringt einen Nährstoffvorrat in die Schale, und diesen Vorrat rechnest du beim späteren Nachdüngen ein. Wie sich das Nährstoffangebot im Substrat über die Zeit verändert, liest du im Ratgeber dazu, welche Nährstoffe Bonsaierde in welchen Anteilen braucht.
Holzasche aus dem eigenen Ofen gehört nicht in die Mischung. Sie kann mit Schadstoffen und Schwermetallen belastet sein und ist deshalb kein empfehlenswerter Dünger.
Das Mischungsverhältnis: so baust du dein Rezept auf
Ich mische in Raumteilen und messe jede Komponente mit demselben Messbecher ab. So lässt sich ein Rezept wiederholen und beim nächsten Mal gezielt verändern. Jedes Rezept beginnt bei der Frage, was die Mischung an deinem Platz leisten soll. Die Tabelle zeigt, wofür jede Komponente steht und wann du ihren Anteil erhöhst.
| Komponente | Aufgabe in der Mischung | Anteil erhöhen, wenn … |
|---|---|---|
| Akadama | speichert Wasser und gibt es langsam ab, lässt Luft zwischen den Körnern | die Schale am hellen, warmen Platz beim Anheben auffallend leicht ist |
| Bims | speichert Wasser, lockert durch offene Poren | die Mischung mehr Wasser halten soll, ohne dicht zu werden |
| Lava | macht die Erde strukturstabiler, hält große Zwischenräume offen | Gießwasser oben stehen bleibt oder der Platz schattig ist |
| Kiefernrinde | lockert, schafft Lufträume | die Mischung sich dicht und schwer anfühlt |
| Rindenhumus, Kokosmaterial, Substratkompost | bringen organisch gebundene Nährstoffe mit | du einen Nährstoffvorrat einplanst und ihn beim Düngen einrechnest |
Ich beginne mit dem mineralischen Grundstock aus Akadama, Lava und Bims und gebe danach Rinde und den organischen Zusatz dazu. Welche Mischung zu welcher Baumart passt, ist eine eigene Frage. Antworten darauf gibt der Ratgeber dazu, welche Bonsaierde-Mischung zu welchem Baum passt.
Verändere beim nächsten Umtopfen nur eine Komponente und notiere sie. So kannst du am Baum beobachten, was diese eine Änderung bewirkt.
Die Mischung an Standort und Klima anpassen
Wie viel Wasser ein Zimmerbonsai braucht, hängt unter anderem davon ab, wie hell und wie warm er steht. An einem hellen, warmen Platz kann deshalb ein höherer Bims-Anteil sinnvoll sein, weil Bims Wasser speichert. Im Schatten braucht ein Bonsai oft weniger Wasser, hier darf der Lava-Anteil steigen. Bei Freiland-Bonsais in regenreichen Gegenden ist ebenfalls mehr Lava ratsam, damit Regenwasser zuverlässig abläuft.
Auch die Schale zählt mit. Eine unglasierte Tonschale gibt zusätzlich Wasser über ihre poröse Wand ab, eine Kunststoffschale nicht.
Ich hebe die Schale vor dem Gießen an und noch einmal danach. So lerne ich das Gewicht der nassen und der angetrockneten Mischung kennen und merke, wie sich ein neuer Platz auf den Wasserhaushalt auswirkt.
Die Mischung im Jahreslauf
Die Zusammensetzung legst du beim Umtopfen fest, danach bleibt sie bis zum nächsten Eintopfen gleich. Wurzelschnitt und neues Eintopfen gehören bei Bonsai ins Frühjahr, bevor der Baum neu austreibt. Der Schnitt regt die Versorgungswurzeln an, sich zu verzweigen. Welchen Einfluss die Erde auf Wurzelwerk, Wuchs und Blattgröße hat, zeigt der Ratgeber dazu, wie Bonsaierde Gestaltung und Ästhetik des Baums beeinflusst. Weil die Mischung im Frühjahr festliegt, muss sie von Anfang an für Sommer und Winter passen.
Frühjahr und Sommer
Im Frühjahr setzt du die neue Mischung direkt nach den Wurzelarbeiten ein. Für die helle, warme Zeit mit höherem Wasserbedarf planst du genug wasserspeichernde Bestandteile wie Akadama und Bims ein. Ein organischer Anteil kann zu Beginn der Wachstumszeit Nährstoffe beisteuern, die du beim Düngen einrechnest.
Herbst und Winter
Im Winter fällt weniger Licht ein, und dann sinkt der Bedarf an Wasser und Nährstoffen, selbst in einem warmen Zimmer. Eine Mischung, die im Sommer passend abgetrocknet ist, kann dann zu lange nass bleiben. Prüfe deshalb vor dem Gießen das Gewicht der Schale. Stockt das Wachstum im Winter, weil das Licht fehlt, düngst du nicht zusätzlich. Für Freiland-Bonsais kann ein höherer Lava-Anteil helfen, Staunässe im Winter vorzubeugen, und diese Entscheidung triffst du schon beim Umtopfen im Frühjahr.
Bonsaierde selbst herstellen
Material und Werkzeug
- Akadama
- Lava
- Bims
- Kiefernrinde
- ein organischer Zusatz, etwa Rindenhumus, Kokosmaterial oder Substratkompost
- ein Sieb für gleichmäßige Korngrößen
- eine große Wanne zum Mischen
- eine Kelle
- ein Messbecher für die Raumteile
- Schutzhandschuhe
Nimm frisches Material. Erde aus Gefäßen, in denen Pflanzen an WurzelfäuleBei Wurzelfäule faulen die Wurzeln einer Pflanze und sterben ab, meist weil die Erde ständig nass ist und Sauerstoff fehlt. Oft sind Schadpilze beteiligt, und die Pflanze welkt trotz feuchter Erde. erkrankt waren, verwendest du nicht wieder.
Anleitung zum Mischen
- Siebe jede Komponente einzeln, bis Staub und zerbröseltes Korn heraus sind.
- Miss die Raumteile nach deinem Rezept mit demselben Messbecher ab.
- Gib alles in die Wanne und mische, bis die Bestandteile gleichmäßig verteilt sind.
- Befeuchte die Mischung leicht: Sie soll feucht sein, aber nicht nass.
- Lass sie ruhen, bis sich die Feuchte verteilt hat, und greif zur Kontrolle an mehreren Stellen hinein.
- Mach den Gießtest in einem Topf mit Abzugslöchern: Das Wasser muss durchlaufen.
Ich mische draußen, weil beim Sieben Staub entsteht, und beschrifte jeden Eimer mit Datum und Rezept.
Komponenten einzeln gesiebt, Raumteile notiert, Mischung feucht und nicht nass, Abzugslöcher der Schale frei, Eimer mit Datum und Rezept beschriftet.
Fertigmischung oder selbst mischen?
Fertigmischungen ersparen dir Sieben und Abmessen, beim Selbermischen bestimmst du dafür jede Komponente selbst. Beim Kauf von Pflanzsubstraten kann eine unabhängige Gütesicherung Orientierung geben, gute Erden gibt es aber auch ohne Siegel. Woran du beim Kaufen und Selbstmischen gute Qualität erkennst, steht im Ratgeber zur passenden Bonsaierde-Mischung je Baum.
Lagern und Probleme erkennen
Übrige Mischung lagerst du dunkel, kühl und trocken. Bei torffreien Erden mit organischem Anteil kann bei längerer Lagerung der Salzgehalt steigen, weil weiter Nährstoffe aus organischer Bindung frei werden.
Bleibt Gießwasser auf der Oberfläche stehen oder fühlt sich die Erde verhärtet an, kann das auf Verdichtung hindeuten. Wie du solche Fehler bei Erde, Körnung, Drainage und Lagerung korrigierst, erklärt der Ratgeber dazu, welche Fehler bei der Verwendung von Bonsaierde passieren und wie du sie behebst.
Umtopfen mit der neuen Mischung
Bei einem frisch gekauften Bonsai zeigt dir ein Blick auf den WurzelballenDer Wurzelballen ist das Geflecht aus Wurzeln und anhaftender Erde, das beim Austopfen oder Ausgraben einer Pflanze zusammenhält. Ist daran kaum noch Erde zu sehen, ist er stark durchwurzelt., ob ungeeignete Erde einen sofortigen Wechsel verlangt. Sonst kommt die neue Mischung beim Umtopfen im Frühjahr in die Schale. Grundlagen zum Umtopfen und zur Wahl des Gefäßes stehen in der Zimmerpflanzen-Übersicht im Kapitel Umtopfen und Gefäßwahl.

