Krokusse züchten: Kreuzen, aus Samen ziehen und eigene Sorten auslesen
- Bei einer Kreuzung kombinieren sich die Erbanlagen der Eltern neu, deshalb liest du unter den Sämlingen gezielt aus.
- Zum Kreuzen entfernst du die Staubblätter der Mutterblüte, tupfst Pollen der Vaterblüte auf die Narbe und stülpst eine Papiertüte darüber.
- Der Fruchtknoten liegt unter der Erde, die Samenkapsel erscheint erst nach der Befruchtung an der Oberfläche.
- Aus Samen gezogene Krokusse können bis zur ersten Blüte bis zu vier Jahre brauchen.
- Eine ausgelesene Pflanze erhältst du nur über vegetative Vermehrung genetisch unverändert.

Wer Krokusse aus Samen zieht, bekommt keine Kopie der Mutterpflanze. Bei einer Kreuzung kombinieren sich die Erbanlagen beider Eltern neu, und unter den SämlingenSämlinge sind junge Pflanzen, die durch Keimung aus dem Embryo eines Samens entstanden sind. Anders als Stecklinge oder veredelte Pflanzen gehen sie also aus einem Samen hervor. kann eine Farbe oder Form auftauchen, die du so noch nicht im Garten hattest. Der Preis dafür ist Geduld, denn aus Samen gezogene Krokusse können bis zur ersten Blüte bis zu vier Jahre brauchen. Ich arbeite deshalb nach einem festen Ablauf: von Hand bestäuben, Kapseln ernten, im Herbst säen, Sämlinge beobachten und die besten Pflanzen über ihre Knollen erhalten.
Was Züchten beim Krokus bedeutet
Züchten besteht aus drei Schritten, die aufeinander aufbauen. Zuerst kreuzt du zwei Pflanzen, deren Eigenschaften du verbinden möchtest. Weil sich dabei die Erbanlagen der Eltern neu kombinieren, können die Nachkommen unterschiedlich ausfallen, und du musst die Sämlinge mit den gewünschten Merkmalen gezielt auswählen. Einen solchen Sämling vermehrst du anschließend vegetativ, denn dabei entstehen genetisch identische Nachkommen.
Daraus folgt eine Regel, die auch für das einfache Vermehren gilt: Eine Sorte gibst du nur über ihre Knollen unverändert weiter, ihre Samen liefern dagegen neue Kombinationen. Auch frei abgeblühte Krokusse können Samen ansetzen. Den Vater kennst du dann nicht, weil Insekten den Pollen gebracht haben.
Krokusbiologie für Züchter
Krokusse wachsen aus Knollen, die Reserven speichern, und durchlaufen jedes Jahr Blüte, Einziehen und Ruhe. Neben den Frühlingsblühern gibt es Herbst-Krokusse wie Crocus speciosus. Wie sich die Speicherorgane unterscheiden und welcher Kalender für welche Art gilt, steht im Abschnitt Speicherorgan und Kalender je Art des Überblicks über Blumenzwiebeln und Knollen.
Wo Pollen und Narbe sitzen
Für die Kreuzung zählen zwei Teile der Blüte. Die Staubblätter tragen die Staubbeutel, die beim Aufspringen den Pollen freigeben. In der Blütenmitte steht der Stempel mit der Narbe, die den Pollen aufnimmt, sobald sie klebrig ist. Beim Kreuzen bringst du Pollen der Vaterblüte auf die Narbe der Mutterblüte. Damit sich die Mutter nicht mit eigenem Pollen bestäubt, entfernst du ihre Staubblätter, bevor sie Pollen abgeben.
Wo die Samen entstehen
Beim Krokus liegt der Fruchtknoten unter der Erde. Erst nach der Befruchtung gelangt die Fruchtkapsel an die Oberfläche, wo die reifen Samen freigesetzt werden. Zwischen BestäubungBestäubung nennt man die Übertragung von Pollen, dem Blütenstaub aus den Staubblättern, auf die Narbe einer Blüte. In unseren Breiten übernehmen vor allem Wind und Insekten diesen Transport. und Ernte siehst du von der Kapsel also zunächst nichts: Die Blüte welkt, das Laub bleibt stehen, und später schiebt sich die Kapsel aus dem Boden.
Für die Kennzeichnung hat das eine praktische Folge. Weil der Fruchtknoten im Boden sitzt und die Kapsel erst nach der Befruchtung auftaucht, gehört das Etikett in die Erde neben die Pflanze und nicht an die welkende Blüte.
Elternpflanzen wählen und die Kreuzung planen
Gute Eltern beginnen bei gesunden Knollen. Ich nehme nur Knollen, die trocken, fest und glatthäutig sind und keine weichen, kranken oder angefressenen Stellen zeigen. Für jede Kreuzung lege ich vorher ein Ziel fest, etwa eine Blütenfarbe, eine Blütenform, einen frühen Blühtermin oder einen kompakten Wuchs. Mit einem klaren Ziel weißt du bei der Auslese, wonach du suchst. Vor der Blüte entscheide ich außerdem, welche Pflanze die Samen tragen soll und welche den Pollen liefert.
Nur gleichzeitig blühende Krokusse kreuzen
Eine Crocus-chrysanthus-Mischung für Töpfe blüht im Februar und März. Der Herbst-Krokus Crocus speciosus blüht dagegen im Oktober und November. Für die Handbestäubung brauchst du geöffnete Staubbeutel an der Vaterblüte, während die Narbe der Mutter klebrig ist. Frühlings- und Herbstkrokusse wie diese beiden kreuzt du mit frischem Pollen deshalb nicht miteinander, weil sich ihre Blütezeiten nicht überschneiden.
Ich setze Eltern, die ich kreuzen will, gern in Töpfe. So kann ich sie zum Bestäuben nebeneinanderstellen, und jedes Etikett bleibt bei seiner Pflanze. Die genannte Crocus-chrysanthus-Mischung eignet sich für Balkonkästen, Kübel und Töpfe. Wie du Krokusse im Gefäß pflanzt und überwinterst, erklärt der Ratgeber über Krokusse in Töpfen und Kästen.
Im Herbst laufen zwei Arbeiten parallel. Die Elternknollen für Kreuzungen im Frühjahr kommen in die Töpfe, für die Crocus-chrysanthus-Mischung ist eine Pflanzzeit von September bis Dezember angegeben. Gleichzeitig säe ich die Kreuzungssamen aus dem Frühjahr.
„Jeder Krokus lässt sich aus Samen züchten.“ Für den Safrankrokus stimmt das nicht. Er ist triploid, wird in der üblichen Gartenkultur über Brutknollen vermehrt und eignet sich nicht für eine gewöhnliche Samenzucht. Als Mutterpflanze für Kreuzungssamen plane ich ihn deshalb nicht ein.
Feine Pinzette für die Staubblätter · weicher Pinsel für jeden Vater · Lupe für Narbe und Staubbeutel · Papiertüten für Blüten und Kapseln · wasserfeste Stifte und Etiketten · Notizbuch für Kreuzungsnummern, Daten und Lageplan.
Kreuzen von Hand: so bestäubst du Krokusse
Der richtige Moment
Ich bestäube an trockenen Tagen, wenn die Blüten offen stehen. An der Vaterblüte müssen die Staubbeutel aufgesprungen sein, das erkennst du am pulvrigen Pollen. Die Narbe der Mutterblüte ist aufnahmebereit, wenn sie klebrig wirkt; mit der Lupe siehst du das deutlich. Die Staubblätter der Mutter entferne ich früher, sobald sich die Blüte öffnet und bevor ihre Staubbeutel aufspringen.
Schritt für Schritt
Die eigentliche Kreuzung besteht pro Blüte aus wenigen Handgriffen, die du in dieser Reihenfolge erledigst:
- Entferne mit der Pinzette die Staubblätter der Mutterblüte, ohne Narbe und Stempel zu verletzen.
- Nimm mit dem Pinsel reifen Pollen aus den Staubbeuteln der Vaterblüte auf.
- Tupfe den Pollen auf die klebrige Narbe der Mutterblüte.
- Stülpe sofort eine Papiertüte über die Blüte und verschließe sie unten locker.
- Stecke ein Etikett mit der Kreuzungsnummer neben die Pflanze in die Erde.
Solange die Narbe klebrig bleibt, wiederhole ich das Auftupfen. Für jeden Vater nehme ich einen eigenen Pinsel, damit sich kein Pollen verschiedener Väter mischt. Nicht jede Bestäubung setzt Samen an, deshalb bestäube ich mehrere Blüten mit derselben Kombination.
Die Tüte gehört sofort nach dem Auftupfen über die Blüte. Krokusse zählen zu den Frühjahrsblühern, die für einen bienenfreundlichen Garten empfohlen werden, und eine Kreuzung soll die Erbanlagen genau zweier bekannter Eltern verbinden. Ohne Schutz kann eine Biene fremden Pollen auf die Narbe tragen, und dann weißt du später nicht mehr, wer der Vater ist. Was Krokusse für Insekten bieten, liest du im Ratgeber über Krokusse als Bienenweide.
Kreuzungen dokumentieren
Ohne Aufzeichnungen weißt du nach dem Winter nicht mehr, welche Schale welche Eltern hat. Ich gebe jeder Kreuzung eine laufende Nummer. Im Notizbuch stehen dazu Mutter, Vater, Datum der Bestäubung und das Wetter, außerdem fotografiere ich beide Eltern in Blüte. Dieselbe Nummer kommt auf das Etikett an der Pflanze, später auf die Samentüte und auf die Aussaatschale. Nach und nach ergänze ich, wann die Kapsel erschienen ist, wann ich geerntet und gesät habe und wann die ersten Keimlinge kamen.
Ich schreibe jede Kreuzungsnummer zweimal, einmal auf das Etikett und einmal in einen Lageplan im Notizbuch. Kippt ein Etikett um oder verblasst die Schrift, suche ich die Kreuzung über den Lageplan.
Samen ernten und aufbereiten
Nach der Blüte schaue ich an den markierten Stellen nach, ob die Kapsel erscheint. Steht sie über der Erde, stülpe ich eine Papiertüte darüber, damit keine Samen verloren gehen, wenn die Kapsel aufspringt. Färbt sie sich bräunlich, schneide ich sie ab und lege sie in eine Tüte mit der Kreuzungsnummer.
Zum Aufbereiten öffne ich die trockene Kapsel über einem hellen Teller und trenne die Samen von den Hüllresten. Ein feines Küchensieb hilft dabei. Die sauberen Samen kommen zurück in ihre beschriftete Tüte und liegen kühl und trocken, bis ich sie im Herbst säe. Jede Kreuzung behält dabei ihre eigene Tüte.
Im Rasen wird gemäht, bevor die Kapsel geerntet ist. Krokuslaub bleibt ohnehin bis zum Welken stehen, und die Pflanzstellen sparst du beim Mähen bis dahin aus. Bei Zuchtpflanzen gilt diese Schonung, bis auch die Kapsel geerntet ist, denn sie steht nach der Befruchtung an der Oberfläche.
Die Herbstzeitlose ist kein Krokus, sondern gehört zu den Zeitlosengewächsen. Alle ihre Pflanzenteile sind giftig, besonders Samen und Knolle, denn sie enthalten das Alkaloid Colchicin. Ihre Blätter können mit Bärlauch verwechselt werden, und ein Verzehr kann tödlich enden; iss nichts davon. Weil sie Blätter und Samenkapseln erst im Frühjahr nach ihrer Blüte im Spätsommer oder Herbst bildet, markiere ich ihre Stellen im Beet, damit keine ihrer Kapseln zwischen die Krokussamen gerät.
Aussaat und Kältephase
Stratifikation heißt die Kältebehandlung von Samen vor der Keimung. Stehen die Saatschalen über den Winter im Freien, sorgt das Wetter dafür.
Ich säe Kreuzungssamen im Herbst in Schalen oder Töpfe mit Abzugslöchern. Als SubstratSubstrat ist der Fachbegriff für Erde oder Erdmischungen, in die du aussäst, pflanzt oder umtopfst, etwa Aussaaterde, Topferde oder Kübelpflanzenerde. Es wird aus organischen und mineralischen Bestandteilen gemischt. nehme ich nährstoffarme, humose und durchlässige Aussaaterde. Die Samen lege ich auf, bedecke sie mit Substrat und drücke es leicht an. Jede Schale bekommt ein Etikett mit der Kreuzungsnummer, dann kommen alle Schalen ins Freie. Die Erde halte ich feucht, aber nicht nass.
Trag dir den Termin für die Herbstaussaat in den Aussaatkalender für Blumenzwiebeln zum Ausdrucken ein, gleich neben die Pflanzzeit der Elternknollen.
Nach der Keimung
Wie du Krokussämlinge gießt, umsetzt und auspflanzt, zeigt der Ratgeber zum Vermehren von Krokussen über Knollen und Aussaat.
Auslese: welche Sämlinge du behältst
Weil jede Kreuzung die Erbanlagen neu kombiniert, ist die Auslese der eigentliche Zuchtschritt. Ich bewerte meine Sämlinge nach vier Kriterien und halte jedes Jahr fest, was ich sehe.
| Kriterium | Worauf ich achte |
|---|---|
| Blütenfarbe | besondere oder besonders kräftige Farbtöne, Zeichnung der Blütenblätter |
| Blütenform | Form und Haltung der Blütenblätter, Stand der Blüte |
| Blütezeit | früher oder später Blühbeginn im Vergleich zu den Eltern, Dauer der Blüte |
| Wuchs und Gesundheit | kräftige, aufrechte Pflanzen, feste Knollen ohne weiche oder angefressene Stellen |
Einen Sämling bewerte ich nie nach der ersten Blüte allein. Manche Eigenschaften zeigen sich erst über mehrere Jahre, etwa ob eine Pflanze zuverlässig wiederkommt und gesund bleibt. Für jeden vielversprechenden Sämling lege ich eine Karteikarte an. Darauf stehen die Kreuzungsnummer und damit die Abstammung, das Aussaatjahr, die erste Blüte, Blütezeit und Blühdauer sowie eine Beschreibung von Blüte und Blättern. Fotos aus jedem Jahr lege ich dazu, weil sich Farbtöne aus der Erinnerung schlecht vergleichen lassen.
Aus Samen gezogene Krokusse können bis zur ersten Blüte bis zu vier Jahre brauchen, und auslesen kannst du erst an der Blüte. Ich setze deshalb jedes Jahr neue Kreuzungen an und plane so, dass später jedes Jahr eine Generation zur Bewertung blüht. Sämlinge, die keines meiner Ziele erfüllen, nehme ich aus dem Zuchtbereich und pflanze sie ohne Nummer in den Garten.
Knollen mit weichen, kranken oder angefressenen Stellen sortiere ich bei der Auslese aus. Wo Wühlmäuse Probleme machen, können Zuchtknollen gruppenweise in Drahtkörben in den Boden kommen. Was du bei Krankheiten und Schädlingen prüfst, steht im Überblick über Blumenzwiebeln und Knollen im Abschnitt Krankheiten und Schädlinge.
Ausgewählte Sämlinge erhalten
Hast du einen Sämling ausgewählt, gibst du ihn nur noch über seine Knollen weiter. Vegetative Vermehrung erzeugt Nachkommen, die genetisch mit der Ausgangspflanze identisch sind. Damit erhältst du genau die Pflanze, die du ausgelesen hast, während ihre Samen wieder neue Kombinationen liefern würden.
Nach der Blüte lasse ich das Laub stehen, bis es verwelkt ist, damit die Knolle Reserven für die nächste Blüte aufbauen kann. Jede Auslese bekommt einen Arbeitsnamen und ein dauerhaftes Schild, zum Beispiel ein Metalletikett mit eingeritzter Nummer.
Für sichtbare Pflanzgruppen werden bei kleinen Zwiebelblumen mindestens 20 Stück empfohlen. Weil eine Auslese anfangs aus einer einzigen Knolle besteht und nur vegetativ unverändert weitergeht, braucht es mehrere Vermehrungsrunden, bis sie im Beet als Gruppe wirkt. Wie du Krokusknollen dafür aufnimmst und teilst, steht im Ratgeber zum Vermehren von Krokussen.
Beim Standort brauchen Zuchtpflanzen nichts anderes als alle Krokusse: Licht passend zur Art und einen Boden, aus dem Wasser abziehen kann. Was das im Einzelnen heißt und wie du Krokusse durch Wachstum, Blüte und Ruhephase pflegst, erklärt der Ratgeber zum richtigen Standort und zur Pflege von Krokussen. Steht eine Auslese einmal als Gruppe im Beet, findest du Anregungen, wie du Krokusse mit Partnerpflanzen und Farben kombinierst.

