Bartfaden im Naturgarten: Ist er heimisch und was haben Insekten davon?
- Der Fingerhut-Bartfaden stammt aus dem östlichen Kanada und Teilen der USA und ist bei uns keine heimische Wildpflanze.
- Je nach Art und Sorte blühen Bartfäden ungefähr zwischen Mai und Oktober, eine einzelne Pflanze aber nicht die ganze Zeit.
- Hummeln beißen manchmal seitliche Löcher in die langen Blütenröhren, dieser Weg zum Nektar bestäubt die Blüte nicht.
- Partner mit ähnlichen Ansprüchen passen dazu, etwa die Indianernessel am frischen und die Koreanische Minze am trockenen Platz.
- Ein Teil der dürren Stängel darf stehen bleiben und bietet Insekten Unterschlupf.

Du willst einen Naturgarten, in dem Insekten Futter finden, und fragst dich, ob ein Bartfaden dazugehört. Oft hängt daran die Frage, ob er überhaupt heimisch ist. Ich entscheide so etwas am Beet: Ich schaue, wer die Blüten besucht, und setze Insektenpflanzen mit ähnlichen Ansprüchen daneben. Der Bartfaden, botanisch Penstemon, wird so zu einem Baustein unter mehreren.
Ist Bartfaden heimisch?
Für den Fingerhut-Bartfaden ist die Antwort klar: Penstemon digitalis stammt aus dem östlichen Kanada und aus Teilen der USA. In deutschen Gärten ist er damit eine eingeführte Staude und keine heimische Wildpflanze. Wie du Herkunft und Gartennamen von Stauden einordnest, zeigt das Kurzporträt im Überblick zu Stauden und Ziergräsern.
Was haben Insekten vom Bartfaden?
An den langröhrigen Blüten des Bartfadens sammeln Hummeln Nektar. Nicht jeder dieser Besuche ist dabei auch eine BestäubungBestäubung nennt man die Übertragung von Pollen, dem Blütenstaub aus den Staubblättern, auf die Narbe einer Blüte. In unseren Breiten übernehmen vor allem Wind und Insekten diesen Transport.. Am Bartfaden lässt sich der Unterschied gut nachvollziehen, wenn du genau hinsiehst.
Von Nektarraub spricht man, wenn eine Hummel seitlich ein Loch in die lange Blütenröhre beißt, statt den Weg über die Blütenöffnung zu nehmen. Sie kommt so an den Nektar, die Blüte wird auf diesem Weg aber nicht bestäubt. Spuren davon können kleine Löcher seitlich an der Röhre sein.
Welche Insekten außer Hummeln an deinen Bartfaden kommen, findest du durch eigenes Beobachten heraus. Wie ich dabei vorgehe, beschreibe ich weiter unten.
Nach der Blüte hat der Bartfaden noch etwas zu bieten. Ein Teil der dürren Staudenstängel kann ganzjährig stehen bleiben und Insekten weiter Unterschlupf bieten. Abgestorbene Stängel und Blätter sind für Stauden außerdem ein natürlicher Winterschutz. Stehen gelassene Stängel nützen damit der Staude und den Insekten zugleich. Ich lasse deshalb einen Teil der verblühten Bartfaden-Stängel bis ins Frühjahr stehen.
Welcher Bartfaden passt in den Naturgarten?
Ich wähle den Bartfaden nach dem Platz, den ich ihm geben kann, und erst danach nach der Farbe. Der Fingerhut-Bartfaden möchte einen sonnigen bis höchstens halbschattigen Platz, der nicht zu trocken ist. Penstemon ovatus braucht dagegen trockenen, gut durchlässigen Boden.
Die Serie ‘Carillo’ von Penstemon × mexicali gilt als hitze- und trockenheitstolerant. Sie bleibt mit etwa 20 bis 25 cm niedrig und eignet sich für Gartenpflanzungen ebenso wie für Gefäße. Wie du solche Bartfaden wassersparend durch Hitze und Trockenheit bringst, steht im Ratgeber dazu. Penstemon heterophyllus ‘Electric Blue’ wird etwa 46 cm hoch und trägt intensiv blaue Blüten. Bei ‘Dark Towers’ zeigte sich im Versuch nach der Überwinterung ab April blutrotes Laub, ab Mitte Mai folgten violettrosa Blüten.
Je nach Art und Sorte liegt die Blütesaison der Bartfäden ungefähr zwischen Mai und Oktober. Eine einzelne Pflanze blüht aber nicht den ganzen Zeitraum durch. Wer Insekten über längere Zeit Bartfaden-Blüten anbieten will, kombiniert deshalb früh und spät blühende Arten und Sorten.
| Bartfaden | Blütezeit |
|---|---|
| ‘Dark Towers’ | im Versuch ab Mitte Mai |
| ‘Carillo’ (Penstemon × mexicali) | Frühsommer |
| Fingerhut-Bartfaden (Penstemon digitalis) | Juli und August |
| Bartfäden insgesamt | je nach Art und Sorte ungefähr Mai bis Oktober |
Wenn du Samen ernten oder SämlingeSämlinge sind junge Pflanzen, die durch Keimung aus dem Embryo eines Samens entstanden sind. Anders als Stecklinge oder veredelte Pflanzen gehen sie also aus einem Samen hervor. stehen lassen willst, achte auf die Sorte. Bei HybridsortenHybriden sind Pflanzen der ersten Tochtergeneration (F1) aus der gezielten Kreuzung zweier möglichst reinerbiger Elternlinien. Sie wachsen einheitlich und kräftig, lassen sich aber nicht zuverlässig mit ihren Eigenschaften über eigenes Saatgut weitervermehren. können Nachkommen aus selbst geernteten Samen deutlich von der Mutterpflanze abweichen. Ich notiere mir deshalb, von welcher Pflanze die Samen stammen, und beschrifte die Tüte gleich bei der Ernte.
Welche Insektenpflanzen passen zum Bartfaden?
Ein Bartfaden allein macht noch kein Insektenbeet. Ich stelle ihm Arten zur Seite, die ähnliche Ansprüche an Boden, Feuchtigkeit, Nährstoffe und Licht haben. Solche Pflanzgemeinschaften werden stabiler und pflegeleichter.
Am frischen, humosen Platz passt die Indianernessel. Monarda didyma gilt als geeignet für Gärten, die Schmetterlinge und andere Bestäuber versorgen sollen. Ganz unkompliziert ist sie nicht: In einer vergleichenden Sichtung war keine geprüfte Form vollständig widerstandsfähig gegen Echten MehltauMehltau ist die Bezeichnung für Pilzkrankheiten, die einen weißlichen oder grauen Belag auf den Blättern bilden. Man unterscheidet Echten Mehltau, der bei Trockenheit und Hitze auftritt, und Falschen Mehltau, der bei kühlem, feuchtem Wetter auftritt. und Blattflecken. Daneben steht bei mir der Purpur-Sonnenhut, Echinacea purpurea, den ich in die Sonne auf frischen, nährstoffreichen Boden setze. Bei der Sorte ‘Roter Leuchtstern’ können die Samenstände als Winterschmuck und Vogelnahrung stehen bleiben.
Am trockenen, durchlässigen Platz brauchst du andere Nachbarn. Die Koreanische Minze, Agastache rugosa, gilt als trockenheitstolerant, und ihre Blüten werden von Bienen und Schmetterlingen besucht. ‘Carillo’ blüht im Frühsommer, die Koreanische Minze von Juni bis Oktober. An einem trockenen Platz reicht das Blütenangebot mit beiden also deutlich über die Bartfaden-Blüte hinaus. Die Gemeine Nachtkerze bevorzugt ebenfalls sonnige Plätze mit trockenen, sandigen bis lehmigen und nicht übermäßig nährstoffreichen Böden. Sie ist zweijährig und sät sich selbst aus, das plane ich beim Pflanzen ein.
Für eine naturnahe Ecke in Sonne oder HalbschattenHalbschatten nennt man einen Standort, an den die Sonne nur einen Teil des Tages direkt scheint, bis zu etwa vier Stunden. Typisch sind die Ost- und Westseite von Gebäuden und Mauern oder Plätze unter Bäumen mit dichter Krone. nehme ich die Wilde Karde dazu. Sie ist zweijährig und passt in Garten-Blumenwiesen und naturnahe Gartenbereiche. Ihre Fruchtstände dürfen über Winter stehen bleiben, dann frisst der Stieglitz die Samen.
| Partner | passender Platz | Blüte |
|---|---|---|
| Indianernessel (Monarda didyma) | feuchter, gut durchlässiger Boden, volle Sonne | Juli bis September |
| Purpur-Sonnenhut (Echinacea purpurea ‘Roter Leuchtstern’) | sonnig, frischer und nährstoffreicher Boden | Juli bis Oktober |
| Koreanische Minze (Agastache rugosa) | sonnig, gut wasserdurchlässiger Boden | Juni bis Oktober |
| Gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis) | sonnig, trocken, sandig bis lehmig | Juni bis September |
| Wilde Karde (Dipsacus fullonum) | Sonne oder Halbschatten, mäßig nährstoffreicher Boden | Juli bis August |
Wenn dir heimische Arten wichtig sind, ergänze den halbschattigen, frischen Rand mit der Gewöhnlichen Akelei. Sie ist in Deutschland heimisch und besonders geschützt. Empfohlen wird sie für halbschattige bis schattige Plätze mit anhaltend feuchtem Boden. Bei Akeleien beeinflussen Länge und Krümmung der Nektarsporne, welche Bestäuber an den Nektar kommen. Bedenke auch: Einkreuzungen von Gartenformen können die genetische Zusammensetzung einheimischer Wildbestände verändern.
Die Gewöhnliche Akelei ist in allen Pflanzenteilen giftig. Besteht der Verdacht, dass jemand Pflanzenteile gegessen hat, wende dich an ein Giftinformationszentrum oder an ärztliche Hilfe und löse kein Erbrechen aus.
Wie du Bartfaden darüber hinaus nach Farbe, Höhe und Blütezeit mit anderen Stauden kombinierst, zeigt ein eigener Ratgeber. Deine Pflanzung kannst du vorher im Beetplaner skizzieren.
Passt Bartfaden in eine Blumenwiese?
In eine Blumenwiese setze ich den Bartfaden nicht mitten hinein, sondern an den Rand zum Beet. Dort bekommt er den durchlässigen, humosen Boden, für den Garten-Bartfaden empfohlen wird. Die Wiese daneben folgt eigenen Regeln: Die Saatgutmischung passt zum vorhandenen Boden, und beim Umstellen von Rasen entfällt die Stickstoffdüngung. So muss ich die Wiesenfläche nicht an die Ansprüche einer einzelnen Staude anpassen.
Für die Fläche selbst wähle ich Arten, die auf Wiesenstandorten wachsen. Glockenblumen lassen sich in einer Blumenwiese gezielt als Nahrungspflanzen für Scherenbienen einsetzen. An frischen, meist extensiv genutzten Wiesenstandorten wächst die Wiesen-Glockenblume. Die Rundblättrige Glockenblume kommt unter anderem in Sand- und HalbtrockenrasenEin Halbtrockenrasen ist eine spezielle Form des Magerrasens auf ungedüngten Standorten. Er bleibt nur durch Mahd oder Beweidung offen, sonst würde dort Wald wachsen, und ist Lebensraum seltener Tier- und Pflanzenarten. vor. Blauviolett blüht die Wiesen-Witwenblume, Knautia arvensis, auf frischen bis mäßig trockenen Wiesen und Halbtrockenrasen.
Lege die Saatfläche eben und feinkrümelig an. Entferne vorher problematische Wurzelunkräuter. Behandle nährstoffreichen Gartenboden nicht ungeprüft als Magerstandort. Wie viel mineralisches Material du zum Abmagern brauchst, hängt von deinem Boden ab. Richte den Mähtermin nach der Samenbildung der Wiesenpflanzen, die du fördern willst.
Wie beobachte ich Insekten am Bartfaden?
Ich bleibe an sonnigen Tagen in Ruhe vor dem Bartfaden stehen und schaue zuerst auf die Blütenröhren. Kleine Löcher seitlich an der Röhre können darauf hindeuten, dass dort Hummeln den Nektar von außen geholt haben. Bei den Nachbarn lohnt der Blick ebenfalls. In den dichten Scheinähren der Koreanischen Minze öffnen sich die einzelnen Blüten verteilt. Bei der Wilden Karde wandert die Blüte in Ringen von der Mitte des Blütenkopfes nach oben und unten, das kannst du von Besuch zu Besuch verfolgen.
Die Nachtkerze öffnet abends neue Blüten und wird überwiegend von Nachtfaltern bestäubt. Wer nur tagsüber hinschaut, verpasst an ihr also die Nachtfalter. Auch im Winter gibt es etwas zu sehen. An den stehen gelassenen Fruchtständen der Wilden Karde frisst der Stieglitz die Samen, und an den verwachsenen Blattbasen ihrer Stängelblätter sammelt sich Regenwasser.
Für das Bartfaden-Beet führe ich ein kleines Heft mit Datum, Wetter und den Besuchern, die ich erkenne. Tiere, die ich nicht sicher bestimme, fotografiere ich und schlage sie später nach. So kann ich die Jahre vergleichen, ohne mich auf mein Gedächtnis zu verlassen.
Kurz zu Standort, Aussaat und Pflege
Welcher Platz passt?
Als grobe Orientierung passt für viele Bartfaden ein sonniger bis halbschattiger Platz, die konkrete Art entscheidet aber mit. Garten-Bartfaden wird auf feuchten Standorten mit humosem, durchlässigem Boden kultiviert. Welche Licht-, Boden- und Feuchtebedingungen im Einzelnen gelten, erklärt der Ratgeber dazu, welcher Platz zwischen Sonne und Halbschatten passt.
Wie säe ich Bartfaden aus?
Penstemon barbatus ‘Twizzle Scarlet’ wird im März im Haus vorgezogen, die Samen bedeckst du nur dünn mit Erde oder VermiculitVermiculit ist ein natürliches Mineral, das durch starkes Erhitzen zu einem leichten, porösen Granulat aufgebläht wird. Als Zusatz in Anzucht- und Pflanzerden lockert es das Substrat und speichert Wasser sowie gelöste Nährstoffe.. Beim Fingerhut-Bartfaden kann die Keimung ungleichmäßig verlaufen und eine Kühlperiode unter 5 °C nötig werden. Zeitpunkt, Keimbedingungen und Sämlingspflege beschreibt der Ratgeber, wann und wie du Bartfaden aussäst; den passenden Monat findest du im Aussaatkalender für Stauden zum Ausdrucken.
Pflege, Winter und Probleme
Neu gepflanzte Stauden gießt du bei anhaltender Trockenheit in den ersten ein bis zwei VegetationsperiodenDie Vegetationsperiode, auch Vegetationszeit, ist der Teil des Jahres, in dem Pflanzen wachsen, blühen und fruchten. Sie beginnt im Allgemeinen, wenn das Tagesmittel der Lufttemperatur mindestens 5 Grad Celsius erreicht. wiederholt durchdringend. Länger anhaltende Staunässe verursacht Sauerstoffmangel im Wurzelbereich und begünstigt Wurzel- und Stammgrundfäule. Stickstoff bekommt ein mehrjähriger Bartfaden ab dem Spätsommer nicht mehr, damit er ausreifen kann. Die Sorte ‘Mystica’ des Fingerhut-Bartfadens kann in der professionellen Kultur frostfrei oder im Freien unter Vlies überwintert werden. Das Entfernen welker Blüten kann bei vielen Stauden die weitere Blüte fördern. Die Grundlagen dazu stehen im Überblick zu Stauden und Ziergräsern in den Abschnitten zu Gießen, Düngen, Pflege im Jahreslauf sowie Krankheiten und Schädlingen.




