Habanero anbauen: Capsicum chinense, Biquinho und Co. aus Samen ziehen
- Capsicum chinense braucht mehr Wärme und eine längere Vorkultur als die gewöhnlichen Chilis der Art Capsicum annuum.
- Die Habanero-Sorte Hana Rot keimt bei 25 bis 28 °C, die Samen kommen dabei unter Erde.
- Für Freilandpflanzen säst du von Anfang März bis Anfang April, ausgepflanzt wird nicht vor Mitte Mai.
- Im Topf bekommt jede Habanero ein eigenes, standfestes Gefäß mit mindestens 10 Litern.
- Scharfe Habanero-Sorten erreichen etwa 100.000 bis 350.000 Scoville-Einheiten, beim Schneiden trägst du Küchenhandschuhe.
Habanero-Samen ziehe ich nie im selben Takt wie meine Gemüsepaprika. Capsicum chinense braucht mehr Wärme und eine längere VorkulturVorkultur heißt meist, dass du Gemüse im Haus oder geschützt aus Samen vorziehst und es später als abgehärtete Jungpflanze ins Freiland setzt. In Anbauplänen meint das Wort auch eine schnelle Kultur, die vor der Hauptkultur auf dem Beet steht. als die gewöhnlichen Chilis der Art Capsicum annuum. Steht die Saatschale zu kühl, lässt die Keimung auf sich warten.
Für Habanero, Scotch Bonnet und Biquinho planst du deshalb Keimung, Vorkultur, Topf und Ernte mit eigenen Werten. Die Grundlagen findest du im Ratgeber darüber, wie du Paprika und Chili gießt, düngst und vor Schädlingen schützt.
Was Capsicum chinense von gewöhnlichen Chilis unterscheidet
Chilis gehören zu mehreren Capsicum-Arten, darunter Capsicum annuum, Capsicum baccatum und Capsicum chinense. Capsicum annuum ist die Art der Gemüsepaprika und der Chilis, die zu ihr gehören. Auf sie beziehen sich die üblichen Paprika-Anbauwerte. Zu Capsicum chinense zählen dagegen Habanero, Scotch Bonnet, Bhut Jolokia und Trinidad Scorpion, darunter extrem scharfe Sorten mit exotisch-fruchtigem Geschmack.
Die Art kommt aus den feuchten Tropen. Sie ist nicht frostverträglich und nicht winterhart. Botanisch wächst sie als Halbstrauch oder Strauch und kann bis 150 cm hoch werden. Scharf ist dabei nicht jede Sorte: Biquinho ist eine milde Chili dieser Art mit tropfenförmigen Früchten. NuMex Suave ist ein gelb abreifender Habanero mit sehr fruchtigem Aroma und milder Schärfe.
Der Name Capsicum chinense klingt nach China, die Art stammt aber aus Peru. Mit der Gemüsepaprika ist sie verwandt, denn Chilis gehören botanisch zu den Paprika-Arten.
Aussaat: wie viel Wärme und Geduld Habanero brauchen
Wann du Habanero vorziehst
Den Aussaattermin richtest du danach, wo die Pflanze den Sommer verbringt. Für die Kultur im Gewächshaus säst du Habanero von Januar bis Ende Februar. Sollen die Pflanzen ins Freiland, ziehst du sie von Anfang März bis Anfang April vor.
Gute Jungpflanzen von Fruchtgemüse wie Paprika brauchen mindestens 10 Wochen Anzuchtzeit. Dazu kommen ausreichend Licht, viel Platz und eine Temperatur von 20 bis 25 °C. Wenn du Habanero neben anderen Paprika und Chilis ziehst, hilft dir der Aussaatkalender für Paprika und Chili zum Ausdrucken, die Termine nebeneinander zu planen. Ich schreibe auf jedes Etikett Sorte und Aussaattag, weil Hana Rot und Biquinho unterschiedlich lange zum Keimen brauchen.
Keimtemperatur und Keimdauer je Sorte
Wie warm die Erde sein muss und wie lange du wartest, hängt von der Sorte ab. Halte dich deshalb an die Angaben deiner Saatguttüte. Zwei Beispiele zeigen, wie weit die Werte auseinanderliegen.
| Sorte | KeimtemperaturDie Keimtemperatur ist die Temperatur, bei der Samen keimen. Jede Pflanzenart hat dafür ein Minimum, ein Optimum und ein Maximum; unterhalb des Minimums keimt die Saat nicht. | Keimdauer |
|---|---|---|
| Hana Rot, scharfer Habanero | 25 bis 28 °C | etwa 7 bis 14 Tage |
| Biquinho, milde Sorte | 20 bis 25 °C | 14 bis 21 Tage |
Capsicum chinense ist kein LichtkeimerLichtkeimer sind Pflanzen, deren Samen zum Keimen Licht brauchen. Bei der Aussaat werden sie deshalb nur angedrückt und nicht mit Erde bedeckt; ob eine Art dazugehört, steht meist auf der Samentüte., die Samen kommen also etwa 0,5 bis 1 cm tief in die Erde. Bei der SaattiefeDie Saattiefe gibt an, wie dick die Erdschicht über einem Samenkorn nach der Aussaat ist. Als Faustregel bedeckst du einen Samen höchstens dreimal so dick mit Erde, wie das Korn selbst ist. weichen die Anleitungen etwas voneinander ab, du bleibst innerhalb dieser Spanne. Zeigt sich nach der Keimdauer deiner Sorte noch nichts, gib der Schale Zeit. Je nach Temperatur kann es bei Chilis bis zu 4 Wochen dauern, bis die ersten Keimlinge erscheinen.
Als Erde nimmst du torffreie Aussaaterde mit geringem Nährstoffgehalt und feiner, lockerer Struktur. Halte sie gleichmäßig feucht, ohne dass Staunässe entsteht. Sobald die ersten Keimlinge erscheinen, nimmst du die Abdeckung ab. Danach brauchen die Sämlinge viel Licht, etwa an einem hellen Südfenster. Die Temperatur senkst du gegenüber der Keimphase ab, damit sie nicht lang und weich wachsen.
Habanero mit den Keimwerten der Gemüsepaprika ziehen. Diese Werte gelten für Capsicum annuum. Capsicum chinense braucht mehr Wärme, und die Keimdauer unterscheidet sich je nach Sorte.
Ich stelle die Saatschalen an den wärmsten Platz im Haus und stecke ein Thermometer in die Erde. So prüfe ich die Temperatur dort, wo die Samen liegen, statt mich auf die Raumluft zu verlassen.
Pikieren, Topf und Auspflanzen
Vereinzelt wird, sobald sich in der Triebmitte die ersten Laubblätter bilden. Danach ziehst du jede Jungpflanze in einem Topf mit 8 bis 10 cm Durchmesser weiter.
Welcher Topf zur Habanero passt
Capsicum chinense eignet sich für den Topf und das HochbeetEin Hochbeet ist ein erhöhtes, stabil eingefasstes Beet, das mit Erde gefüllt wird, etwa aus Holz, Stein, Beton, Metall oder Kunststoff. Es erlaubt rückenschonendes Gärtnern auf wenig Grundfläche.. Ein Gefäß für Fruchtgemüse wie Paprika sollte mindestens 10 Liter fassen. Der Durchmesser liegt bei etwa 30 cm, und in jedes Gefäß kommt eine Pflanze. Unten braucht der Topf einen Wasserablauf, damit keine Staunässe entsteht. Als Erde eignet sich strukturstabile Pflanzerde mit porösen mineralischen Bestandteilen. Steht ein schwarzer Topf in der Sonne, schützt ein Übertopf den WurzelballenDer Wurzelballen ist das Geflecht aus Wurzeln und anhaftender Erde, das beim Austopfen oder Ausgraben einer Pflanze zusammenhält. Ist daran kaum noch Erde zu sehen, ist er stark durchwurzelt. vor übermäßiger Erhitzung.
Capsicum chinense kann hoch werden, und ein Gefäß für Paprika braucht ausreichendes Eigengewicht für einen sicheren Stand. Für Habanero wählst du deshalb ein schweres Gefäß und steckst beim Umtopfen gleich einen Stab mit hinein.
Gefäß mit mindestens 10 Litern, eine Pflanze je Gefäß, Wasserablauf im Boden, schweres Gefäß mit Stab, Übertopf bei schwarzem Topf.
Abhärten und Auspflanzen
Vor dem Umzug nach draußen härtest du die Jungpflanzen ab. Sie dürfen tagsüber bei mindestens 15 °C Lufttemperatur geschützt ins Freie, zunächst ohne direkte Sonne. Habanero gewöhnst du dabei schrittweise an draußen, und in kalten Nächten holst du sie wieder geschützt herein.
Ins Freiland pflanzt du Habanero nicht vor Mitte Mai, ins Gewächshaus ab April. Der Platz sollte sehr warm und sonnig sein, der Boden humusreich, fruchtbar und gut durchlässig. Gesetzt wird so tief, wie die Pflanze zuvor im Anzuchttopf stand. In der Reihe bekommt jede Habanero 50 cm Platz. Zwischen den Reihen bleiben 60 cm, und an jede Pflanze kommt ein eigener Stab. Den Platzbedarf siehst du schnell, wenn du das Beet vorab im Beetplaner einteilst.
Pflege im Topf und im Beet
Gießen und Düngen
Halte die Erde gleichmäßig feucht und vermeide Staunässe. Bei torffreier Erde prüfst du vor dem Gießen auch die Feuchte unter der schnell trocknenden Oberfläche. Ich drücke dafür einen Finger tief in die Erde, statt nur auf die Oberfläche zu schauen. Gegossen wird morgens direkt im Wurzelbereich, ohne das Laub zu benetzen. In kleinen Gefäßen kann an heißen Tagen tägliches Gießen nötig sein. Hängt eine Habanero schlaff, greifst du nicht sofort zur Kanne: Welke kann auch von Hitze kommen oder von Wurzeln, die Dauernässe geschädigt hat.
Ab dem ersten FruchtansatzFruchtansatz ist das Entstehen einer Frucht aus einer Blüte, besonders bei Obstbäumen, aber auch bei Fruchtgemüse. Außerdem nennt man die junge, sich gerade entwickelnde Frucht selbst so. bekommt Habanero eine kaliumbetonte Flüssigdüngung. Bei Gemüsepaprika im Gefäß beginnt diese Düngung schon ab Blühbeginn. Die Menge nimmst du von der Packung deines Düngers. Wie du den Nährstoffvorrat im Beet und in vorgedüngter Erde einschätzt, steht im Paprika-Ratgeber im Abschnitt zum Düngen.
Stützen, Kontrolle und erste Blüte
Den Stab aus dem Topf nutzt du, sobald die Pflanze in die Höhe geht. Du bindest sie locker an, damit sie nicht umkippt oder abbricht. Beim Anbinden schaust du auch unter die Blätter. Gerade unter Glas sitzen Weiße Fliegen mit ihren Larven bevorzugt auf den Blattunterseiten. Wie du Schädlinge an Paprika und Chili erkennst und ohne Mittel eingreifst, beschreibt der Paprika-Ratgeber.
Die erste Blüte muss raus? Bei Hana Rot kannst du die erste Blütenknospe entfernen, das soll einen guten Fruchtansatz fördern. Eine Pflicht ist das nicht, bei kleinfrüchtigen Chilis gilt das Ausbrechen der ersten Blüte als nicht nötig.
Überwintern als Möglichkeit
Überwintern kannst du eine Habanero im Topf als Möglichkeit ausprobieren. Vor dem Einräumen prüfst du sie auf Läuse und SpinnmilbenDie Spinnmilbe ist eine winzige, etwa 0,5 Millimeter große Milbe, die vor allem auf Blattunterseiten lebt und dort feine Gespinste bildet. Befallene Blätter färben sich fahlgrün bis gelb und vertrocknen bei starkem Befall. und entfernst abgestorbene Pflanzenteile.
Ernte, Schärfe und Verwendung
Geerntet wird bei Capsicum chinense von Juli bis Oktober. Erntereif ist eine Frucht, sobald sie die sortentypische Größe und die Farbe erreicht hat, die du für deine Küche willst. Tropical Red reift relativ früh von Hellgrün über Orange zu intensivem Rot ab. Habanero Orange trägt orange abreifende Früchte. Die Früchte schneidest du mit Messer oder Schere ab. Was vor dem ersten Frost noch an der Pflanze hängt, erntest du ab.
Wie scharf deine Habanero wird
Scharfe Habanero-Sorten erreichen etwa 100.000 bis 350.000 Scoville-Einheiten. Diese Zahl beschreibt einen Gehalt an Scharfstoffen, keine Verzehrmenge. Eine allgemein sichere Menge lässt sich aus ihr nicht ableiten.
Wie scharf eine Frucht tatsächlich wird, bestimmen Licht, Wasser, Boden und Erntezeitpunkt stark mit. Habaneros, die unter Sonnenlicht extrem scharf werden, können im Winteranbau unter Glas keine wahrnehmbare Schärfe mehr haben. Selbst zwischen Früchten derselben Pflanze kann die Schärfe schwanken. An der Fruchtfarbe kannst du sie nicht zuverlässig ablesen. Weil die Schärfe von Frucht zu Frucht schwankt und die Farbe sie nicht verrät, behandelst du in der Küche jede Frucht einer scharfen Sorte wie eine sehr scharfe.
Beim Schneiden trage ich Küchenhandschuhe, weil die Scharfstoffe Augen und Schleimhäute reizen können. Wer die Schärfe vermindern möchte, entfernt vor allem die inneren Scheidewände und die Samen. Hohe Capsaicin-Aufnahmen aus sehr scharfen Speisen können Beschwerden auslösen. Kinder reagieren auf scharfe Chili-Produkte besonders empfindlich, und Mutproben mit Habanero gehören nicht auf den Tisch.
Verwendung und Lagern
Die Früchte würzen herzhafte Gerichte, Schärfe und Fruchtform hängen dabei von der Sorte ab. Habanero Orange eignet sich besonders frisch für feurige Soßen. Reife Chilis kannst du im Haus bei warmer, trockener Luft flach nebeneinander auf Papier trocknen. NuMex Suave eignet sich allerdings nicht als Trockenchili.
Frische Chilis halten sich im Gemüsefach des Kühlschranks etwa 1 Woche. Klein geschnitten kannst du sie auch einfrieren. Selbst angesetzte Chili in Öl kann ein Botulismusrisiko bergen. Stell sie deshalb nicht auf Vorrat her, sondern bewahre sie im Kühlschrank auf und iss sie spätestens am Folgetag. Weitere Hinweise zum Lagern und sicheren Verarbeiten findest du im Paprika-Ratgeber.
Samen für das nächste Jahr
Samen nimmst du aus voll ausgereiften Früchten und trocknest sie auf einer trockenen Unterlage an einem warmen Ort. Besonders viel Capsaicin steckt im Plazentagewebe, an dem die Samen sitzen. Auch beim Herauslösen der Samen trägst du deshalb Handschuhe. Hana Rot ist eine F1-Sorte, und Saatgut aus F1-Chili kann uneinheitliche Nachkommen hervorbringen. Wurden die Blüten von anderen Sorten bestäubt, ist die Fruchtqualität der Nachkommen ebenfalls ungewiss. Bis zur Aussaat lagerst du die Samen kühl und trocken.


