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Bohnenkraut in der mediterranen Küche: So würzen Italien, Griechenland, Spanien und die Provence

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 6 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Bohnenkraut bringt eine pfeffrige Würze, die Thymian und Oregano so nicht haben – traditionell zu Hülsenfrüchten.
  • Sommer-Bohnenkraut ist einjährig und frostempfindlich; die Ernte läuft etwa Juni bis Oktober, die Blüte Juli bis September.
  • Italien würzt Bohnen und Pilze, Griechenland den Grill, Spanien Eintöpfe und Oliven, die Provence Ziegenkäse und Kräutermischungen.
  • Das Aroma ist kurz vor und während der Blüte am kräftigsten – für den Vorrat trocknen, das verträgt Bohnenkraut sehr gut.
  • Selbst angesetztes Kräuteröl gehört in den Kühlschrank und wird spätestens am Folgetag verbraucht.
Bohnenkraut mit schmalen Blättern und zarten hellvioletten Lippenblüten an rötlichen Stängeln
Foto: Виктор · CC BY 4.0 · Ausschnitt · Quelle ↗

Du kochst weiße Bohnen, würzst mit Thymian und Knoblauch, und trotzdem fehlt der Teller etwas: die pfeffrige Würze, die Köchinnen rund ums Mittelmeer aus Bohnenkraut holen. Ich zupfe die Blätter erst kurz vor dem Servieren von den Stielen und streue sie über die heißen Bohnen – so bleibt die Schärfe im Gericht und verkocht nicht. Wie Italien, Griechenland, Spanien und die Provence dieses Kraut traditionell einsetzen, liest du hier.

Ein Kraut, zwei Arten, vier Küchen

Bohnenkraut (Satureja) gehört zu den Lippenblütlern und ist damit mit Thymian, Oregano und Majoran verwandt. Sein Geschmack liegt zwischen diesen Kräutern, hat aber eine eigene pfeffrige Schärfe, die Thymian so nicht mitbringt. Genau diese Schärfe ist der Grund, warum es traditionell an Hülsenfrüchte kommt: Bohnen, Linsen und Erbsen sind erdig und mild und vertragen ein Kraut, das dagegenhält.

In der Küche begegnen dir zwei Arten. Sommer-Bohnenkraut (Satureja hortensis) ist eine einjährige Gewürzpflanze, frostempfindlich, mit feinerer Würze – die Wahl für Salate, Fisch und frische Bohnen. Winter-Bohnenkraut (Satureja montana) ist kräftiger und harziger und gehört eher in Schmorgerichte, die lange auf dem Herd stehen.

Bei der Frage, wann du erntest, sind sich die Quellen einig: Das Aroma entfaltet sich kurz vor und während der Blüte am besten, die bei Sommer-Bohnenkraut etwa Juli bis September fällt. Geerntet wird etwa Juni bis Oktober, am besten am Vormittag, wenn der Tau abgetrocknet ist.

Empfehlungen für den Garten

Standort und Boden

Standort

Geeignet ist ein vollsonniger Platz mit mäßig nährstoffreichem, gut durchlässigem und vorzugsweise alkalischem Boden.

Bodenart

Kalkhaltige, lehmige und sandige Böden sind geeignet.

Bodenreaktion

Bevorzugt werden alkalische Böden; auch neutrale Böden sind geeignet.

Substrat

Geeignet ist mäßig nährstoffreicher, gut durchlässiger und vorzugsweise alkalischer Boden.

Pflege

Pflege

Die Pflanze ist pflegeleicht.

Düngung

Im Freiland ist keine Düngung nötig; die Pflanzen gedeihen auch auf nährstoffarmen Böden.

Lebensform und Verwendung

Lebensform

Die Pflanze wächst buschig und ist einjährig.

Aussaatkalender Bohnenkraut
GartenkalenderVorkultur: März, April, Mai; Aussaat: April, Mai, Juni, Juli, August; Blüte: August, September; Ernte: Mai, Juni, Juli, August, September, Oktober; Pflanzung: Mai, JuniJFMAMJJASONDVorkulturVorkultur: MärzVorkultur: AprilVorkultur: MaiAussaatAussaat: AprilAussaat: MaiAussaat: JuniAussaat: JuliAussaat: AugustBlüteBlüte: AugustBlüte: SeptemberErnteErnte: MaiErnte: JuniErnte: JuliErnte: AugustErnte: SeptemberErnte: OktoberPflanzungPflanzung: MaiPflanzung: JuniVorkulturAussaatBlüteErntePflanzung

Italien: Santoreggia zu Bohnen und Pilzen

In Italien heißt das Kraut santoreggia. Es ist dort nicht so präsent wie Basilikum oder Oregano, hat aber in Ligurien, im Piemont und in der Toskana einen festen Platz in der Hülsenfrucht-Küche. Weiße Bohnen werden weich gekocht und dann in Olivenöl mit Knoblauch, Tomate und Bohnenkraut geschwenkt; das Kraut kommt erst gegen Ende dazu, damit die Würze frisch bleibt. Auch Linsen, dicke Bohnen und Kichererbsen werden so gewürzt.

Die zweite italienische Tradition sind Pilze: Gebratene Steinpilze oder Champignons mit Knoblauch, Petersilie und einem Zweig Bohnenkraut. Und in Kräuterkrusten für Schweinebraten oder Kaninchen ersetzt santoreggia oft einen Teil des Rosmarins – sie ist weniger harzig und lässt das Fleisch stärker durchschmecken.

Kurz erklärt

Frisch oder getrocknet? Frische Blätter geben Schärfe und ein grünes Aroma und gehören ans Ende der Garzeit. Getrocknetes Bohnenkraut ist konzentrierter und verträgt langes Schmoren – für Eintöpfe kommt es früh in den Topf. Bohnenkraut gehört zu den Kräutern, die beim Trocknen ihr Aroma nicht verlieren; du kannst also getrocknet würzen, ohne große Einbußen.

Für die italienische Küche gilt außerdem: santoreggia wird meist allein oder mit Knoblauch und Petersilie verwendet, selten in großen Mischungen. Das unterscheidet sie von der französischen Praxis weiter unten.

Griechenland: Throumbi am Grill

In Griechenland läuft unter dem Namen throumbi eine verwandte wilde Satureja-Art, die auf trockenen Hängen und Inseln wächst. Ihre Rolle ist die Grill- und Ofenküche: Lammkoteletts, Souvlaki-Spieße und ganze Fische werden mit Olivenöl, Zitrone, Knoblauch und einer Mischung aus Bohnenkraut, Oregano und Thymian mariniert. Auch geschmorte weiße Riesenbohnen mit Tomate bekommen throumbi mit in den Ofen.

Eine zweite griechische Verwendung ist der Käse: Feta oder Ziegenfrischkäse mit Olivenöl, Pfeffer und Bohnenkraut, frisch angemacht und gleich gegessen. Wichtig ist hier das „gleich“ – warum, steht im Provence-Abschnitt.

Marias Erfahrung

Ich lege ganze Bohnenkraut-Zweige mit auf die Glut, kurz bevor das Fleisch vom Grill kommt, und würze nur die Marinade mit gehackten Blättern. Für die Marinade nehme ich Sommer-Bohnenkraut, für Zweige auf der Glut die holzigeren Triebe, die bei der Ernte übrig bleiben.

Die Griechen erntet throumbi wild und trocknen es gebündelt für das ganze Jahr. Wenn du Sommer-Bohnenkraut im Garten hast, kannst du das nachbauen: Triebe möglichst regelmäßig abknipsen, damit die Pflanzen nicht auswachsen, und die Bündel schattig und trocken aufhängen.

Spanien: Ajedrea im Eintopf und im Olivenglas

In Spanien heißt Bohnenkraut ajedrea. Es steckt in den Hülsenfrucht-Eintöpfen (potajes) aus Kichererbsen, Linsen oder Bohnen mit Chorizo oder Gemüse, wo es gemeinsam mit Lorbeer und Knoblauch von Anfang an mitkocht. Auch Schmorgerichte mit Kaninchen oder Schweinefleisch werden so gewürzt.

Die spanische Besonderheit ist das Einlegen von Oliven: Angeknackte grüne Oliven wandern mit Knoblauch, Zitronenschale, Fenchel und ajedrea in Salzlake. Das Bohnenkraut gibt der Lake ihre pfeffrige Würze. Salzlake ist dabei etwas anderes als Öl – in wässriger, salziger Lake ohne Luftabschluss durch Öl stellt sich das Botulismus-Problem selbst angesetzter Öl-Zubereitungen so nicht.

Zu Gemüse passt ajedrea in Spanien auf geröstete Paprika: Die gerösteten Schoten werden gehäutet, mit Olivenöl, Essig, Salz und frischen Bohnenkraut-Blättern angemacht und lauwarm oder kalt gegessen.

Provence: Sarriette, pèbre d’aï und Herbes de Provence

In Frankreich heißt das Kraut sarriette, in der Provence auch pèbre d’aï, Eselspfeffer – der Name beschreibt die Schärfe. Es gehört zu den Kräutern der Herbes-de-Provence-Mischung neben Thymian, Rosmarin und Oregano, und es steckt in Ratatouille, in Kräuterkrusten für Lamm und in der Kräutermischung für Fischsuppen.

Die eigenständigste Verwendung ist der Käse: Kleine Ziegenkäse werden in der Provence mit sarriette umhüllt oder mit dem Kraut bestreut und reifen so. Zu Hause kannst du frischen Ziegenkäse mit Olivenöl und Bohnenkraut anmachen – für den Tag, nicht als Vorrat.

Achtung

In selbst angesetzten Kräutern oder Käse in Öl kann der Sauerstoffabschluss die Vermehrung von Clostridium botulinum und die Bildung von Botulismus auslösenden Nervengiften ermöglichen. Setze selbst angesetztes Kräuteröl oder eingelegten Käse nicht auf Vorrat an, bewahre es im Kühlschrank auf und verbrauche es spätestens am Tag nach der Herstellung. Ein Glas mit Bohnenkraut-Öl als Geschenk ist keine gute Idee.

Ich setze Kräuteröl deshalb nur für die Mahlzeit an, stelle den Rest sofort in den Kühlschrank und schütte am Folgetag weg, was übrig ist. Wer die provenzalische Würze auf Vorrat will, trocknet die Kräuter und mischt sie trocken – das ist auch der traditionelle Weg der Herbes de Provence.

Rezepte, Kombinationen und Vorrat – wo du weiterliest

Für die deutschen Klassiker – grüne Bohnen mit Bohnenkraut, Kartoffelsalat, Kräuterbutter, Fisch aus dem Ofen – und für ausformulierte Rezepte mit Zutatenlisten liest du, welche Rezepte und Kombinationen sich für Bohnenkraut in der Sommerküche eignen. Dort stehen auch die Kombinationen mit Gemüse, Fleisch, Fisch und Käse im Detail.

Für den Vorrat gilt kurz: Bohnenkraut lässt sich hervorragend trocknen, getrocknete Kräuter lagern luftdicht, lichtgeschützt und trocken und werden innerhalb von 12 Monaten verbraucht; eingefrorene Kräuter halten sich bis zu einem Jahr. Ich hänge die Bündel kopfüber an einen schattigen, luftigen Platz und fülle die Blätter erst ab, wenn sie beim Anfassen rascheln. Wie du beim Schnitt vorgehst und was das Aroma erhält, steht in dem Ratgeber dazu, wie du Bohnenkraut erntest und lagerst, ohne Aroma zu verlieren; die Grundlagen zum Konservieren aller Kräuter trägt der Kräuter-Hub im Abschnitt Ernten und Konservieren.

Bohnenkraut selbst säen – und was es nicht ist

Wer die mediterranen Gerichte regelmäßig kocht, sät Sommer-Bohnenkraut selbst: ein sonniger Standort, Freilandsaat etwa April bis August oder Voranzucht März bis April, als Lichtkeimer oberflächennah gesät und nicht oder nur schwach mit Erde bedeckt, Keimtemperatur 15–20 °C. Die Pflanzen werden 30–40 cm hoch; im Beet gilt das Beetplaner-System mit 20 cm Abstand in der Reihe und 25 cm Reihenabstand. Wie du mit den feinen Samen umgehst und wann Vorkultur oder Direktsaat sinnvoll ist, erklärt der Hub-Abschnitt dazu, wie du Kräuter vorziehst, direkt säst und feine Samen behandelst.

Zum Schluss die Einordnung: Bohnenkraut ist ein Lebensmittel, keine Medizin. Die Tradition, es zu Hülsenfrüchten zu essen, darfst du nennen und nutzen – eine Wirkung verspricht sie nicht, und bei Beschwerden ersetzt kein Kraut den ärztlichen Rat. Mehr dazu steht im Kräuter-Hub im Abschnitt Kräuter und Gesundheit.

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Häufige Fragen

Welche Arten von Bohnenkraut gibt es und welche nimmst du für die Küche?
Gebräuchlich sind Sommer-Bohnenkraut (Satureja hortensis) und Winter-Bohnenkraut (Satureja montana). Sommer-Bohnenkraut ist eine einjährige, frostempfindliche Gewürzpflanze mit feinerer Würze und wird jedes Jahr neu gesät. Winter-Bohnenkraut schmeckt kräftiger und harziger und passt deshalb eher in lange geschmorte Gerichte. Für Salate, Fisch und frische Bohnen greifst du zum Sommer-Bohnenkraut.
Warum heißt Bohnenkraut Bohnenkraut und kommt traditionell an Bohnen?
Der Name kommt aus der Küchentradition: Rund ums Mittelmeer und in Mitteleuropa würzt man Bohnen, Linsen und Erbsen seit Generationen damit. Geschmacklich passt die pfeffrige Würze zum erdigen Aroma der Hülsenfrüchte. Die Volksküche sagt dem Kraut außerdem nach, Bohnengerichte leichter verträglich zu machen – das ist Tradition, kein Versprechen, denn Bohnenkraut ist ein Lebensmittel und keine Medizin.
Wie heißt Bohnenkraut in Italien, Griechenland, Spanien und Frankreich?
In Italien heißt es santoreggia, in Spanien ajedrea, in Frankreich sarriette – in der Provence auch pèbre d'aï. In Griechenland läuft eine verwandte wilde Satureja-Art unter dem Namen throumbi. Die Namen sind praktisch, wenn du im Urlaub auf dem Markt oder in einer Speisekarte danach suchst.
Wie unterscheidet sich Bohnenkraut im Geschmack von Thymian und Oregano?
Alle drei sind Lippenblütler und teilen eine würzige Grundnote. Bohnenkraut hat zusätzlich eine deutliche pfeffrige Schärfe, die Thymian fehlt, und ist weniger herb als Oregano. Deshalb lässt es sich gut in Mischungen einbauen, ohne die anderen Kräuter zu überdecken.
Was ist der Unterschied zwischen Bohnenkraut und Majoran in der Küche?
Majoran schmeckt süßlich-aromatisch und mild und ist als Wurstkraut bekannt. Bohnenkraut ist würziger und pfeffriger und begleitet traditionell Hülsenfrüchte und Gemüse. Beide sind frostempfindlich und werden hierzulande einjährig kultiviert, im Topf ergänzen sie sich gut.
Wie machst du Bohnenkraut für den Winter haltbar?
Bohnenkraut eignet sich hervorragend zum Trocknen und verliert dabei sein Aroma nicht: gebündelt, kopfüber, schattig und luftig aufhängen, dann luftdicht, lichtgeschützt und trocken lagern und innerhalb von 12 Monaten verbrauchen. Eingefroren hält es sich bis zu einem Jahr. Selbst angesetztes Kräuteröl ist kein Vorratsweg: kühl lagern und spätestens am Tag nach der Herstellung aufbrauchen.
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