Stevia pflegen: Süßkraut richtig gießen, düngen und schneiden
- Süßkraut ist im Beetplaner schwachzehrend eingestuft: Kompost zum Start reicht im Beet meist, im Topf düngst du nach Pflanzenzustand.
- Gegossen wird, wenn die oberste Erdschicht trocken ist; Staunässe im Topf und im Untersetzer vermeidest du konsequent.
- Das Einkürzen der Triebspitzen fördert buschigen Wuchs; ganze Triebe erntest du vor der Blüte.
- Stevia ist nicht freiland-winterhart und überwintert als Kübelpflanze hell und frostfrei, mit weniger Wasser und ohne Dünger ab Ende August.
- Beim erneuten Austrieb im Frühjahr, meist ab März, wird umgetopft.

Deine Stevia steht seit Wochen da, die Blätter werden gelblich, die Triebe lang und dünn, und du weißt nicht, ob sie zu viel Wasser bekommt, zu wenig Nährstoffe oder einfach mehr Schnitt braucht. Genau an dieser Stelle setze ich bei meinen eigenen Pflanzen an: Ich fühle in die Erde, schaue mir die Blattfarbe an und entscheide erst dann, ob die Gießkanne, der Kompost oder die Schere dran ist. Dieser Artikel führt dich durch die Pflege über die Saison: gießen, düngen, schneiden und den Weg durch den Winter.
Süßkraut (Stevia rebaudiana) ist eine mehrjährigeMehrjährige oder ausdauernde Pflanzen leben mehrere Jahre und überstehen den Winter mit Überdauerungsorganen, Speicherorganen oder ausgedehnten Wurzeln. Krautige Mehrjährige heißen Stauden, auch Zwiebel- und Knollenpflanzen gehören dazu. Pflanze, die hierzulande häufig als einjährige Kultur angebaut wird, weil sie nicht winterhart ist. Sie wird etwa 30–60 cm hoch, blüht im Juli bis August und lässt sich etwa von Juni bis Oktober beernten. Im Beetplaner ist sie als schwachzehrend eingestuft und nicht als DauerkulturDauerkultur nennt man Pflanzen, die mehrere Jahre am selben Platz bleiben, immer wieder Ernte bringen und deshalb nicht in die Fruchtfolge eingebunden werden, etwa Rhabarber, Spargel oder Obst. geführt.
Standort und Boden: die Grundlage in Kürze
Süßkraut will es warm und sonnig, ein halbschattiger Platz geht ebenfalls; bevorzugt wird ein sandiger, gut durchlässiger Boden, und ins Freiland kommt die Pflanze erst nach Ende der Frostgefahr. Staunässe verträgt sie nicht, weder im Beet noch im Topf. Was das für Kräuter aus der frisch-feuchten und der mediterran-trockenen Welt im Detail bedeutet, liest du im Grundlagenartikel unter den zwei Kräuter-Welten; die Standortwahl für Stevia im Garten behandelt der perfekte Platz für Süßkraut ausführlich.
Empfehlungen für den Garten
Aussaat und Vermehrung
- Saattiefe
Die Samen benötigen Licht zum Keimen.
Gießen: nach Fingerprobe, nicht nach Kalender
Bei Süßkraut im Topf gilt eine einfache Regel: gegossen wird, wenn die oberste Erdschicht trocken ist. Ein festes Gießintervall lässt sich nicht angeben, weil Pflanzenbedarf, Substrat und Witterung den Wasserverbrauch bestimmen. Ich stecke bei jeder Runde den Finger in die Erde und gieße nur, wenn es sich oben trocken anfühlt.
Wenn du gießt, dann durchdringend: Das Substrat wird bis zum Topfboden durchfeuchtet, und danach darf kein Wasser im Untersetzer stehen bleiben. Nach starkem Regen leere ich Untersetzer zügig aus. Gieße morgens und direkt auf die Erde im Wurzelbereich, nicht über die Blätter.
Bei torffreier oder torfreduzierter Topferde prüfst du vor dem Gießen auch die Feuchte unterhalb der Oberfläche. Oben kann das Substrat trocken wirken, während es tiefer noch nass ist. Die Fingerprobe geht deshalb bei mir immer ein Stück tiefer als nur an die Oberfläche.
Je kleiner der Topf im Verhältnis zur Pflanze, desto weniger Wasser speichert er und desto häufiger musst du nachgießen. Ist der Topf vollständig durchwurzelt, setzt du die Pflanze in ein größeres Gefäß; für die dauerhafte Topfkultur wird etwa 16–18 cm Topfgröße empfohlen. Wie du Süßkraut auf Balkon und Terrasse insgesamt führst, steht in Süßkraut im Topf.
Schlaffe, welke Blätter sofort mit Wasser zu beantworten. Welke kann sowohl auf TrockenstressTrockenstress entsteht, wenn eine Pflanze mehr Wasser verdunstet, als sie aus dem Boden nachholen kann. Sie welkt zuerst, bei anhaltendem Mangel werden Blattränder braun und die Wurzeln können dauerhaft geschädigt werden. als auch auf beginnende WurzelfäuleBei Wurzelfäule faulen die Wurzeln einer Pflanze und sterben ab, meist weil die Erde ständig nass ist und Sauerstoff fehlt. Oft sind Schadpilze beteiligt, und die Pflanze welkt trotz feuchter Erde. hindeuten und erlaubt allein keine sichere Gießentscheidung. Prüfe zuerst die Substratfeuchte, dann gieß nach oder lass die Pflanze abtrocknen.
Düngen mit Maß: schwachzehrend heißt zurückhaltend
Süßkraut ist im Beetplaner als schwachzehrend eingestuft. Für viele genügsame Gartenkräuter reicht deshalb eine einmalige Frühjahrsdüngung mit 3 l Kompost je m² für die Saison. Kompost bringst du im Spätwinter oder Frühjahr aus, nicht im Herbst, damit weniger Nitrat ausgewaschen wird.
Die Quellen zur Stevia-Düngung stimmen nicht überein: Eine Empfehlung nennt für Topf- und Freilandkultur eine mäßige Düngung, eine Gärtnerei rät beim angebotenen Süßkraut dagegen, während der Wachstumszeit reichlich zu düngen. Konkrete Mengen oder Abstände nennt keine der beiden. Ich halte mich an die zurückhaltende Linie und schaue auf die Pflanze: Frische, satt grüne Blätter mit kräftigem Austrieb brauchen nichts zusätzlich. Übermäßige Düngung kann bei Kräutern zu mastigem Wachstum und schwächerem Aroma führen.
Für den Topf gelten ein paar Besonderheiten:
- In nährstoffhaltiger Kauferde düngst du in den ersten Wochen nach dem Eintopfen nur sparsam zusätzlich.
- Bei organisch gedüngten torffreien Erden kann besonders zu Beginn oder gegen Ende der Kultur Stickstoff fehlen; die Nachdüngung richtest du deshalb am Pflanzenzustand aus, nicht am Kalender.
- Düngerlösung gibst du auf bereits feuchte Erde, um Wurzelschäden zu vermeiden. Bei Trockenheit und großer Hitze wird Flüssigdünger niedrig konzentriert auf zuvor angefeuchteten Boden gegossen, nicht über die Pflanze.
- Bei der Bemessung einer Gabe rechnest du neben der Packungsempfehlung den Bodenvorrat und zusätzliche Kompostgaben mit.
Organisch gebundene Nährstoffe müssen erst von Bodenlebewesen freigesetzt werden und wirken deshalb meist langsamer als leicht lösliche mineralische Dünger. Bei Frost, Trockenheit oder stauender Nässe setzen organische Dünger wenige bis keine Nährstoffe frei; feuchtwarme Witterung erhöht die Freisetzung stark. Wer im Hochsommer bei knochentrockenem Topf organisch nachlegt, wartet also erst einmal vergebens.
Leicht lösliche stickstoffhaltige Dünger setzt du nur ein, wenn die Pflanze die Nährstoffe auch aufnehmen kann, vorrangig im Frühjahr. Und eine Grenze im Jahreslauf gibt es: Kübelpflanzen, die auf die Winterruhe vorbereitet werden, düngst du ab Ende August nicht mehr, damit das Gewebe ausreifen kann.
Bevor ich bei gelblichen Blättern zum Dünger greife, gehe ich die anderen Ursachen durch: Stand die Pflanze zu kalt, war der Topf lange trocken, gibt es Flecken oder Belag? Kälte-, Trockenheits- und Krankheitssymptome dürfen nicht allein als Stickstoffmangel gedeutet werden. Erst wenn diese Punkte abgehakt sind, bekommt die Pflanze eine maßvolle Gabe.
Schneiden: entspitzen, ernten, Blüte im Blick
Das Einkürzen der Triebspitzen fördert bei Süßkraut einen buschigeren Wuchs. Ich knipse deshalb bei jungen Pflanzen die Spitzen regelmäßig aus und sehe beim nächsten Gießen nach, wie viele Seitentriebe aus den BlattachselnDie Blattachsel ist der Winkel zwischen Blattstiel und Zweig oder Stängel, also die Stelle, an der ein Blatt am Spross ansetzt. Aus ihr wachsen häufig Seitentriebe, bei Tomaten etwa die Geiztriebe. nachschieben.
Für ganze Triebe, die du zur Verwendung schneidest, ist eine Handbreit über dem Boden meist die passende Schnitthöhe; einige Blätter bleiben an der Pflanze, damit sie wieder austreiben kann. Kräuter werden für den Vorrat vor der Blüte geerntet, weil dann alle Kraft im Laub steckt; sobald Knospen erscheinen, konzentriert sich die Pflanze auf Blüten- und Samenbildung. Bei Stevia liegt die Blütezeit im Juli bis August, also mitten im Erntefenster von Juni bis Oktober. Wer Blätter will, schneidet, ehe die Knospen aufgehen. Die Tiefe zu Ernte und Trocknung trägt der Artikel Süßkraut richtig ernten und trocknen.
Nutze die Schnittreste sinnvoll: Süßkraut kann zusätzlich zur Aussaat durch StecklingeEin Steckling ist ein junger, von der Mutterpflanze abgeschnittener Trieb, der in Erde oder Wasser eigene Wurzeln bildet. So entsteht eine neue Pflanze mit denselben Eigenschaften wie die Mutterpflanze. vermehrt werden. Wie die Anzucht vom Samen bis zur fertigen Pflanze läuft, beschreibt Süßkraut anbauen vom Samen zur Ernte.
Überwintern als Pflegeaufgabe
Süßkraut ist nicht freiland-winterhart und überwintert als Kübelpflanze hell und frostfrei. Für Beetpflanzen heißt das: rechtzeitig vor dem ersten Frost eintopfen oder als einjährige Kultur abräumen; die frostempfindliche Pflanze gehört zur dritten Gruppe im Kräuterbeet, zu allem, was hinein muss.
Im Winterquartier ändert sich die Pflege in drei Punkten:
- Wasser: Bei kühler Überwinterung am hellen Fenster wird weniger gegossen, ohne den Wurzelstock austrocknen zu lassen. Ich prüfe die Erde in der Ruhephase genauso mit dem Finger wie im Sommer, gieße aber erst, wenn sie deutlich abgetrocknet ist.
- Dünger: ab Ende August keiner mehr, und im Winterquartier ebenfalls nicht.
- Umtopfen: Überwinterte Stevia wird beim erneuten Austrieb im Frühjahr umgetopft, der meist ab März beginnt. Das ist der Moment, in dem ich frisches Substrat gebe und die Pflanze wieder ans Wachsen bringe.
Vor dem ersten Frost hell und frostfrei stellen · Untersetzer leer halten · Gießen reduzieren, Wurzelstock nicht austrocknen lassen · kein Dünger · ab März beim Austrieb umtopfen · nach Ende der Frostgefahr wieder ins Freie.
Wenn etwas nicht stimmt
Mastige, überdüngte und zu nass gehaltene Pflanzen sind anfälliger; das ist der vorbeugende Grundsatz aus dem Hub-Abschnitt zum Pflegen mit Maß. Braune Wurzeln, Welke trotz feuchter Erde und faulige Gerüche aus dem Topf können auf Wurzelfäule hindeuten, die Staunässe begünstigt. Welche Probleme beim Süßkraut sonst auftreten und wie du sie einordnest, beschreibt häufige Probleme beim Anbau von Süßkraut.
Planung im Beet: Abstand, Nachbarn, Anbaupause
Im Beet gibt der Beetplaner für Süßkraut 30 cm Abstand in der Reihe bei 30 cm Reihenabstand als Systemwert vor, bei sonnigem bis halbschattigem Standort; die AnbaupauseDie Anbaupause ist die Zeit, die vergehen sollte, bevor dieselbe Pflanzenart oder eine Art derselben Pflanzenfamilie wieder auf demselben Beet wächst. Sie beugt Krankheiten und Schädlingen vor, die sich im Boden anreichern. beträgt 4 Jahre, die Kulturstartmonate liegen im Februar bis Mai. Die Mischkultur-Matrix nennt als unverträgliche Nachbarn unter anderem Estragon, Ringelblume, Kamille, Parakresse, Würztagetes, Löwenzahn und die Endivien-Gruppe. MischkulturMischkultur bedeutet, dass verschiedene Gemüsearten nebeneinander auf einem Beet wachsen. So nutzt du die Fläche besser aus, und der Boden bleibt während der Saison weitgehend bedeckt. unterstützt die Pflanzengesundheit, sie garantiert nichts. Für deine eigene Beetaufteilung helfen dir der Beetplaner mit den hinterlegten Systemwerten und der Mischkultur-Check für Nachbarschaften.
4 Jahre Anbaupause nennt der Beetplaner für Süßkraut. Wer die Pflanze nicht einjährig zieht, sondern im Topf überwintert, umgeht das Thema ohnehin; im Beet lohnt es sich, den Platz von Jahr zu Jahr zu wechseln.
Verwendung in Kürze
Süßkraut-Blätter werden frisch verwendet oder getrocknet aufbewahrt. In der EU sind Steviolglycoside als Süßungsmittel unter der Bezeichnung E 960 zugelassen, die unverarbeiteten Blätter dagegen nicht als Lebensmittel. Bei Beschwerden ersetzt kein Kraut den ärztlichen Rat. Weitere Sorten, Kulturdaten und den Aussaatkalender findest du im Arten-Hub zu Süßkraut.



