Bestäubung im Obstgarten: Befruchtersorten, Wildbienen und Handbestäubung
- Apfel- und Birnbäume brauchen in der Regel eine passende andere Befruchtersorte; sie kann auch in der Nachbarschaft stehen.
- Ein zweiter Baum derselben Apfelsorte ersetzt die Befruchtersorte nicht.
- Bienen sind besser versorgt, wenn vom Frühjahr bis zum Herbst gestaffelt ungefüllte Blüten offen sind.
- Reine Holznisthilfen unterstützen bodennistende Wildbienen nicht ausreichend, sie brauchen offene Bodenstellen.
- Handbestäubung mit dem Pinsel kann den Fruchtansatz unterstützen, garantiert ihn aber nicht.

Dein Apfelbaum blüht im Frühjahr üppig, und im Sommer hängen trotzdem nur wenige Früchte am Ast. Dann kann es an der BestäubungBestäubung nennt man die Übertragung von Pollen, dem Blütenstaub aus den Staubblättern, auf die Narbe einer Blüte. In unseren Breiten übernehmen vor allem Wind und Insekten diesen Transport. liegen: Entweder fehlt der Pollen einer passenden zweiten Sorte, oder in den Blühtagen waren zu wenige Insekten unterwegs.
Ich gehe deshalb zur Blütezeit durch meine Bäume und schaue, wer an den Blüten fliegt und welche Bäume ringsum gleichzeitig blühen. Diese beiden Beobachtungen zeigen dir, wo du ansetzen kannst: bei der Sortenwahl, bei Futter und Nistplätzen für die Bestäuber und im Notfall beim Pinsel.
Was ist Bestäubung?
Bei der Bestäubung gelangt Pollen aus den Staubblättern auf die Narbe einer Blüte. An Obstblüten übernehmen das vor allem Insekten, die Nektar und Pollen sammeln und dabei Pollen von Blüte zu Blüte tragen. Bleibt die Bestäubung aus, setzt der Baum in der Regel keine Früchte an.
Bestäubung ist die Übertragung des Pollens auf die Narbe. Die Befruchtung ist der Schritt danach: Der Pollen keimt auf der Narbe und wächst durch den Griffel zum Fruchtknoten, aus dem die Frucht entsteht. Eine Blüte kann also bestäubt sein und trotzdem keine Frucht bilden, wenn der Pollen nicht zur Sorte passt.
Braucht dein Obstbaum eine zweite Sorte?
Kläre die Sortenfrage, bevor du Bestäuber förderst, denn auch viele Insekten helfen nicht, wenn der passende Pollen fehlt. Apfel- und Birnbäume brauchen in der Regel eine passende andere Befruchtersorte. Diese Sorte muss nicht in deinem Garten stehen, sie kann auch in der Nachbarschaft wachsen.
Beim Apfel muss die andere Sorte geeignet sein, und ihre Blüte muss sich mit der deines Baums überlappen. Nur dann klappt die Befruchtung zuverlässig.
„Zwei Apfelbäume befruchten sich immer gegenseitig.“ Das stimmt nicht. Ein zweiter Baum derselben Sorte erfüllt die Aufgabe des Befruchters nicht, es braucht eine geeignete andere Sorte mit überlappender Blüte.
| Obst | Was die Blüte braucht |
|---|---|
| Apfel | in der Regel eine geeignete andere Sorte mit überlappender Blüte, auch aus der Nachbarschaft |
| Birne | in der Regel eine passende andere Befruchtersorte; Befruchtungseignung und Blütezeit bei der Sortenwahl prüfen |
| Süßkirsche | je nach Sorte; Sunburst ist selbstfruchtbar |
| Aronia | selbstfruchtbar, eine einzelne Pflanze kann Früchte bilden |
| Sanddorn | zweihäusig, für den FruchtansatzFruchtansatz ist das Entstehen einer Frucht aus einer Blüte, besonders bei Obstbäumen, aber auch bei Fruchtgemüse. Außerdem nennt man die junge, sich gerade entwickelnde Frucht selbst so. sind männliche und weibliche Pflanzen nötig |
Welche Sorte zu deiner passt, steht in der Sortenbeschreibung der Baumschule. Frag beim Kauf gezielt nach dem Befruchter und nach der Blütezeit. Ich schreibe mir beides zum Baum auf und notiere im Frühjahr, wann jede Sorte aufblüht.
Boskoop braucht Pollen, taugt aber nicht als Pollenspender
Boskoop ist eine triploide Apfelsorte, und triploide Sorten eignen sich nicht als Pollenspender für andere Apfelbäume. Zugleich wird für eine zuverlässige Apfelbefruchtung eine geeignete andere Sorte benötigt. Steht bei dir also nur ein Boskoop neben einer einzigen weiteren Sorte, fehlt dieser zweiten Sorte der Pollenspender. Dann brauchst du eine weitere passende Sorte, im eigenen Garten oder in der Nachbarschaft.
Kleiner Garten und Balkon
Auch Apfel- und Birnbäume auf dem Balkon brauchen eine passende andere Befruchtersorte, die in erreichbarer Nachbarschaft stehen kann. Schau deshalb zur Blütezeit, ob in den Gärten ringsum ein anderer Apfel- oder Birnbaum gleichzeitig blüht, und frag nach der Sorte. Für Birnen im kleinen Garten gehören Befruchtungseignung und passende Blütezeiten von Anfang an zur Sortenwahl.
Wer bestäubt die Obstblüten?
An den Obstblüten sind mehrere Insektengruppen unterwegs. Honigbienen bleiben während eines Ausflugs bei einer Pflanzenart und tragen so den Pollen von Apfelblüte zu Apfelblüte. Wildbienen und Hummeln fliegen auch bei kühlerem Wetter. SchwebfliegenSchwebfliegen sind Fliegen mit oft schwarz-gelber, wespenähnlicher Zeichnung, die in der Luft auf der Stelle schweben können. Sie gelten als Nützlinge: Die erwachsenen Tiere bestäuben Blüten, die Larven vieler Arten fressen Blattläuse., Schmetterlinge und Käfer besuchen die offenen Blüten ebenfalls.
Für dich heißt das: Fördere nicht eine einzelne Art, sondern sorge für Futter und Nistplätze, die vielen Arten passen.
Ich stelle mich an einem Blühtag vor einen Baum und schaue eine Weile nur zu. So sehe ich, welche Insekten kommen, und merke, wenn an den Blüten kaum etwas fliegt.
Bestäuber fördern: Blüten vom Frühjahr bis zum Herbst
Bienen sind im Garten besser versorgt, wenn vom Frühjahr bis zum Herbst gestaffelt etwas blüht und die Blüten ungefüllt sind. Deine Obstbäume decken davon nur ihre eigene Blütezeit ab. Den Rest ergänzt du mit Stauden, Kräutern und einjährigenEinjährige, auch Annuelle genannt, sind Pflanzen, deren Lebenszyklus üblicherweise innerhalb eines Jahres beendet ist. Sie legen als Pflanze keine Ruhezeit ein, nur ihre Samen überdauern ungünstige Zeiten. Blumen.
So gehst du vor:
- Notiere, wann deine Obstbäume blühen.
- Trag ein, was davor und danach in deinem Garten blüht.
- Fülle die Lücken mit ungefüllten Blühern für genau diese Zeit.
In meinem Garten stehen Borretsch, Ringelblumen und Lavendel in der Nähe der Obstbäume. Bevor ich pflanze, zeichne ich das Blühbeet im Beetplaner auf. Ob sich die Arten als Nachbarn vertragen, siehst du im Werkzeug, das dir passende Partner für die Mischkultur zeigt; MischkulturMischkultur bedeutet, dass verschiedene Gemüsearten nebeneinander auf einem Beet wachsen. So nutzt du die Fläche besser aus, und der Boden bleibt während der Saison weitgehend bedeckt. unterstützt, sie garantiert nichts.
Eine flache Wasserschale mit Steinen als Landeplatz ergänzt das Angebot. Nutzen auch Vögel die Schale, wechselst du das Wasser täglich, um Krankheitsübertragungen vorzubeugen.
Blühstreifen gehören neben die Baumscheibe
In Obstanlagen finden natürliche Gegenspieler von Schädlingen in mehrjährigenMehrjährige oder ausdauernde Pflanzen leben mehrere Jahre und überstehen den Winter mit Überdauerungsorganen, Speicherorganen oder ausgedehnten Wurzeln. Krautige Mehrjährige heißen Stauden, auch Zwiebel- und Knollenpflanzen gehören dazu. Blühstreifen Schutz und Nahrung. Im europäischen EcoOrchard-Freilandversuch waren die Fruchtschäden durch die Mehlige Apfelblattlaus an Bäumen mit benachbarten Blühstreifen um 15 % geringer als in den Kontrollparzellen. Solche Vorteile zeigen sich aber nicht an jedem Standort und nicht unter allen Bedingungen in gleichem Maß.
Ein LWG-Versuch mit jungen Apfelbäumen auf leichten lehmigen Sandböden stufte die geprüften Untersaaten als ungeeignet ein, weil die Wasserkonkurrenz zu hoch war. Bei jungen Streuobstbäumen unterstützt es außerdem das Anwachsen, wenn die BaumscheibeDie Baumscheibe ist die Bodenfläche rund um den Stamm eines Baums oder Strauchs, die du frei von Gras und Unkraut hältst oder mulchst. So nehmen Gräser und Unkraut dem Gehölz weniger Wasser und Nährstoffe weg. mindestens 5 Jahre bewuchsfrei bleibt. Blühpflanzen direkt am Stamm können jungen Bäumen also Wasser nehmen, deshalb lege ich den Streifen neben die Baumscheibe.
Beim Mähen lasse ich einen Streifen Altgras stehen, weil er Insekten Rückzugsräume und Plätze für Eiablage und Überwinterung bietet. Hecken und artenreiche Säume können einen Streuobstbestand außerdem mit benachbarten Lebensräumen für Insekten und Vögel verbinden.
Nisthilfen: Holz für die einen, offener Boden für die anderen
Eine Nisthilfe aus Holz hilft den Wildbienen, die in Hohlräumen nisten. Dafür kommt es auf saubere Bohrungen im richtigen Holz an.
Für Wildbienen-Nisthilfen setzt du glatte Bohrungen mit 2–9 mm Durchmesser und 8–10 cm Tiefe. Gebohrt wird in das Längsholz von Hartholz.
Längsholz heißt: Du bohrst von der Rindenseite quer zur Faser und nicht in die Stirnfläche mit den Jahresringen. Glatt heißt, dass im Gang keine Fasern und Splitter abstehen. Ich bohre mit einem scharfen Bohrer und schleife die Eingänge nach.
Bodennistende Wildbienen erreichst du mit Holz nicht, denn sie benötigen geeignete offene Bodenstellen. Lass deshalb an einer Stelle im Garten den Boden offen, statt jede Lücke zu bepflanzen.
Ein Insektenhotel aufhängen und damit alle Wildbienen versorgt glauben. Reine Holznisthilfen unterstützen die Bodennister nicht ausreichend.
Handbestäubung: wann der Pinsel hilft
Handbestäubung ist eine Notlösung für kleine Bäume, Spaliere und Kübelobst, wenn zur Blüte kaum Insekten fliegen. Sie kann den Fruchtansatz unterstützen, eine Garantie ist sie nicht.
Beim Apfel nützt der Pinsel nur mit dem richtigen Pollen. Für eine zuverlässige Befruchtung wird eine geeignete andere Sorte benötigt, und ein zweiter Baum derselben Sorte erfüllt diese Aufgabe nicht. Wer also nur innerhalb des eigenen Baums von Blüte zu Blüte tupft, löst das Sortenproblem nicht.
So gehe ich vor:
- Ich wähle einen trockenen, windstillen Tag, an dem die Blüten offen sind.
- Mit einem weichen, trockenen Pinsel streiche ich über die Staubblätter einer Blüte der Befruchtersorte, bis Pollen an den Haaren hängt.
- Den Pollen tupfe ich auf die Narbe in der Mitte der Blüten, die Früchte ansetzen sollen.
- Den Ast markiere ich mit einem Band und schaue nach der Blüte, ob dort Früchte ansetzen.
- Solange neue Blüten aufgehen, wiederhole ich den Gang.
Dabei arbeite ich nur an Ästen, die ich vom Boden aus erreiche.
Steht die passende Sorte im Nachbargarten, frag zur Blüte nach einem kleinen Zweig mit offenen Blüten. Von ihnen nimmst du den Pollen mit dem Pinsel ab.
Viele Blüten, wenig Früchte: woran es noch liegen kann
Nicht jede schwache Ernte liegt an der Bestäubung. Diese Punkte prüfe ich der Reihe nach:
- Wetter zur Blüte: Bei Regen, starkem Wind und Kälte fliegen weniger Insekten, dann kann der Fruchtansatz schwächer ausfallen.
- Spätfrost: Frost kann offene Blüten schädigen, Boskoop zum Beispiel ist während der Blüte frostempfindlich. Droht Spätfrost, kannst du kleine Obstbaumformen und Wandspaliere mit Vlies abdecken.
- Zu viel Stickstoff: Ein Überschuss verstärkt bei Obstgehölzen das Triebwachstum zulasten der Blüten- und Fruchtbildung. Obstbäume und Obststräucher werden deshalb nur mäßig mit Stickstoff versorgt.
- Kirschen mit abgestorbenen Blüten: Sterben Blüten und Triebe kurz nach der Blüte ab, kann das auf Monilia-Spitzendürre hindeuten und nicht auf fehlende Bestäubung. Kühl-regnerisches Wetter während der Kirschblüte begünstigt sie.
- Pflanzenschutz: Mittel können auch Bestäuber treffen, und Leimringe können NützlingeNützling ist kein biologischer Fachbegriff, sondern eine Sammelbezeichnung für wildlebende Tiere, die dem Menschen nützen: Sie fressen Schädlinge wie Blattläuse, bestäuben Pflanzen oder tragen zur Bodenfruchtbarkeit bei. gefährden. Erlaubt sind im Obstgarten ohnehin nur zugelassene Pflanzenschutzmittel, angewendet nach ihrer Gebrauchsanweisung.
Gute Bestäubung kann auch zu viel bringen. Bei überreichem Behang kleiner Apfel- und Birnbäume wird von Mitte bis spätestens Ende Juni ausgedünnt, und je Büschel bleibt eine gut entwickelte, unbeschädigte Frucht stehen. Wie du ausdünnst, düngst und Krankheiten vorbeugst, liest du in den Grundlagen zu Pflege, Düngen und Krankheiten bei Obstgehölzen.
