Balkonpflanzen organisch düngen: Kompost, Jauche, Bokashi, Wurmkompost
- Organischer Dünger wirkt erst, wenn Mikroorganismen ihn zersetzen; Wärme und Feuchte im Substrat begünstigen das.
- Vom Gesamtstickstoff im Kompost werden im ersten Jahr nur etwa 10 bis 30 Prozent für die Pflanzen verfügbar.
- Gesiebter Kompost darf höchstens 30 Prozent der Balkonkastenerde ausmachen, Moorbeetpflanzen bekommen keinen.
- Pflanzenjauche wird zum Gießen gewöhnlich 1:10 verdünnt und nur auf feuchte Erde gegeben.
- Festes Bokashi-Ferment muss nachkompostiert werden, bevor es an Pflanzen kommt.
Wer Balkonpflanzen ausschließlich organisch düngt, gibt Nährstoffe zunächst in einer Form, die Wurzeln nicht aufnehmen können. Mikroorganismen müssen sie erst freisetzen. Im Substrat kann also Kompost stecken, und die Pflanze bekommt trotzdem gerade zu wenig Stickstoff.
Ich versorge meine Kästen und Kübel mit Kompost, selbst angesetzter PflanzenjauchePflanzenjauche ist ein selbst angesetzter Flüssigdünger aus Pflanzen wie Brennnessel, Beinwell, Löwenzahn oder Giersch, die in Wasser gären. Ihre Nährstoffe stehen den Pflanzen schnell zur Verfügung., Wurmkompost und nachgerottetem Bokashi. Bei jeder Quelle frage ich zuerst, wann sie wirkt und zu welcher Pflanze sie nicht passt.
Wie organischer Dünger an die Wurzel kommt
Pflanzenwurzeln nehmen Nährstoffe als Ionen auf, die im Bodenwasser gelöst sind. In Kompost, Wurmkompost und Küchenresten stecken sie dagegen in organischer Substanz. Mikroorganismen setzen sie daraus frei, und Wärme und Feuchte im Substrat begünstigen das.
Ein ausgetrockneter Kasten bremst die organische Düngung deshalb an zwei Stellen: Die Mikroorganismen arbeiten schlechter, und ohne Bodenwasser erreichen gelöste Nährstoffe die Wurzel nicht. Ich prüfe vor dem Düngen die Feuchte tiefer im Topf, nicht nur an der Oberfläche. Bei torffreier Erde kann oben schon alles trocken wirken, während der untere Bereich noch feucht ist.
Stickstoff unterstützt das vegetative Wachstum, Phosphor die generative Entwicklung und Kalium die Standfestigkeit. Magnesium, Calcium und SchwefelSchwefel ist einer der wichtigsten Pflanzennährstoffe. Pflanzen brauchen ihn vor allem für den Eiweißaufbau und nehmen ihn überwiegend als Sulfat aus dem Boden auf, zum Teil auch aus der Luft. zählen ebenfalls zu den HauptnährstoffenHauptnährstoffe sind die Nährstoffe, die Pflanzen in größeren Mengen brauchen: Stickstoff, Phosphor, Kalium, Calcium, Magnesium und Schwefel. Beim Düngen im Garten stehen Stickstoff, Phosphor, Kalium und Magnesium im Vordergrund., Eisen, Mangan oder Bor zu den Spurennährstoffen. Wie diese Nährstoffe zusammenspielen und welche Düngerarten es gibt, erklären die Grundlagen zu Nährstoffen und Düngerarten im Balkon- und Kübelgarten.
Kompost: Stickstoff mit Verzögerung
Ein Liter Kompost enthält je nach Zusammensetzung durchschnittlich 3 bis 7 g GesamtstickstoffGesamtstickstoff ist die gesamte Stickstoffmenge im Boden. Dazu gehören der kleine mineralische Anteil (Nitrat und Ammonium), den Pflanzen direkt aufnehmen können, und der größere Teil, der in organischen Verbindungen gebunden ist.. Im ersten Jahr nach der Gabe stehen den Pflanzen davon nur etwa 10 bis 30 Prozent zur Verfügung. Kompost ist im Balkonkasten deshalb vor allem ein Vorrat.
Auch vorgedüngte torffreie Erde kann zeitweise zu wenig pflanzenverfügbaren Stickstoff liefern, und heller werdendes Laub kann darauf hindeuten. Eine frische Kompostgabe gleicht das nur langsam aus, weil im ersten Jahr nur ein kleiner Teil ihres Stickstoffs frei wird. Mineralische und flüssige Dünger können einen festgestellten Mangel in torffreier Gefäßerde vergleichsweise schnell ausgleichen. Wer rein organisch bleiben will, gibt den Kompost darum schon beim Bepflanzen ins Substrat.
Ich siebe meinen Kompost, bevor er in einen Kasten kommt. Gesiebter Kompost kann einem Balkonkastensubstrat mit höchstens 30 Prozent Anteil beigemischt werden.
Die meisten handelsüblichen Pflanzerden enthalten bereits eine GrunddüngungDie Grunddüngung ist die Düngergabe unmittelbar zu Beginn einer Kultur oder der Wachstumszeit. Was die Pflanzen danach noch brauchen, bekommen sie mit einer oder mehreren Nachdüngungen, den sogenannten Kopfdüngungen., der Kompost kommt also als Zuschlag dazu. Nach dem Umtopfen in ausreichend vorgedüngte Blumenerde brauchen Kübelpflanzen in den ersten 4 bis 6 Wochen keinen zusätzlichen Dünger. Wie es danach weitergeht, zeigt der Ratgeber, wie du frisch gepflanzte Balkonpflanzen bis zum Ende der Anwuchsphase versorgst.
Wo Kompost nicht hineingehört
Kompost hat eine Kalkwirkung, sein pH-Bereich liegt bei 6,5 bis 7,5. Kulturheidelbeeren im Kübel brauchen dagegen ein saures Substrat mit einem pH-Wert von ungefähr 4,0 bis 5,0.
Kompost als Zuschlag in jeden Topf geben. Heidelbeeren und andere Moorbeetpflanzen bekommen wegen seiner Kalkwirkung keinen. Für Fächerblumen, Surfinien und Zitrusgewächse können komposthaltige Eigenmischungen wegen ihres erhöhten pH-Werts ungeeignet sein.
Für Surfinien gilt noch etwas: Bei der Düngerwahl ist auch ihre Eisenversorgung zu berücksichtigen, und mit steigendem Substrat-pH nimmt die Verfügbarkeit von Eisen ab. Eine komposthaltige Mischung mit erhöhtem pH-Wert kann also genau die Versorgung erschweren, auf die es bei Surfinien ankommt.
Wie sich der pH-Wert im Topf entwickelt, hängt von der Stickstoffform des Düngers, der CarbonathärteDie Carbonathärte ist der Teil der Gesamthärte des Wassers, der auf Calcium- und Magnesiumcarbonat zurückgeht. Sie wirkt alkalisch und beeinflusst deshalb den pH-Wert der Topferde, wenn du mit diesem Wasser gießt. des Gießwassers und der begrenzten Pufferung des Substrats ab. Kalkempfindliche Pflanzen gießt du vorzugsweise mit Regenwasser. Welche Erde zu welcher Pflanze passt und wie du gebrauchte Erde wieder aufbereitest, steht im Grundlagen-Ratgeber zum Balkon- und Kübelgarten unter „Erde und Substrat“.
Pflanzenjauche ansetzen und verdünnen
Für eine Pflanzenjauche brauchst du frisches oder getrocknetes Kraut, Wasser und einen Eimer. Ich setze meine Jauche in der hintersten Balkonecke an und schreibe das Datum auf den Eimer. Die Mengen für Ansatz und Verdünnung:
| Schritt | Menge |
|---|---|
| Ansatz mit frischem Kraut | 1 kg auf 10 l Wasser |
| Ansatz mit getrocknetem Kraut | 100 bis 200 g auf 10 l Wasser |
| Verdünnung zum Gießen an die Wurzel | gewöhnlich 1:10 mit Wasser |
Welche Nährstoffe in der fertigen Jauche stecken, schwankt mit der Pflanzenart, ihrem Entwicklungszustand und der Erntezeit des Krauts. Bei gekauftem Dünger richtest du die Menge nach der Dosierungsanweisung auf der Packung, bei selbst angesetzter Jauche fehlt diese Angabe. Den Abstand zwischen zwei Jauchegaben machst du deshalb an der Pflanze fest: Schau auf Blattfarbe und Zuwachs, bevor du wieder Jauche gibst.
Verdünnte Jauche gieße ich nur auf feuchte Erde, weil Düngerlösung auf trockenem Substrat die Wurzeln schädigen kann. Bei großer Hitze und langer Trockenheit feuchte ich die Erde vorher an. Dann gieße ich die schwach konzentrierte Lösung bodennah und nicht über die Pflanzen. Achte außerdem darauf, dass nichts an der Fassade herunterläuft oder auf den Balkon darunter tropft.
Bokashi: erst nachrotten, dann düngen
Im Bokashi-Eimer sammle ich Küchenabfälle und lasse sie fermentieren. Das feste Ferment gebe ich danach in meinen Kompostbehälter, wo es weiterrottet. In den Balkonkasten kommt erst der fertige Kompost, gesiebt und innerhalb der Obergrenze für Kompost.
Das feste Ferment aus dem Bokashi-Eimer ist noch kein fertiger Dünger. Es muss weiter kompostiert werden und darf bis dahin nicht direkt an Pflanzen gelangen.
Wurmkompost aus der Wurmkiste
In einer Wurmkiste setzen Kompostwürmer organische Abfälle zu Wurmkompost um. Günstig sind für die Würmer 15 bis 25 °C. Verwendbar ist der Wurmkompost nach etwa 3 bis 6 Monaten, je nach Feuchte, Temperatur und Ausgangsmaterial.
Die Temperatur am Standort der Kiste zählt damit doppelt: für die Würmer, denen nur ein bestimmter Bereich bekommt, und für die Zeit bis zur Reife. Wo du die Kiste aufstellst, entscheidet also mit, wann der Wurmkompost fertig ist.
In meiner Wurmkiste steckt ein Thermometer, das ich beim Füttern ablese. Die Feuchte prüfe ich dabei mit der Hand im Material.
Fertigen Wurmkompost mische ich beim Bepflanzen oder Umtopfen unter das Substrat. Wie viel eine Pflanze davon verträgt, taste ich mir ab und schaue danach auf Blattfarbe und Zuwachs.
Kaffeesatz, Bananenschalen und Eierschalen
Kaffeesatz, Bananenschalen und Eierschalen landen bei mir nicht direkt im Blumenkasten. Sie kommen in die Wurmkiste, in den Bokashi-Eimer oder auf den Kompost. Bananenschalen wird nachgesagt, mit ihrem Kalium die Blüte zu fördern, Kaffeesatz gilt als Stickstoffquelle. Wie viel davon im Topf tatsächlich frei wird, lässt sich nicht verlässlich beziffern. Freisetzen müssen es auch hier erst Mikroorganismen. Über den Kompost erreichen die Reste die Pflanze in einer Form, für die du Obergrenze und Kalkwirkung kennst.
„Bananenschalen machen blühfaule Balkonblumen wieder blühfreudig.“ Lange, lichte Triebe mit wenigen Blüten können auf einen für die Art zu schattigen Standort hindeuten. Pelargonien legen außerdem bei länger anhaltenden Temperaturen unter 10 °C keine neuen Blüten an. Prüf deshalb zuerst Licht und Temperatur, bevor du nachdüngst.
Wer viel braucht und wer wenig
Nicht jede Balkonpflanze braucht gleich viel. Bei Balkonblumen kommt neben dem Nährstoffbedarf die Salztoleranz dazu:
| Pflanze | Nährstoffbedarf | Salztoleranz |
|---|---|---|
| Petunien | hoch | hoch |
| Knollenbegonien | hoch | niedrig |
| Fuchsien | hoch | niedrig |
| Geranien | mittel | hoch |
Knollenbegonien und Fuchsien brauchen viel, vertragen aber wenig Salz. Bei ihnen prüfe ich vor jeder Jauchegabe besonders genau, ob die Erde durchfeuchtet ist. Unter den Kübelpflanzen gehört Oleander zu den stark, Schmucklilien zu den mittelstark und Oliven zu den schwach zehrenden Arten.
Gemüse und Hornmehl
Beim Gemüse zählen Tomaten zur hohen Stickstoff-Bedarfsgruppe, Möhren und Spinat zur mittleren, Radieschen, Erbsen und Bohnen zur niedrigen. Bei Kübeltomaten treffen also ein hoher Stickstoffbedarf und ein Kompostvorrat aufeinander, aus dem im ersten Jahr nur ein kleiner Teil frei wird. Für Kübeltomaten in torffreiem Substrat empfiehlt die Bayerische Gartenakademie einen festen Plan mit Hornmehl.
Kübeltomaten in torffreiem Substrat bekommen vor der Pflanzung etwa 5 g Hornmehl oder Horngrieß je Liter Substrat. Nach etwa 4 und nochmals nach 8 Wochen folgen jeweils 2 bis 3 g Hornmehl je Liter Substrat.
Wie du Gemüse durch die ganze Saison versorgst, erklärt der Ratgeber dazu, wie du Balkongemüse passend zu Zehrergruppe und Wachstumsphase düngst. Für jeden gekauften Dünger gilt die Dosierungsanweisung auf der Packung. Wie viel LangzeitdüngerEin Langzeitdünger, auch Depotdünger genannt, gibt seine Nährstoffe nicht sofort, sondern verzögert über einen längeren Zeitraum an die Pflanzen ab. Das gilt für entsprechend gekennzeichnete Mineraldünger und ebenso für organische Dünger., Granulat oder Düngesticks ein Topf bekommt, zeigt der Ratgeber zu Menge und Platzierung von Kübelpflanzendünger.
„Bohnen im selben Kasten düngen die Tomaten mit.“ Bohnen gehören beim Stickstoff zur niedrigen, Tomaten zur hohen Bedarfsgruppe. Pauschale Vorteile bestimmter Gemüsenachbarschaften sind aber schwer nachweisbar, und zu enger Stand nimmt den Pflanzen Licht und Luft. Geplante Paare prüfst du im Mischkultur-Planer.
Wann organisch gedüngt wird
Kübelpflanzen mit winterlicher Ruhephase düngst du von Ende April bis August, damit sie danach ausreifen können. Kranke Kübelpflanzen bekommen erst nach ihrer Erholung wieder Dünger, auch keinen organischen. Den Rhythmus übers Jahr beschreibt der Ratgeber, wann und wie oft du Balkonpflanzen im Jahreslauf düngst.
Zu wenig oder zu viel?
Bei Zimmerpflanzen können braune Blattränder zusammen mit braunen Wurzeln und weißem Belag auf dem Substrat auf einen durch Überdüngung erhöhten Salzgehalt hinweisen. Vergilbte Blätter mit anschließendem Blattfall können dort neben Nährstoffmangel auch von Lichtmangel, Temperaturschwankungen oder WasserstressWasserstress bedeutet, dass eine Pflanze zu wenig Wasser bekommt. Bei Gehölzen zeigt er sich oft erst einige Monate später durch Blatt- oder Nadelfall, schwaches Wachstum und höhere Anfälligkeit für Schädlinge und Krankheiten. kommen. Woran du Mangel und Überdüngung im Kübel unterscheidest, beschreibt der Grundlagen-Ratgeber zum Balkon- und Kübelgarten im Abschnitt „Nährstoffmangel und Überdüngung“.

