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Bodenleben fördern: Was Bodenlebewesen brauchen und wie du den Erfolg prüfst

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 9 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Bodenorganismen leben von Humus; ihre Tätigkeit setzt Nährstoffe frei, und Regenwurmgänge unterstützen Durchlüftung und Versickerung.
  • Kompost, Grünschnitt, Erntereste und organischer Mulch liefern Bodenlebewesen Nahrung und halten Nährstoffe im Gartenkreislauf.
  • Hausgarten-Anleitungen nennen für den Gemüsegarten 3 l Kompost je m² und Jahr; Moorbeetpflanzen bekommen keine pauschalen Kompost- oder Kalkgaben.
  • Für Gemüsebeete ist eine etwa 2 bis 3 cm dicke organische Mulchschicht üblich.
  • Gründüngung, kurze Brachzeiten und Mulch können Nährstoffverluste und ungeschützte Bodenphasen vermindern.
  • Die Spatendiagnose zeigt Bodengefüge, Verdichtungen, Feuchtigkeit und Wurzelbild; für die Standard-Bodenuntersuchung werden Abstände von 4 bis 5 Jahren genannt.
  • In einem vierjährigen biologischen Feldversuch brachte die Zugabe Effektiver Mikroorganismen keinen zusätzlichen Nutzen für Ertrag oder Bodenqualität.
Hände topfen eine Zimmerpflanze um.
Foto: Prathyusha Mettupalle · Pexels License · Quelle ↗

Harte Brocken beim Graben, Pfützen nach dem Regen, ein Beet, das in der Sonne schnell austrocknet? Dann lohnt sich der Blick auf das, was im Boden lebt. Das Bodenleben förderst du vor allem mit organischer Substanz, also mit Kompost, Mulch, Gründüngung und Ernteresten. Ich gehe dabei bei jedem Beet gleich vor: Erst schaue ich mit dem Spaten in den Boden, dann versorge ich ihn organisch, und später sehe ich an derselben Stelle wieder nach.

Es geht hier um den Gartenboden im Beet. Was Mikroorganismen in gekaufter Pflanzerde leisten und wie du sie im Substrat aktiv hältst, erklärt ein eigener Ratgeber.

Was leisten Bodenlebewesen im Beet?

Humus ist die Nahrung der Bodenorganismen, und ihre Tätigkeit setzt Nährstoffe frei. Über Regenwurmgänge unterstützt das Bodenleben außerdem die Durchlüftung und das Versickern von Wasser. Wie Humus und Bodenorganismen zusammenhängen, erklären die Grundlagen zu Humus, Bodenleben und Bodenanalyse.

An der Bodenart hängt viel. Sandreiche Böden speichern wenig Wasser und Nährstoffe, tonreiche lassen Wasser langsamer durch und neigen eher zu Staunässe. Auch die Richtwerte für Humus, pH-Wert und Kalk richten sich nach der Bodenart; das vertieft dasselbe Grundlagenkapitel.

Manche Kulturen arbeiten direkt mit Bodenbakterien zusammen: Buschbohnen können mithilfe von Knöllchenbakterien Luftstickstoff nutzen. Welche Rolle Bodenmikroben im Gartenboden spielen und wie du sie förderst, liest du im Ratgeber zu den Bodenmikroben.

Wie förderst du Bodenlebewesen?

Die Maßnahmen laufen auf zwei Dinge hinaus. Du gibst dem Boden organische Substanz zurück, und du lässt ihn möglichst selten offen liegen.

Organische Substanz zurückgeben

Kompost, Grünschnitt und Erntereste versorgen die Bodenorganismen mit organischer Substanz und halten die Nährstoffe im Gartenkreislauf. Kompost und Mist können zusätzlich Bodenstruktur und Bodenleben verbessern, sie liefern also mehr als Nährstoffe. Gesunde Erntereste zerkleinere ich und lasse sie als Mulch auf dem Beet liegen.

Kompost: Wie viel im Jahr?

Den eigenen Kompost setzt du aus Garten- und Küchenresten auf; Obst- und Gemüseabfälle, Kaffeesatz und Eierschalen eignen sich als Bestandteile. Wie du Standort, Material und Kompostsystem wählst, beschreibt das Grundlagenkapitel zum Kompostanlegen im Ratgeber Düngen, Boden und Kompost.

Für jährliche Kompostgaben nennen Hausgarten-Anleitungen je nach Nutzung diese Mengen:

Nutzung Kompost je m² und Jahr
Ziergarten 2 l
Gemüsegarten 3 l
allgemeine Heimkompost-Anleitung 3 bis 5 l
Ziergarten mit Phosphat-Gehaltsstufe C höchstens 3 l als Faustregel, weitere Phosphatgaben entfallen
Häufiger Fehler

Den gesamten Kompost auf wenige Beete schütten. Was die Pflanzen nicht aufnehmen, kann ausgewaschen werden. Als Faustregel gegen Überdüngung brauchst du für die vollständige Eigenverwertung häuslicher Bioabfälle ungefähr 50 bis 70 m² gedüngte Gartenfläche je Haushaltsmitglied.

Ich verteile reifen Kompost im Frühjahr und harke ihn leicht ein. In einem Düngeverfahren für Gemüsebeete deckt eine jährliche Grundgabe von 3 l/m² den Phosphatbedarf und weitgehend auch den Kaliumbedarf. Ausreichend verfügbaren Stickstoff liefert sie aber nicht automatisch. Wer Kompost gibt, ergänzt deshalb vor allem Stickstoff, und zwar nach Bedarf: Die Düngermenge muss die gemessenen Bodenvorräte und die Kompostgaben mit einrechnen.

Viel Stickstoff im Boden kann die Nitratanreicherung in Gemüse fördern, deshalb gibst du ihn bedarfsgerecht. Eine organische Stickstoffquelle ist Horn. Für Hornmehl rechnet man mit etwa 6 Wochen, bis es im Boden vollständig umgesetzt ist; gröbere Hornspäne brauchen mehrere Monate.

Regelmäßige Kompostgaben von etwa 3 l/m² im Jahr können im Hausgarten auch genug Kalzium nachliefern. Ob du zusätzlich kalkst, entscheidet deshalb der Bodenbefund.

Achtung

Säureliebende Moorbeetpflanzen wie Rhododendren, Heidelbeeren und Eriken bekommen keine pauschalen Kompost- oder Kalkgaben. Bei Rhododendren setzt eine gezielte Düngung voraus, dass du Boden-pH und vorhandene Nährstoffe kennst.

Im Gartenkompost werden ausreichende Rottetemperaturen oft nicht durchgehend erreicht. Krankheitserreger für Menschen, Tiere und Pflanzen tötet er deshalb nicht zuverlässig ab. Pflanzenreste mit Krankheitsverdacht lege ich nicht auf den Kompost.

Tipp

Gartenkompost braucht je nach Material und Rotteführung etwa 4 bis 12 Monate bis zur Reife. Ob er so weit ist, zeigt dir der Kressetest: Säe Kresse in Kompost und zum Vergleich in Gartenerde. Wächst sie im Kompost nach 5 Tagen schwächer oder gelblich-braun, braucht er noch Reifezeit.

Mulchen: Nahrung von oben

Organischer Mulch vermindert die Verdunstung von Bodenwasser und liefert den Bodenorganismen Nahrung für Abbau und Humusbildung. Für Gemüsebeete ist eine etwa 2 bis 3 cm dicke organische Mulchschicht üblich. Feinen Rasenschnitt trägst du dünner auf.

Ich mulche erst, wenn die Gemüsepflanzen ungefähr 10 cm hoch sind, und lasse Saatrillen und kleine Jungpflanzen frei. Wärmeliebende Gemüse wie Tomaten, Kürbis und Bohnen bekommen ihren Mulch erst ab Mai oder Juni, damit sich der Boden vorher erwärmen kann.

Gründüngung statt leerer Beete

Auf einem leeren Beet nimmt keine Pflanze mehr auf, was der Boden an Nährstoffen freisetzt. Diese Nährstoffe sind auswaschungsgefährdet. Gründüngung, möglichst kurze Brachzeiten und Mulch können Nährstoffverluste und ungeschützte Bodenphasen vermindern. Säst du nach der Ernte gleich eine Gründüngung, bleiben frei werdende Nährstoffe also eher im Beet, statt ausgewaschen zu werden.

Gründüngung Saatgut je m² Zeitraum
Phacelia 1 bis 3 g Kulturdauer 6 bis 9 Wochen
Winterroggen 20 g späte Aussaat Ende September bis Anfang Oktober

Bei Zwischenkulturen und Gründüngung achtest du auf die Pflanzenfamilie, damit die Fruchtfolge stimmt. Für lang stehende Gemüsekulturen wie Herbstkohl, Sellerie und Stangenbohnen wird eine Anbaupause von 3 Jahren empfohlen. Im Beetplaner für Anbaupausen und Zehrer-Einstufung behältst du die Folge über die Jahre im Blick.

Schonend lockern statt umwenden

Im Frühjahr lockere ich Gemüsebeete und neu zu bepflanzende Zierbeete mit dem Sauzahn. Ich ziehe ihn kreuzweise in etwa 20 cm Abstand durch und wende die Bodenschichten dabei nicht um. Mit dem Lockern warte ich, bis der Boden nicht mehr zu feucht ist. Klebt die Erde noch an den Zinken, lasse ich das Beet liegen.

Einjährige Samenunkräuter hacke ich oberflächlich. Ausdauernde Wurzelunkräuter steche ich wiederholt tief aus, bis sie geschwächt sind.

Zur richtigen Zeit versorgen

Dünger und Kompost gibst du lieber im Frühjahr als im Herbst, damit weniger Nährstoffe ausgewaschen werden. Bring sie möglichst auf feuchten Boden aus. Bei Frost, Trockenheit oder stauender Nässe setzen organische Dünger keine oder nur wenige Nährstoffe frei. Feuchtwarme Bedingungen können die Freisetzung dagegen verstärken.

Ist der Boden gefroren, ausgetrocknet oder staunass, behebt eine weitere Gabe einen akuten Mangel deshalb nicht zuverlässig. Ich prüfe in solchen Phasen zuerst mit dem Spaten, wie feucht der Boden in der Tiefe ist.

Was dem Bodenleben nicht weiterhilft

Zwei Dinge lasse ich bei der Bodenpflege weg: zugekaufte Mikrobenmischungen und Holzasche.

Mythos-Check

Effektive Mikroorganismen, kurz EM, sollen den Boden beleben. In einem vierjährigen biologischen Feldversuch brachte die EM-Zugabe jedoch keinen zusätzlichen Nutzen für Ertrag oder Bodenqualität. Die Wirkungen, die dort bei Bokashi- und Mistgaben zu sehen waren, wurden auf das organische Material und die Nährstoffzufuhr zurückgeführt.

Bokashi selbst ist eine milchsäurebasierte Vorbehandlung organischer Abfälle. Bevor du das feste Material als Gartendünger nimmst, muss noch eine Kompostierungsphase folgen.

Achtung

Holzasche verwendest du weder als Gartendünger noch als Kompostzutat, weil sie mit Schwermetallen und Schadstoffen belastet sein kann. Abgekühlt gehört sie in den Hausmüll; gib sie so hinein, dass kein Staub aufwirbelt.

Wie prüfst du, ob sich dein Boden verändert?

Ich prüfe auf zwei Wegen: mit der Spatendiagnose zum Hinschauen und mit der Bodenuntersuchung für Zahlen.

Spatendiagnose: Gefüge, Feuchte und Wurzeln ansehen

Eine Spatendiagnose beurteilt unter anderem Bodengefüge, Verdichtungen, Feuchtigkeit und Wurzelbild. So kannst du strukturelle Bodenprobleme einordnen. Ich steche dafür eine Scholle ab, lege sie auf eine Plane und breche sie mit den Händen auseinander. Regenwurmgänge schaue ich mir dabei genau an, weil sie Durchlüftung und Versickerung unterstützen. Die Diagnose mache ich immer an derselben Beetstelle, damit ich vergleichen kann.

Mini-Checkliste

Zerfällt die Scholle in Krümel oder in kantige Brocken? Liegt irgendwo eine dichte Schicht, an der das Wurzelbild endet? Ist die Erde in der Tiefe nass, obwohl sie oben trocken wirkt? Findest du Wurzeln und Regenwurmgänge auch weiter unten?

Was du siehst, sind Hinweise und noch kein Befund. Eine dichte Schicht kann auf Verdichtung hindeuten, nasse Erde in der Tiefe auf stauende Nässe.

Bodenuntersuchung: Humus, pH und Nährstoffe

Zahlen liefert dir die Bodenuntersuchung im Labor. Für die Mischprobe sparst du Wege, Ränder und die Nähe zum Kompost aus.

Bodenprobe Wert
Einstiche je Mischprobe 10 bis 15, gleichmäßig verteilt auf einer einheitlich genutzten Fläche
Probentiefe im Gemüsebeet Oberboden bis 25 bis 30 cm
Einstichtiefe im Rasen 8 bis 10 cm
Erde für den Versand etwa 500 g aus der gut vermischten Sammelprobe
Abstand Standarduntersuchung 4 bis 5 Jahre
Abstand pH-Kontrolle 5 bis 6 Jahre

Für leichte bis mittlere Gartenböden gelten etwa 3 bis 4 % Humus als Orientierung. Bei schweren Gartenböden liegt der Orientierungswert bei etwa 6 %.

Der anzustrebende pH-Bereich richtet sich nach Bodenart und Humusgehalt. Besondere Ansprüche, etwa von Moorbeetpflanzen, sind davon ausgenommen.

Bodenart anzustrebender pH-Bereich
Sand 5,0 bis 6,5
Lehm 5,5 bis 7,0
Ton 6,0 bis 7,5

Wie Boden-pH und Bodenleben zusammenhängen und wie du den pH-Wert misst, vertieft der Ratgeber zu pH-Wert und mikrobieller Vielfalt.

Zwischen zwei Standarduntersuchungen liegen mehrere Jahre, während die Spatendiagnose Gefüge und Wurzelbild jederzeit zeigt. Sie ist deshalb dein Prüfweg für die Zeit dazwischen.

Was der Befund für deine Bodenpflege heißt

Liegt der Humusgehalt unter der Orientierung, bleibst du bei Kompost, Mulch und Gründüngung und vergleichst beim nächsten Befund. Ist der pH-Wert zu niedrig, kalkst du nur nach Befund; die Menge hängt von Bodenart und Kompostzufuhr ab. Ein zu hoher pH-Wert kann Mangel an Spurennährstoffen verursachen, obwohl sie im Boden vorhanden sind.

Zeigt der Befund für einen Nährstoff Versorgungsstufe D, muss nur 50 % des erwarteten Entzugs durch Düngung ersetzt werden. Bei Versorgungsstufe E kannst du die Düngung mit diesem Nährstoff vorübergehend auf 0 reduzieren. Denk dabei an den Kompost, denn er bringt Phosphat und Kalium mit.

Marias Erfahrung

Ich führe für jedes Beet eine Seite im Gartenheft. Dort notiere ich, was mir die Spatendiagnose gezeigt hat, wann ich Kompost gegeben und was ich als Gründüngung gesät habe, dazu die Werte jedes Befunds. Beim nächsten Befund sehe ich so, welche Maßnahmen in der Zwischenzeit gelaufen sind.

Was tun, wenn der Boden nicht mitspielt?

Dicht, schwer oder nass

Zeigt die Spatendiagnose eine dichte Schicht oder nasse Erde in der Tiefe, kann das auf Verdichtung oder Staunässe hindeuten. Lockere dann mit dem Sauzahn, sobald der Boden abgetrocknet ist, und bring weiter organische Substanz ein. Um die Durchlässigkeit schwerer Gartenböden zu verbessern, kannst du 2 bis 5 l gewaschenen Sand ohne Feinanteile je m² einarbeiten. Ob eine weitere Gabe sinnvoll ist, hängt vom Bodenzustand ab.

Lange Möhren brauchen tiefgründigen, steinfreien Boden. Auf ungünstigen Böden kann eine Kultur auf gut 20 cm hohen Dämmen eine Alternative sein. Wie du den Gartenboden vor Verdichtung, Erosion und Überdüngung schützt, zeigt der Ratgeber zum Bodenschutz.

Sandig und schnell trocken

Tonminerale und organische Substanz können positiv geladene Nährstoffionen austauschbar binden und später an die Bodenlösung abgeben. Auf sandreichem Boden, der von sich aus wenig speichert, kann dir Kompost also helfen, mehr Nährstoffe im Boden zu halten. Gegen das schnelle Austrocknen legst du eine Mulchschicht auf, denn sie vermindert die Verdunstung. Gießt du, dann durchdringend: Je nach Bodenart werden 10 bis 20 l/m² je Gießgang empfohlen.

Passt dazu

Wenn du über weitere Bodenverbesserer nachdenkst: Welche Bodenverbesserer im ökologischen Gartenbau erlaubt sind und wie du sie bewertest, liest du im Ratgeber zu Öko-Bodenverbesserern.

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