Gartenpraxis · Düngen, Boden & Kompost · Wissen

Bokashi in der Stadtwohnung: Eimer, Ferment und Saft ohne Garten

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 8 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Bokashi ist eine Vorbehandlung: Küchenreste fermentieren luftdicht im Eimer und müssen danach noch kompostiert oder vererdet werden.
  • Der volle Eimer bleibt nach dem letzten Befüllen etwa 2 bis 3 Wochen verschlossen.
  • Den Saft lässt du etwa alle 2 bis 3 Tage über den Hahn ab.
  • Frisches Ferment nie direkt an Pflanzen geben, sondern mit Erde oder Kompost nachreifen lassen, im Hausverfahren weitere 3 Monate.
  • Bokashi-Saft wird für Beete im Freien 1:100 mit Wasser verdünnt und eignet sich wegen seines Geruchs schlecht für die Wohnung.
  • Nachgereifte Bokashi-Erde nur als Beimischung verwenden, bei Zimmerpflanzen wie Kompost höchstens etwa 20 Volumen-%.
Gesunde, humusreiche Gartenerde in den Händen
Foto: Juan J. Morales-Trejo · Pexels License · Quelle ↗

Den Bokashi-Eimer stelle ich in der Küche in eine Ecke, das ist der leichte Teil. Planen musst du vor allem, was er liefert: ein saures Ferment, das noch nicht an Pflanzen darf, und einen Saft, der kräftig riechen kann. Ohne Garten entscheidet genau das, ob Bokashi in deiner Wohnung auf Dauer funktioniert.

Deshalb geht es hier um Ausstattung, Aufstellort und Geruch und vor allem um den Weg danach. Du erfährst, wie das Ferment auf dem Balkon nachreift und was davon in Topf- und Zimmerpflanzen darf.

Was Bokashi in der Wohnung leistet und was nicht

Die Gärung läuft bei Zimmertemperatur, dafür brauchst du weder Keller noch Garten. Fertigen Kompost liefert der Eimer allerdings nicht. Bokashi ist eine Vorbehandlung durch Milchsäuregärung, auf die eine Kompostierung oder Vererdung folgen muss. Für diesen zweiten Schritt brauchst du Erde, einen offenen Behälter und Geduld: Ein erprobtes Hausverfahren rechnet mit weiteren 3 Monaten.

Dazu kommt der Geruch. Ferment und Saft können kräftig riechen und eignen sich eher für draußen als für Wohnräume. Für die Stadt heißt das: Bokashi passt zu dir, wenn du einen Balkon für die Nachreife hast oder jemanden mit Garten oder Kompost, der Ferment und Saft abnimmt.

Ein elektrischer Küchenkomposter nimmt dir den zweiten Schritt nicht ab. Er zerkleinert und trocknet die Reste in der Regel nur, für eine vollständige mikrobielle Kompostierung braucht es mehr Zeit.

Wer statt einer Wohnung Hof oder großen Garten versorgt, plant mit anderen Mengen und Abläufen; das behandelt der Beitrag über Bokashi im großen Maßstab für Garten und Hof.

Gärung statt Rotte

Im Eimer werden die Reste unter Luftabschluss konserviert und vorbehandelt, aber noch nicht kompostiert. Viele geben dazu eine Kleie mit Effektiven Mikroorganismen in den Eimer, doch in einem vierjährigen biologischen Feldversuch brachte die EM-Zugabe keinen Zusatznutzen für Ertrag oder Bodenqualität. Was die Gärung von der klassischen Rotte unterscheidet, erklärt der Beitrag darüber, wie die Bokashi-Fermentation mit Mikroorganismen und Kleie abläuft.

Und die Wurmkiste?

Ohne Garten bleibt als zweiter Weg die Wurmkiste. Dort arbeiten Kompostwürmer am besten bei 15 bis 25 °C und machen aus pflanzlichen Küchenresten fertigen Wurmkompost, während Bokashi nur vorbehandelt. Wie beide Verfahren in den Kompostkreislauf passen, findest du im Abschnitt Kompost pflegen, prüfen und verwenden.

Startausstattung für eine kleine Küche

Viel brauchst du nicht, aber jedes Teil hat eine feste Aufgabe.

Mini-Checkliste

  • Eimer mit luftdichtem Deckel, Siebeinsatz und Ablass, damit sich der Saft unter dem Sieb sammelt und abgelassen werden kann
  • zweiter Eimer zum Weitersammeln, während der erste verschlossen fermentiert
  • Kartoffelstampfer oder Ähnliches, um die Reste fest anzudrücken
  • Becher oder Flasche für den Saft
  • Fermentationsstarter, falls dein Verfahren einen vorsieht; die Menge steht auf der Packung
  • Kreppband und Stift für das Verschlussdatum
  • offener Behälter auf dem Balkon sowie Erde oder Kompost für die Nachreife

Den zweiten Eimer halte ich für Grundausstattung. Der volle Eimer bleibt nach dem letzten Befüllen etwa 2 bis 3 Wochen zu, und in der Küche fallen in dieser Zeit weiter Reste an. Ohne zweiten Eimer hätten sie keinen Platz.

Marias Erfahrung

Beim Verschließen klebe ich einen Streifen Kreppband auf den Deckel und schreibe das Datum darauf. So sehe ich ohne Öffnen, welcher Eimer fermentiert und welcher gerade sammelt.

Der richtige Platz in der Wohnung

Einen warmen Spezialplatz braucht der Eimer nicht, die Fermentation läuft bei Zimmertemperatur. Wichtiger ist der Zugang zum Ablass. Weil du den Saft etwa alle 2 bis 3 Tage ablässt und der Hahn unten sitzt, muss ein Becher bequem darunter passen. Mein Eimer steht deshalb in der Küche auf einem niedrigen Hocker in der Ecke.

Auf einem kalten Balkon dauert die Fermentation länger als in der Wohnung. Was du im Winter am Ablauf änderst und wohin das Ferment dann geht, liest du im Beitrag darüber, wie Bokashi bei Kälte fermentiert.

Zum Entleeren trage ich den vollen Eimer nach draußen. Das Ferment kann beim Öffnen kräftig riechen, und draußen bleibt der Geruch aus den Zimmern.

So bleibt der Geruch im Eimer

Diese Handgriffe halten den Eimer dicht und sauber:

  1. Deckel gleich wieder schließen. Der Verschluss muss luftdicht sein, ich öffne ihn nur zum Einfüllen.
  2. Reste zerkleinern und fest andrücken. Das Andrücken verringert die eingeschlossene Luft zwischen den Resten.
  3. Saft regelmäßig ablassen. Etwa alle 2 bis 3 Tage, damit er sich nicht unter dem Sieb staut.
  4. Nach dem Entleeren reinigen. Eimer, Sieb und Hahn säubern und an der Luft trocknen lassen, bevor du neu befüllst.
  5. Ferment und Saft draußen handhaben. Beide können geruchsintensiv sein.
Häufiger Fehler

Den fermentierenden Eimer immer wieder öffnen, um nachzusehen. Jedes Öffnen lässt Luft an die Reste, deshalb bleibt der Deckel bis zum Ende der Fermentation zu. Den Saft lässt du über den Hahn ab, dafür musst du nicht hinein.

Riecht der Eimer anders als erwartet oder bildet sich ein Belag, prüfst du zuerst Deckel, Andrücken und Saftablass. Mehr dazu steht im Ratgeber darüber, wie du Bokashi-Fehler erkennst und vermeidest.

Befüllen und Abfallwahl in Kürze

Obst- und Gemüsereste eignen sich für Bokashi, ich schneide sie vor dem Einfüllen klein. Holzasche aus dem Kaminofen gehört nicht hinein, weil sie Schwermetalle und Schadstoffe enthalten kann; abgekühlt kommt sie in den Hausmüll. Was sonst in den Eimer darf, zeigt der Ratgeber dazu, welche Küchenreste in den Bokashi-Eimer dürfen und wie du sie vorbereitest.

Gefüllt wird lagenweise: Reste hinein, fest andrücken, Deckel zu. Ist der Eimer voll, bleibt er für die Fermentation geschlossen, und du sammelst im zweiten weiter. Den Ablauf vom ersten Befüllen bis zur Reinigung beschreibt der Beitrag darüber, wie du den Bokashi-Eimer befüllst, betreibst und pflegst.

Wohin mit dem Ferment?

Achtung

Frisches Ferment aus dem Eimer kommt weder in Töpfe mit Pflanzen noch obenauf. Es kann bestehende Pflanzen schädigen und braucht erst eine Nachreife mit Erde oder Kompost.

Den ganzen Weg vom Küchenrest bis zur Topferde zeigt die Übersicht:

Schritt Ort Zeit und Menge
Sammeln Eimer in der Küche, Deckel luftdicht bis der Eimer voll ist
Fermentieren verschlossener Eimer bei Zimmertemperatur etwa 2 bis 3 Wochen nach dem letzten Befüllen; je nach Verfahren etwa 2 bis 6 Wochen, bei Kälte länger
Saft ablassen über den Hahn in einen Becher etwa alle 2 bis 3 Tage
Nachreifen offener Behälter auf dem Balkon im Hausverfahren nach 6 Wochen Fermentation: 1 Teil Ferment auf 4 Teile Gartenerde oder Kompost, gelegentlich umsetzen, weitere 3 Monate
Einsetzen Topf, Kasten, Kübel nur als Beimischung, Grenzen im nächsten Abschnitt

Für die Nachreife nehme ich einen offenen Kübel auf dem Balkon. Ferment und Erde mische ich gründlich durch und decke die Oberfläche mit reifem Kompost ab, damit offen liegende Reste weniger Fliegen anziehen. Die Mischung soll sich anfühlen wie ein ausgedrückter Schwamm. Bei Dauerregen decke ich den Kübel ab, bei Trockenheit gieße ich nach. Riecht sie faulig, ist sie vermutlich zu nass; dann setze ich sie um und mische trockenes Laub unter.

Wer die Nachreife dauerhaft auf dem Balkon betreibt, kann sich an einem Balkonkomposter orientieren. Eine kommunale Bauanleitung verwendet dafür einen Kunststoffbehälter mit Deckel und mindestens 75 l Volumen.

Verlass dich nicht darauf, dass Gärung oder Nachreife Krankheitserreger beseitigen. Nicht einmal Gartenkompost schafft das zuverlässig, weil er die nötige Rottewärme oft nicht durchgehend erreicht. Beim Umsetzen trage ich deshalb Handschuhe.

Bevor die Mischung in Töpfe kommt, mache ich den Kressetest wie beim Kompost. Eine Schale fülle ich mit der Bokashi-Mischung, eine zweite mit frischer Erde, und säe in beide Kresse. Wächst sie in der Mischung schwächer oder verfärbt sich gelblich-braun, bekommt der Kübel mehr Zeit.

Ohne Balkon bleibt der Weg über einen fremden Kompost. Fermentierter Bokashi kann als Zwischenstufe vor der Kompostierung dienen, etwa im Kompost eines Gemeinschaftsgartens oder bei Freunden mit Garten. Kläre das vor dem Start, sonst wartet der volle Eimer in der Küche.

Bokashi-Erde für Topf- und Zimmerpflanzen

Die nachgereifte Mischung setze ich ein wie Kompost: als Beimischung, nie als alleinige Topffüllung. Hast du mit Gartenerde angesetzt, besteht sie überwiegend daraus. Reiner Gartenboden kann im Gefäß beim Gießen verschlämmen und verdichten, deshalb mischst du die Bokashi-Erde immer unter eine Topferde.

Für die Anteile halte ich mich an die Grenzen, die für Kompost gelten:

Verwendung Anteil wie bei Kompost Worauf du achtest
Zimmerpflanzen höchstens etwa 20 Volumen-% Orchideen und Farne bekommen gar keinen
Aussaat und Stecklinge meist höchstens 20 Volumen-% wegen Salz- und Nährstoffgehalt
selbst gemischte Blumenerde höchstens etwa 30 % nur besonders gut durchgerottet
Balkonkastenerde bis zu 30 % nur vollständig verrottet; Rest Rindenhumus, Kokosfaser und gebrochener Blähton oder Perlite zu gleichen Teilen
Rhododendron, Azaleen, Heidelbeeren gar nicht Kompost hebt den pH-Wert
Zitruspflanzen oft ungeeignet komposthaltige Mischungen haben häufig einen hohen pH-Wert

Für die Beimischung siebe ich die Mischung auf etwa 10 bis 15 mm ab. Am liebsten mische ich sie beim Umtopfen im Frühjahr unter. Das Frühjahr eignet sich für das Umtopfen von Zimmerpflanzen besonders, und im Winter brauchen sie ohnehin weniger Nährstoffe.

Rechne die Bokashi-Erde mit, wenn du später düngst, denn Nährstoffe aus Kompost zählen bei jeder weiteren Gabe. Die Düngung ersetzt sie trotzdem nicht unbedingt: Stickstoff ist im Kompost überwiegend organisch gebunden, sodass weiter Bedarf bestehen kann.

Wohin mit dem Sickersaft?

Der Saft fällt laufend an, etwa alle 2 bis 3 Tage lässt du ihn ab. Für die Wohnung eignet er sich schlecht, denn er kann stark riechen. Organische Flüssigdünger gehören im Innenraum außerdem nur in Erdkultur, nicht in Hydrokultur. An Zimmerpflanzen gebe ich den Saft deshalb nicht.

Draußen auf Gartenflächen wird Bokashi-Saft im Verhältnis 1:100 mit Wasser verdünnt. Ich gieße ihn dort auf bereits feuchten Boden, nie unverdünnt. Deshalb bringe ich den Saft zu Beetflächen, etwa im Hof oder bei Freunden mit Garten, statt ihn in Töpfe zu gießen.

Wer weder Beet noch Abnehmer hat, sollte das vor dem Kauf bedenken, denn der Saft fällt in jedem Durchgang an. Wie du ihn verdünnst, verwendest und lagerst, vertieft der Ratgeber darüber, wie du Bokashi-Saft im Garten einsetzt.

Jetzt dran

Bevor du einen Eimer kaufst, klär drei Fragen. Wo steht er so, dass ein Becher unter den Hahn passt? Wo reift das Ferment nach, auf dem Balkon oder in einem Gartenkompost? Und wer nimmt den Saft für Beetflächen ab?

Häufige Fragen

Was ist Bokashi und wie funktioniert die Fermentation?
Bokashi ist eine Milchsäuregärung von Küchenresten in einem luftdicht verschlossenen Eimer. Die Reste werden dabei konserviert und vorbehandelt, aber noch nicht zu Kompost abgebaut. Das feste Material muss deshalb anschließend mit Erde vermischt nachreifen oder kompostiert werden, bevor es Pflanzen versorgen kann.
Warum ist Bokashi nahezu geruchlos und funktioniert ganzjährig?
Ganz geruchlos ist Bokashi nicht. Der Eimer hält Gerüche zurück, solange der Deckel luftdicht schließt und du den Saft etwa alle 2 bis 3 Tage ablässt. Ferment und Saft selbst können dagegen geruchsintensiv sein und gehören eher nach draußen. Ganzjährig klappt die Fermentation, weil sie bei Zimmertemperatur abläuft, bei Kälte dauert sie allerdings länger.
Worin unterscheidet sich Bokashi von herkömmlichem Kompost und Wurmkisten?
Bokashi ist eine Vorbehandlung: Die Küchenreste fermentieren luftdicht und brauchen danach noch eine Kompostierungsphase. Gartenkompost reift je nach Material und Rotteführung in etwa 4 bis 12 Monaten zu fertigem Kompost. In der Wurmkiste arbeiten Kompostwürmer am besten bei 15 bis 25 °C. Ihr Wurmkompost ist je nach Feuchte, Temperatur und Ausgangsmaterial nach etwa 3 bis 6 Monaten fertig.
Wie lange dauert die Fermentation und welche Produkte entstehen dabei?
Nach dem letzten Befüllen bleibt der Eimer etwa 2 bis 3 Wochen verschlossen. Je nach Verfahren werden etwa 2 bis 6 Wochen angesetzt, bei kalten Bedingungen auch länger. Dabei entstehen ein saures Ferment, das noch mit Erde oder Kompost nachreifen muss, und ein Saft, der sich unter dem Siebeinsatz sammelt und regelmäßig abgelassen wird.
Welche Ausstattung benötigt man für ein Bokashi-Starterset?
Kern ist ein Eimer mit luftdichtem Verschluss und Siebeinsatz, unter dem sich der Saft sammelt und über einen Ablass abgelassen werden kann. Ein zweiter Eimer erlaubt es, weiterzusammeln, während der erste verschlossen fermentiert. Dazu kommen ein Gefäß für den Saft, etwas zum Festdrücken der Reste und ein Platz für die Nachreife außerhalb der Wohnräume, etwa ein offener Behälter auf dem Balkon.
Wie verwendet man fermentiertes Bokashi bei Topfpflanzen?
Frisch aus dem Eimer kann das Ferment Pflanzen schädigen und kommt deshalb nicht direkt in den Topf. Ein Hausverfahren mischt 1 Teil Ferment mit 4 Teilen Gartenerde oder Kompost. Danach reift die Mischung weitere 3 Monate in einem offenen Behälter und wird gelegentlich umgesetzt. Ins Gefäß kommt sie nur als Beimischung wie Kompost, bei Zimmerpflanzen höchstens etwa 20 Volumen-%, und gar nicht zu Orchideen, Farnen oder Moorbeetpflanzen.
Zuletzt geprüft:
↑