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Kürbisgewächse: Merkmale, Bitterstoffe, Arten und Sorten

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 7 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Kürbisgewächse (Cucurbitaceae) sind meist krautig und tragen Ranken, eingeschlechtliche Blüten und einen unterständigen Fruchtknoten.
  • In der Regel wachsen männliche und weibliche Blüten an derselben Pflanze.
  • Hokkaido gehört zu Cucurbita maxima, Zucchini zu Cucurbita pepo und Butternut zu Cucurbita moschata.
  • Schmecken Kürbis oder Zucchini bitter, spuckst du den Bissen aus und wirfst die Frucht weg, denn auch Erhitzen zerstört die giftigen Cucurbitacine nicht.
  • Nach einer Einkreuzung von Zierkürbissen können aus den Samen der Speisepflanze in der nächsten Generation bittere, giftige Früchte wachsen.
  • Die Hokkaido-Sorte Amazonka wächst halb-buschig und bildet etwa 1 bis 2 kg schwere Früchte.

Eine Zucchini, die beim Kosten bitter schmeckt, gehört nicht in den Topf, sondern in den Abfall. Bitterstoffe kommen in der ganzen Familie der Kürbisgewächse vor, zu der neben Kürbis und Zucchini auch Gurke und Melone gehören. Ich koste deshalb jeden Kürbis, jede Zucchini und jede Gurke roh an, bevor ich sie zubereite.

Botanisch erkennst du Kürbisgewächse an Ranken, eingeschlechtlichen Blüten und einem unterständigen Fruchtknoten. Auch die Arten lassen sich sauber zuordnen: Hokkaido, Zucchini und Butternut gehören zu verschiedenen Kürbisarten.

Was sind Kürbisgewächse?

Kürbisgewächse, botanisch Cucurbitaceae, sind eine Pflanzenfamilie mit Hauptverbreitung in tropischen und subtropischen Klimazonen. In Mitteleuropa ist von Natur aus nur die Gattung der Zaunrüben (Bryonia) heimisch. Kürbis, Gurke und Melone stammen also nicht von hier, und die meisten Arten der Familie sind ausgesprochen wärmebedürftig.

Im Garten spielen vor allem Kürbisse, Gurken und Melonen eine Rolle. Die Gurke zeigt den Bauplan der Familie gut: Sie trägt männliche und weibliche Blüten an einer Pflanze, und ihre Früchte sind botanisch Beeren.

Woran erkennst du Kürbisgewächse?

Die Arten der Familie teilen eine Reihe prägnanter Merkmale. Mit dieser Übersicht ordnest du eine Pflanze im Beet ein.

Merkmal Typische Ausprägung
Wuchs meist krautig, mit Ranken; die Sprossachse liegt meist am Boden, seltener klettert sie
Stängel hohl, bei den meisten Arten weich oder rau behaart
Wurzeln tief reichende Pfahlwurzel und dichtes Netz aus Seitenwurzeln
Blüten groß, auffällig, eingeschlechtlich, von Insekten bestäubt
Verteilung der Blüten in der Regel einhäusig, oft zu mehreren in den Blattachseln
Fruchtknoten unterständig
Frucht Panzerbeere

Wurzeln, Stängel und Ranken

Unter der Erde bilden Kürbisgewächse eine tief reichende Pfahlwurzel und ein dichtes Netz aus Seitenwurzeln. Dieses Netz reicht mindestens so weit wie die Blattmasse über der Erde. Gemüse gießt du direkt im Wurzelbereich, damit die Blätter trocken bleiben. Bei einer ausladenden Kürbispflanze ist der Wurzelbereich also die ganze Fläche unter dem Laub und nicht nur der Stängelfuß.

Oberirdisch liegt die Sprossachse meist am Boden, nur selten klettert sie. Ihre Ranken geben den Trieben Halt. Der Stängel ist hohl, und die meisten Arten sind weich oder rau behaart. Junge Kürbisgewächse erkenne ich beim Jäten an dieser Behaarung und an den ersten Ranken.

Blüten, Fruchtknoten und Panzerbeeren

Die Blüten sind groß und auffällig, bestäubt werden sie von Insekten. Jede Blüte ist entweder männlich oder weiblich. In der Regel sitzen beide Geschlechter an derselben Pflanze, oft zu mehreren in den Blattachseln. Botanisch nennt man das einhäusig.

Kurz erklärt

Unterständig bedeutet, dass der Fruchtknoten unterhalb der übrigen Blütenteile sitzt. An einer weiblichen Blüte siehst du deshalb schon den kleinen Fruchtansatz unter der Blüte. Männliche Blüten haben ihn nicht.

Aus den befruchteten weiblichen Blüten entwickeln sich die Früchte, sogenannte Panzerbeeren. Sie geben den Samen eine längere Reifezeit, auch wenn die Mutterpflanze schon abgestorben ist. Fehlen Insekten, kannst du Pollen mit einem Pinsel von einer männlichen auf eine weibliche Blüte übertragen. Viele Treibgurkensorten brauchen das nicht, weil sie durch Parthenokarpie auch ohne Bestäubung Früchte bilden.

Blüht eine Pflanze kräftig, setzt aber nichts an, schaue ich zuerst nach, ob überhaupt schon weibliche Blüten mit Fruchtansatz dabei sind. Ganz anders blühen etwa die Gänsefußgewächse: Bei ihnen ist Windbestäubung die Regel, und die Blüten sind meist unscheinbar. Im Beitrag über die Merkmale der Gänsefußgewächse mit Mangold, Spinat und Roter Bete kannst du beide Familien vergleichen.

Warum werden Früchte von Kürbisgewächsen bitter?

Kürbisgewächse bilden von Natur aus Cucurbitacine. Diese giftigen Bitterstoffe dienen der Pflanze in den Früchten als Fraßschutz. Speisesorten sind auf sehr geringe Gehalte gezüchtet, trotzdem schmeckt hin und wieder eine Frucht bitter.

Für diesen Fall gilt eine klare Regel: Schmeckt ein Kürbis oder eine Zucchini bitter, spuckst du den Bissen aus und entsorgst die Frucht. Ich schneide deshalb vor dem Zubereiten ein Stück ab und koste es roh.

Mythos-Check

„Was bitter schmeckt, wird durch Kochen unbedenklich.“ Das stimmt nicht, denn Erhitzen zerstört die Cucurbitacine nicht. Eine bittere Zucchini gehört deshalb in den Abfall, egal wie du sie zubereiten wolltest.

Einkreuzung von Zierkürbissen

Blühen Zierkürbisse in der Nähe, können Insekten ihren Pollen auf die Blüten deiner Speisekürbisse tragen. Die Frucht, die danach an der Speisepflanze wächst, wird durch diese Einkreuzung nicht unmittelbar giftig. Säst du aber ihre Samen aus, kann die nächste Generation bittere und giftige Früchte tragen.

Häufiger Fehler

Kerne aus einem gut schmeckenden Speisekürbis trocknen und im nächsten Jahr aussäen. Der Geschmack der Mutterfrucht verrät nicht, ob ein Zierkürbis eingekreuzt hat, denn die Frucht selbst wird dadurch nicht unmittelbar giftig.

Stress als möglicher Auslöser

Als weiterer möglicher Auslöser gilt Stress, besonders Trockenheit, und das vor allem bei Gurken. Speisekürbisse brauchen ohnehin eine gleichmäßige Wasserversorgung, deshalb prüfe ich vor dem Gießen die Bodenfeuchte. Den Geschmackstest vor dem Kochen ersetzt das nicht.

Welche Arten und Sorten gehören zu den Kürbisgewächsen?

Im Gemüsegarten begegnen dir vor allem Riesenkürbis, Gartenkürbis und Moschuskürbis, dazu Gurken, Melonen und einige Exoten.

Art oder Gruppe Beispiele im Garten
Riesenkürbis (Cucurbita maxima) Hokkaido mit der Sorte Amazonka, Atlantic Giant
Gartenkürbis (Cucurbita pepo) Zucchini, Patisson, Steirischer Ölkürbis, viele Zierkürbisse
Moschuskürbis oder Muskatkürbis (Cucurbita moschata) Butternut, Muscat de Provence
Gurke (Cucumis sativus) Salatgurke, Einlegegurke
Melonen Wassermelone, Zuckermelone
Exoten Flaschenkürbis, Luffa-Schwamm, Wachskürbis
heimische Wildpflanze Zaunrübe (Bryonia)

Riesenkürbis (Cucurbita maxima)

Riesenkürbisse bringen sehr große, eindrucksvolle Früchte hervor. Die Sorte Atlantic Giant wird für Wettbewerbe um den schwersten Kürbis angebaut. Für Rekordexemplare betreiben Profis großen Aufwand, manche mieten dafür eigens Gewächshäuser.

Zur selben Art gehört der Hokkaido. Er schmeckt nussig, und seine Schale wird beim Kochen weich und ist essbar. In der Küche passt er in Suppen, Aufläufe, Beilagen und sogar Kuchen.

Die Hokkaido-Sorte Amazonka wächst halb-buschig und passt damit auch in kleine Gärten, auf die Terrasse oder ins Hochbeet. Sie bildet orange Früchte. Junge, noch kernlose Früchte verwendest du im Sommer wie Zucchini.

Amazonka Wert
Wuchsform halb-buschig
Saattiefe 2 bis 3 cm
Abstand zwischen den Pflanzen 80 cm
Reihenabstand etwa 100 cm
Fruchtgewicht etwa 1 bis 2 kg

Gartenkürbis (Cucurbita pepo)

Gartenkürbisse sind sehr vielgestaltig. Man unterscheidet bei ihnen Sommerkürbisse und Winterkürbisse. Sommerkürbisse wie Zucchini oder Patisson erntest du unreif, bevor sich die Kerne ausbilden und die Schale hart wird. Zu den Winterkürbissen zählen viele Zierkürbisse und dekorative Speisekürbisse wie die Bischofsmütze. Auch der Steirische Ölkürbis gehört zu den Gartenkürbissen.

Die Zucchinisorte Diamant F1 ist ein Hybrid und bildet den ganzen Sommer über laufend dunkelgrüne Früchte. Längliche Zucchini erntest du üblicherweise bei etwa 20 bis 25 cm Fruchtlänge. Auch die Blüten lassen sich verwenden, gefüllt sind sie eine Delikatesse. Aus selbst gewonnenem Saatgut von Hybridsorten entstehen keine zuverlässig sortenechten Nachkommen, Kerne aus eigenen Früchten bringen also keine verlässliche Diamant F1 hervor.

Moschuskürbis (Cucurbita moschata)

Moschuskürbisse fühlen sich in den Tropen richtig wohl, hierzulande baust du sie an einem geschützten Platz an. Ihr Fruchtfleisch ist sehr aromatisch und intensiv gefärbt. Die Schale ist hart und derb, deshalb lassen sich die Früchte gut lagern. Auch der Butternut gehört zu dieser Art.

Muscat de Provence ist eine große, spät reifende Traditionssorte aus Frankreich mit flacher, stark gerippter Form. Sie wirkt dekorativ, hält sich lange und schmeckt fein nach Muskat.

Gurke (Cucumis sativus)

Bei Gurken unterscheidest du Salatgurken und Einlegegurken. Salatgurken, auch Schlangengurken genannt, wachsen meist im Gewächshaus und werden recht schwer. Einlegegurken oder Gewürzgurken bleiben viel kleiner und wachsen im Freiland. Du kannst sie milchsauer vergären oder in Essigsud einlegen.

Die Einlegegurke Corentine F1 bildet rein weibliche Blüten, deren Früchte auch ohne Bestäubung wachsen. Ihre Früchte fallen gleichmäßig aus und lassen sich deshalb leicht verarbeiten. Freilandgurken kannst du an einem Rankgitter ziehen, dort trocknen sie nach Nässe schneller ab und lassen sich leichter ernten.

Melonen und Exoten

Wassermelonen und Zuckermelonen gehören ebenfalls zu den Kürbisgewächsen. Dazu kommen Exoten wie Flaschenkürbis, Luffa-Schwamm und Wachskürbis.

Was bedeutet die Familie für deinen Gartenplan?

Speisekürbisse brauchen einen vollsonnigen, nährstoffreichen Platz und eine gleichmäßige Wasserversorgung. Zucchini wollen zusätzlich einen warmen, windgeschützten Standort mit humosem Boden. Vorgezogen werden Zucchini und Kürbis etwa vier Wochen vor dem geplanten Auspflanzen, ins Freiland kommen sie im Mai nach den Eisheiligen.

Für eine Zucchini planst du etwa 2 m² Beetfläche ein. Diese Fläche halte ich frei, indem ich sie vorab im digitalen Beetplan einzeichne.

Für eine Mischkultur aus Mais, Stangenbohnen und Kürbis sind mindestens 4 m² vorgesehen, wobei der Kürbis darüber hinauswachsen kann. Pauschale Schutzwirkungen einzelner Nachbarschaften sind häufig nicht ausreichend belegt und ersetzen keine passende Kulturführung. Welche Nachbarn zu Kürbis, Gurke und Zucchini passen, prüfst du vor dem Pflanzen.

Gurke, Zucchini, Kürbis und Melone gehören zu einer Familie, und Kulturen derselben Familie folgen in der Fruchtfolge nicht direkt aufeinander. Auf ein Beet mit Gurken setzt du im nächsten Jahr also keine Zucchini. In meiner Beetskizze trage ich deshalb alle Kürbisgewächse unter einem gemeinsamen Familiennamen ein.

Gegen herbstliche Frostnächte schützt Vlies Kürbisse und Zucchini meist nicht zuverlässig. Gut ausgereifte Winterkürbisse mit harter, unverletzter Schale und intaktem Stiel lagerst du luftig, dunkel und trocken bei etwa 10 bis 12 °C.

Wie du Standort, Saisonplan und Fruchtfolge für dein Gemüsebeet planst, zeigt der Ratgeber zur Gartenplanung. Den Anbau einzelner Arten findest du im Beitrag darüber, wie du Gurken, Zucchini und anderes Fruchtgemüse im Hausgarten anbaust.

Häufige Fragen

Was sind Kürbisgewächse und welche Pflanzen gehören dazu?
Kürbisgewächse (Cucurbitaceae) sind eine Pflanzenfamilie, die vor allem in tropischen und subtropischen Klimazonen verbreitet ist; in Mitteleuropa ist nur die Gattung der Zaunrüben heimisch. Im Garten gehören Riesenkürbis (Cucurbita maxima) mit dem Hokkaido, Gartenkürbis (Cucurbita pepo) mit der Zucchini und Moschuskürbis (Cucurbita moschata) mit dem Butternut dazu. Außerdem zählen Gurken, Wassermelonen und Zuckermelonen sowie Exoten wie Flaschenkürbis, Luffa-Schwamm und Wachskürbis zur Familie.
Welche charakteristischen Merkmale haben Kürbisgewächse?
Kürbisgewächse sind meist krautig, tragen Ranken und haben einen hohlen, oft weich oder rau behaarten Stängel. Ihre großen Blüten sind eingeschlechtlich und werden von Insekten bestäubt, in der Regel wachsen männliche und weibliche Blüten an derselben Pflanze. Der Fruchtknoten ist unterständig, und aus befruchteten weiblichen Blüten entstehen Panzerbeeren. Unter der Erde sitzt eine tief reichende Pfahlwurzel mit einem dichten Netz aus Seitenwurzeln.
Wann werden Kürbisgewächse bitter und giftig?
Kürbisgewächse bilden von Natur aus giftige Bitterstoffe, die Cucurbitacine, Speisesorten sind aber auf sehr geringe Gehalte gezüchtet. Hat ein Zierkürbis eingekreuzt, wird die Frucht der bestäubten Speisepflanze nicht unmittelbar giftig, doch aus ihren Samen können in der nächsten Generation bittere und giftige Früchte wachsen. Als weiterer möglicher Auslöser gilt Stress wie Trockenheit, vor allem bei Gurken. Schmeckt eine Frucht bitter, spuckst du den Bissen aus und entsorgst sie.
Darf man bitter schmeckende Zucchini und Kürbisse noch essen?
Nein. Schmeckt ein Kürbis oder eine Zucchini bitter, spuckst du den Bissen aus und entsorgst die Frucht. Kochen macht sie nicht essbar, weil Erhitzen die giftigen Cucurbitacine nicht zerstört. Koste deshalb vor dem Zubereiten ein Stück der rohen Frucht.
Wie funktioniert die Bestäubung bei einhäusigen Kürbisgewächsen?
Einhäusig heißt, dass an einer Pflanze getrennte männliche und weibliche Blüten wachsen. Insekten tragen den Pollen von den männlichen zu den weiblichen Blüten, die du am kleinen Fruchtansatz unter der Blüte erkennst. Fehlen Insekten, kannst du den Pollen mit einem Pinsel übertragen. Viele Treibgurkensorten bilden durch Parthenokarpie auch ohne Bestäubung Früchte.
Was unterscheidet Speisekürbisse von Zierkürbissen?
Speisekürbisse sind auf sehr geringe Gehalte an Cucurbitacinen gezüchtet, Zierkürbisse gelten dagegen als giftig und gehören nicht auf den Teller. Kreuzt ein Zierkürbis in eine Speisepflanze ein, wird deren Frucht dadurch nicht unmittelbar giftig. Aus den Samen dieser Frucht können aber in der nächsten Generation bittere und giftige Früchte wachsen, deshalb säst du solche Kerne nicht aus.
Welche Bedeutung haben Pfahlwurzeln und Seitenwurzeln bei Kürbisgewächsen?
Kürbisgewächse bilden eine tief reichende Pfahlwurzel und ein dichtes Netz aus Seitenwurzeln. Dieses Netz reicht mindestens so weit wie die Blattmasse über der Erde. Weil Gemüse direkt im Wurzelbereich gegossen wird, gießt du bei großen Pflanzen die Fläche unter dem Laub und hältst die Blätter dabei trocken.
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