Gartenpraxis · Werkzeug, Bewässerung & Anzucht-Technik · Pflege

Anzuchtschalen reinigen: Ablauf je Material, Essig und wann es fällig ist

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 6 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Erst Erdreste entfernen, dann mit warmem Wasser, Spülmittel und Bürste schrubben.
  • Mit klarem Wasser nachspülen und gut trocknen lassen, bevor neue Erde hineinkommt.
  • Desinfektion mit Essig ist ein Hausmittel ohne Wirkzusage: nur auf der sauberen Schale und nie an Gummidichtungen, Kupfer oder Messing.
  • Fällig ist die Reinigung vor jedem erneuten Bepflanzen und vor dem Einlagern.
  • Holz und Ton gut durchtrocknen lassen, Torf- und Kokostöpfe nur einmal verwenden.
Anzuchtzubehoer
Foto: Christina & Peter · Pexels License · Quelle ↗

Bevor im Frühjahr die erste Saat in die Erde kommt, hole ich die Schalen vom Vorjahr aus dem Regal. An den Rändern klebt alte Erde, in den Zellen der Multitopfplatten hängen Wurzelreste, und manche Schale trägt einen grünen Belag. Genau dort können Erreger der letzten Saison überdauert haben. Wenn du Anzuchtbehälter gründlich reinigst und bei Bedarf geeignet desinfizierst, kannst du solche Infektionsquellen reduzieren, bevor der erste Keimling erscheint.

Kurz erklärt

Reinigen heißt, Erde, Wurzelreste und Beläge mechanisch zu entfernen. Desinfizieren heißt, auf der sauberen Fläche zusätzlich gezielt Keime zu mindern. Deshalb kommt das Desinfizieren immer nach dem Reinigen und nie an seiner Stelle.

So reinigst du Anzuchtschalen Schritt für Schritt

Ich arbeite draußen an einer Wanne in der Nähe des Wasserhahns und gehe jede Schale in derselben Reihenfolge durch. Bereit liegen Spülmittel, eine kräftige Bürste, eine schmale Flaschenbürste für enge Zellen und ein Paar Handschuhe.

Erdreste und Wurzeln entfernen

Klopf die leere Schale über einem Eimer aus und kratz festsitzende Erde mit der Bürste ab. Zieh Wurzelreste aus den Ecken, bevor die Schale ins Wasser kommt. Schau dir danach die Abzugslöcher an: Ich stochere sie mit einem Holzstäbchen frei, bis kein Krümel mehr darin sitzt. Pflanzgefäße brauchen offene Abflusslöcher gegen Staunässe, denn stehendes Wasser begünstigt Wurzelfäulnis.

Mit warmem Wasser, Spülmittel und Bürste schrubben

Fülle die Wanne mit warmem Wasser und gib Spülmittel dazu. Festgebackene Erde lässt du darin weich werden, bis sie sich mit der Bürste lösen lässt. Dann schrubbst du Innenseite, Außenseite und Boden der Schale. Für die Zellen von Multitopfplatten nehme ich die schmale Bürste und arbeite jede Ecke einzeln aus. Hauben, Untersetzer und Stecketiketten wasche ich im selben Durchgang mit.

Mit klarem Wasser nachspülen

Spül jede Schale danach mit klarem Wasser ab, bis kein Schaum mehr daran hängt. So gelangt kein Spülmittel in die frische Anzuchterde.

Gut trocknen lassen

Neue Erde kommt erst in eine Schale, die gut getrocknet ist. Ich stelle die Schalen kopfüber auf ein Gitter oder lehne sie schräg an die Hauswand, damit das Wasser abläuft und Luft an alle Seiten kommt.

Mini-Checkliste

Schale ausklopfen, Wurzelreste ziehen, Abzugslöcher freimachen, in warmem Spülwasser mit der Bürste schrubben, mit klarem Wasser nachspülen, gut trocknen lassen. Erst danach befüllst du die Schale neu oder räumst sie ein.

Desinfektion mit Essig: was du erwarten kannst

Beim Desinfizieren von Anzuchtschalen fällt schnell das Stichwort Essig. Ihm wird eine keimmindernde Wirkung nachgesagt, weil er sauer ist, und er steht ohnehin in fast jeder Küche. Wie stark Essig Erreger auf einer Schale mindert, hängt von Konzentration, Einwirkdauer und Erreger ab, und eine feste Regel für Anzuchtschalen gibt es dafür nicht.

Wenn du Essig nimmst, dann als zweiten Schritt: Erst reinigst du die Schale vollständig mit Spülwasser und Bürste. Danach wischst du sie mit Essig aus, spülst sie gründlich mit klarem Wasser nach und lässt sie gut trocknen. Ich selbst nehme Essig höchstens nach der Bürste, nie statt ihr.

Achtung

Leg keine Teile mit Gummidichtung und nichts aus Kupfer oder Messing in den Essig. Essig kann Gummidichtungen spröde machen und an Kupfer oder Messing Grünspan bilden lassen. Das betrifft zum Beispiel Sprühflaschen mit Dichtung oder Schlauchkupplungen aus Messing, die gern im selben Eimer landen.

Desinfektionsmittel aus dem Handel

Ich bleibe bei Bürste und Spülwasser. Willst du nach kranken Sämlingen zusätzlich ein Desinfektionsmittel aus dem Handel einsetzen, dann nur als letzten Schritt auf der bereits sauberen Schale. Lies vorher die Gebrauchsanweisung, trag die dort genannte Schutzausrüstung und halte dich an die Angaben zu Anwendung und Entsorgung. Danach spülst du die Schale mit klarem Wasser nach. Je nach Mittel kann es Material angreifen oder die Umwelt belasten, deshalb gehört es nicht in die Routine.

Kunststoff, Ton, Holz, Torf: was das Material verlangt

Die Reihenfolge bleibt bei jedem Material gleich. Unterschiede gibt es bei Wassertemperatur, Trocknung und Haltbarkeit.

Material So reinigst du es Darauf achtest du
Kunststoff: Saatschalen, Multitopfplatten, Hauben warmes Spülwasser, Bürste, schmale Bürste für die Zellen kein heißes Wasser für dünnwandige Schalen, Schalen mit Rissen aussortieren
Ton und Keramik Krusten trocken abbürsten, dann in Spülwasser schrubben und nachspülen gründlich durchtrocknen lassen, bevor du stapelst
Holz: Anzuchtkisten abbürsten, mit warmem Wasser und Bürste waschen, nicht im Wasser liegen lassen gründlich durchtrocknen lassen und trocken lagern
Torf- und Kokostöpfe nicht waschen nur einmal verwenden

Kunststoff

Dünnwandige Schalen und Multitopfplatten können sich in heißem Wasser verziehen, deshalb nehme ich für sie nur warmes Wasser. Schalen mit Rissen sortiere ich aus, weil sich in den Rissen Erde festsetzt, die keine Bürste erreicht.

Ton und Keramik

Ton ist porös und nimmt Wasser auf. Helle Krusten am Topfrand bürste ich trocken ab, bevor der Topf ins Spülwasser kommt. Danach stehen Tontöpfe bei mir länger auf dem Gitter als Kunststoffschalen, bis sie auch innen trocken wirken.

Holz

Holzkisten wasche ich mit Bürste und warmem Wasser, lasse sie aber nie in der Wanne liegen. Bei Holz erfüllt das Trocknen zwei Zwecke: Es gehört vor dem nächsten Befüllen ohnehin zur Reinigung, und trocken gehaltenes Holz ist besser vor Pilzbefall geschützt. Achte auch darauf, dass die Kisten Abzugsöffnungen haben, damit beim Gießen keine Nässe im Holz stehen bleibt.

Torf und Kokos

Gepresste Töpfe aus Torf oder Kokosfasern lassen sich nicht schrubben wie Kunststoff. Ich nehme sie für einen einzigen Durchgang und reinige sie nicht.

Wie oft? Wann deine Anzuchtschalen wieder fällig sind

Ich richte mich nicht nach dem Kalender, sondern nach Anlässen:

  • Vor jedem neuen Befüllen: Eine Schale wird gereinigt und gut getrocknet, bevor sie wieder bepflanzt wird, auch mitten in der Saison.
  • Am Saisonende: Alle Schalen kommen sauber und trocken ins Lager, damit sie im Frühjahr startklar sind.
  • Nach Ausfällen: Sind in einer Schale Sämlinge eingegangen oder sahen sie krank aus, wasche ich diese Schale getrennt von den anderen und besonders gründlich. Hier kann sich auch ein Desinfizieren nach der Reinigung lohnen.
  • Bei sichtbaren Zeichen: Grüner Belag, Krusten oder ein muffiger Geruch sind ein Anlass, die Schale zwischendurch zu waschen.

Wann eine Schale frei wird, hängt an der Kultur. Bei der Anzucht in Saatschalen werden Tomatensämlinge nach ungefähr 3 Wochen pikiert, danach ist die Schale frei für die Wäsche. Was sonst zu Gefäßen, Anzucht und Beetplanung gehört, von der Temperatur bis zum Pikiertopf, fasst der Überblick zur Garten-Technik zusammen.

Marias Erfahrung

Ich wasche eine Saatschale am Tag des Pikierens, solange die Erde darin noch feucht ist und sich leicht löst. Danach steht sie kopfüber auf dem Gitter, bis ich sie wieder brauche.

Pflanztisch und Werkzeug gehören dazu

Auch der Pflanztisch, auf dem du Schalen befüllst und pikierst, gehört zu den Arbeitsmitteln, die du reinigst. Befüllst du frisch gewaschene Schalen auf einer ungeputzten Fläche, kannst du dir einen Teil dessen zurückholen, was du gerade weggebürstet hast. Pikierstab, Pflanzholz und Handschaufel putze ich nach der Arbeit mit: trockene Erde abbürsten, fest haftenden Schmutz mit Wasser und Bürste entfernen, danach trockenreiben. Wie du Werkzeug darüber hinaus pflegst und lagerst, steht im Überblick zur Garten-Technik im Abschnitt Werkzeug pflegen, reparieren und lagern.

Sauber und trocken bis zur nächsten Aussaat lagern

Ich räume die Schalen erst weg, wenn sie ganz trocken sind, auch an den Rändern und in den Zellen der Multitopfplatten. Dann staple ich sie nach Größe sortiert in eine Kiste mit Deckel. Holzkisten bekommen einen trockenen Platz im Schuppen und stehen nicht direkt auf feuchtem Boden. Vor der ersten Aussaat im Frühjahr nehme ich jede Schale noch einmal in die Hand und prüfe sie auf Risse. Hat sich Staub abgesetzt, spüle ich sie mit klarem Wasser ab und lasse sie wieder trocknen.

Häufiger Fehler

Schalen noch feucht ineinanderstapeln. Zwischen den Lagen kommt dann kaum Luft an die Flächen, und sie trocknen schlecht ab. Lass jede Schale gut trocknen, bevor sie in den Stapel kommt.

Wenn die Schalen sauber in der Kiste liegen, plane ich die nächste Saison. Du kannst Flächen und Anbaupausen im Beetplaner festlegen und im Mischkultur-Planer prüfen, welche Beetnachbarn zusammenpassen.

Häufige Fragen

Warum ist die regelmäßige Reinigung von Anzuchtschalen wichtig für gesunde Jungpflanzen?
In gebrauchten Schalen bleiben Erde, Wurzelreste und Beläge der letzten Aussaat zurück, und dort können Erreger von Pflanzenkrankheiten sitzen. Gründliches Reinigen und bei Bedarf ein geeignetes Desinfizieren kann solche Infektionsquellen reduzieren. Eine Garantie für gesunde Sämlinge ist das nicht, aber du nimmst die Reste der alten Kultur nicht mit in die neue Aussaat.
Welche Reinigungsmethoden eignen sich für die Desinfektion von Anzuchtbehältern?
Die Grundlage ist mechanisch: Erdreste entfernen, mit warmem Wasser, Spülmittel und Bürste schrubben, mit klarem Wasser nachspülen und gut trocknen lassen. Essig gilt als Hausmittel mit keimmindernder Wirkung, eine verlässliche Wirkzusage gibt es dafür aber nicht. Wenn du ihn nimmst, dann erst auf der bereits gereinigten Schale und nie an Gummidichtungen, Kupfer oder Messing. Ein Desinfektionsmittel aus dem Handel setzt du nur nach Gebrauchsanweisung und mit der dort genannten Schutzausrüstung ein.
Wie unterscheidet sich die Reinigung von Kunststoff- und Tontöpfen?
Beide säuberst du mit warmem Wasser, Spülmittel und Bürste und spülst sie danach mit klarem Wasser nach. Dünnwandiger Kunststoff kann sich in heißem Wasser verziehen, deshalb bleibt es bei warmem Wasser. Ton ist porös und nimmt Wasser auf, darum lässt du Tontöpfe besonders gründlich trocknen, bevor du sie stapelst oder neu befüllst.
Wie oft sollten Anzuchtschalen während einer Pflanzsaison gereinigt werden?
Richte dich nach Anlässen statt nach dem Kalender: Jede Schale wird gereinigt und gut getrocknet, bevor sie neu bepflanzt wird. Am Saisonende reinigst du alle Schalen, bevor du sie einlagerst. Hatten Sämlinge in einer Schale Probleme, wäschst du diese getrennt und besonders gründlich, und auch Beläge oder muffiger Geruch sind ein Anlass.
Wie werden Anzuchtschalen nach der Reinigung richtig gelagert und aufbewahrt?
Räum die Schalen erst weg, wenn sie ganz trocken sind, auch in den Zellen von Multitopfplatten. Staple sie dann in eine Kiste mit Deckel, die an einem trockenen Ort steht. Holzkisten lagerst du ebenfalls trocken, weil trocken gehaltenes Holz besser vor Pilzbefall geschützt ist. Vor der nächsten Aussaat prüfst du jede Schale auf Risse und spülst Staub mit klarem Wasser ab.
Was unterscheidet das Säubern von Anzuchtschalen vom Putzen anderer Gartenwerkzeuge?
Bei Handwerkzeugen bürstest du trockene Erde ab, entfernst fest haftenden Schmutz mit Wasser und Bürste und reibst das Werkzeug danach trocken. Rostanfällige Klingen schützt du zusätzlich mit einem Öl- oder Fettfilm. Anzuchtschalen schrubbst du dagegen mit warmem Wasser und Spülmittel, spülst sie mit klarem Wasser nach und lässt sie vor dem nächsten Befüllen gut trocknen.
Zuletzt geprüft:
↑