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Folien und Vliese im Gemüsegarten: welcher Schutz zu welchem Gemüse passt

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 6 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Vlies und Folie können gesäte Radieschen, Möhren und Puffbohnen sowie gepflanzte Salate und Kohlrabi verfrühen.
  • Schwarze Mulchfolie hemmt Unkraut, beschleunigt die Bodenerwärmung und mindert die Verdunstung.
  • Bei wärmeliebendem Gemüse entfernst du das Vlies, sobald die Temperaturen anhaltend 25 °C erreichen.
  • Kulturschutznetze legst du direkt nach Saat oder Pflanzung auf und schließt sie am Boden dicht ab.
  • Gemischt blühende Gurkensorten, die Insekten bestäuben, dürfen nicht dauerhaft unter geschlossenem Vlies bleiben.

Im April liegt über meinen ersten Salaten ein Vlies. Im Sommer setze ich Kürbisse durch schwarze Folie, und über jungen Kohl kommt ein Netz. Jede dieser Abdeckungen erledigt im Gemüsebeet eine andere Aufgabe. Lässt du ein Vlies bei steigender Wärme zu lange liegen, kann sich darunter Hitze stauen.

Pflanzenfolie, Vlies und Kulturschutznetz können Wärme halten, Unkraut bremsen, die Verdunstung mindern und Insekten fernhalten. Entscheidend ist, die Abdeckung nach Zweck und Kultur zu wählen und rechtzeitig wieder abzunehmen.

Vlies, Pflanzenfolie und Netz: was die drei unterscheidet

Leichtes Gemüsevlies ist luft- und wasserdurchlässig und wiegt zum Beispiel 17 g/m². Folie liegt gelocht über den Pflanzen oder als Mulchfolie auf dem Boden, Kulturschutznetze sind zum Aussperren von Insekten gedacht. Eine biologisch abbaubare Mulchfolie gehört nur dann auf den eigenen Kompost, wenn sie ausdrücklich als heim- oder gartenkompostierbar gekennzeichnet ist. Wenn du wissen willst, welche Folien und Vliese es gibt und welches Material zu welchem Zweck passt, lies den eigenen Ratgeber zur Materialwahl.

Frostschutz im Frühjahr: Vlies und Folie über Frühgemüse

Eine Beetabdeckung hält tagsüber eingestrahlte Sonnenwärme zurück. Nachts gibt der Boden diese Wärme an die Luft unter Vlies oder Folie ab. Darauf beruht der Kälteschutz für frühe Kulturen.

Vlies- und Folienabdeckungen eignen sich zur Verfrühung gesäter Puffbohnen, Radieschen und Möhren. Bei den gepflanzten Kulturen gilt das für Salate und Kohlrabi. Deren Jungpflanzen können je nach Witterung im April ins Freiland, während wärmeliebendes Gemüse noch warten muss.

Die nächtliche Wärme unter der Abdeckung kommt aus dem Boden. Deshalb deckst du am besten ein Beet ab, das abgetrocknet und schon etwas erwärmt ist. Abgetrocknet ist es, wenn keine Erde mehr an den Gartengeräten haften bleibt.

Ich lege das Vlies locker über die Reihen und lasse den Pflanzen darunter Spielraum. Decke ich doppelt ab, kommt das Vlies nach unten und die Folie darüber.

Marias Erfahrung

Salat und Kohlrabi setze ich im Frühjahr gern nebeneinander, damit ein Vlies beide Reihen deckt. Vorher schaue ich nach, welche Gemüse sich als Nachbarn im Beet vertragen.

Unkraut unterdrücken mit schwarzer Mulchfolie

Schwarze Mulchfolie hemmt das Unkrautwachstum, beschleunigt die Bodenerwärmung und mindert die Verdunstung aus dem Boden. Im Gemüsegarten kommt sie bei Kürbissen, Einlegegurken und Salaten zum Einsatz.

Vor dem Verlegen bereitest du das Beet vor, düngst bedarfsgerecht und gießt es durch. Wurzelunkräuter grabe ich vorher vollständig aus, weil zerteilte Wurzelstücke erneut austreiben können.

Zum Pflanzen schneidest du an jeder Pflanzstelle ein Kreuz von 3 bis 5 cm in die Folie. Durch diesen Schlitz setzt du die Jungpflanze in die Erde.

Häufiger Fehler

Die Mulchfolie kommt auf ein trockenes Beet, ohne Bewässerung darunter. Ist die Folie wasserundurchlässig, erreicht Gießwasser von oben den Boden kaum noch. Deshalb gießt du vorher durch und verlegst einen Tropfschlauch unter der Folie.

Bodentemperatur: Wärme halten, Hitzestau vermeiden

Bei wärmeliebenden Gemüsekulturen fördern schwarze Mulchmaterialien die Bodenerwärmung. Dazu zählen im Gemüsebeet etwa Tomaten, Gurken, Kürbisse und Zucchini. Ein Vlies über den Pflanzen hält ebenfalls Wärme, und bei steigenden Temperaturen kann das zu viel werden.

Vom Salat nimmst du das Vlies ab, wenn es anhaltend 20 bis 22 °C warm ist. Bei wärmeliebendem Gemüse liegt die Grenze bei anhaltenden Temperaturen ab 25 °C. Ich achte dabei nicht auf eine einzelne warme Mittagsstunde, sondern darauf, ob die Wärme anhält.

Steigen die Temperaturen stark, nimmst du die Abdeckung an einem trüben oder regnerischen Tag ab. Das senkt das Risiko für Hitzestau und Sonnenbrand am Gemüse. Wer die Wärmegrenze kommen sieht, wartet also nicht auf den ersten heißen Sonnentag, sondern nutzt einen bedeckten Tag davor.

Gelochte Folie über dem Beet braucht ebenfalls Luft.

Zahl im Blick

Lochfolie als Flachabdeckung über Gemüse braucht zur Belüftung mindestens 500 Löcher je m², jedes mit 1 cm Durchmesser.

Wasser sparen: gießen unter Folie und Vlies

Schwarze Mulchfolie mindert die Verdunstung, sodass das Wasser länger im Boden bleibt. Gießen musst du unter jeder Abdeckung trotzdem, nur auf unterschiedliche Weise.

Mythos-Check

„Zum Gießen muss das Vlies runter.“ Leichtes Gemüsevlies ist wasserdurchlässig, du gießt einfach hindurch. Zurückschlagen musst du dagegen Lochfolie, weil sie Wasser nicht ausreichend durchlässt.

Unter wasserundurchlässiger Mulchfolie ist eine Tröpfchenbewässerung zweckmäßig, die unter der Folie verlegt ist. Tropfbewässerung braucht einen Filter, weil die Tropfer verstopfen oder verkalken können. Ich verlege den Tropfschlauch, bevor die Folie aufs Beet kommt. Nach dem Gießen grabe ich an einer Pflanzstelle vorsichtig nach und schaue, ob der Boden 15 bis 20 cm tief durchfeuchtet ist.

Tomaten, Gurken und Zucchini brauchen während der fortlaufenden Fruchtbildung eine gute Wasserversorgung. Bei Gurken kommt es zusätzlich auf Gleichmäßigkeit an, denn Wassermangel kann Knospenabwurf und Blattnekrosen verursachen.

Bewässerung und Abdeckung lassen sich auch in einem System verbinden. Bei einer Bauart der Unterflurbewässerung sind Tropfrohre in Geotextilmatten eingebettet und versorgen diese mit Wasser. Unterflur-Tropfbewässerung führt das Wasser im Wurzelraum zu, erschwert aber die Fehlersuche und schließt tiefe Bodenbearbeitung aus.

Schädlinge und Krankheiten: Netz, Regendach und gelüfteter Tunnel

Kulturschutznetze legst du unmittelbar nach der Aussaat oder Pflanzung auf und schließt sie am Boden dicht ab. Bei fliegenden Schädlingen wie Kohlfliege oder Möhrenfliege kann ein dichtes Netz den Befall bremsen, garantieren kann es nichts.

Jetzt dran

Leg das Netz schon neben das Beet, bevor du säst oder pflanzt. Dann liegt es gleich danach auf, und du schließt den Rand rundum mit Erde.

Tomaten baust du zum Schutz vor anhaltender Blattnässe unter einem lichtdurchlässigen Dach an. Der Standort sollte sonnig und gut durchlüftet sein. Das Dach hält Regen von den Blättern ab. Benetzte Blätter, die abtrocknen können, begünstigen Pilzerkrankungen weniger, deshalb gehören Dach und Durchlüftung zusammen.

Im Herbst schützt ein gelüfteter Folientunnel Herbst- und Wintergemüse vor Nässe und der Fäulnis, die sie begünstigt. Ich öffne den Tunnel an milden Tagen an den Enden.

Welche Abdeckung zu welchem Gemüse passt

In der Übersicht steht, welche Abdeckung ich bei welcher Kultur nutze und worauf ich dabei achte.

Gemüse Abdeckung Worauf du achtest
Salat Vlies oder Folie zur Verfrühung, schwarze Mulchfolie Vlies bei anhaltenden 20 bis 22 °C abnehmen
Kohlrabi Vlies oder Folie zur Verfrühung Jungpflanzen je nach Witterung im April ins Freiland
Radieschen, Möhren, Puffbohnen Vlies oder Folie über der Saat Boden vorher abgetrocknet und etwas erwärmt
Kohl, Möhren Kulturschutznetz unmittelbar nach Saat oder Pflanzung auflegen, Rand dicht schließen
Kürbis schwarze Mulchfolie Kreuzschnitte von 3 bis 5 cm zum Pflanzen
Einlegegurken schwarze Mulchfolie, Vlies nur zeitweise gemischt blühende, insektenbestäubte Sorten nicht dauerhaft unter geschlossenem Vlies; gleichmäßig gießen
Wärmeliebendes Gemüse unter Vlies Vlies im Frühjahr Vlies bei anhaltenden Temperaturen ab 25 °C abnehmen
Tomaten lichtdurchlässiges Regendach sonniger, gut durchlüfteter Standort
Herbst- und Wintergemüse Folientunnel Tunnel lüften gegen Nässe

Gurken: Blüten für Insekten offen halten

Gemischt blühende Gurkensorten, die Insekten bestäuben, dürfen zur Bestäubung nicht dauerhaft unter geschlossenem Vlies bleiben. Ich schlage das Vlies über den Gurken auf, sobald sich die ersten Blüten zeigen.

Kohl: Netz und Fruchtfolge zusammen planen

Kohl und andere Kreuzblütler sollten höchstens alle 4 bis 5 Jahre auf demselben Beet stehen. Das Netz zieht deshalb mit dem Kohl auf ein neues Beet um. Wo der Kohl als Nächstes hinkommt, kannst du mit Beeten und Anbaupausen im Voraus planen.

Vor und nach dem Abdecken: Boden, Verlegen, Saisonstart

Boden vorbereiten

Im Frühjahr lockerst du den abgetrockneten Boden mit Grabgabel oder Krail, statt ihn erneut umzugraben. Wie viel Wasser das Beet danach hält, hängt an der Bodenart, und organischer Mulch ist die Alternative zur Folie. Beides vertieft der Ratgeber dazu, wie du richtig gießt, den Boden als Wasserspeicher nutzt und mit Mulch Wasser sparst.

Verlegen, befestigen und pflegen

Flachabdeckungen legst du locker auf und befestigst die Ränder mit Erde, Steinen oder Brettern. Nach der Saison lagerst du wiederverwendbare Folien und Vliese sauber, trocken, dunkel und mäusesicher. Schritt für Schritt steht im Praxisratgeber, wie du Folien und Vliese verlegst, befestigst und pflegst, auch mit den typischen Fehlern.

Früher ernten

Mit Vlies kann die Freilandsaison je nach örtlichem Klima etwa 3 bis 4 Wochen früher beginnen. Wie Frühbeetfolien die Saison verlängern und wann du sie auflegst und wieder abnimmst, beschreibt der Ratgeber zum Frühbeet.

Häufige Fragen

Was sind Folien und Vliese im Gemüsegarten und welche Hauptvorteile bieten sie?
Folien und Vliese sind Abdeckungen für Saat, Jungpflanzen oder den Boden im Gemüsebeet. Über den Pflanzen halten sie Sonnenwärme zurück und können so Frühgemüse wie Radieschen, Salat und Kohlrabi verfrühen. Schwarze Mulchfolie auf dem Boden hemmt Unkraut, beschleunigt die Bodenerwärmung und mindert die Verdunstung. Kulturschutznetze können Insekten vom Gemüse fernhalten, wenn sie gleich nach Saat oder Pflanzung aufliegen und am Boden dicht abschließen.
Wie funktioniert Frostschutz mit Gartenvlies und welche Pflanzen profitieren besonders davon?
Das Vlies hält tagsüber eingestrahlte Sonnenwärme zurück, die der Boden nachts an die Luft unter der Abdeckung abgibt. Im Gemüsegarten eignet es sich zur Verfrühung gesäter Puffbohnen, Radieschen und Möhren sowie gepflanzter Salate und Kohlrabi. Vom Salat nimmst du das Vlies bei anhaltenden 20 bis 22 °C wieder ab. Bei wärmeliebendem Gemüse gilt das ab anhaltenden 25 °C.
Worin unterscheiden sich Pflanzenvlies und Schutzfolie in ihrer Anwendung?
Leichtes Pflanzenvlies ist luft- und wasserdurchlässig, deshalb gießt du einfach durch das Vlies hindurch. Lochfolie lässt Wasser nicht ausreichend durch, also schlägst du sie zum Gießen zurück. Unter wasserundurchlässiger Mulchfolie ist ein Tropfschlauch zweckmäßig, der unter der Folie liegt. Legst du Vlies und Folie doppelt, kommt das Vlies nach unten.
Welche häufigen Missverständnisse gibt es bei der Verwendung von Gartenvliesen?
Viele nehmen das Vlies zum Gießen ab, obwohl leichtes Gemüsevlies wasserdurchlässig ist. Oft bleibt es auch zu lange liegen, beim Salat sollte es bei anhaltenden 20 bis 22 °C herunter. Steigen die Temperaturen stark, nimmst du es an einem trüben oder regnerischen Tag ab, um Hitzestau und Sonnenbrand zu vermeiden. Gemischt blühende Gurkensorten, die Insekten bestäuben, dürfen außerdem nicht dauerhaft unter geschlossenem Vlies bleiben.
Welche jahreszeitlichen Anwendungshinweise gibt es für Folien und Vliese im Garten?
Im Frühjahr können Vlies und Folie Frühgemüse verfrühen, sobald der Boden abgetrocknet und schon etwas erwärmt ist. Salat- und Kohlrabijungpflanzen können je nach Witterung im April ins Freiland, wärmeliebendes Gemüse wartet dann noch. Kulturschutznetze kommen unmittelbar nach Saat oder Pflanzung aufs Beet. Im Herbst schützt ein gelüfteter Folientunnel Herbst- und Wintergemüse vor Nässe und der dadurch begünstigten Fäulnis.
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