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Stecklingsvermehrung: vom Schnitt bis zur bewurzelten Jungpflanze

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 6 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Kopfstecklinge sind Triebspitzen, Teilstecklinge Triebstücke ohne Endknospe, Blattstecklinge geeignete Blätter etwa von Begonien.
  • Für zahlreiche Zimmer- und Kübelpflanzen dienen etwa 10 cm lange Triebspitzen ohne Blütenknospen als Richtmaß.
  • Untere Blätter entfernen: Kein Blatt darf beim Stecken die Erde berühren, weil es dort fault.
  • Nährstoffarmes, durchlässiges Substrat nehmen und bei Bedarf mit Perlit oder Sand lockern.
  • Abgedeckte Stecklinge hell ohne grelle Sonne aufstellen, täglich kontrollieren und kurz lüften.
  • Bei Beet-, Balkon- und Kübelpflanzen können erste Wurzeln nach etwa zwei bis vier Wochen entstehen.
  • Wachsen Wurzeln aus den Abzugslöchern, darf der Steckling in einen größeren Topf umziehen.

Einen Trieb abzuschneiden ist ein Handgriff. Schwierig wird die Zeit danach, bis der Steckling eigene Wurzeln hat: Er kann austrocknen, und unter der Abdeckung kann Schwitzwasser Pilze fördern. Ich richte deshalb Topf, Substrat und Haube her, bevor ich den ersten Trieb an der Mutterpflanze abschneide. Dann geht jeder Steckling direkt in die Erde.

Was bei der Stecklingsvermehrung passiert

Ein Steckling ist ein abgeschnittenes Stück einer Pflanze, das im Substrat eigene Wurzeln bildet. Weil er von der Mutterpflanze stammt, trägt die neue Pflanze deren Eigenschaften weiter. Ich vermehre deshalb gezielt die Pflanzen, deren Blüte oder Wuchs mir gefällt. Für zahlreiche Zimmer- und Kübelpflanzen schneidest du dafür Triebspitzen, bei manchen Arten eignen sich auch Blätter.

Welche Stecklingsarten gibt es?

Nach dem Pflanzenteil, den du schneidest, unterscheidest du drei Stecklingsarten.

Stecklingsart Was du schneidest Hinweis
Kopfsteckling die Triebspitze Richtmaß für zahlreiche Zimmer- und Kübelpflanzen
Teilsteckling ein Triebstück ohne Endknospe stammt aus dem Trieb unterhalb der Spitze
Blattsteckling ein dafür geeignetes Blatt nur bei passenden Arten, etwa Begonien oder Usambaraveilchen

Kopf- und Teilstecklinge stammen aus demselben Trieb: Oben sitzt die Spitze, darunter folgen Stücke ohne Endknospe. Ein langer Trieb liefert dir deshalb einen Kopfsteckling und darunter weitere Teilstecklinge.

Blattstecklinge klappen nur mit Blättern, die sich dafür eignen, etwa bei Begonien oder Usambaraveilchen. Daneben gibt es Steckholz aus verholzten Trieben von Gehölzen und Wurzelstecklinge aus Wurzelstücken. Beide laufen nach eigenen Regeln ab. Hier geht es um Stecklinge aus festen, noch nicht verholzten Trieben und aus Blättern.

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Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Stecklingsentnahme?

Den Zeitpunkt bestimmt der Zustand des Triebs. Für sommerliche Stecklinge etwa von Fuchsien, Pelargonien und Wandelröschen nimmst du gesunde, kräftige Triebe, die schon fest, aber noch nicht verholzt sind. Die Triebspitze sollte noch keine Blütenknospen tragen.

Kurz erklärt

Verholzt ist ein Trieb, wenn er hart und holzig geworden ist. Fest heißt, dass er nicht mehr ganz weich ist wie frischer Austrieb und seine Form hält. Dazwischen liegt der Zustand, den du für sommerliche Stecklinge suchst.

Ich gehe morgens die Mutterpflanze durch, solange die Triebe noch prall sind. Triebe mit Flecken, Schädlingen oder welken Blättern lasse ich stehen, denn der Steckling soll von einem gesunden Trieb stammen.

Was du für die Stecklingsvermehrung brauchst

Mini-Checkliste

Das lege ich vor dem ersten Schnitt bereit:

  • ein scharfes, sauberes Messer oder eine Bypass-Schere
  • saubere Töpfe oder Schalen mit Abzugslöchern
  • nährstoffarmes, durchlässiges Substrat, bei Bedarf Perlit oder Sand
  • ein Stäbchen zum Vorstechen
  • eine durchsichtige Tüte oder ein Minigewächshaus
  • eine Brause mit weichem Strahl
  • Etiketten und einen Stift

Eine Amboss-Schere kann weiches Schnittgut quetschen, während bei der Bypass-Schere Klinge und Gegenklinge präzise aneinander vorbeigleiten. Für die noch nicht verholzten Stecklingstriebe nehme ich deshalb ein scharfes Messer oder eine Bypass-Schere. Das Messer führst du vom Körper weg, bei der Schere bleibt die freie Hand außerhalb des Schnittbereichs. Wie du Klingen reinigst, schärfst und aufbewahrst, steht im Ratgeber zu Werkzeug, Bewässerung und Anzucht im Abschnitt Werkzeug pflegen, reparieren und lagern.

Schritt für Schritt: Stecklinge schneiden und vorbereiten

Zahl im Blick

Für zahlreiche Zimmer- und Kübelpflanzen dient eine Triebspitze von etwa 10 cm Länge mit zwei bis vier Blattpaaren als Richtmaß. Blütenknospen trägt sie keine.

  1. Trieb auswählen. Er ist gesund, kräftig, fest und noch nicht verholzt, die Spitze ohne Blütenknospen.
  2. Schneiden. Ich setze den Schnitt knapp unter einem Blattknoten.
  3. Untere Blätter entfernen. Zupfe die unteren Blätter ab, bis der Stiel lang genug frei ist. Beim Stecken darf kein Blatt die Erde berühren.
  4. Gleich stecken. Ich setze jeden Steckling in den vorbereiteten Topf, sobald er fertig geschnitten ist.
Häufiger Fehler

Der Stiel ist zu kurz freigelegt, und beim Stecken landen untere Blätter in der Erde. Dort faulen diese Blätter. Zupf lieber unten nach, bis alle Blätter frei über dem Substrat stehen.

Substrat und Gefäß vorbereiten

Stecklinge bewurzeln in nährstoffarmem, durchlässigem Substrat. Ist dir die Erde zu dicht, mischst du Perlit oder Sand unter, das verbessert die Durchlässigkeit. Ich feuchte das Substrat an, bevor ich es einfülle, und drücke eine Probe in der Hand zusammen. Die Probe soll sich feucht anfühlen, aber kein Wasser abgeben.

Töpfe und Schalen brauchen Abzugslöcher, weil stehendes Wasser Wurzelfäulnis begünstigt. Gebrauchte Gefäße befreist du von Erdresten, schrubbst sie mit warmem Wasser, Spülmittel und Bürste, spülst klar nach und lässt sie gut trocknen. Das kann Infektionsquellen für Pflanzenkrankheiten verringern. Mehr zu Töpfen und Anzucht findest du im selben Ratgeber unter Gefäße, Anzucht und Beetplanung.

Stecklinge stecken und angießen

Mit einem Stäbchen stichst du ein Loch vor, damit die Schnittstelle beim Einsetzen nicht verletzt wird. Stecke den Steckling nur so tief, dass alle Blätter frei über dem Substrat bleiben, und drücke die Erde rundherum leicht an. Angegossen wird mit weichem Strahl, damit das Substrat nicht wegschwemmt.

Ich stecke mehrere Stecklinge derselben Pflanze in einen Topf und stülpe eine durchsichtige Tüte darüber. Ein Minigewächshaus erfüllt denselben Zweck, wenn du viele Töpfe gleichzeitig abdecken willst.

Marias Erfahrung

Auf jedes Etikett schreibe ich Pflanze und Stecktag. Beides trage ich zusätzlich ins Gartentagebuch ein, so sehe ich bei der nächsten Planung, welche Pflanzen ich wann vermehrt habe.

Unter der Abdeckung: Licht, Lüften und Gießen

Abgedeckte Stecklinge stellst du hell auf, aber ohne grelle Sonne. Die Haube hält die Feuchte am Steckling, solange er noch keine Wurzeln hat. Darunter bildet sich aber auch Schwitzwasser, und das fördert Pilze. Deshalb kontrollierst du die Stecklinge täglich und lüftest kurz, so begrenzt du das Austrocknen und das Schwitzwasser.

Ich hebe dabei die Tüte ab, schüttle die Tropfen von der Innenseite und schaue mir jeden Steckling an. Welke oder faulige Blätter zupfe ich ab.

Bevor du gießt, prüfst du mit dem Finger, ob das Substrat noch feucht ist. Welke kann bei Wassermangel auftreten, aber auch, wenn anhaltende Nässe die Wurzeln schädigt. Hängt ein Steckling trotz feuchter Erde, gießt du deshalb nicht nach. Wie du Gießmenge und Gießzeit allgemein abstimmst, beschreibt der Technik-Ratgeber unter Gießen.

Wie lange dauert die Bewurzelung?

Bei Stecklingen von Beet-, Balkon- und Kübelpflanzen können erste Wurzeln nach etwa zwei bis vier Wochen entstehen. Wie lange es im Einzelfall dauert, hängt von der Art und von den Kulturbedingungen ab.

Frischer Austrieb an der Spitze kann darauf hindeuten, dass der Steckling Wurzeln bildet. Ein deutliches Zeichen sind Wurzeln, die aus den Abzugslöchern des Anzuchttopfes wachsen. Ich ziehe deshalb nicht an den Stecklingen, sondern hebe den Topf an und schaue von unten auf die Löcher.

Was tun, wenn sich keine Wurzeln bilden?

Zeigt ein Steckling lange keine Anzeichen von Wurzeln, prüfe Platz und Substrat. Steht der Topf in greller Sonne, bleibt die Erde dauernd nass oder sammelt sich viel Schwitzwasser, setzt du genau dort an. Wird ein Stiel unten weich und dunkel, kann das auf Fäulnis hindeuten. Solche Stecklinge nehme ich aus dem Topf.

Nach der Bewurzelung: Haube ab, umtopfen, weiterkultivieren

Ein bewurzelter Steckling muss sich an die trockenere Luft außerhalb der Haube gewöhnen. Ich lasse die Haube dafür immer länger offen und schaue auf die Blätter. Bleiben die Blätter straff, nehme ich die Haube ganz ab. Hängen sie, kommt die Haube wieder drauf.

Wachsen Wurzeln aus den Abzugslöchern, können bewurzelte Zimmer- und Kübelpflanzenstecklinge in einen größeren Topf umziehen. Die jungen Wurzeln sind empfindlich, deshalb löse ich den Ballen behutsam aus dem Anzuchttopf. Stehen mehrere Stecklinge in einem Topf, trenne ich ihre Ballen vorsichtig voneinander.

Auch der neue Topf braucht Abzugslöcher. Bleibt eine Jungpflanze trotz feuchter Erde welk, kann Staunässe mit geschädigten Wurzeln die Ursache sein. Mit dem Düngen warte ich, bis die Pflanze im neuen Topf sichtbar weiterwächst, und halte mich dann an die Angabe auf der Packung.

Fuchsien, Pelargonien und Wandelröschen aus Sommerstecklingen überwintere ich als junge Kübelpflanzen im Haus. Im Frühjahr stelle ich sie wie alle überwinterten Kübelpflanzen bei milder Witterung zuerst tagsüber halbschattig nach draußen und räume sie bei Frost wieder ein.

Häufige Fragen

Was ist Stecklingsvermehrung und wie funktioniert sie?
Bei der Stecklingsvermehrung schneidest du ein Stück einer gesunden Mutterpflanze ab und lässt es im Substrat eigene Wurzeln bilden. Je nach Pflanze nimmst du dafür eine Triebspitze, ein Triebstück ohne Endknospe oder ein geeignetes Blatt. Der Steckling kommt in nährstoffarmes, durchlässiges Substrat und steht abgedeckt an einem hellen Platz ohne grelle Sonne. Bei Beet-, Balkon- und Kübelpflanzen können erste Wurzeln nach etwa zwei bis vier Wochen entstehen.
Welche Pflanzen eignen sich für die Stecklingsvermehrung?
Zahlreiche Zimmer- und Kübelpflanzen lassen sich über Triebspitzen vermehren. Fuchsien, Pelargonien und Wandelröschen werden als sommerliche Stecklinge von gesunden Trieben geschnitten, die fest, aber noch nicht verholzt sind. Bei Begonien oder Usambaraveilchen eignen sich auch einzelne Blätter als Blattstecklinge.
Wann ist der beste Zeitpunkt für die Stecklingsentnahme?
Den Zeitpunkt bestimmt der Zustand des Triebs: Er sollte gesund und kräftig sein und schon fest, aber noch nicht verholzt. Bei Fuchsien, Pelargonien und Wandelröschen trifft das auf sommerliche Stecklinge zu. Wähle außerdem Triebspitzen, die noch keine Blütenknospen tragen.
Welche verschiedenen Stecklingsarten gibt es?
Kopfstecklinge bestehen aus Triebspitzen, Teilstecklinge aus Triebstücken ohne Endknospe. Blattstecklinge sind dafür geeignete Blätter, etwa von Begonien oder Usambaraveilchen. Weil Kopf- und Teilstecklinge aus demselben Trieb stammen, liefert ein langer Trieb eine Spitze und darunter weitere Teilstecklinge.
Wie bereitest du das Vermehrungssubstrat richtig vor?
Stecklinge brauchen ein nährstoffarmes, durchlässiges Substrat. Wirkt die Erde zu dicht, verbesserst du die Durchlässigkeit mit Perlit oder Sand. Fülle das Substrat in saubere Töpfe mit Abzugslöchern, denn stehendes Wasser begünstigt Wurzelfäulnis.
Wie lange dauert die Bewurzelung von Stecklingen?
Bei Stecklingen von Beet-, Balkon- und Kübelpflanzen können erste Wurzeln nach etwa zwei bis vier Wochen entstehen. Wie lange es im Einzelfall dauert, hängt von der Pflanzenart und den Kulturbedingungen ab. Ein deutliches Zeichen für die Bewurzelung sind Wurzeln, die aus den Abzugslöchern des Anzuchttopfes wachsen.
Wie richtest du einen Vermehrungsplatz zu Hause ein?
Abgedeckte Stecklinge brauchen einen hellen Platz ohne grelle Sonne. Kontrolliere sie täglich und lüfte kurz, damit sie nicht austrocknen und sich möglichst wenig pilzförderndes Schwitzwasser sammelt. Dazu gehören saubere Töpfe mit Abzugslöchern und ein nährstoffarmes, durchlässiges Substrat.
Welche Pflege brauchen Jungpflanzen nach der Bewurzelung?
Wachsen erste Wurzeln aus den Abzugslöchern, können bewurzelte Zimmer- und Kübelpflanzenstecklinge in einen größeren Topf umziehen. Prüfe vor dem Gießen, ob das Substrat noch feucht ist, denn Welke kann auch nach Wurzelschäden durch anhaltende Nässe auftreten. Auch der neue Topf braucht Abzugslöcher, damit überschüssiges Wasser ablaufen kann.
Zuletzt geprüft:
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