Gartenscheren im Überblick: Welche Schere zu welchem Schnitt passt
- Bypass-Scheren schneiden feinere Triebe an Rosen und Stauden präzise, Amboss-Scheren eignen sich für hartes, trockenes Totholz.
- Als Orientierung nimmst du die Gartenschere für Zweige bis etwa 2 cm Durchmesser und die Astschere für Äste bis etwa 4,5 cm.
- Die angegebene Schnittkapazität reizt du bei hartem, trockenem Holz nicht vollständig aus, große Äste sägst du ab.
- Bei motorisierten Heckenscheren gehört eine Zweihandschaltung zu den Sicherheitsmerkmalen, für dicke Äste nimmst du Astschere oder Säge.
- Hecken-, Rosen-, Reb-, Gras-, Obstbaum- und Stangenscheren sind für einzelne Aufgaben gebaut und ergänzen Garten- und Astschere.
Eine Rose, eine Ligusterhecke und ein dürrer Ast im Apfelbaum verlangen drei verschiedene Scheren. Mit der falschen quetschst du weiche Triebe oder zwingst eine Handschere durch Holz, für das sie nicht gebaut ist. Ich lege mir vor jedem Schnitt das passende Werkzeug zurecht, und die Säge liegt immer daneben. Hier siehst du, welche Gartenscheren es gibt, wofür jede gedacht ist und wo ihre Schnittgrenze liegt.
Welche Gartenscheren gibt es?
Die Tabelle zeigt die gängigen Scherentypen und ihren typischen Einsatz. Die Durchmesser sind Orientierungswerte für die Werkzeugwahl, keine festen Grenzen für jedes Holz.
| Schere | Typischer Einsatz | Kennzeichen |
|---|---|---|
| Gartenschere | dünnere Zweige bis etwa 2 cm Durchmesser | als Bypass für feinere Triebe, als Amboss für hartes, trockenes Totholz |
| Astschere | Äste bis etwa 4,5 cm Durchmesser | zwei Hände, längere Griffe, mehr Hebelwirkung |
| Heckenschere | FormschnittFormschnitt ist der regelmäßige, intensive Schnitt, mit dem Hecken und andere Gehölze in einer festen Form gehalten werden, etwa als kantige Formhecke. Er unterscheidet sich vom zurückhaltenden Schnitt frei wachsender Gehölze. an Hecken | von Hand, mit Kabel, Akku oder Benzinmotor |
| Rosenschere | Rosentriebe | meist Bypass, schmale, oft gebogene Klingen |
| Rebschere | Rebschnitt | meist Bypass, manche mit Drahtschneider |
| Grasschere | Rasenkanten und Ecken | Klingen laufen parallel zum Boden |
| Obstbaumschere | Gehölzschnitt an Obstbäumen | längere Griffe, kräftigere Klingen |
| Stangenschere | hoch gelegene Äste | Bedienung über Seilzug vom Boden aus |
| Akkuschere | wiederkehrende Schnittarbeiten | elektrisch, gegen unbeabsichtigtes Auslösen gesichert |
Das Schneidprinzip entscheidet bei der Gartenschere über den Einsatz. Bei der Bypass-Schere gleiten Klinge und Gegenklinge aneinander vorbei, das gibt an feineren Trieben von Rosen und Stauden einen präzisen Schnitt. Eine Amboss-Schere arbeitet mit einer Klinge, die auf eine stumpfe Gegenfläche trifft: Die Stärke dieser Bauart ist hartes, trockenes Totholz, weiches Schnittgut kann sie dagegen quetschen. Wie sich beide Bauarten in Klingenmaterial und Verarbeitung unterscheiden, erklärt der Ratgeber dazu, welcher Scherentyp für welchen Schnitt taugt.
Astscheren: mehr Hebel für dickere Äste
Eine Astschere arbeitet mit zwei Händen und längeren Griffen und bringt so mehr Hebelwirkung als eine einhändige Gartenschere. Getriebeübersetzungen und ausziehbare Holme können den nötigen Kraftaufwand zusätzlich verringern. Was es an Modellen gibt, zeigt der Überblick über die Bauarten von Astscheren, und ob bei der Astschere Bypass oder Amboss zu deinem Holz passt, klärt ein eigener Ratgeber.
Schnittkapazität: Wie dick darf der Ast sein?
Jede Schere hat eine Schnittgrenze. Die angegebene Schnittkapazität ist eine Orientierung und kein Wert, den du voll ausreizt.
Für dünnere Zweige bis etwa 2 cm Durchmesser nimmst du die Gartenschere, für Äste bis etwa 4,5 cm die Astschere. Beides sind Orientierungswerte für die Werkzeugwahl. Ist ein Ast für die Schere zu dick oder nicht erreichbar, kommt eine geeignete Säge zum Einsatz.
Besonders bei hartem, trockenem Holz reizt du die Angabe nicht vollständig aus, große Äste sägst du ab. Ein dürrer Zweig, der an die Grenze der Gartenschere von etwa 2 cm heranreicht, ist deshalb schon ein Fall für die Astschere. Bevor ich ansetze, halte ich die geöffnete Schere an den Ast und schaue, ob er ohne Drücken zwischen die Klingen passt. Klemmt er schon beim Ansetzen, hole ich die Astschere.
Für den Gehölzschnitt gehören eine passende Gartenschere und eine leichtgängige Säge zusammen. Handsägen mit Japanzahnung entfalten ihre Schnittwirkung vor allem, wenn du sie zum Körper ziehst. Für Arbeiten unterhalb der Schulterhöhe gibt es sie mit geradem Blatt, darüber mit gebogenem.
Bei sehr dicken Ästen steht vor der Werkzeugwahl die Frage, ob der Schnitt überhaupt sein muss. Beim Aufasten solltest du Schnitte an Starkästen mit mehr als 10 cm Durchmesser möglichst vermeiden.
Die Schere am zu dicken Ast mit Gewalt zudrücken oder hin- und herdrehen. Handwerkzeuge setzt du nur für ihren vorgesehenen Zweck und den dazu passenden Kraftaufwand ein. Geht der Schnitt schwer, öffnest du die Schere wieder und nimmst das nächstgrößere Werkzeug.
Spezialscheren: Welche Schere für welche Aufgabe?
Neben Garten- und Astschere gibt es Scheren, die für eine bestimmte Pflanze oder Arbeit gebaut sind. Die folgenden Typen begegnen dir im Hausgarten am ehesten.
Heckenscheren: von Hand, mit Akku oder Motor
Für den Formschnitt an Hecken nimmst du eine Heckenschere mit langen Messern. Die manuelle Heckenschere kommt ohne Strom aus und passt zu kleineren Hecken und genauen Formschnitten. Bei größeren Hecken erleichtern motorisierte Modelle die Arbeit, es gibt sie mit Kabel, mit Akku oder mit Benzinmotor. Eine Akku-Heckenschere erlaubt Arbeiten ohne nahe Steckdose und ist leiser als eine Benzin-Heckenschere.
Beim Kauf achtest du auf diese Punkte:
- Handhabung: Gewicht, Balance, Griffkomfort und Manövrierbarkeit beurteilst du zusammen.
- Zweihandschaltung: Bei Motorgeräten gehören mindestens zwei Schalter, die du gleichzeitig betätigen musst, zu den Sicherheitsmerkmalen.
- Reichweite: Mit einer Teleskopheckenschere schneidest du hohe Hecken vom Boden aus.
- Grenzen: An dicken Ästen stößt eine motorisierte Heckenschere an ihre Grenzen, dafür sind Astschere oder Säge vorgesehen.
Wie oft die Heckenschere zum Einsatz kommt, hängt an der Pflanze. Liguster, Hainbuche und Feldahorn bekommen als Formhecke je nach gewünschtem Bild zwei Schnitte im Jahr. Buchs, Eibe, Berberitze, Kirschlorbeer und Thuja kommen meist mit einem aus. Bei Hitze verschiebst du den Heckenschnitt auf kühlere, bedeckte Tage.
Vor jedem Heckenschnitt gehe ich langsam an der Hecke entlang und schaue hinein, ob dort ein Nest sitzt. An der langen Ligusterhecke arbeite ich mit der Akku-Heckenschere, den Buchs schneide ich mit der Handheckenschere nach.
Eine freiwachsende Hecke lichtest du aus, indem du dicke Triebe bodennah entfernst, statt alle Äste einzukürzen. Weil eine motorisierte Heckenschere genau an solchen dicken Ästen an ihre Grenzen stößt, ist das eine Arbeit für Astschere und Säge.
Vor jedem Einsatz prüfst du bei einer motorbetriebenen Heckenschere Funktion und Sicherheitseinrichtungen. Vor Wartung oder Reinigung eines Netz- oder Benzingeräts schaltest du den Motor aus, wartest den Messerstillstand ab und ziehst den Netz- oder Zündkerzenstecker. Wartung und Pflege richten sich nach den Vorgaben des Herstellers, Reparaturen überlässt du Fachpersonal.
Von Anfang März bis Ende September darfst du Hecken grundsätzlich nicht beseitigen oder auf den Stock setzen. Schonende Form- und Pflegeschnitte bleiben zulässig, wenn du den Artenschutz beachtest. Prüf vor jedem Gehölzschnitt, ob geschützte Tiere oder ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten betroffen sind.
Rosenscheren: schmal und präzise
Rosenscheren arbeiten meist nach dem Bypass-Prinzip, das an feineren Trieben einen präzisen Schnitt gibt. Die Klingen sind schmal und oft gebogen, sodass du auch zwischen dichten Trieben ansetzen kannst. Manche Modelle haben zusätzlich einen Dornenhalter. Eine Amboss-Schere passt an frischen Rosentrieben schlechter, weil sie weiches Schnittgut quetschen kann.
Wann die Rosenschere zum Einsatz kommt, hängt an der Rosengruppe. Öfter blühende Rosen schneidest du im Frühjahr nach den starken Frösten. Einmal blühende Strauchrosen behalten ihr mehrjährigesMehrjährige oder ausdauernde Pflanzen leben mehrere Jahre und überstehen den Winter mit Überdauerungsorganen, Speicherorganen oder ausgedehnten Wurzeln. Krautige Mehrjährige heißen Stauden, auch Zwiebel- und Knollenpflanzen gehören dazu. Blütenholz und werden nur gelegentlich ausgelichtet. Ich trage beim Rosenschnitt feste Handschuhe.
Rebscheren: für den Rebschnitt gebaut
Rebscheren sind auf den Rebschnitt ausgelegt. Meist arbeiten sie nach dem Bypass-Prinzip und haben schmale, kräftige Klingen. Manche Modelle bringen eine Saftrinne oder einen Drahtschneider für Bindedraht mit. Hast du nur einen Rebstock an der Hauswand, kannst du auch eine Bypass-Gartenschere nehmen, solange die Triebe innerhalb ihrer Schnittgrenze bleiben.
Grasscheren: für Rasenkanten und Ecken
Grasscheren schneiden dort, wo der Rasenmäher nicht hinkommt, etwa an Beetkanten und um Trittplatten. Die langen, schmalen Klingen führst du parallel zum Boden. Viele Modelle haben ein Drehgelenk am Scherkopf, und es gibt sie als Handschere oder mit Akku. Mit Stiel arbeitest du im Stehen; damit du aufrecht arbeiten kannst, stimmst du die Stiellänge auf deine Körpergröße ab. Ein Teleskopstiel muss sich in der gewählten Länge feststellen lassen und darf sich beim Arbeiten nicht von selbst lösen.
Obstbaum- und Stangenscheren: für den Gehölzschnitt
Obstbaumscheren sind kräftige Handscheren mit längeren Griffen und stärkeren Klingen als eine gewöhnliche Gartenschere. Achte darauf, dass sich verschlissene Einzelteile nachkaufen und austauschen lassen. Bei schwer zugänglichen Ästen können Zweihandscheren mit gebogener Klinge und Gegenklinge gegenüber Ambossmodellen im Vorteil sein. Für hoch gelegene Äste gibt es Stangenscheren, die du über einen Seilzug vom Boden aus bedienst. Eine geeignete Teleskopstangensäge schneidet höher gelegene Äste ebenfalls vom festen Boden aus.
Akkuscheren: Hilfe bei vielen Schnitten
Akkuscheren können die körperliche Belastung bei wiederkehrenden Schnittarbeiten reduzieren, müssen aber gegen unbeabsichtigtes Auslösen gesichert sein. Die freie Hand bleibt auch bei elektrischen Modellen außerhalb des Schnittbereichs. Worin sich beide Antriebe bei Schnitt, Handhabung und Kosten unterscheiden, zeigt der Vergleich elektrischer und manueller Gartenscheren.
Welche Schere passt zu deiner Hand?
Eine Gartenschere sollte gut in der Hand liegen, sich leicht öffnen lassen und zu Handgröße und Händigkeit passen. Ein Rollgriff verteilt die Belastung beim Schließen auf alle fünf Finger. Welche Scheren und Hilfsmittel sich bei eingeschränkter Handkraft eignen, zeigt der Ratgeber zu kraftsparenden Gartenscheren für Seniorinnen und Senioren.
Vor dem Kauf prüfst du, ob sich die Schere ohne Seitenspiel öffnen und schließen lässt und ob Griffe und Gehäuse frei von verletzenden Graten sind. Für Werkzeuge, die wiederkehrenden Belastungen standhalten sollen, wird gehärtetes Metall empfohlen. Mehr zu Klingenmaterial, Verarbeitung und Preis steht im schon genannten Ratgeber zu den Scherentypen.
Sauber schneiden: Schnitttechnik in Kürze
Einen Obstbaumtrieb schneidest du knapp oberhalb einer nach außen gerichteten Knospe, ohne die Knospe zu verletzen und ohne langen Stummel. Größere Äste nimmst du in drei Schnitten ab und lässt den Astring, die ringförmige Verdickung am Astansatz, unverletzt. Wie du Kraft und Schnitt an dicken Ästen dosierst, beschreibt der Ratgeber dazu, wie du die Astschere richtig einsetzt.
Pflege, Sicherheit und Reparatur in Kürze
Die Klinge einer Handschere reinigst du nach jedem Arbeitstag, Feder und Rollgriffachse ölst du regelmäßig. Schneidet die Schere nicht mehr frei, prüfst du das Spiel zwischen Klinge und Gegenklinge; als Orientierung schärfst du je nach Nutzung etwa alle 1–2 Jahre gründlich nach. Alle Handgriffe dazu findest du im Ratgeber, wie du Gartenscheren reinigst, schärfst und ölst.
Scheren trägst du geschlossen und gesichert im Köcher, und beim Schneiden bleibt die zweite Hand außerhalb des Schnittbereichs. Bei schweren Verletzungen wählst du sofort den Notruf 112.
Vor dem Kauf zeigen dir lösbare Verbindungen, austauschbare Bauteile und Angaben zur Ersatzteilverfügbarkeit, ob sich eine Schere reparieren lässt. Mehr zu Handhabung, Notfall und Reparierbarkeit steht im Werkzeug-Ratgeber in den Abschnitten Sicher arbeiten sowie Qualität, Material und Ergonomie.

