Rasenerde und Biodiversität: So förderst und prüfst du das Bodenleben
- Bakterien, Pilze, Algen und Einzeller bauen Pflanzenreste ab und setzen dabei Nährstoffe in pflanzenverfügbarer Form frei.
- Regenwurmröhren verbessern Belüftung und Versickerung, Verdichtung vermindert den Grobporenraum.
- Als gelegentliche Pflegegabe passen etwa 3 bis 5 l feiner, gütegesicherter Fertigkompost je m².
- In kontrollierten Gewächshausversuchen führten rund 84 % der untersuchten kommerziellen Mykorrhizaprodukte nicht zur gewünschten Wurzelbesiedlung.
- Weißklee, Gänseblümchen und Schafgarbe können auf wenig genutzten Rasenflächen Bienen und anderen Insekten Nahrung bieten.
- Zum Schutz von Kleintieren sollen Mähroboter weder nachts noch in der Dämmerung fahren.
Wenn dein Rasen trotz Dünger und Wasser dünn bleibt, lohnt der Blick unter die GrasnarbeDie Grasnarbe ist die zusammenhängende Pflanzendecke, die Gräser auf Wiesen, Weiden und Rasenflächen bilden. Ist sie dicht, hält die Fläche Tritt gut aus und Unkräuter finden kaum Platz.. Dort zeigt sich, ob die Wurzeln Luft bekommen, ob Wasser versickert und ob Nährstoffe für die Gräser frei werden. Ich nehme deshalb zuerst den Spaten in die Hand und steche ein Stück Rasen aus, bevor ich irgendetwas nachkaufe. Hier geht es um das Leben in der Rasenerde: was es braucht, wie du es misst und wie du auch oberhalb der Grasnarbe mehr Vielfalt zulässt.
Was lebt in der Rasenerde und was tut es für deinen Rasen?
Zu den Mikroorganismen im Boden zählen Bakterien, Pilze, Algen und Einzeller. Sie bauen Pflanzenreste ab und setzen dabei organisch gebundene Nährstoffe in einer Form frei, die deine Gräser aufnehmen können. Ein Teil dieser Arbeit passiert direkt an den Wurzeln. Dort besiedeln Mykorrhizapilze die Wurzeln und den umliegenden Boden und unterstützen die Gräser bei der Nährstoffaufnahme.
Die Rhizosphäre ist der Wurzelraum, in dem Pflanzen und Bodenorganismen besonders eng miteinander wechselwirken. Beim Rasen liegt sie in der durchwurzelten Schicht unter der Grasnarbe.
Neben den Mikroorganismen arbeiten größere Bodentiere mit. Regenwürmer verarbeiten organisches Material zu stabilen Bodenaggregaten, also zu Krümeln. Grabende Arten lockern und durchmischen den Boden, und ihre Röhren verbessern Belüftung und Wasserversickerung. Verdichtung vermindert den Grobporenraum sowie die Wasser- und Luftdurchlässigkeit, ein verdichteter Boden verliert also genau das, was die Regenwurmröhren schaffen.
Was gute Rasenerde mitbringt
Rasenerde für Reparaturarbeiten ist fein gesiebt und enthält Sand für die Streufähigkeit sowie organische Bestandteile zur Wasserspeicherung. Bei RAL-gütegesicherten Kultursubstraten erfasst die Gütesicherung unter anderem Struktur, pH-Wert, Salzgehalt, lösliche Nährstoffe, pflanzenschädigende Stoffe und Unkrautbesatz. Wie du Rasenerde gleichmäßig aufträgst und danach pflegst, liest du in der Anleitung dazu.
Was braucht das Bodenleben?
Bodenfeuchte, Temperatur, pH-Wert und Nährstoffstatus beeinflussen die Lebensbedingungen der Bodenorganismen. Zwei Dinge hast du direkt in der Hand: organische Nahrung und einen Boden ohne Verdichtung. Beides fördert die Bodenfauna.
Beim pH-Wert geht es zugleich um die Nährstoffe, denn ein überhöhter Boden-pH kann sie festlegen und trotz vorhandener Vorräte Mangelerscheinungen begünstigen. Welcher Zielbereich passt, hängt von der Bodenart ab, und liegt dein Boden darüber, wird nicht gekalkt. Die Zielbereiche je Bodenart findest du im Rasen-Ratgeber unter Standort und Boden.
Wasser gehört genauso zu den Lebensbedingungen. Bei etabliertem Rasen soll es 10 bis 15 cm tief in den Wurzelbereich eindringen; die Mengen für Keimphase und etablierten Rasen stehen im Rasen-Ratgeber unter Gießen. Ich steche nach dem Wässern mit dem Spaten nach und schaue, wie tief der Boden feucht ist. Wie viel deine Erde hält, hängt von ihrer Zusammensetzung ab. Sand speichert wenig Wasser, Ton hält zwar viel, bindet einen Teil davon aber so fest, dass die Gräser nicht herankommen. Wie du Rasenerde verbesserst, damit sie Wasser für Trockenzeiten speichert, steht im eigenen Beitrag.
Verdichtung begünstigt ein flaches Wurzelwerk, deshalb schützt du feuchte Böden besonders vor Befahren und intensiver Nutzung. AerifizierenAerifizieren heißt, den Boden unter dem Rasen mit Zinken zu durchlöchern. Die Hohlräume verbessern den Luftaustausch im verdichteten Boden und fördern so Wurzelwachstum und Bodenleben. mit anschließendem Besanden kann eine verdichtete Oberfläche verbessern, behebt aber keine tiefgründige Verdichtung. Den Ablauf beschreibt der Rasen-Ratgeber unter VertikutierenVertikutieren ist ein Pflegeschritt für den Rasen: Scharfe Messer ritzen die Fläche leicht an und holen den Rasenfilz heraus. Rasenfilz ist eine Schicht aus liegen gebliebenem Schnittgut, abgestorbenen Pflanzenresten und Moos. und Aerifizieren.
Wie fütterst du das Bodenleben?
Kompost
Kompost liefert organisches Material für das Bodenleben und kann die Wasserleit- und Wasserspeicherfähigkeit des Bodens verbessern. Er bringt aber auch Nährstoffe mit und kann bei fehlendem Bedarf zu einer Überversorgung führen. Ich siebe den Kompost vor dem Ausbringen und verteile ihn erst, wenn ich weiß, wie es um die Nährstoffe im Boden steht.
| Situation | Kompost je m² | Zeitpunkt oder Abstand |
|---|---|---|
| Bestehender Rasen, gelegentliche Pflegegabe | etwa 3 bis 5 l feiner, gütegesicherter Fertigkompost der Körnung 0/6 | alle 3 bis 5 Jahre |
| Nährstoffarme Rasenfläche, Grundversorgung und Humuszufuhr | 5 l gesiebter Kompost | als Frühjahrsgabe |
| Neuanlage, Einarbeiten in die Tragschicht | 12 bis 18 l gütegesicherter Fertigkompost als Richtwert | bei der Anlage |
Kompost zusätzlich zum vollen Düngeplan ausbringen. Die Nährstoffe aus dem Kompost ziehst du vom ermittelten Düngerbedarf ab, sonst bekommt der Rasen mehr, als er braucht.
Schnittgut liegen lassen
Fein zerkleinertes Rasenschnittgut kann auf der Fläche bleiben und gibt bei seiner Zersetzung Nährstoffe an den Rasen zurück. Das Schnittgut muss dafür trocken und kurz sein und sich fein und gleichmäßig verteilen, ohne Klumpen oder eine undurchlässige Schicht zu bilden. In der Hauptwachstumszeit sind beim Mulchmähen etwa 2 Schnitte pro Woche nötig. Wie viel Dünger du dadurch sparst, lässt sich nicht als einheitlicher Abschlag berechnen, weil die NachlieferungBeim Düngen meint Nachlieferung die Nährstoffe, vor allem Stickstoff, die der Boden selbst für die Pflanzen freisetzt: aus dem Bodenvorrat, aus organischer Düngung der Vorjahre und aus Vorfrüchten oder Gründüngung. Diese Menge zieht man vom Düngebedarf ab. von der MineralisierungMineralisierung ist der Abbau organischer Stoffe wie Erntereste, Mulch, Kompost oder Mist im Boden. Bodenlebewesen schließen sie dabei auf, sodass die darin gebundenen Nährstoffe für Pflanzen verfügbar werden. abhängt und die Standortbedingungen wechseln.
Organische Dünger
Organische Dünger hängen stark von der Witterung ab. Bei Frost, Trockenheit und stauender Nässe setzen sie kaum Nährstoffe frei. Feuchtwarme Bedingungen können dagegen starke Freisetzungsschübe mit Auswaschungsrisiko auslösen, sodass auch organische Düngung den Bedarf überschreiten kann. Im Frühjahr erwärmt sich der Boden zudem langsamer als die Luft, und bei niedriger Bodentemperatur verlangsamt sich die Freisetzung. Ein warmer Tag garantiert also noch keine Nährstoffe aus organischem Dünger.
Welche Nährstoffe Rasenerde liefert und wie du die Versorgung steuerst, erklärt der Beitrag zum Nährstoffkomplex. Bedarf und Termine fürs Düngen stehen im Rasen-Ratgeber unter Düngen.
Was bringen Bodenhilfsstoffe aus der Tüte?
Ich frage bei jedem Präparat zuerst, welches konkrete Problem im Boden es lösen soll. Danach schaue ich, was Versuche dazu zeigen.
| Bodenhilfsstoff | Was bekannt ist | Was das für dich heißt |
|---|---|---|
| Mykorrhizapräparate | In einer Untersuchung von 28 kommerziellen Produkten führten rund 84 % in kontrollierten Gewächshausversuchen nicht zur gewünschten Wurzelbesiedlung. | Die Pilze selbst sind nützlich, ein gekauftes Präparat sichert die Besiedlung aber nicht. |
| Effektive Mikroorganismen | In einem Laborversuch mit Wickroggenmaterial bei 12 °C veränderte ihre Zugabe weder die mikrobielle Biomasse noch die Nährstofflöslichkeit nachweisbar. | Ein Nutzen für das Bodenleben ist damit nicht gezeigt. |
| Pflanzenkohle | Ihre Eigenschaften hängen von Ausgangsmaterial und Herstellungsverfahren ab, und ihre hohe Sorption kann Nährstoffe zeitweise der Pflanzenverfügbarkeit entziehen. | Prüf, woraus sie besteht, und rechne damit, dass sie Nährstoffe vorübergehend bindet. |
| Gesteinsmehl | Es besteht aus mineralischem Material und ersetzt die Nährstoffgrundversorgung des Rasens nicht. | Die Grundversorgung sicherst du weiter über bedarfsgerechtes Düngen. |
| AlgenkalkAlgenkalk ist ein Kalkdünger auf Grundlage von Rotalgen. Er besteht überwiegend aus kohlensaurem Kalk mit vielen Spurenelementen, wirkt langsam und hebt einen zu sauren Gartenboden in den leicht sauren oder neutralen Bereich. | Er ist ein carbonatischer Kalkdünger, dessen Einsatz auch beim Rasen vom Kalkbedarf des Bodens abhängt. | Er gehört nur auf den Rasen, wenn die Bodenuntersuchung Kalkbedarf zeigt. |
Bodenleben lässt sich zukaufen? Die Versuche zu Mykorrhizaprodukten und effektiven Mikroorganismen sprechen nicht dafür. Die Bodenfauna förderst du mit organischer Nahrung und einem Boden, der nicht verdichtet ist.
Wie misst du die Bodengesundheit?
Was das Labor erfasst
Eine Standarduntersuchung für die Rasendüngeplanung erfasst Bodenart, pH-Wert, Phosphor, Kalium und Magnesium. Stickstoff und SpurennährstoffeSpurennährstoffe sind Nährstoffe, die Pflanzen nur in geringen Mengen aufnehmen, auf die sie aber trotzdem angewiesen sind. Dazu zählen etwa Eisen, Mangan, Zink, Kupfer, Bor und Molybdän. können zusätzliche Untersuchungen erfordern, ebenso Humus, Salz und Schwermetalle. Für das Bodenleben gibt es eigene Messgrößen: Die mikrobielle Biomasse erfasst die Menge der Bodenmikroorganismen, die Basalatmung ihre Aktivität. Beide stehen nicht im Standardumfang, frag beim Labor also gezielt danach.
Beprobe für spätere Vergleiche möglichst zur gleichen Jahreszeit und vor einer Düngung. Laborwerte sind außerdem nur bei gleichem Untersuchungsverfahren und übereinstimmender Nährstoffdarstellung unmittelbar vergleichbar. Wie du eine Bodenanalyse beauftragst und die Laborwerte liest, erklärt der Beitrag zur Bodenanalyse.
Was du mit dem Spaten siehst
Einen Teil der Bodengesundheit kannst du selbst beobachten. Ich steche im Frühjahr und im Herbst an denselben Stellen ein Stück Rasen aus, damit ich die Proben vergleichen kann.
Wie tief reichen die Wurzeln? Ein flaches Wurzelwerk kann auf Verdichtung hindeuten. Sind Regenwurmröhren zu sehen? Sie verbessern Belüftung und Versickerung. Bleibt Wasser nach Regen auf der Fläche stehen? Das kann auf eine verminderte Durchlässigkeit hinweisen. Wächst Moos? Es kann durch Schatten, Verdichtung, Nährstoffmangel oder zu tiefen Schnitt gefördert werden und beweist für sich allein keinen Kalkbedarf.
Wenn Moos auftaucht, prüfe ich zuerst Licht, Verdichtung, Nährstoffe und Schnitthöhe. Für Garten-Gebrauchsrasen reichen die empfohlenen Schnitthöhen je nach Pflegekonzept von 3 bis 6 cm. Im Schatten sollte die Schnitthöhe mindestens 4,5 cm betragen.
Wie bringst du mehr Vielfalt über die Grasnarbe?
Nicht jede Fläche braucht dieselbe Pflege. Für intensiv genutzte Spiel- und Liegeflächen eignen sich belastbare Gräsermischungen, kräuterreichere Bestände kommen eher auf weniger intensiv genutzten Flächen infrage. Welche Rasentypen es gibt, stellt das Kurzporträt im Rasen-Ratgeber vor.
Blühende Kräuter im Rasen
Blühender Weißklee, Gänseblümchen und Schafgarbe können auf wenig genutzten Rasenflächen Nahrung für Bienen und andere Insekten bieten. Wiesen- und Kräuterrasen auf geeigneten Teilflächen bieten Insekten außerdem Lebensraum und können den Pflegeaufwand gegenüber intensiv gepflegtem Rasen senken. Ich verzichte bei der Rasenpflege auf Dünger mit beigemischten Unkrautvernichtern. Störenden Löwenzahn stichst du gezielt aus, weil Mähen seine tiefe PfahlwurzelEine Pfahlwurzel ist eine einzelne Hauptwurzel, die senkrecht nach unten in den Boden wächst; von ihr gehen Seitenwurzeln ab. Pflanzen mit Pfahlwurzel heißen Tiefwurzler, zum Beispiel Löwenzahn und Eiche. nicht entfernt.
Hat jemand in deinem Haushalt eine bekannte Insektengiftallergie, berücksichtige das bei der Nutzung blühender Rasenflächen. Bienenstiche können schwere allergische Reaktionen auslösen.
Blühinseln und Rückzugsflächen
Eine als artenreiche Blühwiese gepflegte Teilfläche wird grundsätzlich nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht und nicht gedüngt. War der Bereich früher stark gedüngt, stellst du die Düngung zur Aushagerung ein. An nährstoffarme Bedingungen angepasste Pflanzen können durch zusätzlichen Stickstoff von konkurrenzstärkeren Arten verdrängt werden. Kompost und Dünger, die auf der Gebrauchsfläche das Bodenleben versorgen, gehören deshalb nicht auf die Blühinsel.
Bei insektenschonender Mahd von Wiesen und naturnahen Grünflächen bleiben 5 bis 20 % der Vegetation als Rückzugsfläche stehen, auch über Winter. Eine Mahdhöhe von mindestens 10 cm schont Insekten. Das Mähgut räumst du nach 1 bis 2 Tagen ab, damit sich keine Nährstoffe dauerhaft anreichern und nichts verfilzt.
Ich lasse am Rand zur Hecke einen Streifen über den Winter stehen.
Frühblüher für früh aktive Insekten
Frühlingsblühende Zwiebelpflanzen können das Blütenangebot für früh aktive Insekten erweitern. Zum Verwildern im Rasen eignen sich unter anderem Schneeglöckchen, Krokusse und Winterlinge. Sie brauchen durchlässigen Boden, weil winterliche Staunässe die Zwiebeln faulen lassen kann. Ich steche für die Pflanzung eine passende Sode ab, setze die Zwiebeln und lege die Sode wieder auf. Günstige Pflanzmonate sind September und Oktober, und gemäht wird an diesen Stellen erst, wenn das Laub der Zwiebelpflanzen eingezogen ist.
Mähroboter und Kleintiere
Zum Schutz von Kleintieren soll ein Mähroboter weder nachts noch in der Dämmerung fahren. Lass ihn nur tagsüber unter Aufsicht auf vorher kontrollierten Flächen laufen und spar Blühflächen und Rückzugsräume aus. Außerdem gehört er nur auf die Fläche, wenn sich keine Kinder oder Haustiere im Garten aufhalten.






