Gloxinien überwintern im Topf: So bringst du die Knolle durch die Ruhe
- Lass das Laub im Herbst einziehen, gieße dabei allmählich weniger und stelle das Düngen ein.
- Die Knolle bleibt im Topf oder liegt ausgegraben einzeln in Sand, beides frostfrei und ohne Staunässe.
- Prüfe im Quartier das Gewicht des Topfes und die Festigkeit der Knolle; weiche Stellen können auf Fäulnis hindeuten.
- Im Frühjahr kommt die Knolle in frische Erde und an einen hellen Platz ohne direkte Sonne mit etwa 18 °C als Untergrenze.

Im Herbst lässt deine Gloxinie die Blätter hängen, und der Topf sieht aus, als hätte er ausgedient. Wirf ihn nicht weg, denn in der Erde sitzt die Knolle, aus der die Pflanze im Frühjahr wieder austreiben kann. Ihr Risiko im Winter ist nasse Erde: Bleibt ein Ballen zu lange nass, leiden die Wurzeln unter Sauerstoffmangel und können faulen. Ich lasse meine Topfknollen deshalb in ihrer Erde, stelle sie frostfrei weg und hebe jeden Topf an, bevor ich an Wasser denke.
Die Zimmergloxinie Sinningia speciosa gehört zu den Gesneriengewächsen und bildet eine Knolle. Über den Winter bringst du also nicht die Blätter, sondern dieses Speicherorgan. Wie sich Zimmerpflanzen nach Gruppen und Herkunft unterscheiden, zeigt der Überblick über die Gruppen und die Herkunft der Zimmerpflanzen.
Einziehen heißt, dass die Pflanze ihr Laub welken lässt und nur die Knolle in der Erde bleibt. Um diese Ruhe ohne Blätter geht es hier, für Knollen im Topf und für Knollen, die du aus dem Beet ausgräbst.
Wann beginnt die Winterruhe?
Den Zeitpunkt liest du an der Pflanze ab. Die Blüte lässt nach, neue Knospen bleiben aus, und die Blätter werden welk und gelb. Für gängige Zimmerpflanzen gilt März bis Oktober als grobe Orientierung für die Hauptwachstumszeit. Bei der Gloxinie richte ich mich trotzdem nach dem Laub und nicht nach dem Kalender.
Bevor du welke Blätter als Ruhesignal deutest, prüf die Erde. Schlaffe, welke Blätter können von TrockenstressTrockenstress entsteht, wenn eine Pflanze mehr Wasser verdunstet, als sie aus dem Boden nachholen kann. Sie welkt zuerst, bei anhaltendem Mangel werden Blattränder braun und die Wurzeln können dauerhaft geschädigt werden. kommen, aber auch von beginnender WurzelfäuleBei Wurzelfäule faulen die Wurzeln einer Pflanze und sterben ab, meist weil die Erde ständig nass ist und Sauerstoff fehlt. Oft sind Schadpilze beteiligt, und die Pflanze welkt trotz feuchter Erde.. Eine Pflanze kann trotz feuchter Erde wie vertrocknet wirken, wenn anhaltende Nässe ihre Wurzeln geschädigt hat. Wer im Herbst jede Welke als Ruhesignal nimmt, übersieht also womöglich Wurzeln, die in nasser Erde schon leiden. Ich fasse deshalb zuerst in die Erde und hebe den Topf an. Ist die Erde nass und die Pflanze welkt trotzdem, entferne ich überschüssiges Wasser und gieße vorerst nicht weiter.
Gießen zurückfahren, Düngen einstellen
Fahr die Wassergaben allmählich herunter, statt schlagartig aufzuhören. Bei weniger Winterlicht brauchen Zimmerpflanzen ohnehin weniger Wasser und Nährstoffe. Gieß weiterhin über den Untersetzer, denn so werden Gloxinien zur Schonung ihrer empfindlichen Knollen gegossen. Gib dabei jedes Mal weniger hinein und schau zu, wie die Blätter einziehen.
Den Dünger lässt du jetzt weg. Zimmerpflanzen werden nur gedüngt, wenn die übrigen Bedingungen Wachstum ermöglichen, und eine einziehende Gloxinie wächst nicht mehr. Willst du die Blüte vor der Ruhe noch etwas strecken, lies nach, mit welchen Maßnahmen du die Blütezeit von Gloxinien verlängerst.
Welkes Laub entfernen
Welke Blätter und Blüten schneide ich mit einer sauberen, scharfen Schere ab. An ihnen zu ziehen vermeide ich, damit die Knolle unverletzt bleibt. Abgestorbene Pflanzenteile zu entfernen und die Blätter trocken zu halten, hilft, GrauschimmelGrauschimmel ist eine häufige Pilzkrankheit an Gemüse, Obst und Zierpflanzen, verursacht durch den Pilz Botrytis cinerea. Typisch ist ein grauer, stäubender Pilzbelag auf befallenen Pflanzenteilen, etwa auf Früchten. vorzubeugen. Feuchtwarme Luft und ein enger Stand begünstigen ihn besonders an geschwächten Zimmerpflanzen in der dunklen Jahreszeit. Stehen mehrere Gloxinien beieinander, rücke ich ihre Töpfe auseinander, solange noch Laub daran hängt.
Gloxinie im Topf überwintern
Die Knolle bleibt in ihrem Topf und in der alten Erde, bis du sie im Frühjahr umtopfst. Herausnehmen musst du sie für den Winter nicht.
Der passende Platz
Der Topf braucht im Winter einen Platz, an dem kein Frost an die Knolle kommt und ihn niemand versehentlich gießt. Ich stelle ihn dafür in einen frostfreien Nebenraum, getrennt von den Pflanzen, die weiter Wasser bekommen. Hell muss es dort nicht sein, solange die Knolle kein Laub trägt.
Ob der Platz frostfrei bleibt, prüfst du mit einem Messgerät. Ein digitales Thermohygrometer zeigt Temperatur und relative Luftfeuchte zusammen an. Ich lege eins neben die Töpfe und lese bei jeder Kontrolle beide Werte ab.
Stell Töpfe und Kisten nicht direkt an eine kalte Außenwand. An kalten Außenwänden und Wärmebrücken kann es feuchter sein, als das Messgerät in der Raummitte anzeigt.
Der ruhende Gloxinientopf bleibt zwischen den anderen Zimmerpflanzen stehen und wird in der Gießrunde einfach mitversorgt. Stell ihn so, dass er gar nicht erst in diese Runde gerät.
Gießen in der Ruhe
In der Ruhe bleibt die Erde überwiegend trocken. Gieß nur, wenn die Knolle es zeigt: Fühlt sie sich beim vorsichtigen Andrücken schlaff und runzlig an, kann sie zu trocken liegen. Dann feuchte ich die Erde über den Untersetzer an und prüfe danach, dass sie feucht ist und nicht nass.
Gloxinien gießt du über den Untersetzer, damit ihre empfindliche Knolle geschont wird. Bei den meisten Topfpflanzen darf überschüssiges Wasser aber nicht im Untersetzer bleiben. Für die ruhende Knolle heißt das: Wasser in den Untersetzer, aufsaugen lassen, den Rest weggießen.
Auf die Oberfläche verlasse ich mich dabei nicht. Bei torffreien oder torfreduzierten Erden kann sie trocken sein, während es unten im Topf noch nass ist. Deshalb hebe ich den Topf an, denn am Gewicht lässt sich der Feuchtezustand einschätzen. Wenn ich gieße, nehme ich zimmerwarmes Wasser.
Staunässe vermeiden
Der Topf braucht ein funktionierendes Abzugsloch, damit überschüssiges Wasser ablaufen kann. Ein lockeres, gut durchlüftetes SubstratSubstrat ist der Fachbegriff für Erde oder Erdmischungen, in die du aussäst, pflanzt oder umtopfst, etwa Aussaaterde, Topferde oder Kübelpflanzenerde. Es wird aus organischen und mineralischen Bestandteilen gemischt. und das Vermeiden dauerhafter Nässe helfen, Wurzelfäule vorzubeugen. Im Kunststofftopf bleibt die Erde länger feucht, weil nur unglasierter Ton zusätzlich Wasser über seine poröse Wand verliert. Steht ein Topf doch einmal nass, kipp das Wasser aus dem Untersetzer und gieß vorerst nicht nach.
An jeden ruhenden Gloxinientopf klebe ich einen Zettel mit dem Wort „Ruhe“ und dem Tag, an dem das Laub eingezogen war. So sehe ich bei jeder Kontrolle sofort, welcher Topf nicht gegossen wird.
Knollen aus dem Beet ausgraben und frostfrei lagern
Stehen deine Gloxinien im Garten, ist der Winterschutz am Gartenstandort ein eigenes Thema. Was draußen zählt, liest du im Ratgeber dazu, wo Gloxinien in Haus und Garten am besten stehen und wie du den Platz übers Jahr anpasst. Hier geht es um die Alternative: Du gräbst die Knollen aus und lagerst sie frostfrei.
So gehe ich beim Ausgraben vor
- Wenn das Laub welkt, schneide ich die oberirdischen Teile ab.
- Die Grabegabel steche ich mit Abstand zur Knolle ein und hebe sie samt Erde heraus.
- Die Knollen liegen dann an einem luftigen, schattigen Platz, bis die anhaftende Erde trocken ist und sich abklopfen lässt.
- Jede Knolle drücke ich vorsichtig an: Fest ist gut, weiche oder matschige Stellen können auf Fäulnis hindeuten.
- Gesunde Knollen bette ich einzeln in eine Kiste mit Sand, sodass sie sich nicht berühren.
- Neben jede Knolle kommt ein Schild mit Sorte und Datum.
Einzeln gebettet, siehst du bei der Kontrolle jede Knolle für sich und kannst eine verdächtige herausnehmen, ohne die anderen zu stören. Ab jetzt gilt dasselbe wie im Topf: Der Platz bleibt frostfrei, der Sand wird nicht nass, und die Kiste steht nicht an der Außenwand.
Kontrolle im Winterquartier
Bei jeder Kontrolle gehe ich dieselben Punkte durch. Die Knolle bleibt dabei in Erde oder Sand, denn Anheben und vorsichtiges Andrücken reichen mir.
- Topf anheben: Ist er noch schwer, ist die Erde feucht, und ich gieße nicht.
- Knolle vorsichtig andrücken: Fest ist gut, weich kann auf Fäulnis hindeuten.
- An der Erde riechen: Riecht sie muffig faul und ist der Ballen nass, kann das auf Wurzelfäule hinweisen.
- Auf mausgrauen Belag an Stängelresten achten, er kann ein Hinweis auf Grauschimmel sein.
- Thermohygrometer ablesen und prüfen, ob der Platz frostfrei geblieben ist.
- Nach Triebspitzen schauen: Zeigt sich ein Trieb, ist die Ruhe vorbei.
Wiederaustrieb im Frühjahr
Woran du erkennst, dass die Ruhe endet
Im Frühjahr hole ich Töpfe und Kisten aus dem Quartier und sehe mir jede Knolle an. Kleine Triebspitzen an der Oberseite zeigen dir, dass die Ruhe vorbei ist und wo oben ist. Die Knolle selbst sollte fest sein und nicht weich. Zimmerpflanzen werden bei Bedarf vorzugsweise im Frühjahr umgetopft, und für die Gloxinie heißt das: raus aus der alten Erde, rein in frisches Substrat.
Umtopfen in frische Erde
Nimm die Knolle aus dem Topf und entferne die alte Erde vorsichtig. Für Zimmerpflanzen gilt allgemein die Empfehlung, den neuen Topf nur 2 cm größer im Durchmesser zu wählen. Ein übergroßer Topf erhöht das Risiko, zu viel zu gießen und dadurch die Wurzeln zu schädigen. Ein Abzugsloch braucht auch der neue Topf. Ich setze die Knolle mit den Triebspitzen nach oben und so flach, dass ihre Oberseite mit der Erde abschließt.
Eine geeignete Zimmerpflanzenerde ist locker, luftdurchlässig und strukturstabil und kann Wasser aufnehmen, speichern und wieder abgeben. Das pH-Fenster, das in der Produktionskultur für die Sorte ‘Brocade’ gilt, liegt innerhalb der Spanne, auf die handelsübliche Fertigsubstrate eingestellt sind. Mit einer guten Fertigerde liegst du bei dieser Sorte also nicht grundsätzlich daneben. Den genauen Wert prüfst du auf der Packung. Welche Erde und welcher Topf im Einzelnen passen, steht im Ratgeber dazu, wie du Gloxinien pflegst und worauf es bei Substrat, Topf und Gießen ankommt.
Angegossen wird über den Untersetzer. Vor der nächsten Wassergabe prüfst du, ob die Erde abgetrocknet ist. Frische, vorgedüngte Zimmerpflanzenerde bringt Nährstoffe mit, deshalb kann die Nachdüngung zunächst warten. Später richtet sich die Menge nach der Packungsanweisung, und die Düngerlösung kommt auf bereits feuchte Erde, damit die Wurzeln keinen Schaden nehmen.
Beim Umtopfen liegt die Frage nahe, ob du eine große Knolle gleich teilst. Das gehört zur Vermehrung, deren Grundlagen der Zimmerpflanzen-Ratgeber im Abschnitt Aussaat, Pflanzung und Vermehrung erklärt. Einen anderen Weg zeigt der Ratgeber dazu, wie du Gloxinien über Stecklinge vermehrst, von der Mutterpflanze bis zur bewurzelten Jungpflanze.
Der Platz nach dem Austrieb
Stell die austreibende Knolle hell auf, aber ohne direkte Mittagssonne. Sobald sie wächst, braucht sie wieder Wärme: Gloxinien zählen zu den Zimmerpflanzen mit einer Mindesttemperatur von etwa 18 °C. Direkt über der Heizung trifft besonders warme, trockene Luft auf die Pflanze, deshalb meide ich diesen Platz. Die jungen Blätter halte ich trocken, denn Gloxinienblätter sollen vor Nässe geschützt werden.
Im Wachstum ändert sich das Gießen. In der Produktionskultur wird die Sorte ‘Brocade’ gleichmäßig feucht gehalten, weil Welken die Blüte verzögert. Ich hebe den Topf weiterhin vor dem Gießen an und gieße über den Untersetzer, sobald er leichter geworden ist.
Die Werte für die Zeit nach dem Austrieb im Überblick:
| Wert | Gilt für | Einschränkung |
|---|---|---|
| Mindesttemperatur etwa 18 °C | Gloxinien als Zimmerpflanzen | zusammen mit einem Platz ohne direkte Sonne |
| Wachstumstemperatur 18 bis 22 °C | Sinningia speciosa ‘Brocade’ | Produktionskultur |
| Substrat-pH 5,8 bis 6,2 | Sinningia speciosa ‘Brocade’ | Produktionskultur |
| pH-WertDer pH-Wert gibt an, wie sauer oder alkalisch etwas ist, etwa Gartenboden, Blumenerde, Gießwasser oder Kompost. Die Skala reicht von 0 bis 14; der Wert 7 gilt als neutral, niedrigere Werte sind sauer, höhere alkalisch. 5,5 bis 6,5 | handelsübliche Fertigsubstrate | eingestellt für den Großteil der Zierpflanzen |
| neuer Topf mit nur 2 cm mehr Durchmesser | Zimmerpflanzen beim Umtopfen | allgemeine Empfehlung |
| Flüssigdüngung alle 2 bis 4 Wochen | viele Zimmerpflanzen | nur in der Wachstumsphase im Frühling und Sommer |
„Nach dem Winter braucht die Gloxinie einen phosphorbetonten Blühdünger.“ PhosphorPhosphor ist ein Pflanzennährstoff, der eine zentrale Rolle im Energiehaushalt der Pflanze spielt und Bestandteil von Erbsubstanz und Zellmembranen ist. In der Praxis spricht man meist von Phosphat. ist für Energiehaushalt und Zellaufbau nötig. Dass zusätzliche Phosphorgaben die Blütenbildung pauschal fördern, lässt sich daraus aber nicht ableiten. Phosphatbetonte Blütendünger gelten aus Sicht der Pflanzenernährung als nicht sinnvoll.
Wenn die Überwinterung nicht nach Plan läuft
Die Knolle treibt mitten im Winter aus
Zeigt sich im Quartier ein Trieb, ist die Ruhe für diese Knolle vorbei. Ein Trieb braucht Licht, deshalb hole ich den Topf an einen hellen Platz ohne direkte Sonne. Von da an pflege ich die Gloxinie wie im Frühjahr: mit Wärme, vorsichtigem Gießen über den Untersetzer und Dünger erst bei sichtbarem Wachstum.
Die Knolle ist weich oder riecht faulig
Eine weiche, matschige Stelle kann auf Fäulnis hindeuten. Ich nehme die Knolle dann aus der Erde und schneide das weiche Gewebe mit einem sauberen Messer heraus, bis die Schnittfläche fest ist. Danach liegt die Knolle luftig, bis die Schnittfläche abgetrocknet ist, und kommt in frisches, trockenes Substrat. Die alte Erde verwende ich nicht wieder, denn Substrat aus Gefäßen mit wurzelfäulekranken Pflanzen gehört nicht in den nächsten Topf. Genauso prüfe ich eine Knolle, die Frost abbekommen hat. Ob sie wieder austreibt, zeigt in beiden Fällen erst das Frühjahr.
Helle Flecken auf jungen Blättern
Unregelmäßige gelblich-weiße Flecken können entstehen, wenn Gloxinienlaub mit zu kaltem Wasser überbraust wurde. Gieß deshalb zimmerwarm und über den Untersetzer, dann bekommt das Laub kein Wasser ab.
Grauer Belag an Blättern oder Stängeln
Ein mausgrauer Belag, besonders an Blüten und Stängeln, kann auf Grauschimmel hinweisen. Ich entferne die befallenen Teile und stelle die Pflanze luftiger, damit sie nicht eng zwischen anderen steht.
Überwinterst du neben den Gloxinien noch andere Pflanzen, lies, wie Grünpflanzen, Kübel- und Balkonpflanzen den Winter gut überstehen.

