Geranien im Fokus: Licht, Schärfe und Blickwinkel für Pelargonien-Fotos
- Bewölkter Himmel gibt weichere Kontraste als direkte Sonne, dabei bevorzugen Pelargonien volle Sonne.
- Je näher die Kamera an die Blüte rückt, desto schmaler wird der scharf abgebildete Bereich.
- Eine höhere Blendenzahl lässt weniger Licht durchs Objektiv, darum liegt die Kamera bei Nahaufnahmen ruhig auf.
- Aufrechte Pelargonien zeigst du auf Blütenhöhe, hängende Formen von unten.
- Gefüllte Blüten halten Wasser länger, und lange Nässe begünstigt bei Pelargonien Pilzkrankheiten.
Du stehst vor dem Balkonkasten, und die Pelargonien blühen in kräftigem Rot. Auf dem Foto bleibt davon ein greller Fleck ohne Struktur. Bevor du über neue Technik nachdenkst, schau auf drei Dinge: Licht, Abstand und Blickwinkel. Ich fotografiere meine Balkonpflanzen mit der Kamera, die gerade zur Hand ist, und gehe diese drei Punkte vor jeder Aufnahme durch. Danach geht es um Farbe, Hintergrund und darum, was die Pflanze beim Fotografieren verträgt.
Balkon- und Beetgeranien gehören botanisch zu Pelargonium-Arten und ihren HybridenHybriden sind Pflanzen der ersten Tochtergeneration (F1) aus der gezielten Kreuzung zweier möglichst reinerbiger Elternlinien. Sie wachsen einheitlich und kräftig, lassen sich aber nicht zuverlässig mit ihren Eigenschaften über eigenes Saatgut weitervermehren.. Geranium heißen botanisch die Storchschnäbel, und die sind eine andere Gattung. Wenn du deine Bilder beschriftest, ist Pelargonie deshalb der genauere Name.
Welches Licht passt zu Geranien?
Unter bewölktem Himmel fallen die Lichtkontraste bei Blumenaufnahmen weicher aus als in direkter Sonne. Hänge- und Zonalpelargonien bevorzugen aber einen vollsonnigen Standort. Deine Geranien stehen damit oft genau dort, wo direktes Sonnenlicht harte Kontraste setzt. Für Aufnahmen am Standort wartest du deshalb auf einen bedeckten Tag. Scheint die Sonne trotzdem, hältst du einen hellen Schirm zwischen Sonne und Kasten.
Über den Weißabgleich stimmt die Kamera ihre Farbwiedergabe auf die Farbtemperatur des Lichts am Aufnahmeort ab. Halte nach dem ersten Bild das Display neben die echte Blüte und vergleiche die Farbe. Weicht sie ab, stellst du den Weißabgleich passend zur Lichtsituation ein, statt dich auf die Automatik zu verlassen.
Edelgeranien eignen sich als Zimmerpflanzen für ein sonniges Fenster. Dort fotografierst du sie auch, mit dem Fensterlicht von der Seite. Fällt direkte Sonne herein, ziehe ich eine helle Gardine vor und stelle mich seitlich zum Fenster.
Kein bewölkter Tag in Sicht? Stell dich so, dass dein eigener Schatten auf die Dolde fällt, und mach ein Probebild. Neben einem Bild in voller Sonne siehst du sofort, wie sich die Kontraste verändern.
Wie bekommst du die Blüte scharf?
Rückt die Kamera bei sonst gleichen Bedingungen näher an die Blüte, schrumpft der Tiefenbereich, den sie scharf abbildet. An einer Pelargonien-Dolde siehst du das deutlich. Die vordere Einzelblüte ist scharf, die Blüten dahinter verschwimmen. Das passt, wenn eine einzelne Blüte vor weichem Hintergrund stehen soll.
Stell dabei auf die Mitte der vordersten Einzelblüte scharf und nicht auf den Rand der Blütenblätter. Greift der Autofokus das Blatt davor, schaltest du auf manuelles Scharfstellen. Dann drehst du den Fokus langsam, bis die Blütenmitte auf dem Display klar erscheint.
Soll mehr von der Dolde scharf werden, erhöhst du die Blendenzahl. Das erweitert den scharfen Bereich, lässt bei sonst unveränderten Einstellungen aber weniger Licht durch das Objektiv. Bei Nahaufnahmen treffen beide Effekte zusammen: Der kurze Abstand macht den scharfen Bereich klein, und wer ihn über die Blende vergrößert, arbeitet mit weniger Licht. Ich lege die Kamera deshalb auf den Kastenrand und löse mit dem Selbstauslöser aus, damit beim Drücken nichts wackelt.
Manche Kameras nehmen auch Fokusreihen auf, die eine Software zu einem durchgehend scharfen Bild zusammensetzt. Dafür muss die Blüte zwischen den Aufnahmen stillhalten, auf dem Balkon brauchst du also Windstille.
Du gehst so nah an die Dolde, wie das Objektiv es zulässt, und auf dem Bild ist kaum noch etwas scharf. Geh ein Stück zurück, prüf die Blütenmitte auf dem Display und rück dann schrittweise wieder näher.
Aus welcher Höhe fotografierst du stehende und hängende Pelargonien?
Unter den klassischen Balkonpelargonien gibt es aufrecht wachsende Formen von Pelargonium x hortorum und hängende von Pelargonium peltatum. Wo die Kamera zum Motiv steht, verändert die Wirkung des Bildes. Beide Wuchsformen legen deshalb andere Kamerapositionen nahe.
Aufrechte Pelargonien fotografierst du auf Höhe der Blüten, wenn eine einzelne Dolde im Mittelpunkt stehen soll. Von oben aufgenommen wird der ganze Kasten zu einem Muster aus Blüten und Laub. Hängende Pelargonien zeigst du von unten. Dann fallen die Triebe zur Kamera hin, und der Himmel gibt einen ruhigen Hintergrund.
Bei Duftpelargonien verschiebt sich das Motiv. Viele von ihnen blühen schwächer als Zonalpelargonien und wirken vor allem über Laub und Duft. Ich fotografiere ihre Blätter deshalb mit Licht von der Seite, damit Rand und Oberfläche sichtbar werden.
Für Nahaufnahmen stelle ich keinen Kasten um. Ich gehe selbst in die Knie und suche den Winkel, in dem hinter der Dolde nur Laub, Wand oder Himmel liegt.
Wie setzt du Farbe und Hintergrund ein?
Die Stellar-Gruppe der Pelargonien gibt es unter anderem in Rot, Weiß, Lachsfarben und Violett. Nach dem Farbkreis von Itten sind Gelb und Violett sowie Orange und Blau Komplementärpaare, die miteinander kontrastieren. Eine violett blühende Pelargonie hebt sich deshalb vor gelben Blüten im Hintergrund deutlich ab. Ruhiger wirkt eine Ton-in-Ton-Aufnahme, die mit helleren und dunkleren Nuancen einer einzigen Farbe arbeitet.
Der Hintergrund entscheidet mit, ob die Blüte im Bild auffällt. Prüf vor dem Auslösen den Bildrand, denn Gießkanne, Kastenhalterung oder Wäscheleine fallen oft erst auf dem fertigen Bild auf. Weiße Blüten vor einer weißen Hauswand verlieren ihre Kontur. Für sie suche ich einen Winkel mit grünem Laub dahinter. Welche Pflanzen im Kasten neben Pelargonien gut aussehen, zeigt der Ratgeber dazu, welche Begleiter zu Geranien passen.
Tropfen, Regen und Wind: Was verträgt die Pflanze?
Tropfen auf Blütenblättern sind ein beliebtes Motiv für Nahaufnahmen. Bei Pelargonien hat das Sprühen aber einen Nachteil, denn hohe Luftfeuchte und lange nass bleibende Pflanzenteile begünstigen bei ihnen Pilzkrankheiten. Gefüllt blühende Sorten sind zudem empfindlicher gegen Regen als einfach blühende, weil sich das Wasser länger in ihren Blüten hält. Willst du Tropfen im Bild, nimm deshalb eine einfach blühende Sorte, in der die Nässe nicht so lange stehen bleibt. Ich sprühe dafür am Morgen, damit Blüten und Laub über den Tag abtrocknen können.
Nach einem Regenschauer brauchst du nicht zu sprühen, die Tropfen sitzen dann schon auf Blüten und Blättern.
Wind bewegt die Blüten, und bei längerer Belichtung wird das Bild dadurch unscharf. Warte auf eine Pause zwischen zwei Böen und löse dann aus. Knickt der Wind Blätter oder Blütenstiele, können diese Stellen bei Balkonpflanzen zu Befallsstellen für GrauschimmelGrauschimmel ist eine häufige Pilzkrankheit an Gemüse, Obst und Zierpflanzen, verursacht durch den Pilz Botrytis cinerea. Typisch ist ein grauer, stäubender Pilzbelag auf befallenen Pflanzenteilen, etwa auf Früchten. werden. Geknickte Stiele schneide ich vor der Aufnahme ab, weil sie im Bild ohnehin stören.
Wann bringen Pelargonien frische Blüten fürs Foto?
Hält Kälte unter 10 °C länger an, legen Pelargonien keine neuen Blüten an. Bleibt es im Frühjahr oder im Herbst länger kühl, fotografierst du also die Blüten, die bereits angelegt sind. Für Bilder mit vielen frischen Dolden legst du deine Fotorunden in die warme Zeit des Jahres.
Manche Pelargoniensorten zeigen unter 8 °C ChlorosenChlorose ist eine unnatürliche Gelbfärbung der Blätter, weil das Blattgrün schlecht ausgebildet oder zerstört wird. Am häufigsten ist bei uns die Eisenmangel-Chlorose, oft ausgelöst durch kalkhaltigen Boden und Leitungswasser. an den Triebspitzen. Bei wärmeren Temperaturen können diese wieder verschwinden. Gelbliche Triebspitzen in einer kühlen Phase können also ein vorübergehendes Kältezeichen sein, und für Nahaufnahmen der Triebe wartest du wärmere Tage ab.
Vor der Fotorunde aufräumen
Vor einer Fotorunde knipse ich verblühte Dolden und welke Blätter ab, weil braune Reste in Nahaufnahmen sofort auffallen. Ein grauer Belag auf faulenden Pflanzenteilen kann auf Grauschimmel hindeuten. Solche Teile entfernst du gleich mit, denn das kann den Befall eindämmen. Mehr dazu steht im Überblick zu Pflege, Krankheiten und Schädlingen bei Sommerblumen.
Ein Lieblingsmotiv fürs nächste Jahr behalten
Gefällt dir eine Pflanze als Motiv so gut, dass du sie behalten willst, ist eigenes Saatgut der unsichere Weg. Stammt sie von einer F1-HybrideF1-Hybriden sind Sorten, deren Saatgut aus der gezielten Kreuzung zweier ausgewählter Elternlinien stammt. Die Pflanzen dieser ersten Nachkommengeneration (F1) wachsen häufig sehr einheitlich, ihre eigenen Samen bringen die Sorte aber nicht zuverlässig wieder hervor., können sich die Eigenschaften bei Nachkommen aus selbst geernteten Samen aufspalten. Über StecklingeEin Steckling ist ein junger, von der Mutterpflanze abgeschnittener Trieb, der in Erde oder Wasser eigene Wurzeln bildet. So entsteht eine neue Pflanze mit denselben Eigenschaften wie die Mutterpflanze. gibst du die Eigenschaften der Mutterpflanze dagegen vegetativ weiter. Wie das bei Pelargonien funktioniert, beschreibt der Sommerblumen-Überblick im Teil zu Topf, Überwintern und Stecklingen.
Kurz vor dem Auslösen
Mach von einer Dolde mehrere Bilder und verändere dazwischen Abstand und Winkel nur leicht. Am Bildschirm siehst du später, welche Version die Blütenmitte klar zeigt und welcher Hintergrund ruhig bleibt.
- Licht: bewölkt oder abgeschattet, keine pralle Sonne auf der Dolde
- Farbe: Display mit der echten Blüte verglichen, Weißabgleich angepasst
- Schärfe: Fokus auf der Mitte der vordersten Einzelblüte
- Kamera: aufgelegt, Selbstauslöser an
- Hintergrund: Bildrand frei von Gießkanne und Halterung
- Pflanze: Verblühtes und Geknicktes entfernt
Fotografiere eine Dolde zweimal von derselben Stelle, einmal in voller Sonne und einmal im Schatten deines Körpers. Leg beide Bilder nebeneinander und schau, auf welchem du die Adern der Blütenblätter erkennst.





