Genetik der Geranien: Was die Forschung misst und was das für deine Vermehrung heißt
- Balkon- und Beetgeranien gehören zu Pelargonium-Arten und deren Hybriden, nicht zur Gattung Geranium der Storchschnäbel.
- Bei 60 Pelargonium-Wildarten einer Genbanksammlung wurde der DNA-Gehalt per Durchflusszytometrie bestimmt.
- Die gemessenen Werte lagen zwischen 0,84 und 6,69 Pikogramm je 2C-Wert.
- Unterschiede der Ploidiestufe können Hinweise geben, ob eine Kreuzung zweier Pelargonium-Arten gelingen kann.
- Samen von F1-Hybriden spalten ihre Merkmale wieder auf, Stecklinge erhalten die Eigenschaften der Mutterpflanze.
Du erntest Samen von deiner schönsten Balkongeranie, säst sie aus, und die Jungpflanzen sehen anders aus als ihre Mutter. War die Mutterpflanze eine F1-HybrideF1-Hybriden sind Sorten, deren Saatgut aus der gezielten Kreuzung zweier ausgewählter Elternlinien stammt. Die Pflanzen dieser ersten Nachkommengeneration (F1) wachsen häufig sehr einheitlich, ihre eigenen Samen bringen die Sorte aber nicht zuverlässig wieder hervor., ist das kein Pflegefehler: Ihre Merkmale spalten in der nächsten Generation wieder auf. Ich schaue deshalb bei jeder neuen Geranie zuerst aufs Etikett, bevor ich überlege, wie ich sie vermehre.
Hinter solchen Überraschungen steckt Genetik, und die Forschung an Pelargonien liefert dazu handfeste Messungen. Untersucht wurde zum Beispiel, wie viel DNA die Zellkerne verschiedener Wildarten enthalten. Dazu kommt die Ploidiestufe, die Hinweise geben kann, ob sich zwei Arten kreuzen lassen. Was davon für deinen Balkon zählt und was du selbst beobachten kannst, ordne ich hier ein.
Geranie oder Pelargonie: um welche Pflanzen es geht
Wenn von Balkongeranien die Rede ist, geht es botanisch um Pelargonien. Balkon- und Beetgeranien gehören zu Pelargonium-Arten und deren HybridenHybriden sind Pflanzen der ersten Tochtergeneration (F1) aus der gezielten Kreuzung zweier möglichst reinerbiger Elternlinien. Sie wachsen einheitlich und kräftig, lassen sich aber nicht zuverlässig mit ihren Eigenschaften über eigenes Saatgut weitervermehren.. Die Gattung Geranium ist davon zu unterscheiden, unter diesem Namen führt die Botanik die Storchschnäbel. Alles, was ich hier über Erbgut und Züchtung schreibe, betrifft Pelargonium.
Innerhalb der Gattung ist die Spannbreite groß. Zu den klassischen Balkonpelargonien gehören aufrechte Formen von Pelargonium x hortorum und hängende Formen von Pelargonium peltatum. Viele Duftpelargonien blühen weniger stark als Zonalpelargonien und wirken vor allem über Laub und Duft. Edelgeranien wiederum eignen sich als Zimmerpflanzen für ein sonniges Fenster.
Auch bei den Farben ist die Auswahl breit. Pelargonien der Stellar-Gruppe gibt es unter anderem in Rot, Weiß, Lachsfarben und Violett. Wie du solche Farben im Kasten abstimmst, zeigt der Ratgeber dazu, wie du Geranien mit passenden Begleitpflanzen kombinierst.
Was die Forschung am Erbgut der Pelargonien gemessen hat
Eine Messreihe an Wildarten zeigt, wie unterschiedlich das Erbgut innerhalb der Gattung ausfällt. Gemessen wurde der DNA-Gehalt der Zellkerne, angegeben als 2C-Wert in Pikogramm. Das Verfahren heißt Durchflusszytometrie. Dabei werden angefärbte Zellkerne einzeln an einem Lichtstrahl vorbeigeführt, und die Stärke ihres Leuchtens zeigt die DNA-Menge. Die Pflanzen stammten aus einer Genbanksammlung, es ging also um Wildarten und nicht um Balkonsorten aus dem Gartencenter.
Untersucht wurden 60 Pelargonium-Wildarten aus einer Genbanksammlung. Ihr DNA-Gehalt lag zwischen 0,84 und 6,69 Pikogramm je 2C-Wert.
Der 2C-Wert ist der DNA-Gehalt eines Zellkerns, bevor sich das Erbgut für eine Zellteilung verdoppelt. Die Ploidiestufe gibt an, wie viele Chromosomensätze eine Zelle trägt.
Ploidie: welche Arten sich kreuzen lassen
Neben dem DNA-Gehalt zählt in der Züchtung die Ploidiestufe. Unterschiede der Ploidiestufe können bei Pelargonien Hinweise darauf geben, ob eine Kreuzung zweier Arten erfolgreich sein kann. Da Balkon- und Beetgeranien zu Pelargonium-Arten und deren Hybriden gehören, betrifft diese Frage auch die Pflanzen in deinem Kasten. Eine neue Hybride entsteht nur, wenn die Eltern überhaupt zusammenpassen, und genau darauf liefert die Ploidiestufe einen Hinweis.
Genbanken: Vielfalt in lebenden Sammlungen
Das Teilnetzwerk Pelargonium der Deutschen Genbank Zierpflanzen dokumentiert und erhält genetische Vielfalt. Die Pflanzen stehen dabei in dezentralen Sammlungen, also verteilt auf mehrere Standorte. Auch die Messreihe an den Wildarten beruht auf einer Genbanksammlung. Die Erhaltung schafft damit das Material, an dem sich Unterschiede im Erbgut überhaupt messen lassen.
Ich mache im Kleinen etwas Ähnliches. Von Sorten, die ich behalten will, überwintert bei mir immer eine Mutterpflanze kühl und hell.
Blütenbildung: was in der Sorte steckt und was die Umgebung bestimmt
Wie reich eine Geranie blüht, ist nicht allein eine Frage ihrer Gene. Bei länger anhaltenden Temperaturen unter 10 °C legen Pelargonien keine neuen Blüten an. Lichtmangel kann außerdem dazu führen, dass ihre Blütenknospen absterben. Weil Kälte und Lichtmangel die Blüte bremsen können, belegen schwache oder geschädigte Blüten allein noch keinen Nährstoffmangel. Eine sofortige Düngergabe rechtfertigen sie deshalb nicht.
Bevor ich bei mageren Blüten an der Sorte zweifle, prüfe ich Temperatur und Licht am Standort. Sorten vergleiche ich nur miteinander, wenn sie im selben Kasten am selben Platz stehen.
Gefüllt oder einfach: ein Zuchtmerkmal mit Folgen
Ob eine Geranie gefüllt oder einfach blüht, ist ein Merkmal der Sorte. Gefüllt blühende Geranien reagieren empfindlicher auf Regen als einfach blühende, weil Wasser länger in ihren Blüten bleibt. Hohe Luftfeuchte und lange nasse Pflanzenteile begünstigen bei Pelargonien zugleich Pilzkrankheiten. Wer eine gefüllte Sorte wählt, gibt ihr deshalb einen regengeschützten Platz.
Für Insekten hat die Füllung ebenfalls Folgen. Vollständig gefüllte Zierblüten können als Pollenquelle ausfallen. Die Füllung allein bestimmt den Bienenwert aber nicht sicher, denn auch gefüllte Blüten können noch zugänglichen Pollen oder Nektar bilden.
Stresstoleranz: Unterschiede zwischen Sorten beobachten
Ein Teil der Stresstoleranz ist Sortensache, und das kannst du an kühlen Tagen selbst sehen. Einige Pelargoniensorten bilden unter 8 °C ChlorosenChlorose ist eine unnatürliche Gelbfärbung der Blätter, weil das Blattgrün schlecht ausgebildet oder zerstört wird. Am häufigsten ist bei uns die Eisenmangel-Chlorose, oft ausgelöst durch kalkhaltigen Boden und Leitungswasser. an den Triebspitzen. Bei höheren Temperaturen können diese Aufhellungen wieder verschwinden. Da nur einige Sorten so reagieren, liegt der Unterschied in der Sorte und nicht allein im Wetter.
Helle Triebspitzen nach kühlen Nächten können auf diese Kältechlorose hindeuten. Chlorosen an jungen Blättern und Triebspitzen können allerdings auch auf Eisenmangel hinweisen. Ich schaue mir betroffene Pflanzen deshalb noch einmal an, wenn es wärmer geworden ist, bevor ich etwas ändere.
Ich notiere im Frühjahr neben jedem Sortennamen, ob die Triebspitzen nach kühlen Nächten hell werden. Die Liste lege ich im nächsten Jahr neben die Etiketten, wenn ich die Kästen wieder bepflanze.
Für den Grundstandort gilt bei allen Sorten dasselbe. Balkonpelargonien bevorzugen einen vollsonnigen Platz und vertragen keine Staunässe.
Resistenz: was eine Sortenbeschreibung leisten kann
Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten ist bei Geranien eine Angabe des Herstellers zur jeweiligen Sorte. Steht sie in der Sortenbeschreibung, gilt sie für genau diese Sorte. Eine solche Angabe kann das Risiko senken, einen gesunden Sommer garantiert sie nicht.
Neben der Sorte zählt der Stand. Ein sehr dichter Bestand begünstigt bei Geranien die Ausbreitung von GrauschimmelGrauschimmel ist eine häufige Pilzkrankheit an Gemüse, Obst und Zierpflanzen, verursacht durch den Pilz Botrytis cinerea. Typisch ist ein grauer, stäubender Pilzbelag auf befallenen Pflanzenteilen, etwa auf Früchten., und vom Wind geknickte Blätter und Blütenstiele können zu Befallsstellen werden. Ich setze meine Geranien deshalb mit Luft zueinander und schneide geknickte Stiele nach einem Sturm ab. Mehr zu Krankheiten und Schädlingen an Sommerblumen findest du im Sommerblumen-Ratgeber.
Was Vererbung für deine eigene Vermehrung bedeutet
Aus Samen: was F1 auf der Tüte bedeutet
Geranien lassen sich auch aus Saatgut ziehen, zum Beispiel die Sorte Horizon F1. Die Eckdaten für ihre Vorkultur stehen in der Tabelle.
| Schritt | Geranien Horizon F1 |
|---|---|
| Aussaat | Dezember bis Februar in Gefäßen |
| Saatgut | nur leicht bedecken |
| Keimung | bei 18 bis 20 °C nach etwa 15 Tagen, gleichmäßig feucht halten |
| Nach dem AuflaufenAuflaufen nennt man es, wenn nach der Aussaat die Keimlinge sichtbar aus der Erde kommen. Man sagt dann auch, die Saat ist aufgegangen. | in kleine Töpfe pikierenPikieren heißt, dicht aufgelaufene Sämlinge zu vereinzeln: Du setzt die jungen Pflänzchen einzeln in kleine Töpfe, sobald sich in der Triebmitte die ersten Laubblätter zeigen, damit jedes genug Platz zum Wachsen hat., bei 16 °C weiterkultivieren |
Das F1 im Namen steht für die erste Nachkommengeneration einer Kreuzung. Erntest du von solchen Pflanzen eigene Samen, spalten die Merkmale in der Folgegeneration wieder auf. Die Nachkommen können sich dann deutlich von der Mutterpflanze unterscheiden. Wann andere Sommerblumen an der Reihe sind, zeigt der druckbare Aussaatkalender für Sommerblumen.
Samen von einer F1-Geranie ernten und im nächsten Jahr dieselbe Sorte erwarten. In der F2-Generation spalten die Eigenschaften auf, die Nachkommen tragen dann nicht zuverlässig dieselben Merkmale wie die Eltern.
Über Stecklinge: die Sorte bleibt, wie sie ist
Durch StecklingeEin Steckling ist ein junger, von der Mutterpflanze abgeschnittener Trieb, der in Erde oder Wasser eigene Wurzeln bildet. So entsteht eine neue Pflanze mit denselben Eigenschaften wie die Mutterpflanze. lassen sich die Eigenschaften einer Mutterpflanze erhalten. Zusammen mit dem Aufspalten der F1-Samen ergibt das eine klare Regel: Willst du eine bestimmte Geranie im nächsten Jahr wiedersehen, schneidest du Stecklinge, statt Samen zu ernten.
Dafür wählst du gesunde Triebe mit 3 bis 4 Blattpaaren und entfernst die Blütenansätze. In Aussaaterde gesteckt, angegossen und hell, aber vor greller Sonne geschützt, bilden sie nach etwa 2 bis 3 Wochen erste Wurzeln. Wie du Sommerstecklinge von Balkonpflanzen schneidest und bewurzelst, beschreibt der Sommerblumen-Ratgeber im Abschnitt zu Topf, Überwintern und Stecklingen.
Beschrifte jeden Steckling gleich beim Stecken mit dem Sortennamen der Mutterpflanze. Sonst weißt du im Frühjahr nicht mehr, welche Eigenschaften du eigentlich erhalten hast.
Wohin die Züchtung geht und was du davon prüfen kannst
Sichtbar sind aber die Grundlagen: erhaltene Wildarten in Genbanken, Messungen ihres Erbguts und Hinweise aus der Ploidiestufe, welche Arten zusammenpassen könnten.
Liest du von einzelnen Genen, die eine Geranie hitzefester, duftender oder blühfreudiger machen sollen, hilft dir am Balkon erst die konkrete Sorte weiter. Entscheidend ist, was ihr Hersteller beschreibt und was du an ihr selbst beobachtest. Ich lese jede neue Sortenbeschreibung mit dieser Liste im Kopf.
Botanischer Name auf dem Etikett: Pelargonium oder Geranium · F1 im Sortennamen: Lieblingspflanzen über Stecklinge erhalten · Gefüllte Blüten: regengeschützten Platz wählen · ResistenzResistenz ist bei Pflanzensorten die Fähigkeit, einen bestimmten Schaderreger abzuwehren: Bei einer resistenten Sorte bleibt ein Befall stark begrenzt, und weder Wachstum noch Ertrag leiden auffällig.: als Herstellerangabe für genau diese Sorte lesen · Triebspitzen nach kühlen Nächten: Reaktion der Sorte notieren





