Mimosen: Arten, Herkunft und Vermehrung im Überblick
- Echte Mimosen gehören zur Gattung Mimosa, die gelben Mimosen-Zweige im Blumenhandel sind Akazien.
- Mimosa pudica wird 0,1 bis 0,5 m hoch und wächst niedrig, ausladend und stachelig.
- Mimosa sensitiva wird größer, kann klettern und reagiert schwächer auf Berührung.
- Samen der Mimosa pudica keimen bei 20 bis 25 °C.
- Sämlinge topfst du wegen ihrer feinen Wurzeln erst etwa 6 Wochen nach der Keimung um.
- Mimosa pudica enthält den toxischen Pflanzenstoff Mimosin.

Im Blumenladen werden oft gelbe, duftende Zweige als Mimosen verkauft. Auf der Fensterbank steht dagegen eine kleine Pflanze mit rosa Blüten, die ihre Blättchen bei Berührung zusammenklappt. Beide tragen denselben Namen, gehören aber zu verschiedenen Gattungen. Wer das nicht auseinanderhält, kauft womöglich Samen eines Baumes statt der Sinnpflanze. Ich ziehe meine Mimosen aus Samen und lese vor jeder Aussaat zuerst den botanischen Namen auf dem Tütchen.
Hier lernst du die beiden Mimosen-Arten kennen, die du als Topfpflanze ziehen kannst: Mimosa pudica und Mimosa sensitiva. Du erfährst, woher sie stammen, wie du sie botanisch einordnest und worin sie sich unterscheiden. Außerdem zeige ich dir, wie du Mimosen aus Samen und über StecklingeEin Steckling ist ein junger, von der Mutterpflanze abgeschnittener Trieb, der in Erde oder Wasser eigene Wurzeln bildet. So entsteht eine neue Pflanze mit denselben Eigenschaften wie die Mutterpflanze. vermehrst.
Echte Mimose oder Akazie: Was ist mit „Mimose“ gemeint?
Botanisch ist eine Mimose eine Pflanze der Gattung Mimosa. Zu ihr gehört die Sinnpflanze Mimosa pudica mit rosafarbenen Blüten in kugeligen Köpfchen. Akazien blühen dagegen gelb oder weißlich. Die gelben Zweige im sogenannten Mimosen-Strauß stammen von der Silber-Akazie (Acacia dealbata), einem Baum. Beide Pflanzen zählen zu den HülsenfrüchtlernHülsenfrüchte sind die in einer Hülse reifenden Samen von Schmetterlingsblütlern wie Erbse, Bohne und Linse; die Pflanzen heißen Hülsenfrüchtler oder Leguminosen. Die meisten binden mit Knöllchenbakterien an den Wurzeln Stickstoff aus der Luft., ihre Gattungen sind aber verschieden.
Für deine Aussaat folgt daraus: Auf dem Saatguttütchen sollte Mimosa stehen, wenn du die Pflanze mit den beweglichen Blättern ziehen willst. Aus Samen der Silber-Akazie wächst dagegen ein Baum mit gelben Blüten.
„Die gelbe Mimose aus dem Strauß klappt ihre Blätter bei Berührung zusammen.“ Das stimmt nicht. Die gelben Zweige stammen von der Silber-Akazie, und die reagiert nicht auf Berührung. Die bewegliche Mimose erkennst du an den rosa Blüten.
Heimat und natürlicher Lebensraum der Mimose
Die Mimosen, die du als Topfpflanzen kennst, stammen aus den tropischen und subtropischen Regionen Südamerikas. Das natürliche Verbreitungsgebiet der Sinnpflanze Mimosa pudica liegt in Brasilien. Dort wachsen Mimosen in lichten Wäldern und Savannen, in einem warmen Klima.
Mimosa pudica bleibt in ihrer Heimat eine niedrige Pflanze, die flach in die Breite wächst. Je nach Bedingungen lebt sie als stachelige Einjährige oder als kurzlebige, immergrüne Mehrjährige. Weil sie so flach und ausladend wächst, plane ich auf der Fensterbank mehr Platz in der Breite als in der Höhe ein.
Botanische Einordnung: Was für eine Pflanze ist die Mimose?
Mimosen gehören zur Familie der Hülsenfrüchtler, den FabaceaeFabaceae ist der botanische Name der Pflanzenfamilie der Hülsenfrüchtler, die auch Leguminosen heißen. Dazu gehören etwa Erbsen, Bohnen, Linsen, Lupinen und Klee. Sie versorgen sich mithilfe von Knöllchenbakterien an den Wurzeln selbst mit Stickstoff aus der Luft.. Wie Bohne und Erbse bilden sie nach der Blüte Hülsenfrüchte. Die Gattung Mimosa umfasst zahlreiche Arten, von denen ich dir hier die beiden Topfpflanzen Mimosa pudica und Mimosa sensitiva vorstelle.
Typisch sind fein gefiederte Blätter mit vielen kleinen Fiederblättchen, bei Mimosa pudica sind sie sogar doppelt gefiedert. Die Blüten sitzen in kugeligen Köpfchen und sind bei den meisten Arten rosa oder weiß.
Botanisch ist Mimosa pudica keine einjährige Pflanze, sie lässt sich überwintern. Ob sie nach dem Sommer weiterwächst, entscheidest also du mit dem Winterplatz. Ohne passendes Quartier endet sie wie eine Einjährige, mit Quartier lebt sie als kurzlebige Mehrjährige weiter.
Mimosen-Arten im Porträt: Mimosa pudica und Mimosa sensitiva
Mimosa pudica: die Sinnpflanze
Ist von der Mimose als Zimmerpflanze die Rede, ist meist Mimosa pudica gemeint. Die Sinnpflanze wird 0,1 bis 0,5 m hoch. In der Breite erreicht sie 0,5 bis 1 m, denn sie wächst niedrig und ausladend. Dazu ist die Pflanze stachelig.
Bei Berührung klappt Mimosa pudica ihre Fiederblättchen zusammen, oft schon 0,08 Sekunden nach dem Reiz. Bis die Blättchen wieder in ihrer Ausgangsstellung stehen, vergehen rund 20 Minuten. Wie diese Bewegung entsteht und was die Forschung daran untersucht, erklärt der Ratgeber zur Blattbewegung in den Gelenken der Mimose.
Abends legt die Mimose ihre Fiederblätter auch ohne Berührung zusammen, das ist ihre Schlafbewegung. Lös das Einklappen nicht unnötig häufig aus.
Die rosafarbenen Blüten stehen in kugeligen Köpfchen. Eine einzelne Blüte hält nur 1 Tag, doch es öffnen sich laufend neue. Nach der Blüte entwickelt die Pflanze Hülsen, aus denen du eigenes Saatgut gewinnen kannst.
Mimosa pudica enthält den toxischen Pflanzenstoff Mimosin. Stell sie so auf, dass kleine Kinder und Haustiere nicht an sie herankommen. Hat ein Kind Pflanzenteile in den Mund genommen, entfernst du die Reste aus dem Mund, rufst ein Giftinformationszentrum oder ärztliche Hilfe an und löst kein Erbrechen aus. Bei Vergiftungsverdacht bei Hund oder Katze kontaktierst du sofort den Tierarzt, gibst keine Hausmittel und nimmst bekannte Pflanzenreste mit. Wie du eine Mimose in einem Haushalt mit Katze, Hund, Nagern oder Vögeln sicher hältst, liest du im Ratgeber für Tierbesitzer.
Mimosa sensitiva: die größere, kletternde Verwandte
Mimosa sensitiva sieht der Sinnpflanze ähnlich, wächst aber größer und kräftiger und kann sogar als Kletterpflanze wachsen. Die Blätter sind größer und weniger fein gefiedert als bei Mimosa pudica. Auf Berührung reagiert diese Art schwächer, und die Blättchen klappen gemächlicher zusammen. Auch ihre Blüten sind rosa oder lila, fallen aber etwas größer aus.
In der Pflege gilt Mimosa sensitiva als etwas robuster und verzeiht kleine Temperaturschwankungen eher. Bei den Grundbedürfnissen ähnelt sie der Sinnpflanze: Wärme, hohe Luftfeuchtigkeit und keine Staunässe. Weil sie kletternd wachsen kann, planst du eine Stütze ein, denn bei rankenden Arten gehört die Rankhilfe zur Pflege. Die Werte zu Keimung, Umtopfen und Überwinterung in diesem Ratgeber gelten für Mimosa pudica, und ich übertrage sie nicht eins zu eins auf ihre Verwandte.
Mimosa pudica oder Mimosa sensitiva: Welche Art passt zu dir?
Mimosa pudica bleibt kompakt und reagiert schnell und deutlich. Damit passt sie auf die Fensterbank und zu allen, die die Blattbewegung beobachten wollen. Mimosa sensitiva braucht mehr Platz und eine Stütze, reagiert verhaltener und gilt dafür als etwas robuster. Wenn du zum ersten Mal Mimosen ziehst und die Bewegung sehen willst, nimm Mimosa pudica, denn für sie findest du hier die Werte zu Keimung, Umtopfen und Überwinterung.
| Merkmal | Mimosa pudica | Mimosa sensitiva |
|---|---|---|
| Wuchs | niedrig, ausladend, stachelig | größer und kräftiger, kann klettern |
| Größe | 0,1 bis 0,5 m hoch, 0,5 bis 1 m breit | größer als Mimosa pudica |
| Blätter | fein, doppelt gefiedert | größer, weniger fein gefiedert |
| Berührungsreaktion | schnell, oft nach 0,08 Sekunden | schwächer und gemächlicher |
| Blüten | rosa, eine einzelne Blüte hält 1 Tag | rosa oder lila, etwas größer |
| Platzbedarf | Fensterbank | mehr Platz und eine Stütze |
Mimosen vermehren: Aussaat und Stecklinge
Mimosen lassen sich aus Samen ziehen und über Stecklinge vermehren. Die Aussaat ist der einfachere Weg. Stecklinge gelten als anspruchsvoller, erhalten dafür aber die Eigenschaften der Mutterpflanze.
Mimosen aus Samen ziehen
Mimosensamen haben eine harte Schale. Vor der Aussaat weichst du sie in handwarmem Wasser ein und schaust, ob sie aufquellen. Samen, die hart bleiben, raue ich vorsichtig mit feinem Sandpapier an.
Für die Aussaat nimmst du saubere Gefäße mit Wasserabzug und frische Aussaaterde. Deren Salzgehalt sollte unter 0,5 g je Liter liegen. Halte die Saat gleichmäßig feucht, denn während und kurz nach der Keimung darf sie nicht austrocknen.
Mimosa pudica keimt bei 20 bis 25 °C. Bei dieser Temperatur laufen die Samen gewöhnlich innerhalb von 1 Woche auf. Ich stelle die Töpfe dafür an einen Platz, an dem ich die Temperatur am Thermometer ablesen kann. Nach dem AuflaufenAuflaufen nennt man es, wenn nach der Aussaat die Keimlinge sichtbar aus der Erde kommen. Man sagt dann auch, die Saat ist aufgegangen. brauchen die Sämlinge ausreichend Licht, weil Lichtmangel lange, instabile Triebe begünstigt.
Die Abdeckung bleibt nach der Keimung auf dem Topf. Lüfte die Abdeckung bis zur Keimung täglich, nimm sie danach ab und achte darauf, dass sie nie luftdicht schließt.
Wegen ihrer feinen Wurzeln topfst du die Sämlinge erst etwa 6 Wochen nach der Keimung um. Beim ersten Umtopfen dürfen 3 bis 4 Jungpflanzen zusammen in einem Topf stehen. Halte die Sämlinge dabei ohne Zug an den KeimblätternKeimblätter sind die ersten Blätter einer keimenden Pflanze und gehören schon zum Embryo im Samen. Sie ernähren den Keimling, bis die ersten Laubblätter seine Versorgung übernehmen. und setz die Wurzel gerade ein, ohne sie umzubiegen. Danach schließt du das Pflanzloch behutsam, gießt an und drückst die Erde leicht an. Handhabbare Jungpflanzen kommen zunächst in Töpfe mit 8 cm Durchmesser. Später setzt du sie in Töpfe mit 13 cm um.
| Schritt | Wert |
|---|---|
| Salzgehalt der Aussaaterde | unter 0,5 g je Liter |
| KeimtemperaturDie Keimtemperatur ist die Temperatur, bei der Samen keimen. Jede Pflanzenart hat dafür ein Minimum, ein Optimum und ein Maximum; unterhalb des Minimums keimt die Saat nicht. Mimosa pudica | 20 bis 25 °C |
| Keimdauer bei 20 bis 25 °C | gewöhnlich innerhalb von 1 Woche |
| Erstes Umtopfen | etwa 6 Wochen nach der Keimung |
| Jungpflanzen je Topf beim ersten Umtopfen | 3 bis 4 |
| Topfdurchmesser | zuerst 8 cm, später 13 cm |
Eigenes Saatgut aus den Hülsen
Bildet deine Mimosa pudica nach der Blüte Hülsen, kannst du daraus eigenes Saatgut gewinnen. Sammle nur braune, ausgereifte Samen. Trockne sie auf Papier nach, beschrifte sie und lagere sie kühl, dunkel und trocken bis zur nächsten Aussaat.
Mimosen über Stecklinge vermehren
Für Stecklinge wählst du eine gesunde, kräftige Mutterpflanze und schneidest, solange sie im Wachstum ist. Geeignet sind feste, noch unverholzte Triebe. Entferne die unteren Blätter und eventuelle Blütenansätze.
Steck den Trieb in Aussaaterde, gieß ihn an und stell ihn hell auf, aber geschützt vor greller Sonne. Halte ihn warm und feucht, ohne dass die Erde vernässt. Unter einer Haube bleibt die Luft feucht, deshalb kontrollierst du den Steckling täglich und lüftest kurz. Das senkt das Risiko, dass hohe Luftfeuchte und Schwitzwasser Pilzerkrankungen begünstigen. Neue Blättchen an der Triebspitze zeigen dir, dass er Wurzeln bildet.
Ich stecke jeden Mimosen-Steckling einzeln in einen kleinen Topf und stelle die Töpfe gemeinsam unter eine Haube. Beim täglichen Lüften schaue ich an der Triebspitze nach neuen Blättchen, statt am Steckling zu ziehen.
Wie pflegst du eine Mimose? Das Wichtigste in Kürze
Im Zimmer braucht Mimosa pudica hohe Luftfeuchtigkeit und einen Platz, an dem weder Zugluft noch häufige Erschütterungen sie stören. Welcher Standort, welche Temperatur und welche Erde zu ihr passen, liest du im Ratgeber zur Zimmerkultur.
Beim Gießen vermeidest du Staunässe, und im Untersetzer bleibt kein Wasser stehen. Im kühlen Winterquartier gießt du zurückhaltend, ohne dass die Erde austrocknet. Wie viel und wie oft du gießt und wie du die Luftfeuchte regelst, beschreibt der Ratgeber zur Bewässerung.
Den Sommer kann die Mimose an einem geschützten Platz im Freien verbringen. Wie du sie vom Herausstellen bis zur Rückkehr ins Haus begleitest, erklärt der Ratgeber für Balkon und Terrasse.
Nach dem Laubabwurf lässt sich die Mimose kühl überwintern, eine Kulturführung sieht dafür 5 bis 15 °C bis März vor. Warm im beheizten Gewächshaus soll die Temperatur im Winter nicht unter 13 °C fallen. Grundsätzliches zur Topfkultur im Winter steht im Sommerblumen-Überblick im Abschnitt Topf, Überwintern und Stecklinge.
Bei der kühlen Überwinterung kann die Pflanze nach dem Laubabwurf auf 15 bis 20 cm zurückgeschnitten werden. Wann und wie du eine Mimose kompakt und verzweigt hältst, zeigt der Ratgeber zum Schneiden.
Gedüngt wird nach Bedarf und nach der Dosierungsanweisung des Düngers, und die Lösung kommt nur auf feuchte Erde. Während einer echten Winterruhe brauchen Kübel- und Topfpflanzen kaum zusätzliche Nährstoffe. Grundsätzliches zum Düngen nach Bedarf findest du im selben Überblick unter Gießen und Düngen.
Außerhalb des kühlen Winterquartiers, in dem die Mimose ihr Laub abwirft, können gelbe Blätter und Blattfall auf Lichtmangel, Temperaturschwankungen, WasserstressWasserstress bedeutet, dass eine Pflanze zu wenig Wasser bekommt. Bei Gehölzen zeigt er sich oft erst einige Monate später durch Blatt- oder Nadelfall, schwaches Wachstum und höhere Anfälligkeit für Schädlinge und Krankheiten. oder Nährstoffmangel hindeuten. Gelbliche Sprenkel sowie Gespinste an den Blattunterseiten sind mögliche Hinweise auf SpinnmilbenDie Spinnmilbe ist eine winzige, etwa 0,5 Millimeter große Milbe, die vor allem auf Blattunterseiten lebt und dort feine Gespinste bildet. Befallene Blätter färben sich fahlgrün bis gelb und vertrocknen bei starkem Befall.. Welche Pflegefehler der Mimose schaden und wie du sie erkennst, liest du im Ratgeber zur Mimosenpflege.
Mimosen in Kultur und Geschichte
Schon der Name beschreibt die Pflanze. Mimosa bedeutet nachahmend, das Artepitheton pudica heißt schamhaft oder zurückweichend. Passend dazu nennt man Mimosa pudica im Deutschen Sinnpflanze oder Schamhafte Sinnpflanze.
In der viktorianischen Blumensprache stand die Mimose für Sensibilität und Schüchternheit. Wer sie verschenkte, sprach dem Empfänger damit ein empfindsames, feinfühliges Wesen zu. Auch Zurückhaltung und Bescheidenheit verband man mit ihr.
Weil die Bewegung so schnell sichtbar ist, eignet sich die Mimose für eigene Beobachtungen. Ich berühre dafür ein Blättchen leicht mit einem weichen Pinsel und notiere Reizart, berührte Blattstelle und die Bewegung, die ich sehe.
Wie du die Mimose als Anzeiger für Umweltveränderungen einsetzt, beschreibt ein eigener Ratgeber.





