Leinkraut in der Stadt: wo es passt und was es Insekten bringt
- Leinkraut rankt nicht: Echtes Leinkraut gehört in sonnige Pflanzstreifen mit lehmigem Boden, nicht an die Wand.
- Von Juni bis Oktober nutzen vor allem Hummeln seine Blüten als Nahrungsquelle.
- Als tiefwurzelnder Rohbodenpionier mit Ausläufern ist es kein naheliegender Kandidat für Dauergefäße und Wandtaschen.
- In der Anwachsphase gießt du bei anhaltender Trockenheit durchdringend, später reicht mäßiges Gießen bei Trockenheit.
- Stehen gelassene dürre Stängel und offene Bodenstellen bieten Insekten Unterschlupf und Nistplätze.

Ein schmaler Streifen Erde vor der Hauswand, volle Sonne und wenig Zeit für Pflege: Für solche Stellen wird gern Leinkraut empfohlen. Ich setze es dort auch ein, allerdings in den Boden vor der Fassade und nicht an die Wand. Leinkraut rankt und klettert nicht, eine Fassade begrünt es also nicht von selbst. Am passenden Platz liefert es dafür von Juni bis Oktober Blüten, die vor allem Hummeln als Nahrung nutzen.
Welches Leinkraut ist gemeint?
Leinkraut ist der deutsche Name der Gattung Linaria. Geht es um Stadtgrün, ist meist das Echte Leinkraut gemeint, auch Gewöhnliches Leinkraut genannt (Linaria vulgaris). Es eignet sich für sonnige Standorte mit lehmigem Boden und ist ein tiefwurzelnder Rohbodenpionier. Über AusläuferAusläufer sind Triebe, an denen eine Pflanze wie die Erdbeere aufgereihte Jungpflanzen bildet. Diese bewurzeln sich und lassen sich abtrennen, so vermehrt sich die Pflanze vegetativ, also ohne Samen. breitet es sich aus und erreicht eine Wuchshöhe von 20 bis 75 cm.
Die anderen Arten stellen andere Ansprüche. Linaria purpurea bevorzugt trockenen, gut durchlässigen Boden. Linaria alpina will es ebenfalls durchlässig, aber frisch. Das Marokkanische Leinkraut (Linaria maroccana) kann bei starker Sommerhitze in der Blüte nachlassen.
| Art | Boden und Licht | Was das in der Stadt bedeutet |
|---|---|---|
| Echtes Leinkraut (Linaria vulgaris) | sonnig, lehmiger Boden | tiefwurzelnd, bildet Ausläufer, 20 bis 75 cm hoch, Pflanzabstand 60 cm in der Reihe |
| Purpur-Leinkraut (Linaria purpurea) | trockener, gut durchlässiger Boden | für trockene Plätze mit gutem Wasserabzug |
| Alpen-Leinkraut (Linaria alpina) | frischer, gut durchlässiger Boden | für Plätze, deren Boden frisch bleibt |
| Marokkanisches Leinkraut (Linaria maroccana) | Nachmittagsschatten kann die Sommerblüte begünstigen | Blüte kann bei starker Sommerhitze nachlassen |
Was Stauden, ZweijährigeZweijährige sind Pflanzen, die im Jahr der Aussaat nur wachsen, oft zu einer Blattrosette, und erst im nächsten Jahr blühen. Dazu gehören etwa Stiefmütterchen, Goldlack, Bartnelken und Fingerhut. und Gräser grundsätzlich voneinander unterscheidet, findest du unter Stauden, Zweijährige und Gräser im Kurzporträt. Für die Stadt zählt bei Leinkraut vor allem, wie die Arten mit Sonne, Boden und Platz umgehen.
Fassade, Mauer, Dach: wo Leinkraut hingehört
Vor der Fassade statt an der Wand
Eine grüne Hauswand entsteht mit Kletterpflanzen, oft an einer Rankhilfe. Rankhilfen aus Metall oder Kunststoff müssen für eine längerfristige Begrünung witterungsbeständig, UV-beständig und korrosionsfrei sein. Ihr Wandabstand muss außerdem zum Dickenwachstum der Kletterpflanze passen. Leinkraut nutzt so ein Gerüst nicht, weil es im Boden wurzelt und sich dort über Ausläufer ausbreitet.
Ich setze Echtes Leinkraut deshalb in den Pflanzstreifen am Fuß der Fassade. Dort findet der tiefwurzelnde Rohbodenpionier gewachsenen Boden. An einer sonnigen Hauswand bekommt er zugleich das Licht, das er braucht.
„Leinkraut klettert an rauen Fassaden hoch.“ Das stimmt nicht. Echtes Leinkraut wird 20 bis 75 cm hoch und breitet sich über Ausläufer im Boden aus. Für eine begrünte Wand brauchst du eine Kletterpflanze.
Mauern und Fugen
An Mauern entscheidet das Licht. Echtes Leinkraut braucht einen sonnigen Platz. Für halbschattige bis schattige Mauerstandorte kommt dagegen das Mauer-Zimbelkraut infrage. Willst du eine schattige Hofmauer begrünen, ist diese Pflanze die passendere Wahl.
Gründach
Für extensive Dachbegrünung eignen sich unter anderem Gräser wie Regenbogen-Schwingel und Blaugras. Ich plane es deshalb nur dort ein, wo es in gewachsenen Boden wurzeln kann.
Säume, Grünstreifen und öffentliches Grün
Gut aufgehoben ist Echtes Leinkraut in sonnigen Säumen. Die Saatmischung Wärmeliebender Saum kombiniert es unter anderem mit Gewöhnlicher Schafgarbe und Wiesensalbei. Gedacht ist sie für Hausgärten und für öffentliches Grün. Gemeine Schafgarben gedeihen in sonnigen Beeten mit normaler Gartenerde und teilen damit den Lichtanspruch des Leinkrauts. Welche Partner und Gartenbereiche sonst passen, zeigt der Ratgeber, mit welchen Pflanzen du Leinkraut im Beet kombinierst.
Wer eine im Beet trockenheitsrobuste Staude ungeprüft an den Straßenrand setzt, kann sich verschätzen. Die Koreanische Minze (Agastache rugosa) gilt im Staudenbeet als trockenheitsrobust, zeigte aber in einer Prüfung im innerstädtischen Straßenbegleitgrün unzureichende Trockentoleranz. Schau dir deshalb an, wie viel Wasser dein Platz tatsächlich abbekommt, bevor du pflanzt.
Topf, Kasten und Wandtasche
Für dauerhaft bepflanzte Kübel eignen sich schwach und niedrig wachsende Arten mit kompaktem Wurzelwerk besonders. Echtes Leinkraut wurzelt tief und treibt Ausläufer. Für Dauergefäße und Pflanztaschen an der Wand ist es deshalb kein naheliegender Kandidat.
Im Kasten nehme ich eher das Marokkanische Leinkraut, die Sorte ‚Licilia Azure‘ wird im Garten wie im Gefäß kultiviert. Weil seine Blüte bei starker Sommerhitze nachlassen kann, stelle ich den Kasten an einen Platz mit Nachmittagsschatten. Jedes Gefäß braucht einen funktionierenden Wasserabzug, damit überschüssiges Wasser ablaufen kann.
Was Leinkraut ökologisch bringt
Futter für Hummeln und andere Insekten
Die Blüten des Echten Leinkrauts nutzen vor allem Hummeln als Nahrungsquelle. Pollen dient Bienen als Aufbaunahrung, Nektar liefert ihnen Energie. Echtes Leinkraut blüht von Juni bis Oktober, und eine Pflanzung mit unterschiedlichen Blütezeiten verlängert das Blütenangebot für Insekten. Ich ergänze es deshalb mit frühen Blühern wie Winterling und Schneeglöckchen, damit der Streifen nicht erst im Sommer Futter bietet.
Im Saum mit Schafgarbe kommen weitere Besucher dazu. In einer Untersuchung zur Biodiversität im Stadtgrün wurden die Blüten der Gewöhnlichen Schafgarbe von Fliegen, SchwebfliegenSchwebfliegen sind Fliegen mit oft schwarz-gelber, wespenähnlicher Zeichnung, die in der Luft auf der Stelle schweben können. Sie gelten als Nützlinge: Die erwachsenen Tiere bestäuben Blüten, die Larven vieler Arten fressen Blattläuse., Schmetterlingen und Wildbienen besucht. Achte bei Partnerpflanzen auf die Blütenform, denn stark gefüllte Blüten bieten Insekten häufig nur sehr wenig oder keine Nahrung.
Unterschlupf und Nistplätze
Futter allein reicht Wildbienen nicht. Je nach Art brauchen sie offene oder spärlich bewachsene Bodenstellen, Hohlräume oder Pflanzenstängel als Nistplatz. Offene sandige Bodenstellen und Totholz ergänzen eine Blütenpflanzung um Brut- und Rückzugsräume. Weil auch Pflanzenstängel als Nistplatz dienen, kann ein Teil der dürren Staudenstängel ganzjährig stehen bleiben. Ich lasse am Ende des Streifens die alten Stängel stehen und halte daneben eine Stelle Boden unbewachsen.
Was du nicht erwarten solltest
Kühlere Straßen, sauberere Luft und gebundenes Kohlendioxid werden Stadtgrün gern pauschal zugeschrieben. Konkret beitragen kann Leinkraut Blüten, die Hummeln bis in den Oktober nutzen, und einen Baustein für eine artenreiche, gestaffelt blühende Pflanzung.
So legst du eine Leinkraut-Fläche an
Boden vorbereiten
Vor einer Staudenpflanzung entfernst du Wurzelunkräuter und beseitigst Bodenverdichtungen, damit ein durchlässiger, bewuchsfreier Pflanzboden entsteht. Verdichteter Boden hat weniger Porenraum, Wasser versickert schlechter und im Wurzelbereich kann Luft fehlen. Wie du den Boden von Bodentyp und pH-Wert bis zur Lockerung angehst, steht im Ratgeber, wie du den Boden für Leinkraut vorbereitest.
Pflanzen oder säen
Echtes Leinkraut setze ich im schmalen Streifen in eine Reihe, mit 60 cm Pflanzabstand. Den Platz für die Ausläufer plane ich dabei gleich mit, ebenso eine feste Kante zu Weg und Nachbarbeet. Den Streifen skizziere ich vorher im Beetplaner für deine Pflanzfläche.
Säen kannst du Echtes Leinkraut im Freiland zwischen Spätherbst und Vorfrühling. Es keimt über einen längeren Zeitraum ungleichmäßig, und Temperaturen unter 5 °C können die Keimung begünstigen. Wie du Termin und Methode wählst und die SämlingeSämlinge sind junge Pflanzen, die durch Keimung aus dem Embryo eines Samens entstanden sind. Anders als Stecklinge oder veredelte Pflanzen gehen sie also aus einem Samen hervor. bis zum Auspflanzen bringst, erklärt der Ratgeber, wann und wie du Leinkraut aussäst; die Termine für Stauden und Ziergräser gibt es auch als Aussaatkalender zum Ausdrucken.
Der Platz bekommt volle Sonne. Der Boden ist lehmig und nicht verdichtet. Wurzelunkräuter sind entfernt. Für die Ausläufer ist Raum eingeplant, und Wege und Nachbarbeete haben eine klare Kante. Für die Anwachsphase steht Gießwasser bereit, gern aus der Regentonne.
Pflege im Stadtalltag
Gießen: am Anfang gründlich, später mäßig
Auch trockenheitsverträgliche Staudenpflanzungen brauchen in der Anwachsphase Wasser. In den ersten ein bis zwei VegetationsperiodenDie Vegetationsperiode, auch Vegetationszeit, ist der Teil des Jahres, in dem Pflanzen wachsen, blühen und fruchten. Sie beginnt im Allgemeinen, wenn das Tagesmittel der Lufttemperatur mindestens 5 Grad Celsius erreicht. gießt du eine neue Pflanzung bei anhaltender Trockenheit wiederholt und durchdringend. Echtes Leinkraut selbst kannst du besonders bei Trockenheit mäßig gießen. Bei extremer Trockenheit kann auch ein eingewachsener Bestand noch eine Notbewässerung brauchen.
Neu angelegte Staudenpflanzungen gießt du in den ersten 1 bis 2 Vegetationsperioden bei anhaltender Trockenheit mit etwa 25 l/m² je Gießgang. Der Wert bezieht sich auf die Fläche, nicht auf die einzelne Pflanze.
Einen festen Gießrhythmus gibt es nicht, er richtet sich nach Pflanzenbedarf, Bodenart und Witterung. Gieß möglichst morgens direkt in den Wurzelbereich. In der Stadt bietet sich Regenwasser an, das du vom Dach in Regentonnen sammelst und mit der Gießkanne verteilst.
Eine Tropfbewässerung versorgt die Pflanzen gezielt und kann Wasser sparen. Sie braucht einen Filter, weil Tropfer verstopfen oder verkalken können. Prüfe außerdem regelmäßig, ob ihre Wassermenge zur tatsächlichen Bodenfeuchte und Witterung passt.
Bevor ich einen Streifen gieße, steche ich eine Bodenscholle aus und prüfe an Farbe und Gefühl, ob im Wurzelraum noch Feuchtigkeit ist. Nach dem Gießen mache ich dieselbe Probe und schaue, ob das Wasser die tieferen Schichten erreicht hat.
Ausläufer und Beikraut
In einer angelegten Staudenmischpflanzung verzichtest du aufs Hacken, weil es die Entwicklung der Stauden und den FlächenschlussFlächenschluss ist der Zustand, in dem Stauden, Gräser oder Bodendecker einer Pflanzung so weit zusammengewachsen sind, dass sie eine geschlossene Pflanzendecke bilden und kaum noch offener Boden zu sehen ist. stört. Da sich Echtes Leinkraut über Ausläufer ausbreitet, ziehe ich BeikrautBeikraut nennt man jede Pflanze, die zwischen den angebauten Kulturpflanzen mitwächst, egal ob wild oder domestiziert, nützlich oder schädlich. Das Wort ist neutral gemeint, während „Unkraut“ eine persönliche Wertung ausdrückt. im Streifen von Hand. An den Rändern zu Weg und Nachbarbeet steche ich im Frühjahr Ausläufer ab, die dort nicht hingehören.
Düngen und Rückschnitt
Echtes Leinkraut gedeiht auf nur mäßig nährstoffreichen Böden. Ich dünge es deshalb nicht nach Kalender, sondern richte mich nach dem Pflanzenbedarf und einer Bodenuntersuchung. Beim RückschnittBeim Rückschnitt kürzt du Triebe oder Stängel einer Pflanze ein, bei Stauden oft bis knapp über den Boden. Je nach Zeitpunkt räumt er alte Stängel ab, regt eine Nachblüte an oder bremst das Aussamen. bleibt ein Teil der dürren Stängel über den Winter stehen, die übrigen kommen im Spätwinter weg.
Krankheiten vorbeugen
Bei anhaltender Bodenfeuchte und schlecht durchlüftetem Boden finden die Erreger von Wurzel- und Stängelgrundfäulen günstige Bedingungen, ein durchlässiger Standort beugt also vor. Für das ganze Staudenbeet gilt die Stufenfolge vorbeugen, kontrollieren, absammeln, die du im Stauden-Überblick unter Krankheiten und Schädlinge findest. Welche Krankheiten, Schädlinge und abiotischen Schäden Leinkraut selbst treffen können, erklärt der Ratgeber, wie du Leinkraut gesund erhältst.




