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Blumenwiese als CO2-Speicher: Wie viel sie bindet und wie du es misst

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 7 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Eine Modellrechnung für dauerhaft erhaltene Ackerblühstreifen ergab im Mittel einen Bodenzuwachs von rund 1,8 t CO2 je Hektar und Jahr.
  • Auf 120 Gießener Campus-Grünflächen hatten Wildblumenwiesen mehr Bodenkohlenstoff als kurz geschnittener Rasen, auch die frühere Nutzung wirkte mit.
  • Im Münchner CO2-Flussmodell gaben Grasflächen im Jahresmittel mehr CO2 ab, als sie aufnahmen, weil die Bodenatmung die Photosynthese überstieg.
  • Für den Kohlenstoffvorrat im Boden braucht es Kohlenstoffgehalt, Trockenrohdichte, Steinanteil und Beprobungstiefe; Wiederholungsproben sind frühestens nach 3 bis 5 Jahren sinnvoll.
  • Als CO2-Kompensation zählt nur zusätzlicher, dauerhaft erhaltener Kohlenstoff; Verlagerung zwischen Flächen bringt dem Klima nichts.
Dicht blühende Wildblumenfläche mit rotem Klatschmohn, violettem Feld-Rittersporn und weißen kamilleartigen Blüten. Dazwischen stehen Gräser, Knospen und grüne Mohnkapseln im Sonnenlicht.
Foto: Maria M. · Pexels License · Quelle ↗

Wenn du einen Rasen in eine Blumenwiese verwandeln willst, stößt du schnell auf große Zahlen zum Klimaschutz. Ich prüfe bei jeder CO2-Angabe zuerst drei Dinge: ob Kohlenstoff oder CO2 gemeint ist, für welche Fläche sie gilt und ob gemessen oder gerechnet wurde. Erst dann weiß ich, was die Zahl über eine Gartenwiese aussagt. Für den Hektarwert gibt es eine Modellrechnung, für den Vergleich mit Rasen eine Untersuchung aus Gießen und für die Messung ein klares Verfahren.

Wie viel CO2 speichert ein Hektar Wiese pro Jahr?

Eine konkrete Zahl liefert eine Modellrechnung für dauerhaft erhaltene Ackerblühstreifen. Das sind Bereiche am Feldrand oder im Feldinneren, die gezielt mit einer Saatmischung angelegt werden. Im Mittel ergab die Rechnung einen jährlichen Bodenzuwachs von rund 1,8 t CO2 je Hektar. Gemittelt wurde über einen Zeitraum von 20 Jahren. In Kohlenstoff ausgedrückt entspricht das 0,5 t je Hektar und Jahr.

Zahl im Blick

0,5 t Kohlenstoff und rund 1,8 t CO2 je Hektar und Jahr beschreiben denselben Zuwachs im Boden. Speichert der Boden 1 kg organischen Kohlenstoff zusätzlich, sind das rechnerisch rund 3,67 kg CO2. Schau deshalb bei jeder Angabe nach, ob Kohlenstoff oder CO2 gemeint ist.

Für deine Gartenwiese ist der Wert ein Anhaltspunkt, kein Messergebnis. Er stammt aus einem Modell, gilt für Streifen auf Ackerland und setzt voraus, dass die Fläche dauerhaft bestehen bleibt. Wenn ich die Zahl weitergebe, nenne ich diese drei Bedingungen immer mit. Wie viel deine eigene Wiese bindet, zeigt nur eine Messung im Boden deiner Fläche.

Speichert eine Blumenwiese mehr CO2 als ein Rasen?

Auf 120 untersuchten Grünflächen des Gießener Campus hatten Wildblumenwiesen höhere Bodenkohlenstoffvorräte als kurz geschnittene Rasenflächen. Die Pflanzendecke war dabei nicht der einzige Faktor, denn auch die frühere Nutzung einer Fläche beeinflusste den Vorrat. Eine feste Mehrmenge je Quadratmeter lässt sich aus dem Vergleich deshalb nicht ableiten.

Ein Befund aus München ergänzt das Bild. Im Münchner CO2-Flussmodell wirkten Grasflächen im Jahresmittel als Quelle: Ihre Bodenatmung lag über der Photosynthese, sie gaben also mehr CO2 ab, als sie aufnahmen.

Kurz erklärt

Der Vorrat ist die Menge Kohlenstoff, die zu einem Zeitpunkt im Boden steckt. Der Fluss beschreibt, wie viel CO2 eine Fläche über das Jahr aufnimmt oder abgibt. Beide Größen messen etwas anderes.

Gießen hat Vorräte im Boden verglichen, das Münchner Modell den CO2-Fluss im Jahresmittel. Ein hoher Vorrat heißt deshalb nicht, dass eine Fläche im laufenden Jahr noch Kohlenstoff dazugewinnt. Wenn ich gefragt werde, ob sich die Umwandlung eines Rasens fürs Klima lohnt, lege ich die drei Befunde nebeneinander:

Befund Fläche Art der Angabe Ergebnis
Gießener Campus-Untersuchung 120 Grünflächen Bodenkohlenstoffvorrat Wildblumenwiesen höher als kurz geschnittener Rasen; frühere Nutzung wirkte mit
Münchner CO2-Flussmodell Grasflächen CO2-Fluss im Jahresmittel Quelle, weil die Bodenatmung die Photosynthese überstieg
Modellrechnung Ackerblühstreifen dauerhaft erhaltene Streifen Bodenzuwachs, gemittelt über 20 Jahre 0,5 t Kohlenstoff oder rund 1,8 t CO2 je Hektar und Jahr

Wie Kohlenstoff in den Boden kommt und was ihn dort hält

Mit der Photosynthese holen Pflanzen CO2 aus der Luft und legen den Kohlenstoff in ihrer Biomasse fest. Sterben Blätter, Stängel oder Wurzeln ab, kann daraus Humus entstehen. Gleichzeitig gelangt über die Bodenatmung wieder CO2 in die Luft. Ob eine Fläche unterm Strich Kohlenstoff gewinnt, entscheidet also die Bilanz aus beidem.

Wie viel organische Substanz sich im Boden an Minerale bindet, hängt auch an der Wiese selbst. In einem Feldversuch mit eingebrachten Bodenmineralen begünstigten Pflanzenvielfalt und Produktivität im Grünland die Bildung mineralgebundener organischer Substanz. Die Menge hing dabei wesentlich davon ab, welches Mineral eingebracht worden war. Eine feste Speichermenge für eine bestimmte Wiese ergibt sich aus dem Versuch nicht.

Was du bei Anlage und Pflege für den Kohlenstoff tun kannst

Standort, Aussaat und Mahd folgen auch hier den Regeln jeder Blumenwiese; die Grundlagen findest du im Überblick, wie du Standort, Aussaat und Mahd einer Wildblumenwiese planst. Feines Kräutersaatgut wird meist mit 1 bis 3 g/m² ausgebracht, maßgeblich bleibt aber die Empfehlung der jeweiligen Mischung. Stark beschattete Flächen eignen sich nicht für die übliche mehrjährige Blumenwiese. Für den Kohlenstoff kannst du vor allem zwei Dinge steuern: dass die Fläche dauerhaft bleibt und dass sie artenreich bleibt.

Mehrjährig anlegen statt jedes Jahr neu

Eine mehrjährige Garten-Blühmischung kann 10 Jahre und länger auf derselben Fläche bestehen. Einjährige Sommerblumenflächen werden dagegen im Spätherbst gemäht und im Frühjahr neu angelegt, der Boden wird dafür vor der Aussaat umgebrochen. Die Modellzahl für den Bodenzuwachs gilt für dauerhaft erhaltene Streifen; einer Fläche, die jedes Frühjahr umgebrochen wird, fehlt genau diese Voraussetzung. Prüf beim Kauf deshalb Artenliste, Lebensdauer und Standortangaben. Dass auf der Tüte Wildblumenmischung steht, heißt noch nicht, dass heimische Wiesenarten darin sind.

Auch beim Aufwand liegt die dauerhafte Fläche vorn. Für mehrjährige Garten-Blühmischungen werden etwa 1 bis 2 Minuten Pflege je m² und Jahr angegeben. Einjährige Mischungen liegen bei etwa 5 bis 8 Minuten. Mehr zum Pflegeaufwand steht im oben verlinkten Wildblumen-Überblick.

Mager halten: kein Dünger, Mähgut abräumen

Gedüngt wird eine dauerhafte, artenreiche Blumenwiese nicht routinemäßig, und auch Kompost kommt vor der Aussaat nicht in den Boden. Dünger würde die konkurrenzstarken Gräser zusätzlich fördern. Auch die Wiesen-Margerite kann durch Düngung aus dem Bestand verdrängt werden.

Mythos-Check

„Mit Kompost baut die Wiese mehr Humus auf und speichert mehr CO2.“ Kompost ist wie Stallmist ein Dünger und kann bei zu hohen Gaben Nährstoffe anreichern. Für eine dauerhafte Blumenwiese wird der Boden deshalb vor der Aussaat nicht damit angereichert. Und selbst wenn mehr Kohlenstoff im Boden landet: Wird er nur von einer Fläche auf eine andere verlagert, ist für das Klima nichts gewonnen.

Bei der Mahd gilt dasselbe Ziel. Das Mähgut wird nach kurzem Antrocknen abgeräumt, weil liegen gelassenes Material eine Filzschicht bildet. Mit dem Mähgut verlässt zwar Biomasse die Fläche. Liegen gelassen würde es aber als Mulchschicht düngen, und Dünger fördert genau die konkurrenzstarken Gräser. Ich lasse das Mähgut kurz antrocknen und räume es dann vollständig von der Fläche.

Auf wüchsigen Standorten kann regelmäßiges Abräumen bei nicht zu spätem Schnitt eine Abmagerung bewirken. Rechne dafür mit 5 bis 10 Jahren, ein sicheres Ergebnis ist es nicht. Wie oft und wann du mähst, hängt an Standort und Wüchsigkeit; Termine und Schnitthöhe findest du im Grundlagenteil zum Mähen und zur Pflege im Jahreslauf.

Wie wird die CO2-Speicherung gemessen?

Bodenkohlenstoff bestimmen lassen

Wie viel Kohlenstoff im Boden deiner Wiese steckt, zeigt eine Bodenmessung. Für den Vorrat werden vier Größen gebraucht: Kohlenstoffgehalt, Trockenrohdichte, Steinanteil und Beprobungstiefe. Erst zusammen ergeben sie, wie viel Kohlenstoff in einer bestimmten Bodenschicht liegt. Ein Gehalt allein reicht dafür nicht.

Für den Garten ist eine Bodenanalyse im Labor der praktische Einstieg. Sie erfasst standardmäßig Phosphat, Kalium und den pH-Wert und lässt sich um den Humusgehalt ergänzen. Für eine Vorratsberechnung fragst du zusätzlich nach Kohlenstoffgehalt, Trockenrohdichte und Steinanteil und hältst die Beprobungstiefe fest. Ob sich im Boden etwas verändert, zeigen erst Wiederholungsproben. Sinnvoll sind sie frühestens nach 3 bis 5 Jahren. Ich nehme die Wiederholungsprobe an denselben Stellen und aus derselben Tiefe wie die erste.

Tipp

Lass die erste Analyse vor der Aussaat machen. Dann hast du einen Ausgangswert, mit dem du jede spätere Probe vergleichen kannst.

Die Wiese über die Jahre beobachten

Kohlenstoff siehst du einer Wiese nicht an, ihre Zusammensetzung schon. Das Erscheinungsbild ändert sich im Jahresverlauf und auch von Jahr zu Jahr. Wird eine etablierte Wiese zu selten gemäht, können sich auf Dauer die Gräser durchsetzen, und die Blütenvielfalt kann abnehmen. Im Feldversuch begünstigten Pflanzenvielfalt und Produktivität die mineralgebundene organische Substanz. Wer die Vielfalt seiner Wiese beobachtet, behält also eine Größe im Blick, die auch für den Boden zählt.

Bei einer heimischen Blumenwiese liegt die Hauptblüte häufig im Frühsommer, etwa im Mai und Juni. Ich notiere jedes Jahr zur Hauptblüte, welche Arten blühen und wo sich Gras breitmacht.

CO2-Zertifikate: Wann der Kohlenstoff einer Wiese zählt

Mit Humus lässt sich CO2 nur dann kompensieren, wenn die Speicherung zusätzlich ist und dauerhaft erhalten bleibt. Wandert Kohlenstoff bloß von einer Fläche auf eine andere, entsteht kein Klimanutzen. In die Bilanz gehören außerdem die Treibhausgase, die durch die Maßnahme selbst entstehen, etwa durch Kraftstoffverbrauch und Lachgas. Bei einer Wiese zählt dazu jeder Mähgang mit einem Motorgerät.

Mini-Checkliste

Bevor du deine Wiese als Klimaschutz verbuchst, geh diese Fragen durch. Ist der Kohlenstoff zusätzlich gespeichert und nicht nur verlagert? Bleibt die Fläche dauerhaft erhalten? Sind Nebenemissionen wie Kraftstoff und Lachgas eingerechnet? Gibt es einen gemessenen Ausgangswert und eine Wiederholungsprobe nach frühestens 3 bis 5 Jahren?

Was eine Blumenwiese außer Kohlenstoff leistet

Kohlenstoff ist nur ein Teil dessen, was eine Wiese leistet. Was sie Insekten bietet und warum Städte Blühflächen anlegen, findest du im Beitrag über den Wert von Blumenwiesen für Artenvielfalt und Stadtnatur. Für ein Wiesenprojekt auf öffentlicher Fläche brauchst du vorher die Zustimmung des zuständigen Grünflächenamts. Planst du die Wiese als Schulprojekt, muss die Betreuung auch an Wochenenden und in den Ferien organisiert sein.

Bewachsener Boden kann durch Verdunstung die unmittelbare Umgebung kühlen; wie eine Wiese Regenwasser aufnimmt und hält, steht in einem eigenen Beitrag. Pflanzenoberflächen können Staub aufnehmen, eine höhere Ablagerung heißt aber nicht automatisch sauberere Luft; mehr dazu unter wie Blumenwiesen Staub und Schadstoffe aus der Luft filtern. Hitze und Trockenheit können Blüten schneller verblühen lassen und das Angebot an Pollen und Nektar verringern. Wie du Blumenwiesen an Hitze und Trockenheit anpasst, zeigt der Beitrag zum Klimawandel.

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Häufige Fragen

Wie viel CO2 können Blumenwiesen im Vergleich zu herkömmlichen Rasenflächen speichern?
Auf 120 untersuchten Grünflächen des Gießener Campus hatten Wildblumenwiesen höhere Bodenkohlenstoffvorräte als kurz geschnittene Rasenflächen. Einen festen Faktor liefert dieser Vergleich nicht, weil auch die frühere Nutzung der Flächen den Vorrat beeinflusste. Wie groß der Unterschied auf deiner eigenen Fläche ist, zeigt eine Bodenprobe mit Wiederholung frühestens nach 3 bis 5 Jahren.
Welche Langzeiteffekte haben Blumenwiesen auf die Speicherung von Bodenkohlenstoff?
Für dauerhaft erhaltene Ackerblühstreifen ergab eine Modellrechnung im Mittel einen jährlichen Bodenzuwachs von rund 1,8 t CO2 je Hektar. Gemittelt wurde dabei über 20 Jahre. Als Klimaschutz anrechnen lässt sich Humus aber nur, wenn die zusätzliche Speicherung dauerhaft erhalten bleibt. Ob der Bodenvorrat tatsächlich wächst, zeigen Wiederholungsproben, die frühestens nach 3 bis 5 Jahren sinnvoll sind.
Wie wirkt sich die Humusbildung in Naturwiesen auf die langfristige Kohlenstoffspeicherung aus?
Aus abgestorbenen Pflanzenteilen kann Humus entstehen, und darin steckt Kohlenstoff, den die Pflanzen zuvor als CO2 aus der Luft geholt haben. In einem Feldversuch im Grünland mit eingebrachten Bodenmineralen begünstigten Pflanzenvielfalt und Produktivität die Bildung mineralgebundener organischer Substanz. Wie viel davon entstand, hing wesentlich von der Art des Minerals ab. Eine feste Speichermenge für eine bestimmte Wiese lässt sich daraus nicht ableiten.
Welchen Einfluss hat die Photosynthese auf die CO2-Aufnahme in artenreichen Wiesen?
Über die Photosynthese nehmen Pflanzen CO2 aus der Luft auf und binden den Kohlenstoff in ihrer Biomasse. Aufnahme ist aber noch keine Speicherung, denn über die Bodenatmung gelangt wieder CO2 in die Luft. Im Münchner CO2-Flussmodell lag die Bodenatmung von Grasflächen über der Photosynthese, sodass sie im Jahresmittel als Quelle wirkten. Ob eine Wiese unterm Strich Kohlenstoff gewinnt, zeigt erst der Bodenvorrat im Vergleich über die Jahre.
Welche Rolle spielt die Kohlenstoffbindung in Blumenwiesen für den natürlichen Klimaschutz?
Eine Wiese trägt zum Klimaschutz bei, wenn sie zusätzlichen Kohlenstoff im Boden aufbaut und dieser dauerhaft dort bleibt. Wird Kohlenstoff nur von einer Fläche auf eine andere verlagert, entsteht kein Klimanutzen. In die Bilanz gehören außerdem zusätzliche Treibhausgase, etwa aus Kraftstoffverbrauch und Lachgas.
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