Löwenzahn und Bodenqualität: Was die Zeigerpflanze anzeigt und was nicht
- Gut gedeihender Löwenzahn kann auf einen stickstoffreichen Boden hinweisen, ein Messwert ist das nicht.
- Größere Bestände und mehrere Zeigerpflanzen am selben Standort sagen mehr über den Boden als eine einzelne Pflanze.
- Stickstoff und Schwermetalle prüft die übliche Gartenbodenuntersuchung nur, wenn du diese Analysen zusätzlich beauftragst.
- Blattflecken und Staub auf Löwenzahnblättern sind Hinweise, aber kein Messwert für die Luft.
- Als phänologischer Blühbeginn zählt die erste vollständige Entfaltung der Blütenkörbe, Nachblüten im selben Jahr zählen nicht.

Steht der Löwenzahn in einer Ecke deines Gartens dicht und kräftig, kann das auf einen stickstoffreichen Boden hinweisen. Ein Messwert ist das nicht, wohl aber ein guter Anlass für eine BodenprobeEine Bodenanalyse ist die Laboruntersuchung einer Bodenprobe, die du aus vielen Einstichen einer Fläche zusammenmischst. Sie zeigt, welche Nährstoffe im Boden stecken und wie viel Kalk er braucht, und ist die Grundlage für bedarfsgerechtes Düngen.. Ich lese den Löwenzahn als ersten Hinweis und prüfe ihn anschließend im Labor nach. Bei Luft und Klima ist seine Aussage noch enger begrenzt.
Was zeigt Löwenzahn über die Bodenqualität an?
Gut gedeihender Löwenzahn kann auf einen stickstoffreichen Boden hinweisen. Ein größerer Bestand sagt dabei mehr als ein einzelnes Exemplar am Wegrand. Wenn ich eine Fläche einschätze, schaue ich deshalb zuerst, ob der Löwenzahn dort flächig wächst oder nur vereinzelt.
Eine Zeigerpflanze ist eine Art, deren Vorkommen oder Wuchs Hinweise auf die Bedingungen an ihrem Standort gibt. Allgemeiner spricht man von Bioindikatoren, wenn Lebewesen Auskunft über den Zustand ihrer Umwelt geben. Die Anzeige bleibt ein Hinweis und ersetzt keine Messung.
Danach lohnt der Blick auf die Nachbarn. Mehrere unterschiedliche Zeigerpflanzen am gleichen Standort erlauben eine genauere Einschätzung des Bodens als eine einzelne Art. In der Wiese ist der Klappertopf ein Beispiel, denn Klappertopf-Arten kommen besonders in wenig gedüngten Wiesen mit später erster Mahd vor. Wächst er neben kräftigem Löwenzahn, weisen die beiden Hinweise in verschiedene Richtungen, und der Laborwert wird umso wichtiger.
Für pH-Wert, BodenartDie Bodenart beschreibt, wie grob oder fein die Körner eines Bodens sind, und bestimmt mit, wie gut er Wasser und Nährstoffe hält. Man unterscheidet Sand, Schluff und Ton, Lehm ist eine Mischung aus allen dreien. und Schadstoffe verlasse ich mich nicht auf den Löwenzahn. Dafür nehme ich die Bodenprobe und für die Bodenart zusätzlich die Fingerprobe.
Beobachtung und Deutung im Überblick
| Was du siehst | Was es heißen kann | So prüfst du nach |
|---|---|---|
| Löwenzahn steht dicht und kräftig | Hinweis auf einen stickstoffreichen Boden | Bodenprobe mit zusätzlich beauftragter Stickstoffanalyse |
| Löwenzahn wächst nur vereinzelt | wenig aussagekräftig | größere Bestände und weitere Zeigerpflanzen ansehen |
| Löwenzahn bleibt im Schatten schwach | kann am Licht liegen, nicht zwingend am Boden | mit einer sonnigen Fläche gleicher Nutzung vergleichen |
| Klappertopf wächst in der Wiese | kommt besonders in wenig gedüngten Wiesen mit später erster Mahd vor | mit Löwenzahn-Notiz und Laborwert abgleichen |
| Flecken oder Verfärbungen am Blatt | Hinweis mit vielen möglichen Ursachen | als Beobachtung notieren, nicht als Befund |
| erster vollständig entfalteter Blütenkorb | phänologischer Blühbeginn | Datum jedes Jahr an derselben Stelle notieren |
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Wie prüfst du den Hinweis im eigenen Garten nach?
Ich gehe meine Flächen der Reihe nach ab und trenne sie nach Nutzung: Rasen, Wiese, Gemüsebeet. Für jede Fläche halte ich fest, wie dicht der Löwenzahn steht und was daneben wächst. Erst dann entscheide ich, wo ich eine Probe ziehe.
So gehst du vor:
- Teile deinen Garten in Flächen mit einheitlicher Nutzung ein.
- Notiere je Fläche, wie dicht und kräftig der Löwenzahn wächst und welche Pflanzen ihn begleiten.
- Werte nur Pflanzen, die von selbst aufgekommen sind.
- Nimm für jede einheitlich genutzte Fläche eine eigene MischprobeEine Mischprobe ist eine Bodenprobe, die aus Erde von mehreren Stellen derselben Fläche zusammengemischt wird. So zeigt die Untersuchung im Labor den Zustand der ganzen Fläche und nicht nur den einer einzelnen Stelle..
- Gib die Probe mit dem passenden Analyseauftrag ins Labor.
Für eine repräsentative Bodenprobe mischst du je einheitlich genutzter Gartenfläche 10 bis 15 gleichmäßig verteilte Einstiche.
Eine Gartenbodenanalyse erfasst standardmäßig Phosphat, KaliumKalium ist neben Stickstoff und Phosphor einer der wichtigsten Pflanzennährstoffe. Es regelt den Wasserhaushalt der Pflanze, festigt ihr Gewebe und macht sie widerstandsfähiger gegen Frost sowie Schaderreger wie Pilze und Insekten. und den pH-Wert. Auf Wunsch lässt sie sich um den HumusgehaltHumus ist die tote organische Substanz im Boden. Er entsteht, wenn Bodenlebewesen abgestorbene Pflanzenteile, tote Tiere und Pilze zersetzen; der Humusgehalt gibt an, wie viel davon ein Boden enthält. ergänzen. Analysen auf Stickstoff und Schwermetalle musst du bei der üblichen Untersuchung dagegen zusätzlich beauftragen. Kräftiger Löwenzahn deutet also ausgerechnet auf den Wert hin, den das Standardpaket nicht enthält: Bestell die Stickstoffanalyse ausdrücklich mit, wenn du seinen Hinweis prüfen willst.
Die Bodenart schätzt du ohne Labor mit der Fingerprobe grob ein. Das klappt an feuchtem, nicht nassem Feinboden.
Einstiche aus Rasen und Gemüsebeet landen im selben Eimer. Die Mischprobe steht aber nur für eine einheitlich genutzte Fläche, deshalb bekommt jede Nutzung ihre eigene Probe.
Denk bei der Deutung an deine eigenen Gaben. Auch Kompost und StallmistStallmist ist ein Wirtschaftsdünger aus der Tierhaltung, etwa von Rindern oder Pferden, bei dem der Dung der Tiere meist mit Einstreu vermischt ist. Er verbessert den Boden und liefert zugleich reichlich Nährstoffe. sind Dünger und können bei zu hohen Gaben zur Nährstoffanreicherung beitragen. Notiere deshalb zu jeder Fläche, was du dort ausgebracht hast.
Kann Löwenzahn Schwermetalle im Boden anzeigen?
Ob dein Boden mit Schwermetallen belastet ist, lese ich nicht an Blättern oder Wuchs des Löwenzahns ab. Auskunft darüber gibt die Laboranalyse, und die musst du bei der üblichen Gartenbodenuntersuchung eigens beauftragen. Ein üppiger oder ein kümmerlicher Löwenzahn ersetzt diesen Wert nicht. Hast du einen Verdacht, etwa wegen einer früheren Nutzung der Fläche, gehört die Schwermetallanalyse von Anfang an in den Auftrag.
Sagt Löwenzahn etwas über die Luft?
Ich nutze den Löwenzahn im Garten nicht als Messgerät für die Luft. Pflanzen nehmen Ozon über ihre Spaltöffnungen auf. Der Vorgang ist an PhotosynthesePhotosynthese ist der Vorgang, bei dem grüne Pflanzen mithilfe von Sonnenlicht aus Wasser und Kohlenstoffdioxid Zucker und Stärke herstellen. Als Nebenprodukt entsteht Sauerstoff, den sie an die Luft abgeben. und Wasserhaushalt gekoppelt, und Ozon kann die Pflanzen schädigen. Flecken oder Verfärbungen an Löwenzahnblättern können trotzdem viele Ursachen haben. Ich notiere sie deshalb als Beobachtung, nicht als Befund über die Luft.
Beim Staub ist es ähnlich. Pflanzenoberflächen können Staubpartikel aufnehmen, doch Wiederaufwirbelung vermindert die Menge, die dauerhaft liegen bleibt. Die Staubschicht auf einem Blatt ist deshalb eine Momentaufnahme und kein Messwert für die Luft an deinem Gartenzaun.
„Löwenzahn am Straßenrand reinigt die Luft.“ Pflanzen nehmen zwar Staubpartikel auf. Eine höhere Partikelablagerung auf Vegetation erlaubt aber keinen direkten Rückschluss darauf, dass die Schadstoffkonzentration in der Umgebungsluft abnimmt.
Was zeigt die Löwenzahnblüte über Witterung und Klima?
Phänologische Beobachtungen erfassen, wann wiederkehrende Entwicklungsstadien wie Austrieb, Blüte und Fruchtreife eintreten. Beim Löwenzahn gilt als Blühbeginn die erste vollständige Entfaltung der Blütenkörbe. Er kann im selben Jahr erneut blühen. Diese Nachblüten zählen aber nicht als phänologischer Blühbeginn.
Witterung und Klima beeinflussen die Entwicklung der Pflanzen und damit ihre Blühtermine. Die Entwicklungsphasen von Wildpflanzen reagieren dabei auf längerfristige Witterungsverläufe. Dadurch kann sich auch das zeitliche Zusammenspiel mit Bestäubern verändern.
Ich notiere jedes Frühjahr an derselben Stelle das Datum, an dem sich der erste Blütenkorb vollständig öffnet. Ein einzelnes Datum spiegelt vor allem die Witterung dieses Frühjahrs. Über längerfristige Verläufe gibt erst eine Reihe aus vielen Jahren Auskunft.
jedes Jahr dieselbe Stelle, nur von selbst aufgekommene Pflanzen, das Datum des ersten vollständig entfalteten Blütenkorbs, Nachblüten getrennt vermerken.
Wo liegen die Grenzen der Anzeige?
Schon der Name ist ungenau. Hinter dem vertrauten Löwenzahn verbergen sich zahlreiche sehr ähnliche Kleinarten. Was du als Gewöhnlichen Löwenzahn notierst, oft als Taraxacum officinale geführt, ist also meist eine Gruppe und keine einzelne Art.
Auch der Standort spielt mit. Für den Gewöhnlichen Löwenzahn sind sonnige Lagen angegeben, teils auch HalbschattenHalbschatten nennt man einen Standort, an den die Sonne nur einen Teil des Tages direkt scheint, bis zu etwa vier Stunden. Typisch sind die Ost- und Westseite von Gebäuden und Mauern oder Plätze unter Bäumen mit dichter Krone., dazu ein frischer Boden. Bleibt er im tiefen Schatten oder auf trockenem Boden schwach, kann das am Licht oder am Wasser liegen statt an wenig Stickstoff.
Dann zählt, wie die Pflanze an ihren Platz kam. Einen Kultur-Löwenzahn, den du selbst gesät hast, werte ich nicht als Zeiger. Ich nehme nur Pflanzen, die von selbst aufgekommen sind.
Und jeder Hinweis bleibt ein Hinweis. Eine Zeigerpflanze ersetzt keine Bodenuntersuchung, sie zeigt dir aber, wo sich eine lohnt.
Ich trage meine Löwenzahn-Notizen und die Laborwerte für jede Fläche nebeneinander in ein Heft ein. Dann sehe ich auf einer Seite, wo Hinweis und Messwert zusammenpassen und wo nicht.
Was fängst du mit dem Ergebnis an?
Planst du auf der Fläche eine Blumenwiese, sollte die Saatgutmischung zum vorhandenen Boden passen, auch wenn er nährstoffreich ist. Auf wüchsigen Wiesenstandorten kann regelmäßiges Abräumen des Mähguts bei nicht zu spätem Schnitt innerhalb von 5 bis 10 Jahren eine Abmagerung bewirken. Wie du dabei vorgehst, steht im Ratgeber-Abschnitt dazu, wie du Standort und Boden für Wildblumen einschätzt.
In Beeten dient die Standarduntersuchung mit Phosphat, Kalium und Kalkbedarf als Grundlage einer sachgerechten Düngung. Mit diesen Werten im Heft kannst du die Belegung deiner Beete planen.
Willst du Löwenzahn bewusst als Kultur im Beet ziehen, braucht der Kultur-Löwenzahn im Garten keine zusätzliche Düngung. Welche Nachbarn zu ihm passen, siehst du, wenn du Löwenzahn in der Mischkultur-Übersicht nachschlägst.



