Trockenrasen: Was den mageren Sonnenstandort ausmacht und was ihn erhält
- Trockenrasen entstehen an vollsonnigen Standorten auf flachgründigen, trockenen und oft nährstoffarmen Böden.
- Kalkreiche Sandrasen tragen eine niedrige, lückige Vegetation, sandige Trockenrasenböden speichern wenig Wasser.
- Extensive Beweidung hält die Flächen offen, bremst Gehölze und kann offene Bodenstellen schaffen.
- In Deutschland gehören Trockenrasen zu den gesetzlich geschützten Biotopen.
Im Hochsommer sieht ein Trockenrasen oft aus, als hätte ihn jemand vergessen: kurzer, lückiger Bewuchs, dazwischen Sand oder Stein. Wer so eine Stelle im eigenen Garten hat, ist schnell versucht, sie mit Dünger und Gießwasser aufzupäppeln. Genau das kann ihr nehmen, was sie ausmacht. Auf etablierten trockenen, nährstoffarmen Flächen unterstützt nämlich gerade der Verzicht auf Düngung und zusätzliche Bewässerung konkurrenzfähige Wildblumenbestände. Ich schaue mir eine solche Fläche deshalb erst genau an, bevor ich etwas ändere: Wie viel Sonne kommt an, wie flach ist der Boden, wo liegt er offen?
Was ist ein Trockenrasen?
Ein Trockenrasen ist ein Lebensraum, der an vollsonnigen Standorten auf flachgründigen, trockenen und oft nährstoffarmen Böden entsteht. Licht gibt es dort reichlich, Wasser ist knapp, Nährstoffe sind es oft auch.
Wie so eine Fläche aussieht, zeigen die trockenen, kalkreichen Sandrasen, geführt als Lebensraumtyp 6120*. Auf ihren nährstoffarmen, mehr oder weniger basenreichen Sandböden wächst eine niedrige, lückige Vegetation. Zwischen den Pflanzen bleibt also Boden sichtbar.
Extensive Beweidung hält Trockenrasen offen und begrenzt das Aufkommen von Gehölzen. Diese Nutzung gehört deshalb zum Bild dazu, auch wenn man auf den ersten Blick nur karge Natur sieht.
In Deutschland gehören Trockenrasen zu den gesetzlich geschützten Biotopen nach § 30 Absatz 2 Nummer 3 des Bundesnaturschutzgesetzes.
Warum Trockenrasen für die Artenvielfalt zählen
Auf einem Trockenrasen wachsen Arten, die mit viel Sonne, Trockenheit und wenig Nährstoffen zurechtkommen. Ein Beispiel ist die heimische Tauben-Skabiose. Sie wächst in kalkreichen Trocken- und HalbtrockenrasenEin Halbtrockenrasen ist eine spezielle Form des Magerrasens auf ungedüngten Standorten. Er bleibt nur durch Mahd oder Beweidung offen, sonst würde dort Wald wachsen, und ist Lebensraum seltener Tier- und Pflanzenarten. sowie in mäßig trockenen bis wechseltrockenen Wiesen. Ihr botanisches Blühfenster als Wildart reicht von Juli bis November.
Spezialisten unter den Insekten
Heimische Wiesenpflanzen ernähren auch spezialisierte Insekten. Einzelne Scherenbienenarten sammeln ihren Pollen zum Beispiel ausschließlich an Glockenblumen und brauchen diese deshalb im Blütenangebot.
Am Gewöhnlichen Leinkraut sieht man solche Verbindungen gut. Die heimische Pflanze eignet sich für sonnige Plätze mit lockerem, steinig-sandigem Boden, der trocken bis frisch und mäßig nährstoffreich ist. Ihre Blüten sind geschlossen, kräftige Hummeln und andere große Wildbienen öffnen und bestäuben sie. Zugleich dient das Leinkraut den Raupen von Möndcheneule, Goldbrauner Hauhecheleule und Rotem Scheckenfalter als Nahrung.
Offene Bodenstellen für Wildbienen
Offene oder schütter bewachsene Bodenstellen bieten bodennistenden Wildbienen Lebensraum. Der Tritt von Weidetieren kann in Trockenrasen genau solche kleinen Rohbodenstellen schaffen. Wo Weidetiere den Boden freitreten, können also Nistplätze für Wildbienen entstehen.
Insekten, die von heimischen Wildpflanzen leben, sind ihrerseits Nahrung. Sie ernähren unter anderem Vögel, Igel, Amphibien und Reptilien.
Wasserhaushalt: Warum ein Trockenrasen so wenig Wasser hält
Wie viel Wasser Pflanzen aus einem Boden ziehen können, hängt an seinen Poren und an seiner Tiefe. Je nach Größe leiten Bodenporen das Wasser weiter oder speichern es. Sandige Böden halten wenig pflanzenverfügbares Wasser, und die Bodentiefe bestimmt das Speichervolumen mit. Die sandigen Trockenrasenstandorte in Berlin haben entsprechend ein geringes Wasserspeichervermögen.
Auf flachgründigem Sand kommen damit zwei Einschränkungen zusammen: wenig Tiefe für den Speicher und ein Substrat, das ohnehin wenig festhält. Deshalb wird Wasser dort schnell knapp, sobald der Regen ausbleibt.
Die nutzbare Feldkapazität ist die Wassermenge, die ein Boden für Pflanzen verfügbar speichern kann. Sandige Böden halten davon wenig.
Im Garten stoße ich an trockenen Stellen erst mit dem Spaten nach, wie tief die Erde über Stein oder Kies reicht. Danach entscheide ich, was dort wachsen soll.
Was ist mit dem Grundwasser?
Trockenrasen wird oft eine besondere Leistung für die Grundwasserneubildung zugeschrieben. Pauschal lässt sich das nicht halten. Ein Teil des Regenwassers, das in den Boden eindringt, bleibt pflanzenverfügbar gespeichert oder verdunstet wieder, statt das Grundwasser zu erreichen. Wie gut ein Boden Schadstoffe zurückhält, hängt unter anderem von Ton, HumusHumus ist die tote organische Substanz im Boden. Er entsteht, wenn Bodenlebewesen abgestorbene Pflanzenteile, tote Tiere und Pilze zersetzen; der Humusgehalt gibt an, wie viel davon ein Boden enthält. und pH-Wert ab, und diese Kapazität ist begrenzt. Nach starker Trockenheit und extremem Regen können schnelle Sickerwege die natürliche Filterung sogar umgehen und Stoffe aus den oberen Bodenschichten ins Grundwasser tragen.
Klima und Boden: Was Trockenrasen leisten und was nicht
Kohlenstoff im Boden
Pflanzen nehmen CO2 aus der Luft auf und binden den KohlenstoffKohlenstoff ist ein chemisches Element und der Hauptbestandteil des Humus. Pflanzen holen ihn als Kohlendioxid aus der Luft und bilden daraus bei der Photosynthese Zucker. in ihrer Biomasse. Aus abgestorbenen Pflanzenteilen kann Humus entstehen. Im Jena-Graslandexperiment erhöhte eine größere Pflanzenvielfalt den Gehalt an organischem Kohlenstoff im Boden. Auf Grünflächen des Gießener Campus hatten Wildblumenwiesen höhere Bodenkohlenstoffvorräte als kurz geschnittene Rasen, wobei auch die frühere Nutzung mitspielte.
Eine feste Speicherleistung folgt daraus nicht. Im Münchner CO2-Flussmodell waren Grasflächen im Jahresmittel sogar Quellen, weil ihre Bodenatmung die PhotosynthesePhotosynthese ist der Vorgang, bei dem grüne Pflanzen mithilfe von Sonnenlicht aus Wasser und Kohlenstoffdioxid Zucker und Stärke herstellen. Als Nebenprodukt entsteht Sauerstoff, den sie an die Luft abgeben. überstieg.
Kühlung im Sommer
Grünflächen kühlen ihre Umgebung, weil Boden und Pflanzen Wasser verdunsten und dieser Übergang Wärmeenergie braucht. Diese Verdunstungskühlung setzt aber eine ausreichende Wasserversorgung voraus. Ein Trockenrasen mit geringem Wasserspeichervermögen kann deshalb gerade an heißen, trockenen Tagen wenig über Verdunstung kühlen. Gegenüber dunklem Asphalt hat er trotzdem einen Vorteil: Grünflächen reflektieren mehr Sonnenstrahlung und speichern tagsüber weniger Wärme.
Schutz vor Erosion
Am Hang hält die Pflanzendecke den Boden fest. Eine Bodenbedeckung ab etwa 30 % wirkt Wassererosion entgegen, eine feste Schutzleistung für eine bestimmte Pflanzendecke ergibt sich daraus aber nicht. Fein verzweigte Wurzeln stabilisieren die Bodenkrümel. Nach ihrem Abbau hinterlassen sie Kanäle, durch die Luft und Wasser in den Boden gelangen.
„Trockenrasen sind natürliche Klimaanlagen und große CO2-Speicher.“ So pauschal stimmt das nicht. Verdunstung kühlt nur, wenn genug Wasser da ist, und Grasflächen können im Jahresmittel mehr CO2 abgeben als aufnehmen. Ihr Wert liegt in den Arten, die auf solchen Standorten leben, nicht in einer pauschalen Klimaleistung.
Was Trockenrasen gefährdet
Gehölze und Schatten
Das Frühlings-Adonisröschen zeigt stickstoffarme bis sehr stickstoffarme Standorte an und reagiert empfindlich auf Beschattung. Nimmt der Gehölzbewuchs zu, kann es erst die Blüte einstellen und später verschwinden. Extensive Beweidung begrenzt das Aufkommen von Gehölzen. Endet sie, können lichtbedürftige Arten wie das Adonisröschen also ihren Platz verlieren. Auch die Wegwarte verträgt es auf Dauer schlecht, von Gräsern oder Gebüschen überwachsen zu werden.
Das Frühlings-Adonisröschen ist giftig. Sein Kraut enthält herzwirksame Steroidglykoside.
Zu viele Nährstoffe
Zu hohe Gaben schnell verfügbaren Stickstoffs fördern Gräser und hochwüchsige Kräuter, die niedrigwüchsige Wiesenkräuter verdrängen. Auch Kompost und StallmistStallmist ist ein Wirtschaftsdünger aus der Tierhaltung, etwa von Rindern oder Pferden, bei dem der Dung der Tiere meist mit Einstreu vermischt ist. Er verbessert den Boden und liefert zugleich reichlich Nährstoffe. sind Dünger und können bei zu hohen Gaben Nährstoffe anreichern. Auf einer mageren, artenreichen Blumenwiese verzichtet man deshalb auf Düngung, damit konkurrenzstarke Gräser keinen zusätzlichen Schub bekommen.
Belastungen für Insekten und Blüten
Für Insekten gehören Lebensraumverlust, Strukturverarmung, Zerschneidung und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu den Belastungen. Hitze und Trockenheit können Blüten zudem schneller verblühen lassen und das Pollen- und Nektarangebot verringern. Die Entwicklung von Wildpflanzen reagiert auf längere Witterungsverläufe. Dadurch kann sich auch das zeitliche Zusammenspiel mit ihren Bestäubern verändern.
Wie Trockenrasen geschützt und gepflegt werden
Extensive Beweidung hält Trockenrasen offen, bremst Gehölze und kann mit dem Tritt der Tiere offene Bodenstellen schaffen. Wo stattdessen gemäht wird, kommt es auf die Staffelung an. Die Berliner Ansaatanleitung empfiehlt für Magerrasen, Teilflächen mit 2 bis 4 Wochen Abstand zu mähen. Ungemähte Altgrasstreifen bieten während der Mahd Rückzugsräume und können Nist- und Überwinterungsstrukturen erhalten. Das Schnittgut wird vollständig abgeräumt, denn so entzieht die Mahd der Fläche allmählich Nährstoffe.
Wenn ich an einem Trockenrasen unterwegs bin, nehme ich weder Samen noch Pflanzen mit. Ich fotografiere, was blüht, und bestimme es zu Hause in Ruhe.
Renaturierung: Wie verarmte Flächen wieder zu Trockenrasen werden
Vor einer Neuansaat sollte geprüft werden, ob sich die vorhandene Fläche durch angepasste extensive Pflege oder Selbstbegrünung ökologisch aufwerten lässt. Erst danach geht es um Saatgut und Pflanzen.
Nährstoffe abbauen braucht Geduld
Regelmäßige Mahd mit vollständigem Abräumen des Schnittguts entzieht einer Fläche allmählich Nährstoffe. Auf wüchsigen Wiesenstandorten kann das bei nicht zu spätem Schnitt innerhalb von 5 bis 10 Jahren eine Abmagerung bewirken, garantiert ist das aber nicht.
Neophyten von Hand zurückdrängen
Kleine Bestände der Riesen-Goldrute lassen sich über mehrere Jahre wiederholt von Hand entfernen. Den Boden verletzt man dabei so wenig wie möglich, weil Bodenverletzungen die Keimlinge fördern.
Samen sammeln, anziehen, auspflanzen
Im Projekt LIFE Trockenrasen werden gesammelte Samen im Botanischen Garten Potsdam angezogen. Die Jungpflanzen kommen anschließend an geeignete Standorte, und Vegetationserfassungen kontrollieren die Wiederansiedlungen. Saatgutbanken ergänzen diesen Schutz der Pflanzen an ihren natürlichen Standorten. Die Dahlemer Saatgutbank entnimmt bei Wildsammlungen höchstens 20 % der Samenmenge, die zum Erntezeitpunkt verfügbar ist. Bei geschützten Pflanzen oder in Naturschutzgebieten braucht eine Sammlung für eine Saatgutbank eine behördliche Genehmigung.
Die Herkunft zählt
Gebietseigenes Pflanzenmaterial stammt aus einheimischen Populationen, die sich über viele Generationen im jeweiligen Naturraum vermehrt haben. Regionale Herkünfte derselben Art können sich im Blühzeitpunkt und in ihrer Widerstandskraft gegen Frost oder Hitze unterscheiden. Auch extensiv genutzte Flächen innerhalb von Siedlungen können zur freien Natur gehören, dann sind die Anforderungen an gebietseigene Herkünfte im Einzelfall zu prüfen.
An erosionsgefährdeten Steilhängen wird die vorhandene GrasnarbeDie Grasnarbe ist die zusammenhängende Pflanzendecke, die Gräser auf Wiesen, Weiden und Rasenflächen bilden. Ist sie dicht, hält die Fläche Tritt gut aus und Unkräuter finden kaum Platz. für eine Wildblumenansaat nur streifenweise oder punktuell geöffnet.
Ein Stück Trockenrasen im eigenen Garten
Einen gewachsenen Trockenrasen kannst du nicht einfach nachbauen. Du kannst aber an deiner sonnigsten, magersten Stelle einige seiner Bedingungen aufgreifen.
Ist so eine Fläche etabliert, braucht sie im Sommer normalerweise kein zusätzliches Wasser, und Dünger bekommt sie nicht. Auf nährstoffarmen, durchlässigen und trockenen Flächen kann eine einzige Mahd im Herbst ausreichen, etwa Mitte bis Ende September. Wie du eine magere Blumenwiese mähst und das Mähgut abräumst, erklärt der Wildblumen-Ratgeber ausführlich.
Beim Saatgut garantiert die Bezeichnung Wildblumenmischung allein keine heimischen Arten, also prüfst du Artenliste, Lebensdauer und Standortangaben. Für gebietseigenes Saatgut ist Deutschland in 22 Ursprungsgebiete eingeteilt, die du mit deiner Region abgleichst. Ein Hausgarten zählt grundsätzlich nicht zur freien Natur im Sinne von § 40 BNatSchG, maßgeblich bleibt aber die tatsächliche Zuordnung der Fläche.
Pflanzen für sonnige, trockene Plätze
Die Tauben-Skabiose wächst selbst in Trockenrasen. Die anderen Arten in der Tabelle passen zu trockenen, sonnigen Standorten.
| Art | Standort | Gut zu wissen |
|---|---|---|
| Tauben-Skabiose, heimisch | kalkreiche Trocken- und Halbtrockenrasen, mäßig trockene bis wechseltrockene Wiesen | Die Wildart blüht botanisch von Juli bis November. |
| Gewöhnliches Leinkraut, heimisch | sonnig, locker, steinig-sandig, trocken bis frisch, mäßig nährstoffreich | mehrjährigMehrjährige oder ausdauernde Pflanzen leben mehrere Jahre und überstehen den Winter mit Überdauerungsorganen, Speicherorganen oder ausgedehnten Wurzeln. Krautige Mehrjährige heißen Stauden, auch Zwiebel- und Knollenpflanzen gehören dazu., breitet sich durch AusläuferAusläufer sind Triebe, an denen eine Pflanze wie die Erdbeere aufgereihte Jungpflanzen bildet. Diese bewurzeln sich und lassen sich abtrennen, so vermehrt sich die Pflanze vegetativ, also ohne Samen. aus; Hummeln öffnen die geschlossenen Blüten |
| Wegwarte | nährstoffarme, durchlässige Böden | Ein Blütenköpfchen öffnet sich nur an einem Tag. |
| Wiesen-Witwenblume, Taubenkropf-Leimkraut, Wilde Möhre, alle heimisch | trockene, sonnige Standorte | Beispiele heimischer Pflanzen für solche Plätze |
Eine Sandstelle für bodennistende Wildbienen
Offene oder schütter bewachsene Bodenstellen ergänzen Röhrennisthilfen um Lebensraum für bodennistende Wildbienen. Im Garten schaffst du so eine Stelle am einfachsten mit einem eingegrabenen Sandarium.
- Heb eine Grube aus, die 40 bis 60 cm tief ist.
- Füll sie mit ungewaschenem Sand, dessen Ton- und Schluffanteil bei 8 bis 30 % liegt.
- Setz blühende Pflanzen in unmittelbarer Nähe, denn Niststrukturen brauchen ein vielfältiges Blütenangebot direkt daneben.
- Schichte daneben bei Bedarf einen Lesesteinhaufen aus unterschiedlich großen Steinen mindestens 0,5 m hoch und lass einige Hohlräume als Nistplätze frei.
- Lass um den Steinhaufen einen unbearbeiteten Pufferstreifen von etwa 50 cm.
Ich frage beim Kauf ausdrücklich nach ungewaschenem Sand und lasse mir den Ton- und Schluffanteil nennen. Die Blühpflanzen setze ich so, dass sie vom Sand aus in Flugweite stehen.





