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Weizengras: Was drinsteckt, was belegt ist und welche Form passt

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 8 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Als Weizengras gelten die jungen grünen Teile der Weizenpflanze, bevor sie typische Ähren ausbildet.
  • In den Handel kommt es unter anderem als gepresster Saft und als Pulver aus getrocknetem, vermahlenem Gras.
  • Die Nährstoffe sind in der Regel nicht höher konzentriert als in frischem Obst und Gemüse.
  • Nur wenige wissenschaftliche Studien bestätigen einen gesundheitlichen Nutzen von Weizen- und Gerstengras.
  • Einen frisch gemixten grünen Smoothie lagerst du möglichst bei höchstens 7 °C und verbrauchst ihn noch am Herstellungstag.
  • Weizen ist ein glutenhaltiges Getreide: Wer Gluten meiden muss, klärt den Verzehr vorher ärztlich ab.

Vor dem Regal mit grünen Pulvern, Kapseln und Saft-Shots wirkt Weizengras wie ein Lebensmittel, das alles kann. Die Vorderseite der Packung verspricht viel, belegt ist davon wenig. Ich drehe deshalb jede Packung zuerst um und lese Zutatenliste und Nährwerttabelle, bevor ich sie kaufe.

Die kurze Antwort: Weizengras ist junges Weizengrün, das unter anderem als Saft und als Pulver verkauft wird. Seine Nährstoffe sind in der Regel nicht höher konzentriert als in frischem Obst und Gemüse. Als grüne Zutat kannst du es trotzdem gut nutzen, wenn du die Regeln für rohes Grün kennst.

Was ist Weizengras?

Als Weizengras gelten die jungen grünen Teile der Weizenpflanze, solange sie noch keine typischen Ähren ausgebildet hat. Du nutzt also das Blattgrün und nicht das reife Korn, aus dem Mehl gemahlen wird. Im Handel findest du es unter anderem als gepressten Saft und als Pulver aus getrocknetem, vermahlenem Gras.

Weizensprosse oder Weizengras: Was ist der Unterschied?

Aus demselben Korn entstehen zwei verschiedene Lebensmittel. Bei der Sprosse erntest du die junge Pflanze mit Saatkorn und Wurzel. Beim Gras schneidest du nur die grünen Halme, Korn und Wurzel bleiben zurück.

Stufe Was du erntest Zeitpunkt in einer Weizenkultur
Weizensprosse junge Pflanze mit Saatkorn und Wurzel nach zwei bis drei Tagen
Weizengras grüne Halme zum Schnitt nach zehn bis zwölf Tagen

Die Zeiten gelten für eine bestimmte Weizenkultur, andere Anzuchtsysteme nennen eigene Werte. In der Küche zählt der Unterschied, weil für Sprossen eine feste Regel gilt.

Achtung

Weizensprossen isst du wie alle Sprossen nur vollständig durcherhitzt, auch aus eigener Anzucht. Gegen bakterielle Krankheitserreger braucht es dabei mindestens 70 °C für mindestens 2 Minuten an allen Stellen des Lebensmittels.

Was steckt in Weizengras?

Eine Nährwerttabelle, die für jedes Weizengras gilt, gibt es nicht. Was im Gras steckt, hängt von Boden, Erntemethode und Weiterverarbeitung ab. Frisch gepresster Saft, getrocknetes Pulver und eine Kapsel können sich deshalb unterscheiden, auch wenn auf allen Weizengras steht.

Nährstofftabellen arbeiten außerdem mit Durchschnittswerten aus Laboruntersuchungen, Datenbanken, Literatur und Berechnungen. Wenn schon der Tabellenwert ein Mittel ist und das einzelne Gras mit Boden und Verarbeitung schwankt, sagt eine einzelne Werbezahl wenig über dein Produkt. Aussagekräftiger ist die Nährwertangabe auf der Packung, die vor dir steht.

Vitamine und Mineralstoffe

Weizengras enthält Vitamine und Mineralstoffe, wie andere grüne Pflanzen auch. Höher konzentriert als in frischem Obst und Gemüse sind sie in der Regel aber nicht, und das gilt für Gerstengras genauso. Vergleiche, nach denen das Gras eine Orange oder ein Steak übertrifft, übernehme ich deshalb nicht.

Chlorophyll

Chlorophyll ist der grüne Blattfarbstoff. Er bildet sich nur mit Licht, denn ohne Licht entwickeln Grünsprossen und Microgreens keine grünen Pflanzenteile. Du findest ihn in jedem grünen Blatt, von Spinat bis Petersilie. Eine Besonderheit von Weizengras ist Chlorophyll also nicht.

Enzyme

Enzyme arbeiten als Biokatalysatoren, sie setzen also Stoffwechselreaktionen in Gang. Bei der Keimung sind sie beteiligt, wenn Nährstoffe neu gebildet und andere Stoffe um- oder abgebaut werden. Solche Enzyme kommen in jeder lebenden Pflanze vor, nicht nur im Weizengras.

Eiweiß und Vitamin B12

Steht auf einem Pulver die Angabe Proteinquelle, ist sie an eine Schwelle gebunden. Mindestens 12 % des Energiegehalts müssen dann aus Proteinen stammen.

Mythos-Check

„Weizengras liefert Vitamin B12.“ Verlass dich nicht darauf. Wer sich rein pflanzlich ernährt, hat keine natürliche Vitamin-B12-Quelle, und Weizengras ist ein pflanzliches Lebensmittel.

Was ist zum gesundheitlichen Nutzen belegt?

Weizengras wird mit großen Versprechen verkauft, von mehr Energie bis zur Entgiftung. Gesichert ist davon wenig: Nur wenige wissenschaftliche Studien bestätigen einen gesundheitlichen Nutzen von Weizen- und Gerstengras.

Häufig wird mit gemessenen Inhaltsstoffen argumentiert. Solche Analysen gibt es auch für anderes Junggrün: Bei Microgreens werden Vitaminmengen und Inhaltsstoffprofile untersucht, ohne dass damit eine gesundheitliche Wirkung beim Menschen nachgewiesen ist. Ein gemessener Gehalt ist also noch kein Beleg für einen Effekt.

Weizengras ist ein Lebensmittel und kein Heilmittel. Bei Beschwerden ersetzt es keinen ärztlichen Rat. Ein eigener Ratgeber geht einzeln durch, welche gesundheitlichen Wirkungen Weizengras zugeschrieben werden.

Marias Erfahrung

Ich behandle Weizengras in der Küche wie ein Kraut. Es kommt als grüne Zutat ins Glas, das Gemüse für den Tag plane ich unabhängig davon ein.

Saft, Pulver, Smoothie oder Kapsel: Welche Form passt zu dir?

Die vier Formen unterscheiden sich darin, wie stark das Gras verarbeitet ist. Bei den frischen Formen zählt vor allem die Hygiene, bei den trockenen das Etikett.

Form Was es ist Worauf du achtest
Saft aus frischem Gras gepresst sauber arbeiten, nur die Menge pressen, die du direkt trinkst
Pulver getrocknetes, vermahlenes Gras Zutatenliste und Nährwerttabelle lesen
Smoothie frisches Gras oder Pulver, mit Obst und Gemüse gemixt kalt stellen, am Herstellungstag verbrauchen
Kapsel Pulver in dosierter Form Verzehrempfehlung auf der Packung einhalten

Saft

Für Saft wird das frische Gras gepresst und nicht erhitzt. Du trinkst also ein rohes Lebensmittel, und entsprechend sauber sollten Hände, Schere und Presse sein. Der Geschmack ist grasig und für viele gewöhnungsbedürftig. Ich presse nur die Menge, die direkt getrunken wird, und reinige die Presse danach mit heißem Wasser und Spülmittel.

Pulver

Pulver besteht aus getrocknetem, vermahlenem Gras und lässt sich in Getränke oder Speisen rühren. Beim Lesen der Packung helfen dir zwei Begriffe, die gesetzlich geschützt sind: Bio und Öko. Das Wort unbehandelt weist dagegen keine Bio-Zertifizierung nach.

Eine Garantie auf ein rückstandsfreies Produkt ist Bio allerdings nicht. Auch ein Bio-Produkt kann Rückstände nicht zugelassener Stoffe enthalten, etwa durch Abdrift oder Umweltbelastung.

Mini-Checkliste

Steht in der Zutatenliste nur Weizengras oder eine Mischung? Trägt die Packung das EU-Bio-Logo oder nur das Wort unbehandelt? Was nennt die Nährwerttabelle? Gibt es eine Verzehrempfehlung, an die du dich halten kannst?

Smoothie

Im Smoothie kommen frisches Gras oder Pulver zusammen mit Obst und Gemüse in den Mixer. Einen frisch gemixten grünen Smoothie stellst du bis zum Trinken kalt, möglichst bei höchstens 7 °C. Verbraucht wird er noch am Herstellungstag. Ich mixe deshalb nur, was am selben Tag getrunken wird.

Kapseln

Kapseln enthalten das getrocknete Pulver in abgemessenen Portionen und werden in der Regel als Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel in dosierter Form, die Nährstoffe oder andere Stoffe als Konzentrat enthalten. Wer gesund ist und sich abwechslungsreich und ausgewogen ernährt, braucht sie in der Regel nicht. Entscheidest du dich trotzdem dafür, hältst du dich an die Verzehrempfehlung auf der Packung.

Und die Zubereitung?

Rezepte und Handgriffe haben eigene Ratgeber. Einer zeigt, wie du Saft und Pulver in Getränken, herzhaften Gerichten und Desserts einsetzt. Ein zweiter erklärt, wie du Weizengras-Smoothies aus frischem Gras oder Pulver zubereitest.

Kannst du Weizengras selbst ziehen?

Ja, Junggrün wie Weizengras lässt sich im Innenraum ganzjährig kultivieren. Nimm dafür nur Saatgut, das ausdrücklich für die Anzucht essbarer Keimlinge vorgesehen ist. Die Grundlagen stehen im Überblick, wie du Keimsaaten ansetzt, aussäst und erntest.

Welche Nebenwirkungen und Risiken hat Weizengras?

Drei Punkte solltest du kennen, bevor Weizengras regelmäßig auf deinem Speiseplan steht. Es geht um Keime im rohen Grün, um Gluten und andere Allergene und um die Rücksprache in besonderen Lebenslagen.

Keime im rohen Grün

Saft und Smoothie aus frischem Gras werden roh verzehrt. Mit Krankheitserregern belastet sein können auch Blatt- und Grasprodukte, die für grüne Smoothies gedacht sind. Gründliches Waschen kann die Keimbelastung verringern, zuverlässig entfernt es Krankheitserreger aber nicht.

Ein Grund liegt in der Anzucht. Keimsaat ist ein landwirtschaftliches Ausgangsmaterial und nicht steril. Dazu kommen die hohe Feuchtigkeit und die Wärme, die die Sprossenanzucht braucht und die auch die Vermehrung von Mikroorganismen begünstigen. Weizengras beginnt ebenfalls als eingeweichte Keimsaat, deshalb ist Gras aus eigener Anzucht nicht automatisch sauberer als gekauftes.

Auf frische rohe Sprossen und Keimlinge sollten Kleinkinder, Schwangere, ältere Menschen und Menschen mit geschwächter Immunabwehr verzichten. Gehörst du zu einer dieser Gruppen, klärst du auch rohen Weizengrassaft vorher ärztlich ab.

Schimmelt die Anzucht, entsorgst du sie vollständig, denn auch Kochen macht verschimmelte Lebensmittel nicht wieder sicher. Verwechsle Schimmel aber nicht mit jungen Faserwurzeln, die weiß und pelzig-flaumig aussehen können. Mehr zu Schimmel und anderen Anbauproblemen steht im Ratgeber, wie du Weizengras zu Hause bis zur Ernte pflegst.

Gluten und Allergene

Weizen ist ein glutenhaltiges Getreide. Glutenhaltiges Getreide zählt zu den Allergenen, auf die du bei Saaten- und Sprossenmischungen achten musst, neben Senf, Soja, Sesam und Lupinen. Musst du Gluten meiden oder reagierst du allergisch auf Weizen, dann verlass dich nicht auf die pauschale Aussage, das junge Gras sei glutenfrei. Maßgeblich sind die Kennzeichnung des einzelnen Produkts und der Rat deiner Ärztin oder deines Arztes.

Medikamente, Schwangerschaft und Kinder

Nimmst du dauerhaft Medikamente, sprichst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, bevor du Saft, Pulver oder Kapseln regelmäßig verwendest. Dasselbe gilt in Schwangerschaft und Stillzeit sowie für Kinder. Probierst du eine Form zum ersten Mal, beobachtest du, wie du sie verträgst. Bei Beschwerden lässt du sie weg und holst ärztlichen Rat.

Weizengras im Vergleich: Gerstengras, Algen und frisches Gemüse

Im Regal steht Weizengras neben Gerstengras, Spirulina und Chlorella. Eine Rangliste nach Nährstoffen stelle ich nicht auf, weil schon die Zusammensetzung von Weizengras mit Boden, Erntemethode und Weiterverarbeitung schwankt. Ich halte mich an das, was über die einzelnen Gruppen gesichert ist.

Produkt Was es ist Einordnung
Weizengras junge grüne Teile der Weizenpflanze Nährstoffe in der Regel nicht höher konzentriert als in frischem Obst und Gemüse
Gerstengras junges Grün der Gerste gleiche Einordnung wie Weizengras, auch bei den Studien
Spirulina und Chlorella Algen Vergleich nur über die Nährwertangabe des einzelnen Produkts
Frisches Obst und Gemüse unverarbeitete Lebensmittel Vergleichsgröße für beide Gräser

Gerstengras

Für Gerstengras gilt in beiden Punkten dasselbe wie für Weizengras: bei der Nährstoffkonzentration und bei der geringen Zahl bestätigender Studien. Zwischen den beiden Gräsern entscheidest du deshalb nach Geschmack und nach der Nährwertangabe auf der Packung.

Spirulina und Chlorella

Spirulina und Chlorella sind Algen und keine Gräser. Ob eine Alge mehr Eiweiß oder Eisen liefert als ein Graspulver, lässt sich nur am einzelnen Produkt prüfen. Lege dafür die Nährwerttabellen nebeneinander und vergleiche dieselbe Bezugsmenge.

Synthetische Vitaminpräparate

Graspulver wird gern als natürliche Alternative zu Vitaminpräparaten beworben. Ein Vorteil folgt daraus allein noch nicht.

Mythos-Check

„Natürliche Nährstoffe nimmt der Körper immer besser auf als synthetische.“ So pauschal stimmt das nicht. In ihrer Bioverfügbarkeit können sich natürlich vorkommende und synthetisch erzeugte Mikronährstoffe unterscheiden, eine natürliche Herkunft bedeutet aber nicht automatisch eine bessere Aufnahme.

Frisches Obst und Gemüse

Frisches Obst und Gemüse ist die Vergleichsgröße, an der du beide Gräser misst.

Zahl im Blick

Ein Beispiel für frisches Grün aus der Küche: Rohe Gartenkresse enthält je 100 g verzehrbarem Anteil 59 mg Vitamin C, 214 mg Calcium und 2,9 mg Eisen. Für Weizengras gibt es keinen solchen Einheitswert, dort zählt die Angabe auf dem einzelnen Produkt.

Die Nährstoffe im Gras sind in der Regel nicht höher konzentriert als in frischem Obst und Gemüse. Wer gesund ist und sich abwechslungsreich und ausgewogen ernährt, braucht zudem in der Regel keine Nahrungsergänzung. Isst du ohnehin regelmäßig Gemüse und Kräuter, bringt dir Graspulver also in der Regel keinen Nährstoffvorteil. Es bleibt eine Zutat, die du wegen des Geschmacks verwendest.

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Häufige Fragen

Was genau ist Weizengras und wie unterscheidet es sich von normalem Weizen?
Weizengras sind die jungen grünen Teile der Weizenpflanze, geschnitten, bevor sie typische Ähren ausbildet. Beim normalen Weizen wird dagegen das reife Korn geerntet und zu Mehl vermahlen. Weizengras kommt unter anderem als gepresster Saft und als Pulver aus getrocknetem, vermahlenem Gras in den Handel.
Worin unterscheidet sich Weizengras von anderen Superfoods wie Spirulina und Gerstengras?
Weizengras und Gerstengras sind junges Getreidegrün. Für beide gilt, dass die Nährstoffe in der Regel nicht höher konzentriert sind als in frischem Obst und Gemüse und dass nur wenige Studien einen gesundheitlichen Nutzen bestätigen. Spirulina ist dagegen eine Alge. Vergleichen kannst du die Produkte nur über ihre Nährwertangaben, weil schon die Zusammensetzung von Weizengras mit Boden, Erntemethode und Weiterverarbeitung schwankt.
Welche verschiedenen Darreichungsformen von Weizengras gibt es und wie wendet man sie an?
Weizengras gibt es unter anderem als gepressten Saft und als Pulver aus getrocknetem, vermahlenem Gras, das Pulver auch in Kapseln. Saft trinkst du frisch gepresst, Pulver rührst du in Getränke oder Speisen, bei Kapseln hältst du dich an die Verzehrempfehlung der Packung. Ein frisch gemixter grüner Smoothie gehört bis zum Trinken in die Kälte, möglichst bei höchstens 7 °C, und wird noch am Herstellungstag verbraucht.
Wie grenzt sich natürliches Weizengras von synthetischen Nahrungsergänzungen ab?
Weizengras ist ein Lebensmittel aus gepresstem oder getrocknetem Gras, synthetische Präparate enthalten gezielt hergestellte Einzelstoffe. In ihrer Bioverfügbarkeit können sich natürlich vorkommende und synthetisch erzeugte Mikronährstoffe unterscheiden. Eine natürliche Herkunft bedeutet aber nicht automatisch eine bessere Aufnahme. Gesunde Menschen, die sich abwechslungsreich und ausgewogen ernähren, brauchen in der Regel ohnehin keine Nahrungsergänzungsmittel.
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