Kirschtomaten stützen: Material wählen und typische Probleme lösen
- Kirschtomaten tragen viele kleine Früchte an vielen Trieben – die Stütze muss Verzweigung aushalten, nicht nur Höhe.
- Bambus und Holz sind günstig und schonen die Pflanze, Metall und Kunststoff halten länger; Bindematerial ist immer weich: Bast, Sisal, Stoffstreifen – nie Draht.
- Buschige Sorten bekommen einen Käfig oder mehrere Stäbe, Hängesorten eine Ampel oder Querstange; ein einzelner Stab passt nur zur eintriebig geführten Pflanze.
- Zu eng gebunden: Band lösen und neu in einer lockeren Acht legen. Über die Stütze hinausgewachsen: Stab verlängern oder die Triebspitze kappen.
- Nachgebunden wird bei jedem Rundgang; bei eintriebiger Führung gehen die Geiztriebe raus, sobald sie etwa 5 cm lang sind.

Warum die Stütze bei Kirschtomaten anders gedacht wird
Bei einer Fleischtomate stützt du einen Trieb mit wenigen schweren Früchten. Bei einer Kirschtomate stützt du viele Triebe mit sehr vielen kleinen Früchten – die Pflanze verzweigt stärker, bildet mehr Seitentriebe, und die Rispen hängen überall. Die Höhe ist dabei selten das Problem; das Problem ist die Breite und die Menge an Bindestellen, die über den Sommer zusammenkommen.
Deshalb geht es in diesem Artikel weniger um die Systeme selbst – Einzelpfahl, Schnur, Käfig und Spalier sind mit ihren Vor- und Nachteilen im Ratgeber zum Aufbinden und Stützen von Cocktailtomaten beschrieben, die Grundlagen zu AusgeizenAusgeizen ist das Entfernen der Geiztriebe, also der Seitentriebe, die bei Tomaten in den Blattachseln wachsen. Ohne Ausgeizen bildet die Pflanze sehr viel Blattmasse und trägt später Früchte., Stützen und Aufbinden im Überblick zum Tomatenanbau – sondern um zwei Fragen, die dort nur gestreift werden: Welches Material passt zu Kirschtomaten, und was tust du, wenn beim Aufbinden etwas schiefgeht?
Was Kirschtomaten von großfrüchtigen Sorten unterscheidet
Drei Eigenschaften bestimmen die Materialwahl. Erstens die Verzweigung: Viele Kirschtomatensorten wachsen buschiger als Salat- oder Fleischtomaten und werden oft mit zwei oder drei Haupttrieben gezogen – dann braucht jeder Trieb Halt, nicht nur einer. Zweitens die Last, die verteilt statt konzentriert anfällt: Eine einzelne Rispe wiegt wenig, aber im August hängen Dutzende davon an der Pflanze, und die Summe zieht jeden Trieb nach außen. Drittens die Wuchsform der Sorte: Es gibt hohe Stabsorten, kompakte Buschsorten und Hängesorten für die Ampel – und jede davon will ein anderes Material.
Eintriebig oder mehrtriebig – das ist bei Kirschtomaten die Vorentscheidung. Eintriebig heißt: ein Haupttrieb, alle GeiztriebeAls Geiztriebe bezeichnet man bei Tomaten die Seitentriebe. Bei Stabtomaten, deren Haupttrieb immer weiter wächst, brichst du sie beim Ausgeizen regelmäßig aus. raus, ein Stab oder eine Schnur genügt. Mehrtriebig heißt: zwei oder drei Haupttriebe bleiben stehen, jeder wird einzeln geführt, und die Stütze muss rundherum Halt geben – Käfig, mehrere Stäbe oder ein Spalier. Buschige Kirschtomaten werden praktisch immer mehrtriebig gezogen; welche Führung deine Sorte verträgt, steht auf dem Etikett.
Materialwahl für Stäbe und Gerüste
Bambus und Holz
Naturmaterial fügt sich ins Beet, ist günstig und wird in der Sonne nicht heiß – für Kirschtomaten, deren Triebe sich oft direkt am Stab entlangschmiegen, ein echter Vorteil. Bambus ist leicht und trotzdem tragfähig; Holzstäbe sind schwerer, aber steifer. Beide leiden unter Feuchtigkeit: Der Fuß im Boden fault nach einigen Saisons, und ein angefaulter Stab bricht genau dann, wenn oben das Gewicht hängt. Vor jeder Saison prüfe ich deshalb jeden Bambusstab am unteren Ende und sortiere weiche Stellen aus.
Metall und Kunststoff
Beschichtetes Metall und stabiler Kunststoff tragen mehr, stehen im Wind sicherer und halten über Jahre. Für hohe Stabsorten und für Käfige, die eine mehrtriebige Pflanze rundherum halten sollen, ist das die ruhigere Wahl. Zwei Nachteile: Metall wird in der Sonne heiß, und Triebe, die daran anliegen, können Druckstellen bekommen – ein Stück Stoff oder Bast zwischen Stab und Trieb hilft. Und billiger Kunststoff wird durch UV-Licht spröde; auf recycelbare, dickwandige Ware achten.
Was zu welcher Wuchsform passt
Hohe, eintriebig geführte Kirschtomate: ein Stab aus Metall oder kräftigem Bambus, alternativ Spiralstab oder Schnur im Gewächshaus. Buschige, mehrtriebige Sorte: Tomatenkäfig aus Metall oder drei Bambusstäbe rundherum, oben zusammengebunden. Hängesorte: keine Stütze nach oben, sondern eine Ampel, ein hoher Kübel oder eine Querstange, von der die Triebe herunterhängen – die Aufhängung muss das Gewicht einer voll behangenen Pflanze tragen. Was Salattomaten je nach Anbauort brauchen und wie das Hochbinden am Bambusstab geht, zeigt der Artikel zu Stützsystemen für Salattomaten.
Materialwahl für die Bindung
Hier entscheidet sich, ob die Pflanze den Sommer heil übersteht. Der Stängel einer Kirschtomate wird über die Saison deutlich dicker, und jede Bindestelle, die nicht mitwächst, wird zur Einschnürung.
Geeignet ist alles, was weich, breit und dehnbar ist: Bast, Sisal, Baumwollband, Streifen aus alten T-Shirts, Nylonstrümpfe, weiche Pflanzenclips. Gebunden wird in einer Acht – einmal um den Stab, gekreuzt, einmal locker um den Trieb – mit einem Finger Luft zwischen Band und Stängel, und nie direkt unter einer Blüte oder Rispe. Naturmaterial wie Bast oder Sisal hat einen Nebeneffekt: Es gibt mit der Zeit nach und wandert am Ende der Saison mit den Pflanzenresten auf den Kompost.
Draht, Kabelbinder oder dünne Kunststoffschnur. Beides ist im Mai schnell angebracht und im Juli in den Stängel eingewachsen. An der Einschnürung bleibt der Trieb oberhalb im Wachstum zurück, und bei der nächsten Böe bricht er genau dort. Wer schon Draht im Beet hat, tauscht ihn jetzt gegen Bast – nicht erst, wenn die Druckstelle sichtbar ist.
Typische Probleme beim Aufbinden und ihre Lösung
Die Pflanze wächst über die Stütze hinaus
Kirschtomaten schießen im Juli regelrecht davon. Zwei Wege: verlängern oder kappen. Verlängern heißt, einen zweiten Stab überlappend an den ersten zu binden oder die Schnur nachzulassen und die Pflanze abzusenken. Kappen heißt, die Triebspitze zu entfernen – die Pflanze bleibt kompakt und steckt ihre Kraft in die Früchte, die schon hängen. Im Spätsommer ist das Kappen ohnehin sinnvoll, damit die letzten Rispen noch ausreifen.
Zu fest gebunden
Ein Band, das im Juni locker saß, schnürt im August ein. Lösen, durch eine lockere Acht ersetzen und den Trieb oberhalb der Stelle mit einem zweiten Band abfangen, falls er dort schon geknickt ist. Druckstellen verwachsen meist, sobald der Druck weg ist.
Die Schnur reißt oder der Stab kippt
Beides passiert im Hochsommer, wenn oben das volle Gewicht hängt und ein Gewitter den Boden aufweicht. Bei der Schnur hilft nur reißfestes Material von Anfang an und ein Aufhängepunkt, der die ganze Pflanze trägt. Beim Stab liegt die Ursache fast immer in der Einschlagtiefe: zu flach gesetzt, in leichtem Boden ohne Halt. Nachbessern heißt tiefer setzen, einen zweiten Stab schräg dagegen stellen oder – bei mehrtriebigen Pflanzen – auf einen Käfig umsteigen.
Mir ist einmal im August eine Schnur unter einer voll behangenen Kirschtomate gerissen – die Pflanze lag samt Rispen im Beet, und beim Aufrichten sind mir zwei Seitentriebe abgebrochen. Ich hatte an der Schnur gespart und ein dünnes Paketband genommen. Ich nehme im Gewächshaus nur noch dicke, UV-feste Tomatenschnur, und ich hänge volle Rispen mit einem eigenen Haken ein, statt alles der einen Schnur zu überlassen.
Wind und Dauerregen
Vor angesagtem Sturm kommen zusätzliche Stäbe schräg gegen die Hauptwindrichtung, lockere Bindestellen werden nachgezogen. Gegen Dauerregen hilft ein Regendach oder ein Vlies über den Pflanzen – weniger wegen der Stütze als wegen der Kraut- und BraunfäuleDie Kraut- und Braunfäule, kurz Braunfäule oder Krautfäule, ist eine Pilzkrankheit vor allem an Tomaten und Kartoffeln, ausgelöst durch Phytophthora infestans. Sie verursacht braune Flecken an Blättern, Stängeln und Früchten., die nasses Laub braucht. Nach jedem Unwetter ein Rundgang: Bindestellen, Stäbe, abgeknickte Triebe.
Pflege, Standort und Ernte in Kürze
Nachgebunden wird bei jedem Rundgang, sobald ein Trieb über die letzte Bindestelle hinausgewachsen ist. Bei eintriebiger Führung werden die Geiztriebe in den BlattachselnDie Blattachsel ist der Winkel zwischen Blattstiel und Zweig oder Stängel, also die Stelle, an der ein Blatt am Spross ansetzt. Aus ihr wachsen häufig Seitentriebe, bei Tomaten etwa die Geiztriebe. entfernt, sobald sie etwa 5 cm lang sind; bei mehrtriebiger Führung bleiben die gewählten Haupttriebe stehen. Ich mache Nachbinden, Geizkontrolle und Blattdurchsicht in einem einzigen Rundgang, Trieb für Trieb.
Der Standort ist wie bei allen Tomaten sonnig und windgeschützt: Sechs bis acht Stunden direkte Sonne am Tag sind ideal, tagsüber mögen sie 20 bis 25 °C. Gegossen wird gleichmäßig, morgens und an die Wurzel. Reif ist eine Frucht, wenn sie ihre Sortenfarbe durchgehend hat und sich mit leichtem Druck vom Stiel löst; alle zwei bis drei Tage durchpflücken hält die Pflanze im Ansatz – bei gut aufgebundenen Kirschtomaten hängen die Rispen frei, und die Ernte geht ohne Suchen im Laub.
Nach der Saison: Material pflegen und lagern
Nach dem letzten Pflücken werden Pflanzenreste von Stäben und Käfigen entfernt, das Material gereinigt und trocken gelagert – Holz und Bambus stehend, damit der Fuß abtrocknet, Metall abgebürstet. Bast und Sisal gehen mit den Pflanzenresten auf den Kompost, Kunststoffbänder werden gewaschen und wiederverwendet. Ein angefaulter Bambusfuß wird jetzt aussortiert, nicht erst im Mai.
Fazit: Weich binden, passend stützen, früh nachbessern
Bei Kirschtomaten entscheidet nicht die Höhe der Stütze, sondern das Material und die Reaktion auf das, was im Sommer passiert. Stäbe aus Bambus oder Holz reichen für einzelne, eintriebige Pflanzen, Metall trägt Käfige und hohe Sorten; die Bindung ist immer weich, breit und locker in der Acht. Wächst die Pflanze über die Stütze hinaus, wird verlängert oder gekappt; schnürt ein Band ein, wird es sofort gelöst; kippt ein Stab, war er zu flach. Wer das beim Rundgang mitnimmt, holt aus einer Kirschtomate das, was sie kann: eine lange Ernte aus vielen kleinen Rispen.





