Genetische Vielfalt beim Porree: Woher sie kommt und wie du sie bewahrst
- Beim Porree gibt es F1-Hybriden wie Jumper F1 und samenfeste Sorten wie Blaugrüner Herbst 'Lancelot'.
- Nachkommen von F1-Hybriden können andere Eigenschaften zeigen, für eigenes Saatgut wählst du deshalb samenfeste Sorten.
- Die Porreesorte Sevino entstand durch positive Massenauslese, ältere Generationen erweiterten dabei die genetische Basis.
- Genbanken bewahren Saatgut außerhalb des Anbaustandorts auf, die On-farm-Erhaltung setzt auf fortgesetzten Anbau und Vermehrung.
- Porree ist botanisch zweijährig, Samenträger bleiben deshalb über den Winter im Beet.
- Gegen unerwünschte Einkreuzung helfen räumliche Trennung oder ein Isolierkäfig.

Bevor ich Porreesaatgut kaufe, lese ich zuerst, ob hinter dem Sortennamen F1 steht. Davon hängt ab, ob Saatgut aus deinen eigenen Pflanzen die Sorte später weiterträgt. Nachkommen von F1-HybridenF1-Hybriden sind Sorten, deren Saatgut aus der gezielten Kreuzung zweier ausgewählter Elternlinien stammt. Die Pflanzen dieser ersten Nachkommengeneration (F1) wachsen häufig sehr einheitlich, ihre eigenen Samen bringen die Sorte aber nicht zuverlässig wieder hervor. können nämlich andere Eigenschaften zeigen als die Pflanze, von der sie stammen. Genau hier wird die genetische Vielfalt des Porrees für dich praktisch.
Sie speist sich aus mehreren Quellen, und die Züchtung greift gezielt auf sie zurück. Erhalten wird sie auf drei Wegen: in der Genbank, am natürlichen Standort und im laufenden Anbau.
Woher stammt die genetische Vielfalt beim Porree?
Porree, botanisch Allium porrum, gehört wie Zwiebeln und Lauchzwiebeln zur Familie der Amaryllisgewächse. Seine genetische Vielfalt umfasst alle erblichen Unterschiede zwischen Herkünften, Sorten und einzelnen Pflanzen. Drei Quellen tragen dazu bei: Wildarten, Landrassen und moderne Sorten.
Im Beet siehst du die Vielfalt an den Kulturformen: Herbst- und Winterporree haben kürzere, dickere Stangen und einen intensiveren Geschmack als die früheren Gruppen. Wie sich Sommer-, Herbst- und Winterporree in Aussaat, Pflanzung und Ernte unterscheiden, erklärt der Überblick zu Sorten und Kulturformen bei Zwiebeln, Lauch und Knoblauch. Die Termine zum Ausdrucken findest du im Aussaatkalender für Zwiebelgemüse.
Wildarten
Wildarten sind wild wachsende Verwandte einer Kulturpflanze, die nie in Kultur genommen wurden. Sie wachsen und vermehren sich an ihrem natürlichen Standort, ohne dass jemand Samenträger auswählt. In der Pflanzenzüchtung gelten Wildarten allgemein als Quelle für Merkmale, die in Kultursorten fehlen können. Im Gemüsebeet begegnen sie dir nicht direkt, denn dort stehen Sorten.
Landrassen und samenfeste Sorten
Landrassen sind Herkünfte, die über viele Generationen in einer Gegend angebaut und aus eigenem Saatgut weitergeführt wurden. Samenfeste Sorten werden nach demselben Prinzip erhalten. Aus ihrem Saatgut wachsen wieder Pflanzen der Sorte, wenn die Samenträger sortentypisch sind und keine fremde Sorte einkreuzt. Beim Porree gehört Blaugrüner Herbst ‘Lancelot’ zu den samenfesten Sorten.
Moderne Sorten und F1-Hybriden
Im heutigen Porreeangebot stehen samenfeste Sorten und F1-Hybriden nebeneinander. Eine F1-Hybride wie Jumper F1 entsteht aus einer gezielten Kreuzung zweier Elternlinien. Was du aussäst, ist die erste Generation dieser Kreuzung, daher das Kürzel F1. Für den Nachbau taugt sie nicht, weil Nachkommen aus ihrem Saatgut anders ausfallen können.
F1 oder samenfest: Was das für dein Saatgut bedeutet
| Samenfeste Sorte | F1-Hybride | |
|---|---|---|
| Beispiel beim Porree | Blaugrüner Herbst ‘Lancelot’ | Jumper F1 |
| Nachkommen aus eigenem Saatgut | wieder sortentypisch, wenn du gezielt auswählst und Einkreuzung vermeidest | können andere Eigenschaften zeigen |
| Für eigene Saatgutgewinnung | geeignet | nicht geeignet |
| Erhaltung im Garten | durch fortgesetzten Anbau und Vermehrung | nicht über eigenes Saatgut |
Die On-farm-Erhaltung beruht auf fortgesetztem Anbau und Vermehrung, und Nachkommen von F1-Hybriden können andere Eigenschaften zeigen. Im eigenen Garten erhalten kannst du deshalb nur samenfeste Sorten. Eine F1-Sorte wie Jumper F1 baust du an und erntest sie, über eigenes Saatgut weiterführen lässt sie sich nicht.
Ich schreibe beim Säen den vollständigen Sortennamen samt F1-Angabe aufs Etikett. So weiß ich im Herbst noch, welche Reihe für Samenträger überhaupt infrage kommt.
Samen einer kräftigen F1-Pflanze aufheben und davon dieselbe Sorte erwarten. Die Nachkommen können andere Eigenschaften zeigen als ihre Mutterpflanze. Willst du eigenes Saatgut, starte mit einer samenfesten Sorte.
Wie nutzt die Züchtung die Vielfalt? Das Beispiel Sevino
Züchtung braucht Unterschiede zwischen Pflanzen, sonst gibt es nichts auszuwählen. Wie das beim Porree aussieht, zeigt die Sorte Sevino. Sie entstand aus Blaugrüner Herbst/Sevilla durch positive Massenauslese. Dabei wählt man aus einem Bestand die Pflanzen, die dem Zuchtziel entsprechen, und vermehrt sie gemeinsam weiter. Bei Sevino wurden zusätzlich ältere Generationen einbezogen, um die genetische Basis zu erweitern.
Die genetische Basis ist die Bandbreite an Erbanlagen, aus der eine Sorte schöpft. Je breiter sie ist, desto mehr Unterschiede stehen einer Auslese zur Verfügung.
Von der Erhaltungsauslese unterscheidet sich das im Ziel. Bei der Erhaltung wählst du in jeder Vermehrungsgeneration sortentypische Pflanzen, damit die Sorte bleibt, wie sie ist. Die Züchtung wählt nach einem Zuchtziel und verändert den Bestand dadurch schrittweise.
Genbank, Naturstandort, Gartenbeet: drei Wege der Erhaltung
Erhalten wird genetische Vielfalt auf drei Wegen, die sich gegenseitig ergänzen.
| Weg | Wo | Wie |
|---|---|---|
| Ex situ | in der Genbank, außerhalb des Anbaustandorts | Saatgut wird aufbewahrt |
| In situ | am natürlichen Wuchsort | Wildarten vermehren sich in ihrem Lebensraum weiter |
| On farm | auf dem Hof und im Garten | Sorten werden weiter angebaut und vermehrt |
Ex situ: Saatgut in der Genbank
Genbanken bewahren Saatgut außerhalb des Ortes auf, an dem eine Sorte angebaut wird. Das Saatgut hängt damit nicht davon ab, dass die Sorte gerade irgendwo im Anbau steht. Bei Sevino flossen ältere Generationen in die Auslese ein, und Genbanken bewahren Saatgut abseits des Anbaus auf. Aufbewahrtes Saatgut kann also Ausgangsmaterial für eine spätere Auslese sein.
In situ: am natürlichen Standort
In situ bedeutet, dass Pflanzen an ihrem natürlichen Wuchsort erhalten werden und sich dort weiter vermehren. Das betrifft Wildarten und ihre Lebensräume, nicht die Sorten im Gemüsegarten. Im Beet hast du hier keinen eigenen Handgriff, beim dritten Weg dagegen schon.
On farm: im laufenden Anbau
On-farm-Erhaltung bewahrt Sorten, indem sie weiter angebaut und vermehrt werden. Das ist auf dem Hof ebenso möglich wie im Hausgarten, sofern die Sorte samenfest ist.
Porree-Saatgut selbst gewinnen: So erhältst du eine Sorte
Porree ist botanisch zweijährig, auch wenn du ihn wie ein einjährigesEinjährige, auch Annuelle genannt, sind Pflanzen, deren Lebenszyklus üblicherweise innerhalb eines Jahres beendet ist. Sie legen als Pflanze keine Ruhezeit ein, nur ihre Samen überdauern ungünstige Zeiten. Gemüse anbaust. Im ersten Jahr bildet er die Stange, Blüte und Samen folgen im zweiten Jahr. Für Saatgut lässt du deshalb ausgewählte Pflanzen über den Winter stehen. Die Blüte fällt dann in den Juli und August.
Bei Winterporree passt das zum üblichen Anbau, denn geeignete Sorten können ohnehin im FreilandFreiland ist die offene Anbaufläche unter freiem Himmel, im Garten also das normale Beet. Anders als im Gewächshaus oder im begehbaren Folientunnel wachsen die Pflanzen dort ohne feste Schutzhülle. stehen bleiben. Ohne Risiko ist der Winter aber auch für ihn nicht. Bei Kahlfrost kann Winterporree Schaden nehmen, und starke Wintersonne fördert dann das Austrocknen der Blätter.
Samenträger auswählen
Wähle in jeder Vermehrungsgeneration Pflanzen aus, die typisch für die Sorte sind. Maßstab ist die Sortenbeschreibung, etwa zu Stangenform und Wuchs. Pflanzen, die deutlich davon abweichen, kommen nicht als Samenträger infrage.
Ich stecke neben jede Pflanze, die ich als Samenträger behalte, einen Stab, sobald ich sie ausgewählt habe. Der Stab soll verhindern, dass ich diese Stangen beim Ernten versehentlich mit aussteche. Im Frühjahr sehe ich daran, welche Pflanzen ich ausgewählt hatte.
Einkreuzung vermeiden
Damit keine fremde Sorte in deine Samenträger einkreuzt, trennst du sie räumlich oder setzt sie unter einen Isolierkäfig. Bei insektenbestäubten Kulturen gehören dann Bestäuber mit in den Käfig. Plane den Platz für Samenträger früh ein, zum Beispiel im Beetplaner für dein Gemüsebeet, denn sie belegen ihr Beet bis ins zweite Jahr.
Das passende Saatgut für den Start
Für den Einstieg wählst du eine samenfeste Sorte und keine F1-Hybride. Gärtnerst du biologisch, erkennst du Saatgut aus ökologischer Vermehrung an den Herkunftsangaben des Anbieters.
Bevor du Porree als Samenträger stehen lässt:
- Die Sorte ist samenfest, nicht F1.
- Die Samenträger sind sortentypisch und markiert.
- Der Platz ist bis ins zweite Jahr eingeplant.
- Gegen Einkreuzung hast du räumliche Trennung oder einen Isolierkäfig vorgesehen.
- Kommt ein Isolierkäfig zum Einsatz, sind bei insektenbestäubten Kulturen Bestäuber darin.





