Boretsch-Honig: Wie der Sortenhonig entsteht und woran du ihn erkennst
- Sortenhonig entsteht nur, wenn Boretsch im Flugkreis der Bienen über Wochen dominiert – das setzt gezielten Anbau auf Flächen voraus.
- Boretsch gehört zu den Bienennährpflanzen, die intensiv beflogen werden; seine Blüten lassen sich etwa von Mai bis Oktober ernten.
- Boretsch bildet Pyrrolizidinalkaloide; deutsche Honige zeigen nach bisherigen Untersuchungen keine oder nur sehr geringe Gehalte.
- Wer viel Honig isst, wechselt zwischen Sorten und Herkünften – so lautet die Empfehlung des Bundesinstituts für Risikobewertung.
- Ob ein Glas Sortenhonig oder Blütenhonig mit Boretsch-Anteil ist, klärt die Pollenanalyse, nicht die Farbe.
- Im eigenen Beet steht Boretsch als Starkzehrer mit 30 cm in der Reihe und 40 cm Reihenabstand, frei wachsend, Kulturstart April bis Juli.

Du hast Boretsch im Beet, siehst, wie dicht die blauen Sternblüten von Bienen angeflogen werden, und fragst dich, ob daraus ein eigener Honig wird – oder du stehst vor einem Glas mit der Aufschrift „Boretsch-Honig“ und willst wissen, was da wirklich drin ist. Ich lasse jedes Jahr ein paar Boretschpflanzen am Beetrand stehen und schaue beim Gießen nach, welche Insekten gerade an den Blüten hängen. Ob daraus Sortenhonig wird, entscheidet sich aber nicht in meinem Garten, sondern an der Fläche, die einem Bienenvolk zur Verfügung steht. Genau darum geht es hier: wie der Honig entsteht, wie er beurteilt wird, was zu den Inhaltsstoffen der Pflanze bekannt ist und wie du Boretsch selbst für Bienen anbaust.
Was Boretsch-Honig ist – und was nur Boretsch-Anteil
Ein Sortenhonig entsteht, wenn Bienen überwiegend Nektar einer einzigen Pflanzenart eintragen. Dafür muss diese Art im Flugkreis des Volkes über Wochen dominieren. Boretsch (Borago officinalis) wächst bei uns nicht in großen Wildbeständen; in Gärten steht er verstreut zwischen anderen Blühpflanzen. Ein Boretsch-Sortenhonig kommt deshalb praktisch nur zustande, wenn Boretsch gezielt auf Flächen angebaut wird und Imker ihre Völker dazustellen.
Alles andere ist Blütenhonig, in dem Boretsch einen Anteil stellt. Das ist kein schlechterer Honig, aber ein anderes Produkt, und so gehört es auch aufs Etikett. Für den Honig deines Nachbarimkers, der drei Kilometer Flugradius mit Rapsfeld, Linde und Gärten abdeckt, bleibt dein Boretsch eine Zutat unter vielen.
Ob ein Glas als Sortenhonig gelten darf, klärt nicht der Blick durchs Glas, sondern die Pollenanalyse im Labor. Dort wird ausgezählt, welche Pflanzenarten den Honig geprägt haben. Die Anteile, ab denen eine Sortenbezeichnung zulässig ist, stehen in den Analyseunterlagen des Imkers – frag danach, statt dich auf eine Farbbeschreibung zu verlassen.
Warum Bienen den Boretsch so dicht anfliegen
Boretsch zählt zu den Pflanzengattungen unter den Bienennährpflanzen, die intensiv von Bienen beflogen werden. Wer eine blühende Pflanze an einem warmen Vormittag beobachtet, sieht das ohne Fachwissen: Die Blüten werden in kurzer Folge besucht, Honigbienen ebenso wie Wildbienen und Hummeln.
Dazu kommt die lange Blühphase. Blüten und junge Blätter lassen sich etwa von Mai bis Oktober ernten, die Pflanze schiebt also über Monate neue Blüten nach, während viele Frühjahrsblüher längst durch sind. Ich zähle bei meinen Gartenrunden gern ein paar Minuten lang, wie viele Blütenbesuche eine einzelne Pflanze bekommt – das ist keine Wissenschaft, aber es zeigt mir, wann die Tracht im Beet gerade läuft.
Trachtpflanze nennen Imker eine Pflanze, die in nennenswerter Menge Nektar oder Pollen liefert. Ob daraus ein Sortenhonig wird, hängt nicht von der einzelnen Pflanze ab, sondern davon, wie viel von ihr im Flugkreis eines Volkes steht und wie stark die Konkurrenz anderer Blüten in derselben Zeit ist.
Für Imker, die Boretsch-Honig gewinnen wollen, heißt das: Sie brauchen Boretschflächen, an die sie ihre Völker während der Hauptblüte stellen können, und sie schleudern nach dieser Tracht getrennt vom übrigen Sommerhonig. Anschließend geht eine Probe zur Pollenanalyse, die die Bezeichnung absichert.
Pyrrolizidinalkaloide: was du bei Boretsch und seinem Honig wissen solltest
Boretsch gehört zu den kritischen Pflanzengattungen unter den Bienennährpflanzen: Sie bilden Pyrrolizidinalkaloide und werden gleichzeitig intensiv von Bienen beflogen. Deshalb ist die Frage, ob diese Stoffe auch im Honig landen, berechtigt – und sie lässt sich mit den vorliegenden Untersuchungen einordnen.
Zur Pflanze selbst: Boretsch enthält in allen Pflanzenteilen leberschädigende Pyrrolizidinalkaloide in wechselnden Mengen, auch in den Blüten. Iss Blätter und Blüten deshalb nur selten und in kleinen Mengen.
Zum Honig: Deutsche Honige weisen nach bisherigen Untersuchungsergebnissen keine oder nur sehr geringe Gehalte an Pyrrolizidinalkaloiden auf. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt trotzdem, dass Menschen, die viel Honig essen, zwischen verschiedenen Sorten und Herkünften wechseln. Ich halte es zu Hause genauso und habe nie nur ein Glas offen, sondern wechsle zwischen dem, was gerade im Vorrat steht.
Honig ist ein Lebensmittel, keine Medizin. Boretsch-Honig hat keine belegte Heilwirkung, die ihn von anderen Honigen unterscheidet – auch wenn dir das Etikett oder eine Volksmedizin-Erzählung etwas anderes nahelegt. Bei Beschwerden ersetzt kein Honig den ärztlichen Rat.
Woran du einen ehrlich deklarierten Boretsch-Honig erkennst
Ob ein Glas hält, was es verspricht, liest du in erster Linie am Etikett und im Gespräch mit dem Imker ab. Achte auf den botanischen Namen Borago officinalis, auf die Herkunft und darauf, ob der Honig als Sortenhonig oder als Blütenhonig mit Boretsch-Anteil beschrieben ist. Bezeichnungen wie „nach Boretsch-Art“ oder „mit Boretsch-Geschmack“ deuten auf ein aromatisiertes Produkt hin, nicht auf einen Sortenhonig.
Die Schreibweisen Boretsch und Borretsch meinen dieselbe Pflanze, ebenso der volkstümliche Name Gurkenkraut. Verwirrend wird es erst, wenn ein Anbieter unter „Kräuterhonig“ oder „Gartenhonig“ alles Mögliche zusammenfasst – das ist keine Sortenangabe.
Botanischer Name auf dem Etikett · Herkunftsregion und Erntejahr angegeben · Sortenhonig oder Blütenhonig mit Anteil klar benannt · Pollenanalyse auf Nachfrage einsehbar · direkter Kontakt zum Imker möglich.
Wie der Honig schmeckt, hängt von den Flächen, der Begleittracht und dem Jahr ab. Der Pflanze wird ein gurkenähnliches Aroma nachgesagt, und Imker greifen diese Beschreibung für den Honig gern auf – verlass dich aber auf eine Probe statt auf eine Beschreibung. Ich frage beim Imker immer zuerst, wo die Völker während der Tracht standen, und erst danach nach dem Geschmack. Vermarktet wird Boretsch-Honig in der Regel direkt: am Stand des Imkers, im Hofladen oder auf dem Wochenmarkt. Dass Honig mit der Zeit fest wird, ist ein normaler Vorgang und kein Qualitätsmangel.
Boretsch für Bienen selbst anbauen
Einen eigenen Sortenhonig wirst du mit ein paar Pflanzen nicht ernten, aber für die Insekten in deinem Garten lohnt sich Boretsch trotzdem. Anders als die meisten Kräuter ist er starkzehrend eingestuft und dankt eine nährstoffreichere Erde; als Standort ist sonnig bis halbschattig hinterlegt. Boretsch steht frei wachsend ohne Stütze mit 30 cm Abstand in der Reihe und 40 cm Reihenabstand, der Kulturstart liegt zwischen April und Juli. Danach hält der Beetplaner eine AnbaupauseDie Anbaupause ist die Zeit, die vergehen sollte, bevor dieselbe Pflanzenart oder eine Art derselben Pflanzenfamilie wieder auf demselben Beet wächst. Sie beugt Krankheiten und Schädlingen vor, die sich im Boden anreichern. von 4 Jahren vor.
Gute Nachbarn sind Erdbeere, Prunk-, Stangen- und Buschbohnen sowie Endivie, Zichorie, Radicchio und Chicorée; mit Phacelia verträgt sich Boretsch dagegen nicht – für einen Blühstreifen heißt das, beide Bienenpflanzen getrennt zu säen. MischkulturMischkultur bedeutet, dass verschiedene Gemüsearten nebeneinander auf einem Beet wachsen. So nutzt du die Fläche besser aus, und der Boden bleibt während der Saison weitgehend bedeckt. unterstützt, sie garantiert nichts; passende Nachbarn kannst du mit dem Mischkultur-Werkzeug für dein Beet durchspielen. Die Grundlagen zu Mischkultur und Beetplanung im Kräuterbeet trägt der Kräuter-Ratgeber, und wie du Boretsch von der Aussaat bis zur Blüte pflegst, steht im Anbau-Artikel. Ich säe meinen Boretsch an den Rand des Gemüsebeets und lasse im Herbst einige Pflanzen zur SamenreifeSamenreife ist der Zustand, in dem Samen voll ausgereift sind und sich zur Ernte eignen. Du erkennst sie daran, dass sich die Samen leicht oder sogar von selbst aus ihrer Samenhülle lösen. stehen, damit ich im nächsten Frühjahr sehe, wo er von selbst aufläuft.
Boretsch in der Küche – neben dem Honig
Genutzt werden beim Boretsch junge Blätter und die Blüten, frisch verwendet, im Erntefenster von etwa Mai bis Oktober. Die Blüten kommen über Salate, in Kräuterbutter oder als Dekoration auf kalte Speisen; Blätter und Blüten setzt du wegen der Pyrrolizidinalkaloide nur selten und in kleinen Mengen ein.
Traditionell gehört Boretsch zu den sieben Kräutern der Frankfurter Grünen Soße, zusammen mit Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch. Die Grüne Soße steht seit 2016 EU-weit als geschützte geografische Angabe unter Schutz; in ihr darf keine Kräuterart mehr als 30 % Gewichtsanteil stellen, Boretsch soll mindestens acht Prozent und Pimpinelle mindestens drei Prozent der Kräuterkomposition ausmachen. Weitere Ideen, wie du Boretsch mit seinem Gurkenaroma in der Küche verwendest, findest du im Küchen-Artikel. Boretsch-Honig selbst passt dort hin, wo Honig ohnehin hingehört: über Joghurt, in den abgekühlten Tee, zum milden Käse – schonend erwärmt statt stark erhitzt, wenn du ihn in warmen Speisen einsetzt.





