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Mutterkraut: vom Kraut der Volksmedizin zur Zierstaude – so verlief seine Geschichte

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 5 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Mutterkraut (Tanacetum parthenium) ist ein Korbblütler aus dem östlichen Mittelmeergebiet mit langer volksmedizinischer Nutzungsgeschichte.
  • Die Staude wird etwa 30 bis 90 cm hoch, blüht etwa von Juni bis September weiß mit gelber Mitte und ist kurzlebig, aber selbstaussäend.
  • Gärtnerische Züchtung brachte einfach blühende Sorten wie Roya und gefüllt blühende Formen hervor – heute auch als Schnittblume und für Trockengestecke.
  • Als Arzneimittel gibt es Mutterkraut in geprüfter Kapselform; dieser Artikel verspricht keine Wirkung und erklärt nur die Tradition.
  • Lichtkeimer: ab Mitte März vorziehen oder ab Mitte Mai direkt säen, nur dünn bedecken, Keimung in rund zwei Wochen.
Mutterkraut mit weißen Strahlenblüten und gelber Mitte über gelappten Blättern auf rotem Boden
Foto: Juan Carlos Fonseca Mata · CC BY-SA 4.0 · Ausschnitt · Quelle ↗

Du kennst die kleinen weißen Blüten mit gelber Mitte vielleicht aus dem Bauerngarten deiner Nachbarin und fragst dich, warum eine so hübsche Zierstaude ausgerechnet „Mutterkraut” heißt. Der Name ist der Schlüssel: Er stammt aus einer Zeit, in der die Pflanze nicht wegen ihrer Blüten im Garten stand. Ich habe Mutterkraut in einem Beetstreifen, den ich bewusst verwildern lasse, und jedes Jahr zeigt es mir dort, warum es die Jahrhunderte überdauert hat – es sät sich selbst nach, ohne dass ich einen Finger rühre.

Was Mutterkraut ist

Botanisch heißt die Pflanze Tanacetum parthenium und gehört zu den Korbblütlern. Sie wächst als kurzlebige, mehrjährige Staude und wird etwa 30 bis 90 cm hoch. Von etwa Juni bis September trägt sie kleine weiße Blüten mit gelber Mitte, die an Kamille erinnern; das fiederteilige Laub duftet kräftig, wenn du es zwischen den Fingern reibst.

Ihre Heimat liegt im östlichen Mittelmeergebiet. Dort beginnt auch ihre lange Nutzungsgeschichte in der Volksmedizin, die ihr den deutschen Namen gegeben hat. Alles, was du an Kulturdaten zur Art brauchst, sammelt die Übersicht zu Tanacetum parthenium im Arten-Hub.

Kurz erklärt

Mutterkraut, Zierkamille, Falsche Kamille, Jungfernkraut, englisch Feverfew – alle Namen meinen dieselbe Pflanze. Die einen beschreiben ihr Aussehen, die anderen die überlieferte Nutzung. Der Artname parthenium wird auf das griechische Wort für Jungfrau zurückgeführt und passt zum Namen Jungfernkraut.

Giftig für Haustiere?
Angaben für die Gattung Tanacetum
Hund
Giftig
Katze
Giftig
Pferd
Giftig
Ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Verdacht auf Vergiftung sofort Tierarzt kontaktieren. Quelle: ASPCA Toxic Plants · Stand 2026-07-11

Empfehlungen für den Garten

Standort und Boden

Bodenart

Sandige, lehmige oder humusreiche Böden sind geeignet.

Bodenreaktion

Die Pflanze verträgt saure, neutrale und alkalische Böden.

Substrat

Die Pflanze bevorzugt feuchten, gut durchlässigen Boden.

Anbauort

Die Pflanze eignet sich für Bauerngärten, naturnahe Pflanzungen, Steingärten und Gefäße auf der Terrasse.

Pflege

Pflege

Verblühtes zeitnah abschneiden, um Selbstaussaat zu begrenzen; unter günstigen Bedingungen starke Ausbreitung möglich.

Düngung

Beim Mutterkraut ist im Garten keine zusätzliche Düngung nötig.

Lebensform und Verwendung

Lebensform

Die Pflanze wächst als ausdauernde, krautige Staude.

Verwendung

Die Pflanze eignet sich als Schnittblume; ihre Blütenstände können auch für Trockengestecke verwendet werden.

Aussaatkalender Mutterkraut
GartenkalenderVorkultur: März, April, Mai; Aussaat: Mai; Blüte: Juni, Juli, August, SeptemberJFMAMJJASONDVorkulturVorkultur: MärzVorkultur: AprilVorkultur: MaiAussaatAussaat: MaiBlüteBlüte: JuniBlüte: JuliBlüte: AugustBlüte: SeptemberVorkulturAussaatBlüte

Vom Mittelmeer in die Gärten Europas

Sicher ist der Weg über die Nutzung: Eine Pflanze mit langer volksmedizinischer Tradition wird mitgenommen, gesät und weitergegeben. Und Mutterkraut bringt eine Eigenschaft mit, die diese Verbreitung enorm erleichtert: Es gilt als verwilderungsfähig, sät sich aus und kann sich unter günstigen Bedingungen stark ausbreiten.

Genau das sehe ich in meinem Wildstreifen. Wo ich einmal gesät habe, stehen im nächsten Frühjahr Sämlinge, ohne dass ich nachgesät hätte. Ich kontrolliere im Mai, wo sie aufgelaufen sind, und ziehe die heraus, die im Weg stehen. Eine Pflanze, die sich so verhält, bleibt in einem Garten, solange jemand sie duldet – über Generationen. Das erklärt besser als jede Legende, warum Mutterkraut vom Kloster- und Bauerngarten bis in heutige naturnahe Pflanzungen präsent blieb.

Heilpflanze gestern und heute

Die Tradition darf ich dir nennen, eine Wirkung nicht: Mutterkraut wurde in der Volksmedizin über lange Zeit genutzt, und die Namen Mutterkraut und Fieberkraut erinnern an die überlieferten Einsatzgebiete in der Frauenheilkunde und bei Fieber. Bei Beschwerden ersetzt kein Kraut den ärztlichen Rat.

Was sich seit der Volksmedizin geändert hat, ist die Art der Prüfung. Heute misst die Anbauforschung an Mutterkraut-Herkünften Vitalität, Produktivität, Erntezeitpunkt und den Gehalt an Parthenolid, einem Inhaltsstoff, an dem sich die pharmazeutische Bewertung orientiert. Und es gibt Mutterkraut als geprüftes Arzneimittel in Kapselform – mit Packungsbeilage, Altersgrenze und Gegenanzeigen, wie sie ein selbst getrockneter Tee nie haben kann.

Achtung

Für die geprüften Mutterkraut-Kapseln gelten klare Grenzen: nicht unter 18 Jahren, nicht in Schwangerschaft und Stillzeit, nicht bei einer Allergie gegen Mutterkraut oder andere Korbblütler. Als Nebenwirkung wurden Magen-Darm-Beschwerden berichtet, und nach längerer Anwendung kann abruptes Absetzen vorübergehend Beschwerden auslösen. Wer Medikamente nimmt, spricht vor jeder Anwendung mit Arztpraxis oder Apotheke.

Wie Mutterkraut medizinisch angewendet wird und welche Risiken und Wechselwirkungen dazugehören, ist ein eigenes Thema; das erklärt dir der Artikel über Mutterkraut in der Naturheilkunde mit seinen Vorsichtsmaßnahmen.

Der Weg zur Zierpflanze

Parallel zur Heilkunde lief eine zweite Entwicklung, die heute die sichtbarere ist. Aus der einfachen weißen Wildform entstanden durch gärtnerische Züchtung Sorten mit unterschiedlichen Blütenformen: einfach blühende wie Roya und gefüllt blühende Sorten. Damit wechselte Mutterkraut die Rolle – vom Nutzkraut am Beetrand zur Staude, die um ihrer Blüten willen gepflanzt wird.

Heute steht es im Bauerngarten, in naturnahen Pflanzungen, im Steingarten und im Pflanzgefäß auf der Terrasse. Seine Blütenstände werden als Schnittblume und für Trockengestecke genutzt; ein Schnittblumen-Saatgutset kombiniert Mutterkraut mit Schleierkraut, Schopfsalbei und Zinnien. Auch die Winterhärte wurde geprüft: Im Pillnitzer Versuch überwinterten die Sorten Vegmo Single und Vegmo Snowball erfolgreich im Freiland. Als Staude kann Mutterkraut in milden Lagen überwintern; manche Quellen führen es dennoch als einjährig und nicht winterhart, weil es kurzlebig ist und in rauen Lagen ausfallen kann. Wie sich einjährige, zweijährige und mehrjährige Kräuter im Beet grundsätzlich unterscheiden, liest du im Grundlagenartikel zu Kräutern im Abschnitt zur Lebensdauer.

Marias Erfahrung

Ich verlasse mich bei Mutterkraut nicht auf die Überwinterung einzelner Pflanzen. Ich lasse jedes Jahr ein paar Blütenstände ausreifen und beobachte im Frühjahr, wo die Sämlinge stehen – so bleibt der Bestand da, egal ob die alten Stöcke durchkommen.

Was Mutterkraut heute im Garten leistet

Der jüngste Abschnitt seiner Geschichte ist ökologisch. Mutterkraut gilt als nützlingsfreundlich, und seine Blütezeit von etwa Juni bis September füllt den Sommer bis in den Frühherbst, wenn viele Frühjahrsblüher längst fertig sind. Für Bienen und andere Blütenbesucher sind ungefüllte Blüten die bessere Wahl, weil sie Pollen zugänglich anbieten; ein Teil der Pflanzen bleibt dafür bis zur Blüte stehen. Ich schneide bei einem Teil meiner Pflanzen das Verblühte zeitnah ab, um die Selbstaussaat zu begrenzen, und lasse den Rest für die Insekten stehen.

Was Mutterkraut darüber hinaus im ökologischen Gemüse- und Mischkulturgarten leisten kann, ordnet der Artikel über Mutterkraut als Helfer im naturnahen Garten ein.

Anbau in Kürze

Mutterkraut ist ein Lichtkeimer: Du ziehst es ab etwa Mitte März vor oder säst ab Mitte Mai direkt, bedeckst die Samen nur dünn und rechnest mit rund zwei Wochen Keimdauer. Vorgezogene Pflanzen kommen etwa Mai bis Juni ins Freiland an einen sonnigen bis halbschattigen Platz mit feuchtem, gut durchlässigem Boden; eine zusätzliche Düngung ist im Garten nicht nötig. Die Aussaatfenster im Überblick liefert dir der Aussaatkalender für Kräuter zum Ausdrucken. Standortwahl, Pflanzabstände, Saisonkalender und typische Fehler behandelt ausführlich der Artikel darüber, wie du Mutterkraut im Detail pflegst.

Ernte und Trocknung

Geerntet werden die blühenden Triebe im Blütenfenster von etwa Juni bis September; sie werden luftig im Schatten getrocknet und sind fertig, wenn die Blätter beim Anfassen rascheln. Ich hänge die Bündel im Schuppen auf und prüfe beim Vorbeigehen mit den Fingern, ob sie schon so weit sind. Wie du Mutterkraut vom Schnitt bis zur Verarbeitung und als Schnittblume nutzt, steht im Artikel über den Anbau von Mutterkraut für üppige Blüten.

Passt dazu

Mutterkraut ist in dieser Geschichte kein Einzelfall. Auch Kamille, Ringelblume und Schafgarbe sind Korbblütler mit einem Doppelleben als Heil- und Zierpflanze – und wer auf eine davon allergisch reagiert, kann auch auf die anderen reagieren.

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Häufige Fragen

Was ist Mutterkraut botanisch?
Mutterkraut heißt botanisch Tanacetum parthenium und gehört zu den Korbblütlern. Es stammt aus dem östlichen Mittelmeergebiet und wächst als kurzlebige, mehrjährige Staude von etwa 30 bis 90 cm Höhe. Die kleinen weißen Blüten mit gelber Mitte erscheinen etwa von Juni bis September, das Laub duftet kräftig.
Warum heißt dieselbe Pflanze Mutterkraut, Zierkamille, Jungfernkraut und Fieberkraut?
Die Namen stammen aus verschiedenen Nutzungen. Mutterkraut, Jungfernkraut und das englische Feverfew erinnern an die überlieferten Einsatzgebiete in der Volksmedizin, Zierkamille und Falsche Kamille an das kamillenähnliche Aussehen und die Verwendung im Garten. Gemeint ist immer Tanacetum parthenium; eine Wirkung verspricht keiner dieser Namen.
Worin unterscheidet sich Mutterkraut von der Echten Kamille?
Die Echte Kamille (Matricaria chamomilla) gilt als nicht winterhart und wird jedes Jahr neu gesät, Mutterkraut kann als Staude in milden Lagen überwintern und sät sich selbst aus. Beide sind Korbblütler und blühen etwa von Juni bis September, Kamille wird etwa 30 bis 50 cm hoch. Mutterkraut erkennst du am fiederteiligen, kräftig duftenden Laub.
Warum ist Mutterkraut ein Lichtkeimer, und was bedeutet das für die Aussaat?
Die feinen Samen keimen an der Oberfläche: Du drückst sie nur an oder bedeckst sie höchstens dünn mit Erde. Bei 20 °C keimen sie in etwa 1 bis 2 Wochen, bei 15 °C in etwa 2 bis 3 Wochen. Genau so funktioniert auch die Selbstaussaat im Beet, bei der die Samen von selbst obenauf landen.
Welche Rolle spielt Mutterkraut heute als Zierpflanze?
Es steht im Bauerngarten, in naturnahen Pflanzungen, im Steingarten und im Pflanzgefäß auf der Terrasse. Gezüchtet wurden einfach blühende Sorten wie Roya und gefüllt blühende Formen; die Blütenstände eignen sich als Schnittblume und für Trockengestecke. Ein Schnittblumen-Saatgutset kombiniert Mutterkraut etwa mit Schleierkraut, Schopfsalbei und Zinnien.
Was bringt die Blütezeit von Juni bis September den Insekten?
Mutterkraut gilt als nützlingsfreundlich und liefert über den Sommer bis in den Frühherbst Blüten, wenn viele Frühjahrsblüher längst durch sind. Für Bienen und andere Blütenbesucher sind ungefüllte Sorten die bessere Wahl, weil sie Pollen zugänglich anbieten. Ein Teil der Pflanzen bleibt dafür bis zur Blüte stehen.
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