Beerenanbau weltweit: Terrassen, Bokashi, Terra Preta und was davon in deinen Garten passt
- Terrassen und das tunesische Jessour-System halten Regenwasser zurück, im Garten übernimmst du den Gedanken mit der Regentonne.
- Auf schweren Böden kommen Erdbeeren auf Dämme, staunasse Stellen meidest du wegen der Rhizomfäule.
- Bokashi stammt aus Japan: Küchenreste fermentieren unter Luftabschluss mithilfe von Mikroorganismen.
- Terra Preta sind durch Bewirtschaftung entstandene, kohle- und nährstoffreiche Böden des Amazonasgebiets.
- Pflanzenkohle kommt nur beladen ins Beet, weil unbeladene Kohle Nährstoffe binden kann.
- Gute Mischkulturpartner für Erdbeeren sind Zwiebeln, Boretsch, Prunkbohnen und Spinat.
Bokashi-Eimer, Pflanzenkohle, Terrassen am Hang: Viele Anbaumethoden, über die du beim Beerenanbau stolperst, kommen aus Regionen mit anderen Böden und anderem Klima. Bevor ich eine davon ins Beerenbeet hole, frage ich mich: Welches Problem löst sie dort, und habe ich dasselbe Problem? Eine Methode, die am trockenen Hang Wasser festhält, kann auf schwerem, flachem Boden genau das Falsche für Erdbeeren sein.
Hier ordne ich Terrassen, Jessour, Bokashi, Terra Preta und MischkulturMischkultur bedeutet, dass verschiedene Gemüsearten nebeneinander auf einem Beet wachsen. So nutzt du die Fläche besser aus, und der Boden bleibt während der Saison weitgehend bedeckt. ein. Zu jeder Methode erfährst du, woher sie stammt und was du davon im eigenen Garten übernehmen kannst.
Welche traditionellen Methoden gibt es im Beerenanbau weltweit?
Jede der fünf Methoden löst ein Problem ihrer Herkunftsregion. Die Übersicht zeigt, welches, und was davon im Garten übrig bleibt.
| Methode | Herkunft | Grundidee | Was du im Garten übernimmst |
|---|---|---|---|
| Terrassen | Hanglagen, etwa in China, im Mittelmeerraum und in Marokko | Ebene Stufen halten Erde und Wasser am Hang | Nur am Hang sinnvoll; auf schwerem, flachem Boden eher Dämme |
| Jessour | Trockene Regionen Tunesiens | Kleine Dämme fangen Regenwasser auf | Regenwasser sammeln und gezielt gießen |
| Bokashi | Japan | Küchenreste fermentieren unter Luftabschluss mithilfe von Mikroorganismen | Küchenreste verwerten und das Eingebrachte bei der Düngung mitrechnen |
| Terra Preta | Amazonasgebiet | Durch Bewirtschaftung entstandene, kohle- und nährstoffreiche Böden | Pflanzenkohle nur beladen einsetzen, ohne feste Wirkungserwartung |
| Mischkultur | Zum Beispiel China und Ostafrika | Verschiedene Kulturen auf einer Fläche | Passende Nachbarn für Erdbeeren und andere Beeren wählen |
Terrassen und Jessour: Wasser halten, wo es knapp ist
An Hängen in China, im Mittelmeerraum und in Marokko legen Bauern Terrassen an. Die ebenen Stufen verhindern, dass Regen die Erde abschwemmt, und halten Wasser im Hang. In China wachsen auf solchen Terrassen auch Maulbeeren, die dort zur Seidenraupenzucht gehören.
Das Jessour-System aus Tunesien folgt einem ähnlichen Gedanken für trockene Regionen. Kleine Dämme fangen dort das Regenwasser auf, damit es nicht ungenutzt abfließt.
Warum dein flaches Beet eher Dämme braucht
Auf schwerem Gartenboden kann das Problem umgekehrt liegen: Nach Regen bleibt das Wasser stehen. Staunasse Böden und Temperaturen über 25 °C bieten dem Erreger der Erdbeer-Rhizomfäule besonders günstige Entwicklungsbedingungen. Wer auf solchem Boden Wasser zurückhält wie auf einer Terrasse, schafft also eine der beiden Bedingungen, die diesen Erreger begünstigen.
Die Bayerische Gartenakademie empfiehlt für Erdbeeren auf schweren Böden Dämme aus humoser Erde, die 20 cm hoch sind. Du schüttest sie zwei bis drei Wochen vor dem Pflanzen auf. Wie du den Boden für Erdbeeren, Himbeeren und Heidelbeeren vorbereitest, steht im Abschnitt zum Boden im Beerenobst-Ratgeber.
Jessour im Kleinen: Regenwasser nutzen
Den Jessour-Gedanken holst du mit einer Regentonne in den Garten. Heidelbeeren gießt du vorzugsweise mit kalkarmem Wasser, und Regenwasser ist genau das. Ich stelle außerdem einen Regenmesser ins Beet und ziehe den gefallenen Regen vom Wasserbedarf ab. Richtwerte für jede Beerenart findest du im Beerenobst-Ratgeber unter Gießen.
Bokashi aus Japan: Küchenreste fermentieren
Bokashi ist ein Verfahren aus Japan, bei dem organische Küchenreste unter Luftabschluss fermentieren. Die Umsetzung leisten Mikroorganismen. Der Gartenkompost arbeitet anders, denn er braucht Luft. Abwechselnd trockene und feuchte Materialien sowie grobe Zweige halten ihn locker, und bei Trockenheit ergänzt du Wasser. Weil Kompost Luft braucht und Bokashi Luftabschluss, führst du beide in getrennten Behältern.
Gesunde Gartenreste und pflanzliche Küchenreste eignen sich für den Kompost. Kranke Pflanzenteile gehören nicht hinein, weil der Kompost sie nicht ausreichend hygienisiert. Ich halte kranke Blätter auch aus dem Bokashi-Eimer heraus.
Ich führe für jedes Beet eine Liste, was an Kompost, Bokashi oder MulchMulch ist eine Schicht, mit der du offenen Gartenboden bedeckst, meist aus organischem Material wie Rasenschnitt, Stroh oder Laub. Sie schützt den Boden, hält ihn feucht und hemmt Unkraut. hineinkommt. Vor jeder Düngung schaue ich zuerst auf diese Liste und rechne das Eingebrachte mit ein.
Was du beim Einbringen ins Beerenbeet beachtest
Achte bei Erdbeeren auf den Salzgehalt, denn hohe Nährsalzgehalte in eigenem Kompost können die Pflanzen schädigen. Für Heidelbeeren sind kalkwirksame Kompostgaben ungeeignet, weil sie ein saures Bodenmilieu brauchen. Was du an Kompost einbringst, berücksichtigst du bei jeder zusätzlichen Düngung, und liegt der pH-WertDer pH-Wert gibt an, wie sauer oder alkalisch etwas ist, etwa Gartenboden, Blumenerde, Gießwasser oder Kompost. Die Skala reicht von 0 bis 14; der Wert 7 gilt als neutral, niedrigere Werte sind sauer, höhere alkalisch. schon über dem Zielbereich, bleiben Kalk und Kompost ganz weg. Wie du das planst, erklärt der Beerenobst-Ratgeber im Abschnitt zum nachhaltigen Düngen.
Terra Preta: Kohle aus dem Amazonasgebiet
Terra Preta bezeichnet Böden im Amazonasgebiet, die durch menschliche Bewirtschaftung entstanden sind. Sie sind reich an Kohle und Nährstoffen. Wer diesen Gedanken in den Garten holen will, greift zu Pflanzenkohle.
Pflanzenkohle kommt nur mit Nährstoffen beladen in den Boden. Unbeladene Kohle kann Nährstoffe binden und dadurch das Pflanzenwachstum hemmen. Ich bringe Kohle deshalb nie unbeladen ins Beet.
„Mit Pflanzenkohle wird mein Gartenboden zur Terra Preta.“ Terra Preta ist durch menschliche Bewirtschaftung entstanden, Kohle ist darin ein Bestandteil neben den Nährstoffen. In bayerischen Ackerbauversuchen ließen sich Verbesserungen von Ertrag und Wasserverfügbarkeit nicht systematisch der ausgebrachten Biokohle zuordnen. Eine Kohlegabe macht aus deinem Beet also keine Terra Preta, und ein höherer Ertrag ist nicht sicher.
Holzasche aus dem Ofen ist keine Pflanzenkohle. Bring sie weder auf den Gartenboden noch auf den Kompost, auch dann nicht, wenn sie aus naturbelassenem Holz stammt.
Mischkultur: Was Nachbarn im Beerenbeet beitragen
Verschiedene Kulturen auf einer Fläche gehören in vielen Regionen zur Anbautradition. In China werden verschiedene Pflanzen gemeinsam auf demselben Feld angebaut. In Kenia und Uganda wächst Passionsfrucht, botanisch Passiflora edulis, auch zwischen Bäumen.
Im Garten lässt sich dieser Gedanke direkt übertragen. Für Erdbeeren sind Zwiebeln, Boretsch, Prunkbohnen und Spinat gute Partner. Pimpinelle, auch Kleiner Wiesenknopf genannt, gehört dagegen nicht neben Erdbeeren. Mischkultur unterstützt dein Beet, eine Garantie gegen Krankheiten ist sie nicht.
Gepflanzter Knoblauch soll Erdbeeren vor Botrytis-Fruchtfäule schützen, doch diese Wirkung ist ebenso wenig gesichert wie bei SchachtelhalmbrüheSchachtelhalmbrühe ist ein gekochter Auszug aus Ackerschachtelhalm. Die gelöste Kieselsäure soll das äußere Zellgewebe der Pflanzen festigen; die Brühe wird vorbeugend gegen Pilzkrankheiten an Obst und Gemüse gesprüht.. Die Sorten unterscheiden sich dagegen: Senga Sengana ist stark anfällig, Gorella und Bogota gelten als weniger anfällig. Wer Fruchtfäule vorbeugen möchte, setzt also eher bei der Sortenwahl an als beim Knoblauch daneben.
Auch Exoten, die zum Beerenobst gezählt werden, haben Nachbarn, die passen, und solche, die nicht passen.
| Kultur | Botanischer Name | Gute Nachbarn | Unverträgliche Nachbarn |
|---|---|---|---|
| Erdbeere | Fragaria spp. | Zwiebeln, Boretsch, Prunkbohnen, Spinat | Pimpinelle, Kleiner Wiesenknopf |
| Physalis | Physalis peruviana | keine Angabe | Paprika, Tomaten, Auberginen, Birnenmelonen, Kartoffeln |
| Birnenmelone | Solanum muricatum | keine Angabe | Paprika, Physalis, Tomaten, Auberginen, Kartoffeln |
| Zwergbanane | Musa acuminata | Kürbis | Minze |
Physalis und Birnenmelone vertragen sich also weder miteinander noch mit Tomaten, Paprika, Auberginen und Kartoffeln. Als Gründünger passen zu Birnenmelonen Lein, Luzerne, Phacelia und Gelbsenf. Vor Erdbeeren gelten Phacelia und Ackerbohnen dagegen wegen des Rhizomfäulerisikos als ungünstige VorfrüchteDie Vorfrucht ist die Kultur, die vor der aktuellen Kultur auf derselben Fläche stand, in der Fruchtfolge meist im Vorjahr. Sie kann Boden, Nährstoffe und Krankheitsdruck für die nachfolgende Kultur positiv oder negativ beeinflussen..
Weitere Kombinationen kannst du in der Übersicht guter und schlechter Pflanzennachbarn nachschlagen. Wie Partner und Reihen auf deine Fläche passen, kannst du mit dem Beetplaner für dein Beet durchspielen.
Nordamerika: saure Böden für Blaubeeren
In Nordamerika gehören Blaubeeren und Cranberries zu den bekannten Beerenkulturen. Cranberries wachsen dort auf Moorflächen, und zur Ernte werden die Felder geflutet, sodass die Beeren an die Oberfläche treiben. Blaubeeren brauchen saure Böden, deshalb zieht man sie dort auch in erhöhten Beeten oder Gefäßen, in denen sich der Boden steuern lässt.
Im Garten übernimmst du das mit einem Kübel: Für Kulturheidelbeeren soll das SubstratSubstrat ist der Fachbegriff für Erde oder Erdmischungen, in die du aussäst, pflanzt oder umtopfst, etwa Aussaaterde, Topferde oder Kübelpflanzenerde. Es wird aus organischen und mineralischen Bestandteilen gemischt. einen pH-Wert von rund 4,0 bis 5,0 haben. Dafür eignet sich saure, torffreie Spezialerde für Rhododendren oder Moorbeetpflanzen. Gefäßgröße und Gießprobe stehen im Beerenobst-Ratgeber unter Topf, Ampel und Kübel.
Europa: Reihen, Stroh und die Goji-Beere
Die mitteleuropäische Erdbeerkultur setzt auf Reihen, Strohmulch und das Entfernen überzähliger AusläuferAusläufer sind Triebe, an denen eine Pflanze wie die Erdbeere aufgereihte Jungpflanzen bildet. Diese bewurzeln sich und lassen sich abtrennen, so vermehrt sich die Pflanze vegetativ, also ohne Samen.. Stroh kommt kurz vor bis während der Blüte unter die Pflanzen und kann Fruchtverschmutzung und Grauschimmelbefall vermindern, verlass dich aber nicht allein darauf. Pflanz- und Aussaattermine findest du im Aussaatkalender für Beerenobst zum Ausdrucken.
Manche Beere hat mehr als eine Herkunftsregion. Der Gemeine Bocksdorn mit seinen Goji-Beeren stammt vermutlich aus China und Südeuropa.
So prüfst du, ob eine Methode in dein Beet passt
Ich gehe jede neue Methode mit denselben Fragen durch, bevor ich sie im Beerenbeet ausprobiere.
- Welches Problem löst die Methode in ihrer Herkunftsregion, und hat dein Beet dasselbe Problem?
- Steht bei dir nach Regen Wasser im Boden, oder fehlt es? Bei StaunässeStaunässe entsteht, wenn der Boden Regenwasser nicht schnell genug aufnehmen kann und sich das Wasser im Boden staut. Den Wurzeln fehlt dann Sauerstoff, und die Pflanzen werden geschwächt. denkst du an Dämme, bei Trockenheit an Regenwasser.
- Hast du den Boden vor der Neuanlage untersuchen lassen? Für Erdbeeren eignet sich ein pH von 5,5 bis 6,5, für Himbeeren von 5,0 bis 6,5.
- Passen die geplanten Nachbarn zu deinen Beeren?
- Hast du notiert, was an Kompost, Bokashi oder Pflanzenkohle ins Beet gekommen ist?




