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Mikrobielle Düngung im Obstgarten: Was Mykorrhiza, Bakterien und Algenextrakte können

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 7 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Mikrobielle Präparate enthalten lebende Mikroorganismen; Algenextrakte werden zu den nichtmikrobiellen Biostimulanzien gerechnet.
  • Arbuskuläre Mykorrhizapilze können Nährstoffe aus dem Boden aufnehmen und an die verbundene Pflanze weitergeben.
  • Knöllchenbakterien binden Stickstoff nur in Symbiose mit den jeweils passenden Leguminosenarten, am Obstbaum entsteht sie nicht.
  • Gut gereifter Kompost kann den Boden mit Trichoderma-Arten anreichern.
  • Bei Frost, Trockenheit oder Staunässe setzen organische Dünger keine oder nur wenige Nährstoffe frei; Nachdüngen behebt das nicht.
  • Mit der Ernte verlassen Nährstoffe den Anbaukreislauf; eine ergänzende Nährstoffzufuhr kann deshalb nötig bleiben.

Auf der Packung stehen Mykorrhiza, Bodenbakterien oder Algenextrakt, und daneben stehen kräftigere Bäume und mehr Obst. Ob dein Apfel- oder Kirschbaum davon etwas hat, entscheidet sich an zwei Fragen: Was lebt in der Packung, und was kann dieser Organismus an einem Obstgehölz tun? Ich lese deshalb zuerst die Liste der enthaltenen Organismen und erst danach die Versprechen auf der Vorderseite.

Im Handel begegnen dir Mykorrhiza-Pilze, Bakterienpräparate und Algenextrakte. Sie arbeiten unterschiedlich, und die Algenextrakte zählen gar nicht zu den Präparaten mit lebenden Mikroorganismen.

Was ist mikrobielle Düngung?

Mikrobielle Düngung meint Präparate mit lebenden Mikroorganismen, die du an die Wurzel oder in den Boden bringst. Sie sollen keine Nährstoffe mitbringen, sondern den Zugang zu Nährstoffen verbessern, die schon vorhanden sind. Ein organischer Dünger wie Kompost arbeitet umgekehrt: Er bringt Nährstoffe mit, und im Boden werden sie erst nach und nach pflanzenverfügbar.

Was zu den einzelnen Organismen und Mitteln gesichert ist, zeigt die Tabelle.

Organismus oder Mittel Was gesichert ist Was das für deinen Obstbaum heißt
Mykorrhiza-Pilze Arbuskuläre Mykorrhizapilze können Nährstoffe aus dem Boden aufnehmen und sie den Pflanzen bereitstellen, mit denen sie verbunden sind. Der Pilz erschließt, was im Boden ist. Was dort fehlt, kann er nicht weitergeben.
Knöllchenbakterien Ihre stickstoffbindende Symbiose kommt nur mit den jeweils passenden Leguminosenarten zustande. Am Obstbaum selbst entsteht diese Symbiose nicht.
Algenextrakte Sie werden zu den nichtmikrobiellen Biostimulanzien gerechnet. Ein Algenextrakt ist von Präparaten mit lebenden Mikroorganismen zu unterscheiden.
Effektive Mikroorganismen Ihre Wirksamkeit ließ sich in untersuchten Gemüsebauversuchen wissenschaftlich nicht nachweisen. Ein Wirkversprechen für den Obstbaum lässt sich darauf nicht stützen.
Trichoderma-Arten Gut gereifter Kompost kann den Boden mit ihnen anreichern. Sie wirken bestimmten bodengebundenen Krankheitserregern entgegen. Diese Pilze können mit reifem Kompost in den Boden kommen.
Kurz erklärt

Leguminosen sind Hülsenfrüchtler wie Klee, Lupinen, Erbsen und Bohnen. Apfel, Birne, Kirsche und Zwetschge gehören nicht dazu.

Wie wirken Mykorrhiza-Pilze am Obstbaum?

Arbuskuläre Mykorrhizapilze sind mit einer Pflanze verbunden. Sie können Nährstoffe aus dem Boden aufnehmen und an diese Pflanze weitergeben. Der Pilz arbeitet also mit dem Vorrat, den dein Boden hat.

Daraus ergibt sich eine Grenze. Mit der Ernte verlassen Nährstoffe den Anbaukreislauf, und der Pilz gibt nur weiter, was der Boden enthält. Ein Mykorrhiza-Präparat ersetzt deshalb nicht, was du mit den Äpfeln vom Grundstück trägst.

Ob es an deinem Standort etwas verändert, kannst du nur am eigenen Baum beobachten.

Marias Erfahrung

Wenn ich ein Präparat ausprobiere, behandle ich nur einen von zwei vergleichbaren Bäumen und sehe mir über die Saison beide an. Was ich wann ausgebracht habe, schreibe ich mir zu jedem Baum auf.

Wie bringst du ein Pilzpräparat aus?

Der Pilz muss mit der Pflanze verbunden sein, also gehört das Präparat an die Wurzel. Das geht gut bei der Pflanzung, weil die Wurzeln dann offen vor dir liegen. Angeboten werden die Präparate als Pulver, Granulat oder Flüssigkeit. Menge und Handhabung stehen in der Gebrauchsanweisung, und daran halte ich mich genau.

Bei einem eingewachsenen Baum kommst du an die Wurzeln nicht heran, ohne zu graben. Dort arbeite ich mit reifem Kompost auf der Baumscheibe statt mit einem Präparat.

Häufiger Fehler

Frische Holzhäcksel im Pflanzloch-Aushub oder auf der Baumscheibe junger Obstgehölze. Ihre Zersetzung kann den Pflanzen verfügbaren Stickstoff entziehen.

Hilft ein Präparat am alten Apfelstandort?

Soll ein neuer Apfelbaum dorthin, wo vorher schon einer stand, ist Vorsicht angebracht. Beim wiederholten Anbau von Äpfeln können biologische Ungleichgewichte im Boden komplexe Nachbauprobleme verursachen. Die vorrangige Möglichkeit ist deshalb ein anderer Pflanzplatz.

Die Ursache kann also biologisch sein, und trotzdem steht der Standortwechsel an erster Stelle. Auf ein Präparat im Pflanzloch verlasse ich mich an einer solchen Stelle darum nicht.

Lässt sich der alte Platz nicht vermeiden, entfernst du die alten Wurzeln möglichst vollständig und tauschst den Boden aus. Das Pflanzloch bekommt dafür etwa den doppelten Durchmesser des neuen Wurzelwerks.

Was können Bakterienpräparate, und was nicht?

Wirbt ein Bakterienpräparat mit Stickstoff aus der Luft, lohnt der Blick auf die Art. Knöllchenbakterien binden Stickstoff in einer Symbiose, und die gehen sie nur mit den jeweils passenden Leguminosenarten ein. Apfel, Birne, Kirsche und Zwetschge sind keine Leguminosen. An ihren Wurzeln kommt diese Symbiose also nicht zustande.

Diese Stickstoffquelle erschließt du im Obstgarten über Leguminosen. Sie können den Boden durch ihre Symbiose mit Knöllchenbakterien zusätzlich mit Stickstoff anreichern.

Direkt unter junge Bäume säe ich sie trotzdem nicht. In einem LWG-Versuch mit jungen Apfelbäumen auf leichten lehmigen Sandböden erwiesen sich die geprüften Untersaaten als ungeeignet, weil die Wasserkonkurrenz zu hoch war. Leguminosen können also Stickstoff bringen, eine Untersaat kann dem jungen Baum aber Wasser nehmen. Ihr Platz ist deshalb neben der Baumscheibe und nicht darauf.

Besonders jungen oder schwachwurzelnden Obstbäumen helfen bei Trockenheit bewuchsfreie Baumscheiben von 1–2 m Durchmesser, die mit angewelktem Grasschnitt gemulcht werden.

Mehr Stickstoff ist bei Obst ohnehin kein Ziel für sich. Obstbäume und Obststräucher werden nur mäßig mit Stickstoff versorgt, weil ein Überschuss das Triebwachstum verstärkt. Das geht zulasten der Blüten- und Fruchtbildung.

Mythos-Check

Wirken effektive Mikroorganismen in jedem Garten? In untersuchten Gemüsebauversuchen ließ sich ihre Wirksamkeit wissenschaftlich nicht nachweisen. Für Obstbäume lässt sich daraus kein Wirkversprechen ableiten.

Sind Algenextrakte mikrobielle Dünger?

Algenextrakte werden zu den nichtmikrobiellen Biostimulanzien gerechnet. Du unterscheidest sie deshalb von Präparaten mit lebenden Mikroorganismen, auch wenn beide oft zusammen genannt werden. Ein Extrakt siedelt nichts im Boden an.

Wird ein Extrakt als Blattdünger gespritzt, gelten die Regeln der Blattdüngung im Obstbau. Blattdüngung kann vorübergehende Engpässe bei Spurenelementen überbrücken, wenn deren Aufnahme aus dem Boden eingeschränkt ist. Die Korrektur ungünstiger Bodenbedingungen ersetzt sie nicht.

Zahl im Blick

Für Blattdüngung im Obstbau sind Temperaturen unter 20 °C bei hoher Luftfeuchte günstig. Oberhalb von 25 °C werden keine Blattdünger ausgebracht.

Blattdünger spritze ich fein verteilt und nicht auf Blätter oder Früchte, die bereits nass sind.

Wie förderst du das Bodenleben ohne Präparat?

Ein Teil dieser Organismen kommt ohne Packung in den Boden. Gut gereifter Kompost kann ihn mit Trichoderma-Arten anreichern, und diese Pilze wirken bestimmten bodengebundenen Krankheitserregern entgegen. Einen Schutz für den einzelnen Baum garantiert das nicht.

Reifen Kompost harke ich zum Austrieb im Frühjahr oberflächennah ein und vergrabe ihn nicht in tiefere Bodenschichten. Ob er reif ist, zeigt der vergleichende Kressetest. Wächst die Kresse im Kompostansatz nach etwa 5 Tagen schlechter oder wird sie gelb bis braun, weist das auf unzureichende Kompostreife hin. Pflanzenreste mit Wurzel- oder Stängelfäule und Welkeerkrankungen gehören nicht auf den Gartenkompost.

Für die Menge gibt das Kompostverfahren der Bayerischen Gartenakademie einen Anhalt. Bei Obstbäumen und Beerensträuchern in den ersten Standjahren reichen dort 1–1,5 l reifer Kompost je Pflanze und Jahr für die Phosphor- und Kaliumversorgung. Stickstoff liefert Kompost nur langsam: Vom Gesamtstickstoff im Gartenkompost werden jährlich nur rund 3–5 % mineralisiert und damit pflanzenverfügbar.

Warum wirkt organischer Dünger mal langsam und mal schubweise?

Organische Dünger werden im Boden erst umgesetzt, und das hängt am Wetter. Bei Frost, Trockenheit oder Staunässe setzen sie keine oder nur wenige Nährstoffe frei. Zusätzliches Düngen behebt diese Ursache nicht. Feuchtwarme Witterung kann dagegen starke Nährstoffschübe mit erhöhter Auswaschungsgefahr auslösen.

Dünne Schichten organischen Mulchs halten die Bodenfeuchte länger, und bei Trockenheit stockt die Freisetzung aus organischem Dünger. Mulch kann deshalb auch dem Kompost darunter nützen, weil der Boden länger feucht bleibt.

Im Frühjahr kommt der Mulch aber nicht zu früh auf noch kalten Boden, weil die Abdeckung die Bodenerwärmung verzögert. Auf den Baumscheiben junger Obstgehölze räume ich ihn ab September wieder ab, damit Wühlmäuse darunter keinen Schutz finden.

Bevor ich erneut gieße, prüfe ich mit einer Spatenprobe, wie weit der Boden durchfeuchtet ist. Dünger bringe ich auf feuchten Boden aus und nicht auf feuchte Blätter. Für Hitze und lange Trockenphasen gibt es einen eigenen Ratgeber dazu, wie du die Obstdüngung an Hitze und Trockenheit anpasst.

Was prüfst du, bevor du ein Präparat kaufst?

Zuerst kläre ich, ob dem Boden überhaupt etwas fehlt. Eine übliche Gartenboden-Grunduntersuchung erfasst Phosphor, Kalium, Magnesium und den pH-Wert. Sie zeigt die Versorgung, über das Bodenleben sagt sie nichts. Wie du die Probe ziehst, steht in den Abschnitten zu Bodenanalyse sowie Standort und Boden im Überblick zu Obst und Obstgehölzen. Dort findest du auch die Humusgehalte und pH-Bereiche, die für Obst angestrebt werden.

Danach lese ich das Etikett.

Mini-Checkliste

Sind die Organismen namentlich genannt? Handelt es sich um lebende Mikroorganismen oder um einen Extrakt? Passt der Organismus zu einem Obstgehölz, oder braucht er Leguminosen als Partner? Liegt eine Gebrauchsanweisung mit Menge und Anwendung bei?

Ersetzen Mikroorganismen den Dünger?

Darauf würde ich mich nicht verlassen. Die Ernte nimmt Nährstoffe mit, und selbst ökologische Obstbaubetriebe können deshalb auf ergänzende Nährstoffzufuhr angewiesen sein. Auch im ökologischen Landbau können Phosphor- und Kaliumentzüge durch zugelassene mineralische Ergänzungsdünger ausgeglichen werden. Mineralische Stickstoffdünger sind im zertifizierten ökologischen Obstbau dagegen nicht zugelassen.

Folgenlos für die Umwelt ist auch die Arbeit der Mikroorganismen nicht immer. Beim mikrobiellen Stickstoffumsatz können sowohl nach organischer als auch nach mineralischer Düngung Lachgasemissionen entstehen. Mehr dazu steht im Ratgeber dazu, wie du deinen Obstgarten umweltschonend düngst, und im Abschnitt zum Düngen im Überblick zu Obst und Obstgehölzen.

Die Grunddüngung bleibt also deine Aufgabe, und sie richtet sich nach dem Baum. Der Ratgeber zur Obstbaumdüngung zeigt, wie du sie an Baumalter, Trockenheit und Staunässe anpasst. Ein eigenes Thema ist, welche Düngestrategie zu welchem Obstgartensystem passt, vom Intensivobstbau bis zur Streuobstwiese.

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Häufige Fragen

Was versteht man unter mikrobieller Düngung im Obstanbau?
Gemeint sind Präparate mit lebenden Mikroorganismen wie Mykorrhiza-Pilzen oder Bodenbakterien, die an die Wurzel oder in den Boden gebracht werden. Sie sollen den Zugang zu vorhandenen Nährstoffen verbessern, statt selbst Nährstoffe zu liefern. Algenextrakte gehören nicht dazu, denn sie werden zu den nichtmikrobiellen Biostimulanzien gerechnet.
Worin unterscheiden sich Bakterienpräparate von Pilzkulturen in der mikrobiellen Düngung?
Arbuskuläre Mykorrhizapilze können Nährstoffe aus dem Boden aufnehmen und an die Pflanzen weitergeben, mit denen sie verbunden sind. Knöllchenbakterien binden dagegen Stickstoff in einer Symbiose, die nur mit den jeweils passenden Leguminosenarten zustande kommt. An Apfel, Birne oder Kirsche entsteht diese Symbiose nicht, weil sie keine Leguminosen sind.
Wie funktioniert die Stickstoff-Fixierung durch mikrobielle Organismen im Obstanbau?
Knöllchenbakterien binden Stickstoff in einer Symbiose mit Leguminosen, und zwar nur mit den jeweils passenden Arten. Obstbäume sind keine Leguminosen und gehen diese Symbiose nicht ein. Auf diesem Weg kommt Stickstoff also nur über Leguminosen in den Boden, die ihn zusätzlich damit anreichern können. Unter jungen Bäumen können Untersaaten allerdings um Wasser konkurrieren.
Wie kann eine Bodenanalyse bei der Auswahl geeigneter mikrobieller Präparate helfen?
Eine übliche Gartenboden-Grunduntersuchung erfasst Phosphor, Kalium, Magnesium und den pH-Wert. Sie zeigt dir also, wie gut der Boden versorgt ist, über das Bodenleben sagt sie nichts aus. Hilfreich ist sie trotzdem, weil du siehst, ob überhaupt ein Nährstoff fehlt. Liegt ein Nährstoff in der sehr hohen Gehaltsklasse E, ist für ihn grundsätzlich keine weitere Düngung vorgesehen.
Ist es ein Mythos, dass mikrobielle Düngemittel chemische Dünger vollständig ersetzen können?
Verlassen solltest du dich darauf nicht. Mit der Ernte verlassen Nährstoffe den Anbaukreislauf, und selbst ökologische Obstbaubetriebe können deshalb auf ergänzende Nährstoffzufuhr angewiesen sein. Auch im ökologischen Landbau können Phosphor- und Kaliumentzüge durch zugelassene mineralische Ergänzungsdünger ausgeglichen werden.
Worin unterscheidet sich biologische Düngung von mikrobieller Düngung?
Organische Dünger wie Kompost bringen Nährstoffe mit, die im Boden erst freigesetzt werden. Vom Gesamtstickstoff im Gartenkompost werden jährlich nur rund 3–5 % mineralisiert und damit pflanzenverfügbar. Mikrobielle Präparate enthalten dagegen lebende Mikroorganismen und sollen den Zugang zu vorhandenen Nährstoffen verbessern.
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