Anzucht auf der Fensterbank: Fensterlage, Wärme und Trauermücken
- Stell die Saatschalen an das hellste Fenster, für Paprikakeimlinge eignet sich ein helles Südfenster.
- Leg eine Styroporplatte unter die Schalen, damit die Kälte der Fensterbank nicht in die Erde zieht.
- Tomaten und Paprika keimen bei 22 bis 25 °C, danach wachsen sie kühler und hell weiter.
- Die Haube über der Aussaat kommt ab, sobald der erste Keimling erscheint.
- Gieß erst, wenn die Erde auch unter der Oberfläche nicht mehr nass ist, denn in ständig nasser Erde vermehren sich Trauermücken.
- Insektizidfreie Gelbtafeln zeigen dir, ob Trauermücken fliegen, setz sie nur in Wohnräumen ein.
Sobald meine ersten Saatschalen auf der Fensterbank stehen, achte ich auf drei Dinge: genug Licht, gleichmäßige Wärme und Erde, die nicht dauernd nass ist. Am Fenster ist keines davon selbstverständlich. Das Glas kühlt nachts aus, der Heizkörper darunter trocknet die Luft, und in ständig nasser Erde vermehren sich TrauermückenTrauermücken sind Mücken, die feuchte Umgebung lieben und ihre Eier auf oder in die Erde legen. Schaden richten vor allem ihre weißen Larven an: Sie fressen an Wurzeln, besonders bei Aussaaten und Stecklingen..
Bei Tomaten bietet die eigene Anzucht meist eine größere Sortenauswahl als der Kauf fertiger Jungpflanzen. Was für jede Aussaat gilt, von der Anzuchterde über die Keimbedingungen bis zur Jungpflanzenpflege, steht im Ratgeber zu Aussaat und Anzucht. Hier geht es um das, was die Fensterbank in der Wohnung besonders macht.
Welches Fenster eignet sich für die Anzucht?
Stell die Saatschalen an das hellste Fenster, das du hast. Für Paprikakeimlinge eignet sich ein helles Südfenster, und meine Tomaten teilen sich dort den Platz mit ihnen. Ein sonniges Ost- oder Westfenster kann ebenfalls reichen.
Ob das Licht genügt, zeigen dir die Jungpflanzen selbst. Werden sie blass, dünn und weich, kann das Fenster zu dunkel sein. Nach dem PikierenPikieren heißt, dicht aufgelaufene Sämlinge zu vereinzeln: Du setzt die jungen Pflänzchen einzeln in kleine Töpfe, sobald sich in der Triebmitte die ersten Laubblätter zeigen, damit jedes genug Platz zum Wachsen hat. kann dasselbe Bild auch auf einen zu warmen Platz hindeuten.
Frisch gekeimte Sämlinge brauchen einen hellen Platz, aber zunächst Schutz vor praller Sonne. Gerade das helle Südfenster, das den Paprikakeimlingen guttut, verlangt in dieser Phase also Schatten. Ich ziehe dort anfangs eine helle Gardine vor, wenn die Sonne prall auf die Scheibe fällt.
Ist kein Fenster hell genug, ergänzt du das Tageslicht mit LED-Licht. In einem Hausgarten-Versuch bekamen Topftomaten und eine Snackpaprika nach dem Topfen 16 Stunden LED-Licht am Tag. Das ist ein Versuchswert und keine feste Vorgabe für jede Lampe und jede Art.
Wie warm muss es auf der Fensterbank sein?
Zum Keimen braucht jede Art ihre eigene Temperatur, und die sollte möglichst gleichmäßig bleiben. Am Fenster schwankt sie besonders: Tagsüber wärmt die Sonne, nachts kühlt das Glas aus. Mit diesen Werten suchst du den passenden Platz in der Wohnung:
| Kultur | Zum Keimen | Nach dem Keimen |
|---|---|---|
| Tomate | 22 bis 25 °C | 16 bis 20 °C bei heller Weiterkultur |
| Paprika | 22 bis 25 °C, optimal 25 °C | 18 bis 20 °C |
| Kopfsalat | um 18 °C, bei Bodentemperaturen über 18 °C schlechter | 8 bis 12 °C für den ersten Frühjahrssatz |
Blumenkohl, Frühkohl, Kohlrabi und Sellerie sollen während der Anzucht nicht unter 14 bis 16 °C stehen, weil sonst vorzeitiges SchossenSchossen nennt man es, wenn eine Gemüsepflanze vorzeitig in die Höhe wächst und Blütenstände bildet, statt weiter Blätter oder Knollen zu entwickeln. Typisch ist das bei Salat, Spinat und Radieschen. droht.
Tomaten wachsen nach dem Keimen bei 16 bis 20 °C weiter. Zu hohe Temperaturen nach dem Pikieren machen Jungpflanzen blass, dünn und weich. Der Heizungsplatz taugt also zum Keimen, für die Weiterkultur suche ich einen kühleren, hellen Platz. Weitere Artwerte zu KeimtemperaturDie Keimtemperatur ist die Temperatur, bei der Samen keimen. Jede Pflanzenart hat dafür ein Minimum, ein Optimum und ein Maximum; unterhalb des Minimums keimt die Saat nicht. und SaattiefeDie Saattiefe gibt an, wie dick die Erdschicht über einem Samenkorn nach der Aussaat ist. Als Faustregel bedeckst du einen Samen höchstens dreimal so dick mit Erde, wie das Korn selbst ist. stehen im Ratgeber zu Aussaat und Anzucht im Abschnitt Keimbedingungen.
Ist die Fensterbank zum Keimen zu kühl, kann das beheizte Bad als Keimplatz dienen. Sobald der erste Keimling erscheint, kommt die Haube ab und die Schale ans helle Fenster.
Wie hältst du die Kälte von unten ab?
Die Fensterbank liegt direkt am Fenster und gibt Kälte an die Töpfe weiter. Leg deshalb eine isolierende Platte unter Schalen und Töpfe. Ich nehme eine Styroporplatte, die über die ganze Tiefe der Fensterbank reicht. So steht keine Schale direkt auf dem kalten Untergrund.
Ist der Platz über der Heizung gut?
Der Platz über dem Heizkörper ist warm und deshalb beliebt. Er hat aber zwei Haken: Nachts kühlt es direkt am Glas aus, und die trockene Heizungsluft steigt von unten an den Pflanzen auf. Diese Luft kann Pflanzen stärker verdunsten lassen, als ihre Wurzeln mit Wasser nachliefern.
Bis zum Keimen hilft eine Haube, die Luft und Licht durchlässt, denn sie hält die Aussaat feucht. Sobald der erste Keimling erscheint, nimmst du sie ab. Bleibt der Raum zu kühl, legst du eine Heizmatte unter die Schale, die Wärme von unten gibt. Abends rücke ich die Schalen vom Glas ab, wenn eine kalte Nacht angesagt ist.
Zwischen meinen Schalen liegt ein Thermometer, das ich morgens und abends ablese. So sehe ich, wie weit die Temperatur am Glas nachts fällt.
Bevor die erste Schale auf die Fensterbank kommt, liegen bei mir bereit: eine Styroporplatte als Unterlage, ein Thermometer, eine Haube aus luft- und lichtdurchlässigem Material, Gefäße mit Wasserabzug und eine insektizidfreie Gelbtafel.
Wann kommt was auf die Fensterbank?
Rechne vom Pflanztermin zurück, statt nach dem ersten warmen Tag zu säen. Als Orientierung für die Anzucht im Haus:
| Kultur | Aussaat im Haus |
|---|---|
| Petunien, Begonien | etwa ab Ende Februar |
| Paprika | etwa Februar bis Anfang März, für eine Pflanzung im Mai |
| Tomaten | Mitte bis Ende März auf der Fensterbank |
| Tagetes ‘Bonita Mischung’ | März bis Mai, ins Freiland nicht vor Mitte Mai |
| Zucchini, Kürbis | etwa 4 Wochen vor dem Auspflanzen |
| Gurken | 2 bis 3 Wochen vor der Pflanzung, Hausgurken im Anzuchtbeispiel Ende April |
Die Termine verschieben sich mit Witterung und regionalem Klima. Im WeinbauklimaWeinbauklima meint das Klima von Gegenden, in denen Wein angebaut wird, etwa in Veitshöchheim, im Unterschied zu kühleren Regionen. Die Artischocke zum Beispiel gedeiht dort besonders gut und kann früher ausgesät werden. kannst du früher beginnen, in klimatisch ungünstigen Lagen später.
Im April im Haus vorgezogene Gurken und Bohnen haben nach dem Auspflanzen Mitte Mai einen Entwicklungsvorsprung. Sie sind dann weniger durch Schnecken und Bohnenfliegen gefährdet, verlass dich aber nicht allein darauf.
Sommerblumen haben eigene Keimansprüche. Was sie verlangen, zeigt der Ratgeber, wie du Blumen aus Samen bis zur Blüte heranziehst. Wo die Jungpflanzen später stehen, legst du vorher im Beetplaner für deine Gemüsebeete fest.
Was gilt für Erde und Töpfe?
Für die Aussaat nimmst du AnzuchterdeAnzuchterde ist eine nährstoffarme, feinkrümelige Erde für die Aussaat und das Vorziehen junger Pflanzen. Die geringe Nährstoffmenge regt die zarten Wurzeln zum Wachsen an. mit einem Salzgehalt unter 0,5 g/l. Blumen- und Gartenerde darf nährstoffreicher und gröber sein, und reiner Kompost eignet sich wegen seines hohen Nährstoffgehalts nicht als Anzuchterde. Torffreie Mischungen und das Selbstmischen behandelt der Ratgeber zu Aussaat und Anzucht im Abschnitt Anzuchterde.
Jedes Anzuchtgefäß braucht einen Wasserabzug, damit überschüssiges Gießwasser abläuft, auch der umgenutzte Joghurtbecher. Während der Jungpflanzenanzucht kommen Tomaten, Paprika und Hausgurken in Töpfe mit 8 bis 10 cm Durchmesser, plan den Platz dafür auf der Fensterbank ein. Weitere Gefäße und Abdeckungen stellt derselbe Ratgeber im Abschnitt zu Gefäßen vor.
Wann deine Sämlinge Dünger brauchen, beschreibt der Ratgeber zu Aussaat und Anzucht im Abschnitt Düngen.
Was tun gegen Trauermücken in der Wohnung?
Fliegen beim Gießen kleine dunkle Mücken aus der Erde auf, können das Trauermücken sein. Den Schaden richten ihre Larven an, denn sie können die Wurzeln von Jungpflanzen anfressen. Sie vermehren sich besonders in ständig zu nasser Erde.
Wie gießt du, ohne die Larven zu füttern?
Bei torffreier oder torfreduzierter Erde kann eine trockene Oberfläche nasses Substrat weiter unten verdecken. Wer nach dem Blick auf die Oberfläche gießt, kann die Erde also ständig nass halten, und genau dort vermehren sich die Larven. Ich drücke deshalb einen Finger in die Erde, bevor ich gieße. Erst wenn sie auch darunter nicht mehr nass ist, kommt Wasser dazu. Was sich im Untersetzer sammelt, schütte ich weg.
Wozu dienen Gelbtafeln?
Insektizidfreie Gelbtafeln fangen die erwachsenen Trauermücken. Ich stecke eine zwischen die Töpfe und sehe daran, ob Mücken fliegen. Die Larven in der Erde erreicht die Tafel nicht.
Gelbtafeln fangen nicht nur Trauermücken. Setz sie deshalb nur in Wohnräumen ein, damit draußen keine anderen Tiere daran kleben bleiben.
Was, wenn die Mücken bleiben?
Fliegen viele Mücken an der Tafel, halte die Erde weniger nass. Manche Gärtner streuen eine Schicht Sand auf die Erde, weil das den Mücken die Eiablage erschweren soll. Verlass dich nicht darauf, entscheidend bleibt, wie nass die Erde ist.
Was tun bei Blattläusen und umfallenden Keimlingen?
Blattläuse können von draußen auf die Jungpflanzen gelangen, deshalb kontrolliere ich die Triebspitzen und brause befallene Pflanzen ab. Knicken Keimlinge am Stängelgrund um, kann eine Umfallkrankheit dahinterstecken, und betroffene Sämlinge kommen aus der Anzucht. Vorbeugung beschreibt der Ratgeber zu Aussaat und Anzucht im Abschnitt Krankheiten und Schädlinge, und welche Fehler bei der Pflanzenanzucht häufig passieren und wie du ihnen vorbeugst, zeigt ein eigener Ratgeber.
Wann dürfen die Jungpflanzen ins Beet?
Selbst gezogene Fruchtgemüse gewöhnst du bei passendem Wetter erst tagsüber im HalbschattenHalbschatten nennt man einen Standort, an den die Sonne nur einen Teil des Tages direkt scheint, bis zu etwa vier Stunden. Typisch sind die Ost- und Westseite von Gebäuden und Mauern oder Plätze unter Bäumen mit dichter Krone. an draußen, danach in der Sonne. Tomaten, Paprika, Gurken, Zucchini und Kürbisse können schon bei niedrigen Plusgraden im Wachstum stocken. Pflanz sie deshalb erst, wenn der Boden erwärmt ist und die tatsächliche Witterung passt. Welche Nachbarn sie im Beet bekommen, prüfst du mit dem Mischkultur-Planer für Gemüsenachbarn.

