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Saatgutbanken: Wie sie Pflanzenvielfalt sichern und was du im Garten beiträgst

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 5 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Saatgutbanken, auch Genbanken genannt, sammeln Saatgut, dokumentieren es und bewahren es langfristig auf.
  • In der Genbank Gatersleben liegt der größte Teil der Sammlung als Saatgut bei −18 °C.
  • Die Dahlemer Saatgutbank prüft Saatgut vor dem Einfrieren und danach alle fünf Jahre auf Keimfähigkeit.
  • An Privatpersonen gibt die Dahlemer Saatgutbank kein Saatgut ab, Erhaltungsinitiativen stellen es für den Eigenbedarf bereit.
  • Im Garten erhältst du Sorten, indem du samenfeste Sorten anbaust, vermehrst und beschriftet weitergibst.

Wer von Saatgutbanken liest, hofft oft, dort Saatgut seltener Sorten zu bekommen. Verlass dich nicht darauf: Die Dahlemer Saatgutbank etwa gibt kein Saatgut an Privatpersonen ab. Dein Beitrag zur Pflanzenvielfalt beginnt deshalb im eigenen Beet, mit Sorten, die du selbst anbaust und vermehrst.

Ich baue jedes Jahr einige samenfeste Sorten an, lasse einzelne Pflanzen ausreifen und nehme mein eigenes Saatgut ab. Genbanken und Gärten übernehmen dabei verschiedene Aufgaben. Die einen sichern Sorten außerhalb des Anbaus, die anderen erhalten sie durch wiederholten Anbau und Vermehrung.

Was sind Saatgutbanken?

Saatgutbanken sammeln Saatgut und anderes pflanzliches Vermehrungsmaterial, dokumentieren es und bewahren es langfristig auf. Häufig heißen sie auch Genbanken. Das Ziel ist, die genetische Vielfalt von Nutz- und Wildpflanzen zu sichern.

Das gilt auch für Sorten, die kaum noch jemand anbaut. In alten Kulturpflanzensorten stecken genetische Eigenschaften, die für künftige Züchtung und Ernährungssicherung nutzbar sein können.

Kurz erklärt

In-situ-Erhaltung bewahrt Pflanzenbestände in ihrem Vorkommensgebiet. Ex-situ-Erhaltung sichert genetische Ressourcen außerhalb dieses Gebiets. Saatgutbanken gehören zur zweiten Form.

Woher stammt die Vielfalt der Kulturpflanzen?

Die systematische Sammelarbeit ist eng mit dem russischen Botaniker Nikolai Vavilov verbunden. Zu seinen historischen Vielfaltszentren zählen China, Indien, Zentralasien, Vorderasien, der Mittelmeerraum, Äthiopien, Mesoamerika und Teile Südamerikas. Ein Vielfaltszentrum ist dabei nicht zwangsläufig das Ursprungsgebiet einer Kulturpflanze. Die Formenvielfalt eingewanderter Kulturpflanzen kann sich auch in sekundären Zentren entwickeln. Die europäischen Kartoffeln etwa gehen sowohl auf Pflanzen aus den Anden Perus als auch auf chilenische Kartoffeln zurück.

Wie lagern Saatgutbanken ihr Saatgut?

Die Lagerung beruht auf Kälte. In der Genbank Gatersleben liegt der größte Teil der Sammlung als Saatgut bei −18 °C. Nicht jedes Material lässt sich als Saatgut lagern. Dafür nutzt die Genbank unter anderem die Kryokonservierung, bei der Gewebe in flüssigem Stickstoff bei −196 °C aufbewahrt wird.

Aufgabe Beispiel
Saatgut lagern Genbank Gatersleben: größter Teil der Sammlung als Saatgut bei −18 °C
Material sichern, das nicht als Saatgut lagerbar ist unter anderem Kryokonservierung von Gewebe in flüssigem Stickstoff bei −196 °C
Keimfähigkeit prüfen Dahlemer Saatgutbank: vor dem Einfrieren und danach alle fünf Jahre
Sicherheitsduplikate aufbewahren Saatguttresor auf Spitzbergen: Duplikate anderer Genbanken

Mit dem Einfrieren ist die Arbeit nicht erledigt. Die Dahlemer Saatgutbank prüft ihr Saatgut vor dem Einfrieren auf Keimfähigkeit und danach alle fünf Jahre erneut. Zugleich unterscheidet sich die Lagerfähigkeit von Gemüsesaatgut nach Pflanzenart. Kälte allein sagt also nichts darüber, ob eine Probe noch keimt, das zeigt erst die wiederholte Prüfung.

Eine solche Keimprüfung läuft unter kontrollierten, artspezifisch günstigen Laborbedingungen. Den Aufgang im Garten beschreibt sie damit nicht unmittelbar.

Für den Fall, dass einer Genbank Material verloren geht, gibt es eine zweite Absicherung. Im Saatguttresor auf Spitzbergen liegen Sicherheitsduplikate anderer Genbanken.

Bekomme ich Saatgut aus einer Saatgutbank?

Nicht bei jeder. Die Dahlemer Saatgutbank zum Beispiel gibt kein Saatgut an Privatpersonen ab. Für den Garten gibt es einen anderen Weg. Erhaltungsinitiativen geben Saatgut bedrohter Kulturpflanzensorten für den Eigenbedarf ab, damit die Sorten in Gärten weitervermehrt werden. Wer eine alte Sorte anbauen will, wendet sich deshalb zuerst an eine Erhaltungsinitiative.

Beide Wege gehören zusammen. Kulturpflanzensorten lassen sich außerhalb des Anbaus in Genbanken sichern und zusätzlich durch wiederholten Anbau und Vermehrung in Gärten erhalten. Den zweiten Teil kannst du übernehmen.

Auch das Saatgutrecht kennt solche Sorten. Für Gemüse-Erhaltungssorten und Gemüse-Amateursorten besteht ein vereinfachtes Zulassungsverfahren, ebenso für landwirtschaftliche Erhaltungssorten.

Wie erhalte ich eine Sorte im eigenen Garten?

Samenfeste Sorten wählen

Samenfest heißt: Bei sortenerhaltender Vermehrung gibt eine Sorte ihre typischen Sortenmerkmale über Samen an die folgenden Generationen weiter. Hybridsaatgut verhält sich anders. F1 bezeichnet dort die erste Generation aus der gezielten Kreuzung geeigneter Elternlinien. Deren Nachkommen bilden die F2-Generation, und in ihr können unterschiedliche Eigenschaften auftreten. Die ursprüngliche Merkmalskombination bleibt dabei nicht zuverlässig erhalten.

Das Wort Bio hilft bei dieser Frage nicht weiter, denn Bio-Saatgut stammt aus ökologischer Vermehrung und kann auch von Hybridsorten stammen. Mehr Auswahl hast du, wenn du selbst vorziehst: Die eigene Jungpflanzenanzucht eröffnet eine große Auswahl an samenfesten Gemüsesorten.

Häufiger Fehler

Samen einer F1-Hybride abnehmen und im Folgejahr dieselbe Sorte erwarten. Für den Sortenerhalt brauchst du samenfestes Saatgut.

Fremdbestäubung im Blick behalten

Fremdbestäubung kann auch bei samenfesten Sorten zu abweichenden Nachkommen führen, wenn passende andere Sorten oder verwandte Pflanzen den Pollen liefern. Samenfest beschreibt also, was die Sorte kann, und nicht, was in deinem Beet tatsächlich geschieht. Ich baue von einer Art, die ich vermehren will, deshalb nur eine Sorte an und notiere, was daneben blüht. Das kann das Risiko senken, schließt Einkreuzungen aus Nachbargärten aber nicht aus.

Achtung

Von Zucchini und anderen Cucurbita-pepo-Kürbissen nimmst du kein eigenes Saatgut für die nächste Aussaat, wenn Zierkürbisse in der Nähe wachsen. Schmeckt ein Kürbisgewächs bitter, spuckst du es sofort aus und entsorgst es. Auch Erhitzen beseitigt die giftigen Bitterstoffe nicht zuverlässig.

Saatgut gewinnen, trocknen und beschriften

Nimm Samen nur von gesunden Pflanzen und warte, bis sie ausgereift sind. Pflanzen, die du ausreifen lässt, belegen ihren Platz oft länger als die Ernte für die Küche. Halte deshalb früh fest, wo deine Samenträger stehen, am besten in einem Plan für die Belegung deiner Beete.

Selbst gewonnenes Saatgut muss gründlich trocknen, bevor es in luftdichte Gefäße kommt. Ich breite meine Samen dafür auf einem Teller aus und fülle sie erst ab, wenn sich nichts mehr feucht anfühlt. Tauschsaatgut wird mit Erntejahr, Pflanzenart und Sorte beschriftet. Dieselben Angaben schreibe ich auch auf die Tüten, die bei mir bleiben.

Zu Hause lagerst du Saatgut kühl und trocken, für Gemüsesaatgut gelten Temperaturen von 0 bis 10 °C allgemein als günstig. Ältere Bestände prüfst du mit einer Probeaussaat aus genau abgezählten Samen. Die Einzelheiten stehen im Überblick zu Aussaat und Anzucht, im Abschnitt, wie du Saatgut lagerst und mit einer Keimprobe prüfst.

Marias Erfahrung

Ich beschrifte die Tüte, bevor ich die Samen einfülle. Im Gartentagebuch notiere ich, welche Sorten gut keimen und sich zügig entwickeln, damit die nächste Anbauplanung auf eigenen Beobachtungen aufbaut.

Wie gebe ich Saatgut weiter?

Was du vermehrt hast, kannst du mit anderen teilen. Eine Saatgutbibliothek verbindet das Ausleihen mit Aussaat, Pflege, Ernte und Rückgabe selbst gewonnenen Saatguts. Du nimmst Saatgut mit, baust die Sorte an und bringst nach der Ernte eigenes Saatgut zurück.

Rechtlich zählt, ob du privat handelst oder gewerblich. Handlungen im privaten Bereich zu nicht gewerblichen Zwecken erfasst der deutsche Sortenschutz nicht. Gewerbliches Inverkehrbringen knüpft das Saatgutverkehrsgesetz daran, dass Saatgut im Rahmen eines Gewerbes oder zu Erwerbszwecken angeboten oder abgegeben wird.

Eine weitere Grenze betrifft die Arten selbst. Für lebensfähige Samen invasiver gebietsfremder Pflanzen der Unionsliste besteht grundsätzlich ein Verbot des vorsätzlichen Tauschens.

Was kann ich außerdem für die Vielfalt im Garten tun?

Wachsen im Garten verschiedene Pflanzenarten, sinkt das Risiko, dass bei Extremwetter alle Pflanzen gleichzeitig ausfallen. Blühinseln und Hecken unterstützen im Bio-Garten außerdem die Nützlinge. Beides ergänzt den Sortenerhalt, ersetzt ihn aber nicht: Eine Sorte bleibt nur erhalten, wenn jemand sie anbaut und vermehrt.

Jetzt dran

Wähle für die nächste Saison eine samenfeste Sorte, die du gern isst, und lass einzelne gesunde Pflanzen ausreifen. Beschrifte die erste Tüte mit Erntejahr, Pflanzenart und Sorte.

Häufige Fragen

Was sind Saatgutbanken und wie funktionieren sie?
Saatgutbanken, auch Genbanken genannt, sammeln Saatgut und anderes pflanzliches Vermehrungsmaterial, dokumentieren es und bewahren es langfristig auf. Gelagert wird kalt: In der Genbank Gatersleben liegt der größte Teil der Sammlung als Saatgut bei −18 °C. Die Keimfähigkeit wird dabei überwacht, die Dahlemer Saatgutbank prüft sie vor dem Einfrieren und danach alle fünf Jahre.
Welche Rolle spielen Saatgutbanken beim Schutz der Pflanzenvielfalt?
Saatgutbanken sichern genetische Ressourcen außerhalb ihres Vorkommensgebiets, das nennt man Ex-situ-Erhaltung. In alten Kulturpflanzensorten stecken genetische Eigenschaften, die für künftige Züchtung und Ernährungssicherung nutzbar sein können. Zusätzlich abgesichert wird das Material durch Sicherheitsduplikate, die der Saatguttresor auf Spitzbergen für andere Genbanken aufbewahrt.
Warum werden regelmäßige Keimfähigkeitstests in Saatgutbanken durchgeführt?
Die Tests zeigen, ob eingelagertes Saatgut noch keimt, denn die Lagerfähigkeit von Gemüsesaatgut unterscheidet sich nach Pflanzenart. Die Dahlemer Saatgutbank prüft Saatgut vor dem Einfrieren und danach alle fünf Jahre auf Keimfähigkeit. Eine solche Prüfung läuft unter kontrollierten, artspezifisch günstigen Laborbedingungen und beschreibt nicht unmittelbar den Aufgang im Garten.
Welche deutschen Einrichtungen beschäftigen sich mit Saatguterhaltung?
Zwei Beispiele sind die Genbank Gatersleben und die Dahlemer Saatgutbank. In Gatersleben liegt der größte Teil der Sammlung als Saatgut bei −18 °C. Die Dahlemer Saatgutbank prüft ihr Saatgut vor dem Einfrieren und danach alle fünf Jahre auf Keimfähigkeit. Daneben gibt es Erhaltungsinitiativen, die Saatgut bedrohter Kulturpflanzensorten für den Eigenbedarf bereitstellen.
Wo kann man seltenes und traditionelles Saatgut erwerben?
Erhaltungsinitiativen stellen Saatgut bedrohter Kulturpflanzensorten für den Eigenbedarf bereit, damit du die Sorten im Garten weitervermehren kannst. In einer Saatgutbibliothek leihst du Saatgut aus, baust es an und gibst nach der Ernte selbst gewonnenes Saatgut zurück. Eine Saatgutbank ist dagegen nicht automatisch eine Bezugsquelle: Die Dahlemer Saatgutbank gibt kein Saatgut an Privatpersonen ab.
Welche Lagerungsbedingungen benötigt selbst gesammeltes Saatgut?
Selbst gewonnenes Saatgut muss gründlich trocknen, bevor es in luftdichte Gefäße kommt. Gelagert wird kühl und trocken, für Gemüsesaatgut gelten Temperaturen von 0 bis 10 °C allgemein als günstig. Für Saatgut-Lagerräume wird eine relative Luftfeuchte von etwa 30 % angestrebt. Beschrifte jede Tüte mit Erntejahr, Pflanzenart und Sorte.
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