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Luftfeuchtigkeit bei Sämlingen und Setzlingen: messen, lüften, Haube abnehmen

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 7 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Bis zur Keimung hält eine luft- und lichtdurchlässige Haube die Aussaat feucht, beim ersten Keimling nimmst du sie ab.
  • Bei der Tomatenanzucht unter transparenter Abdeckung lüftest du täglich, das beugt Schimmelbildung vor.
  • Rinnen Wassertropfen von der Folienabdeckung herab, öffnest du sie teilweise, damit die Luft besser zirkuliert.
  • Im Mini-Gewächshaus kontrollierst du das Klima mit Hygrometer und Minimum-Maximum-Thermometer.
  • Trockene Heizungsluft unter der Fensterbank kann Pflanzen stärker verdunsten lassen, als ihre Wurzeln Wasser aufnehmen.
  • Ein Kleingewächshaus sollte sich auf mindestens einem Viertel der Gewächshausfläche öffnen lassen.

Die Folie über der Saatschale ist beschlagen, und auf der Erde liegt ein weißer Flaum. Eine Schale weiter hängen die Keimblätter über dem Heizkörper schlaff herunter. Beides kann an der Luft liegen: Unter der Folie steht sie zu feucht, über der Heizung ist sie zu trocken. Ich schaue deshalb bei jeder Schale zuerst auf die Abdeckung und erst danach auf die Gießkanne.

Messen kannst du das Klima mit einem Hygrometer. Regeln lässt es sich mit wenigen Handgriffen: Haube rechtzeitig abnehmen, Abdeckungen öffnen, Schalen von der Heizung wegstellen. Wann welcher Handgriff dran ist, erkennst du von der Aussaat bis zum fertigen Setzling an Zeichen, die du mit bloßem Auge siehst.

Wie viel Luftfeuchtigkeit brauchen Sämlinge?

Feuchte Luft braucht vor allem die Aussaat. Bis zur Keimung hält eine luft- und lichtdurchlässige Haube sie feucht, und sobald der erste Keimling erscheint, nimmst du die Haube ab. Beides zusammen heißt: Die feuchte Luft unter der Haube ist eine Hilfe für die Keimung und kein Dauerzustand für Sämlinge.

Mit einer festen Prozentzahl arbeite ich bei Sämlingen nicht. Das Hygrometer zeigt je nach Messort etwas anderes an, und Arten wie Standorte unterscheiden sich. Ich richte mich nach dem, was ich sehe: Beschlag und Tropfen an der Abdeckung, der erste Keimling, die Oberfläche der Erde.

Kurz erklärt

Ein Hygrometer zeigt die relative Luftfeuchte in Prozent. Sie gibt an, wie weit die Luft bei der aktuellen Temperatur mit Wasserdampf gesättigt ist. Warme Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen als kalte, deshalb ändert sich die Anzeige mit der Temperatur. Kühlt feuchte Luft an der Haube ab, schlägt sich Wasser als Beschlag nieder.

Nach dem Abnehmen der Haube stellst du die frisch gekeimten Sämlinge hell auf und schützt sie zunächst vor praller Sonne. Wie Licht und Wärme danach zusammenpassen, erklärt der Abschnitt zur Jungpflanzenpflege mit Licht, Temperatur und Pikieren in unserer Übersicht zu Aussaat und Anzucht.

Wie messe ich die Luftfeuchtigkeit bei der Anzucht?

Im Mini-Gewächshaus kontrollierst du das Klima mit zwei Geräten: einem Hygrometer und einem Minimum-Maximum-Thermometer. Das Hygrometer zeigt die Luftfeuchte im Moment des Ablesens. Das Thermometer hält den höchsten und den niedrigsten Wert seit dem letzten Zurückstellen fest. Im Gewächshaus hilft zusätzlich ein Bodenthermometer.

Platziere das Hygrometer nah bei den Pflanzen, aber nicht direkt über einer Wasserschale oder frisch gegossener Erde. Dort misst du nur diese eine feuchte Stelle. Ich lese immer am selben Platz ab und notiere den Wert mit Datum im Gartentagebuch. Mich interessiert dabei weniger die einzelne Zahl als die Richtung über mehrere Ablesungen.

Für die Belüftung brauchst du kein Messgerät. Ob genug Luft an die Schalen kommt, zeigen dir Beobachtungen.

Was du siehst Worauf es hindeuten kann Was du tust
Wassertropfen rinnen von der Folienabdeckung herab Die Luft darunter zirkuliert zu wenig Abdeckung teilweise öffnen
Der erste Keimling erscheint Die Aussaat braucht die Haube nicht mehr Haube entfernen
Schimmel auf Blumenerde kehrt immer wieder Häufig übermäßiges Gießen oder schlechte Durchlüftung Erde mit dem Finger prüfen, weniger gießen, lüften
Pflanzen über dem Heizkörper welken trotz feuchter Erde Trockene Heizungsluft kann die Verdunstung stärker antreiben, als die Wurzeln ausgleichen Schale von der Heizung wegstellen
Die Oberfläche torffreier Erde ist trocken Unten kann das Substrat noch nass sein Feuchte unter der Oberfläche prüfen, bevor du gießt

Wie halte ich die Aussaat feucht, ohne dass die Luft steht?

Fülle das Substrat für feine Aussaaten schon angefeuchtet in die Gefäße. Dann musst du später nicht stark wässern, und die Samen werden nicht weggeschwemmt. Zum vorsichtigen Feuchthalten eignet sich eine Sprühflasche. Darüber kommt die Haube, die die Feuchte bis zum ersten Keimling hält.

Marias Erfahrung

Ich säe Arten, die unterschiedlich schnell keimen, in getrennte Schalen. Dann kann ich die Haube bei jeder Schale abnehmen, sobald dort der erste Keimling erscheint.

Schwieriger ist der Platz über dem Heizkörper. Trockene Heizungsluft unter der Fensterbank kann Pflanzen zu stärkerer Verdunstung zwingen, als die Wurzeln durch Wasseraufnahme ausgleichen. Mehr gießen ist keine Lösung, weil Anzuchterde gleichmäßig feucht und niemals nass sein soll. Stell die Schalen deshalb weg von der Heizung, statt öfter zur Gießkanne zu greifen. Ich stelle meine Schalen auf einen Tisch am Fenster und nicht auf die Fensterbank über dem Heizkörper.

Wasserschalen neben den Töpfen werden oft empfohlen, um trockene Raumluft anzufeuchten. Ob sie an deinem Platz etwas ändern, liest du am Hygrometer ab.

Wann und wie lüfte ich Haube, Frühbeet und Gewächshaus?

Wie du lüftest, hängt von der Abdeckung ab. Die Tabelle nennt für jede den Handgriff und den Anlass.

Abdeckung Handgriff Wann oder wozu
Luft- und lichtdurchlässige Haube über der Saatschale Haube entfernen Sobald der erste Keimling erscheint
Transparente Abdeckung bei der Tomatenanzucht Täglich lüften Beugt Schimmelbildung vor
Folienabdeckung über der Aussaat Teilweise öffnen Wenn Wassertropfen herabrinnen
Frühbeetkasten Scheiben anheben An sonnigen, frostfreien Tagen
Folientunnel Lüften Gehört im Frühjahr zu den regelmäßigen Arbeiten
Flach aufgelegte Lochfolie im Beet Mindestens 500 Löcher je m² bei 1 cm Lochdurchmesser Zum Gießen vorübergehend abnehmen
Kleingewächshaus Fenster und Klappen öffnen Mindestens ein Viertel der Gewächshausfläche sollte zu öffnen sein

An der Fensterbank: Haube und Folie

Bei der Tomatenanzucht unter einer transparenten Abdeckung lüftest du täglich, das beugt Schimmelbildung vor. Bei anderen Aussaaten richte ich mich nach dem Beschlag. Rinnen Wassertropfen von der Folie herab, öffne ich sie teilweise, damit die Luft besser zirkuliert.

Häufiger Fehler

Eine luft- und lichtdurchlässige Haube bleibt auf der Schale, obwohl schon Keimlinge stehen. Sie hält die Aussaat feucht und wird entfernt, sobald der erste Keimling erscheint.

Der Ratgeber, welche Fehler bei der Anzucht häufig passieren und wie du ihnen vorbeugst, nennt weitere.

Im Kleingewächshaus

Am Kleingewächshaus sollte mindestens ein Viertel der Gewächshausfläche zu öffnen sein. Rechne vor dem Kauf nach, wie viel Fläche sich an Fenstern und Klappen deines Modells tatsächlich öffnen lässt. Lüften bleibt dort auch nach der Anzucht ein Thema: Bei Gewächshaustomaten können hohe Luftfeuchtigkeit und geringe Luftbewegung die Befruchtung und den Fruchtansatz beeinträchtigen.

Achtung

In feuchter Gewächshausluft schlägt sich Wasser an kalten Flächen nieder. Elektrische Heizgeräte im Gewächshaus müssen deshalb dafür geeignet und gegen Schwitz- und Tropfwasser geschützt sein.

Welche Technik hilft beim Lüften?

Automatische Fensteröffner können das Kleingewächshaus temperaturabhängig und ohne Stromanschluss lüften. Das hilft an Tagen, an denen niemand die Fenster von Hand öffnet.

Ventilatoren und geregelte Lüftungsanlagen bewegen die Luft dort, wo sich keine Fenster öffnen lassen. An der Fensterbank arbeite ich ohne Ventilator und lasse stattdessen Platz zwischen den Schalen. Wenn du einen nutzt, richte ihn nicht direkt auf die Sämlinge, weil bewegte trockene Luft die Verdunstung antreiben kann. Für die Kontrolle bleibt es bei Hygrometer und Minimum-Maximum-Thermometer.

Wie ändert sich das Klima über den Tag und das Jahr?

Über den Tag zählt, wann die Blätter nass sind. Nach dem Bewässern sollen Fruchtgemüsejungpflanzen abtrocknen können, bevor die Nacht kommt. Das Substrat bleibt dabei feucht statt nass. Gieße deshalb so rechtzeitig, dass die Blätter bis dahin trocken sind.

Über das Jahr wechselt die Aufgabe. In der Heizperiode geht es an der Fensterbank um trockene Heizungsluft. Im Frühjahr gehört das Lüften von Folientunneln zu den regelmäßigen Arbeiten, und den Frühbeetkasten lüftest du an sonnigen, frostfreien Tagen. Bei der Gemüseverfrühung im Beet kontrollierst du außerdem die Temperatur unter der Abdeckung und nimmst sie bei über 30 °C ab.

Welche Temperaturen einzelne Kulturen in der Schale brauchen, zeigt der Ratgeber, wie du Temperatur und Substratfeuchte in der Anzuchtschale im passenden Bereich hältst.

Wie beuge ich Schimmel über das Klima vor?

Kehrt Schimmel auf Blumenerde immer wieder, weist das häufig auf übermäßiges Gießen oder schlechte Durchlüftung hin. Dazu kommt: Pythium-Erreger können sich bei hoher Feuchtigkeit durch bewegliche Sporen im nassen Substrat verbreiten. Lüften und Gießen gehören deshalb zusammen. Wer nur die Haube öffnet und die Erde weiter nass hält, lässt eine der beiden möglichen Ursachen bestehen.

Für Aussaaten von Zierpflanzen gilt: Wer locker sät, gut durchlüftet und zu nasse Flächen vermeidet, beugt Auflauf- und Umfallkrankheiten vor. Ich halte es bei Gemüse genauso und säe lieber in eine zweite Schale, als eine zu dicht zu belegen. Anzuchttöpfchen lasse ich nicht dauerhaft im Wasser stehen, damit nach dem Gießen wieder Luft an die Wurzeln kommt.

Mini-Checkliste

Locker säen, damit Luft zwischen die Sämlinge kommt. Haube entfernen, sobald der erste Keimling erscheint. Folienabdeckung teilweise öffnen, wenn Wassertropfen herabrinnen. Erde vor dem Gießen mit dem Finger prüfen: gleichmäßig feucht, niemals nass. Überschüssiges Gießwasser muss aus dem Gefäß ablaufen können.

Zeigt sich trotzdem Befall, nimmst du befallene Sämlinge aus der Anzucht und prüfst Gießen und Lüften. Ein verbräunter, eingeschnürter Wurzelhals kann auf eine Auflaufkrankheit hinweisen, deren Erreger sich bei Mischinfektionen am Schadbild nicht sicher unterscheiden lassen. Zur Vorbeugung gehört außerdem Sauberkeit: Der Ratgeber zeigt, mit welchen Hygieneroutinen du Arbeitsplatz, Gefäße und Substrat sauber hältst.

Vertrocknete oder lang gestreckte Sämlinge: liegt es an der Luft?

Vertrocknete Keimlinge können auf trockene Heizungsluft hindeuten, die Pflanzen stärker verdunsten lassen kann, als ihre Wurzeln ausgleichen. Blasse, dünne und weiche Jungpflanzen weisen dagegen eher auf zu wenig Licht und zu viel Wärme nach dem Pikieren hin als auf die Luftfeuchte. Die Zusammenhänge stehen im Abschnitt Jungpflanzenpflege unserer Übersicht zu Aussaat und Anzucht, die Fehlersuche im Ratgeber, wie du Probleme bei der Anzucht erkennst und löst.

Was ändert sich beim Abhärten?

Vor dem Auspflanzen gewöhnst du deine Setzlinge an Freilandbedingungen. Selbst angezogenes Fruchtgemüse steht dafür bei geeigneter Witterung tagsüber zunächst im Halbschatten und anschließend in der Sonne. Die einzelnen Schritte stehen im Abschnitt Abhärten und Auspflanzen der Übersicht zu Aussaat und Anzucht.

Häufige Fragen

Wie wichtig sind Luftfeuchtigkeit und Belüftung für eine erfolgreiche Pflanzenanzucht?
Beide bestimmen mit, ob eine Aussaat keimt und ob die Sämlinge danach gesund bleiben. Bis zur Keimung hält eine luft- und lichtdurchlässige Haube die Aussaat feucht, beim ersten Keimling wird sie entfernt. Danach zählt Frischluft, denn wiederkehrender Schimmel auf Blumenerde weist häufig auf übermäßiges Gießen oder schlechte Durchlüftung hin.
Wie funktioniert die Messung der Luftfeuchtigkeit mit einem Hygrometer im Gewächshaus?
Ein Hygrometer zeigt die relative Luftfeuchte in Prozent an. Im Gewächshaus ergänzen ein Minimum-Maximum-Thermometer und ein Bodenthermometer die Klimakontrolle. Platziere das Hygrometer nah bei den Pflanzen, aber nicht direkt über einer Wasserschale oder frisch gegossener Erde, und lies immer an derselben Stelle ab.
Wie kann Schimmelbildung bei der Keimung durch richtige Belüftung vermieden werden?
Sicher vermeiden lässt sich Schimmel nicht, aber Lüften senkt das Risiko. Bei der Tomatenanzucht unter einer transparenten Abdeckung lüftest du täglich, um Schimmelbildung vorzubeugen. Rinnen Wassertropfen von einer Folienabdeckung herab, öffnest du sie teilweise, damit die Luft besser zirkuliert. Prüfe außerdem das Gießen, denn wiederkehrender Schimmel auf Blumenerde weist häufig auf übermäßiges Gießen oder schlechte Durchlüftung hin.
Stimmt es, dass zu viel Belüftung den Pflanzen schadet und sie austrocknet?
Ja, viel bewegte, trockene Luft kann Jungpflanzen austrocknen. Unter der Fensterbank kann trockene Heizungsluft die Verdunstung so weit antreiben, dass die Wurzeln den Wasserverlust nicht mehr ausgleichen. Lüften bleibt trotzdem nötig, weil es etwa bei der Tomatenanzucht unter transparenter Abdeckung der Schimmelbildung vorbeugt. Stell die Schalen deshalb nicht direkt über den Heizkörper und prüfe die Erde mit dem Finger, bevor du gießt.
Welche saisonalen Anpassungen der Luftfeuchtigkeit sind bei verschiedenen Jahreszeiten notwendig?
In der Heizperiode geht es an der Fensterbank um trockene Heizungsluft, die Pflanzen stärker verdunsten lassen kann, als ihre Wurzeln ausgleichen. Im Frühjahr gehört das Lüften von Folientunneln zu den regelmäßigen Arbeiten. Den Frühbeetkasten lüftest du an sonnigen, frostfreien Tagen, indem du die Scheiben anhebst.
Welches Anzuchtzubehör und welche Messgeräte sind für die optimale Klimasteuerung empfehlenswert?
Zum Messen eignen sich ein Hygrometer und ein Minimum-Maximum-Thermometer, im Gewächshaus zusätzlich ein Bodenthermometer. Für die Aussaat hilft eine luft- und lichtdurchlässige Haube, die die Schale feucht hält und beim ersten Keimling abgenommen wird. Am Kleingewächshaus können automatische Fensteröffner temperaturabhängig und ohne Stromanschluss lüften.
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