Ökologische Folgen von Anzucht- und Kräutererden: Torf, Torfersatz und nachhaltige Alternativen
- Der Abbau von Torf zerstört Moorlebensräume, und aus dem gespeicherten Kohlenstoff werden Treibhausgase frei.
- Torfarm, torfreduziert und Bio-Erde bedeuten nicht torffrei. Entscheidend sind die Zutatenliste und die ausdrückliche Kennzeichnung.
- Torffreie Erden sind Mischungen aus Holzfasern, Rindenhumus, Substratkompost, Kokosfasern und Kokosmark.
- Auch Torfersatz hat eine Umweltbilanz. Bei Kokos zählen Herstellung und lange Transportwege mit, bei Pflanzenkohle mögliche Schadstoffe.
- Krankheitsfreie gebrauchte Topferde kannst du auf dem Kompost, auf Baumscheiben oder im Beet weiterverwenden.
Auf dem Sack steht „Bio“ oder „torfreduziert“, und im Sack kann trotzdem Torf stecken. Wer Anzucht- oder Kräutererde nach der Vorderseite kauft, bekommt unter Umständen Torf, ohne es zu wissen. Ich drehe deshalb jeden Sack um und lese die Zutatenliste, bevor er in den Einkaufswagen kommt.
Drei Fragen entscheiden über die Umweltbilanz deiner Erde: Was richtet Torf an, wie schneiden die Ersatzstoffe ab, und was geschieht nach der Saison mit dem Substrat?
Die fachlichen Grundlagen nur kurz: Ein Kultursubstrat gibt den Wurzeln Halt und sichert ihre Versorgung mit Luft, Wasser und Nährstoffen. Mineralische Zuschläge wie Gartenbau-Perlit erhöhen die Luftkapazität, und für die Aussaat soll das Substrat nährstoffarm, humos und durchlässig sein. Im Überblick zu Aussaat und Anzucht liest du, was Anzuchterde von Pikiersubstrat und Topferde unterscheidet. Qualitätskriterien für den Einkauf vergleicht unser Ratgeber zur Wahl der passenden AnzuchterdeAnzuchterde ist eine nährstoffarme, feinkrümelige Erde für die Aussaat und das Vorziehen junger Pflanzen. Die geringe Nährstoffmenge regt die zarten Wurzeln zum Wachsen an..
Warum ist Torf in Anzucht- und Kräutererde ein ökologisches Problem?
Torf wird in Mooren abgebaut. Dieser Abbau zerstört Moorlebensräume, und aus dem KohlenstoffKohlenstoff ist ein chemisches Element und der Hauptbestandteil des Humus. Pflanzen holen ihn als Kohlendioxid aus der Luft und bilden daraus bei der Photosynthese Zucker., den das Moor gespeichert hat, werden Treibhausgase frei. Torffreie Substrate schonen die Moore und vermindern die CO₂-Emissionen, die mit dem Torfabbau verbunden sind.
Für diese Bilanz ist es gleich, ob auf dem Sack Anzuchterde oder Kräutererde steht. Es zählt, ob Torf enthalten ist und woraus der Rest besteht. Das gilt über die Anzucht hinaus: Für Gemüse in Gefäßen eignen sich luftige Blumen- oder Kübelpflanzenerden, bevorzugt torffreie.
Woran erkennst du, ob eine Erde wirklich torffrei ist?
Zwei Aufschriften werden leicht falsch verstanden. Torfarm und torfreduziert stehen nicht für torffreie Erde, und die Bezeichnung Bio-Erde garantiert keine Torffreiheit. Ein Sack kann also beide Aufschriften tragen und trotzdem Torf enthalten.
Verlass dich auf die Zutatenliste und auf die ausdrückliche Kennzeichnung als torffrei. Bei den Ersatzstoffen hilft eine Zertifizierung weiter. HORTICERT prüft bei Torfersatzstoffen, ob sie nachhaltig produziert und verarbeitet werden. Dazu kommen die Rückverfolgbarkeit und der CO₂-Fußabdruck.
Steht „torffrei“ ausdrücklich auf dem Sack? Nennt die Zutatenliste die Bestandteile? Sind die Torfersatzstoffe zertifiziert, zum Beispiel durch HORTICERT? Enthält die Erde Pflanzenkohle, dann achte zusätzlich auf eine anerkannte Zertifizierung wie EBC.
Welche Torfersatzstoffe gibt es, und wie fällt ihre Umweltbilanz aus?
Torffreie Erde besteht aus mehreren Stoffen. Hersteller kombinieren Holzfasern, RindenhumusRindenhumus ist feine, kompostierte Rinde. Du arbeitest ihn leicht in die Beeterde ein, um dem Boden organische Substanz und Nährstoffe zuzuführen – anders als Rindenmulch, der als Abdeckung obenauf liegt., Substratkompost, KokosfasernKokosfasern sind die Fasern aus der Umhüllung der Kokosnuss, die bei deren Verarbeitung anfallen. Als torffreier Bestandteil von Blumen- und Pflanzerden sorgen sie für viel Luft im Substrat, halten aber weniger Wasser als Torf. und KokosmarkKokosmark sind die feinen Bestandteile zwischen den Fasern der Kokosnusshülle. Der Reststoff aus der Kokosverarbeitung wird als Torfersatz in torffreien Erden verwendet, weil er ähnlich viel Wasser hält und ähnlich luftig ist wie Torf., damit sich die unterschiedlichen Eigenschaften der Bestandteile ausgleichen. Ökologisch sind diese Stoffe nicht gleich zu bewerten. Die Tabelle stellt gegenüber, was jeder Stoff mitbringt und was du mitbedenken musst.
| Bestandteil | Was er mitbringt | Was du mitbedenken musst |
|---|---|---|
| Holzfasern | stammen aus unbehandelten Sägeresthölzern | beim Abbau können Mikroorganismen Stickstoff binden |
| Substratkompost | Kompostanteile liefern PhosphorPhosphor ist ein Pflanzennährstoff, der eine zentrale Rolle im Energiehaushalt der Pflanze spielt und Bestandteil von Erbsubstanz und Zellmembranen ist. In der Praxis spricht man meist von Phosphat. und KaliumKalium ist neben Stickstoff und Phosphor einer der wichtigsten Pflanzennährstoffe. Es regelt den Wasserhaushalt der Pflanze, festigt ihr Gewebe und macht sie widerstandsfähiger gegen Frost sowie Schaderreger wie Pilze und Insekten. | pur wegen des hohen Nährstoffgehalts keine Anzuchterde |
| Kokosfasern und Kokosmark | verwerten einen Reststoff | Herstellung und lange Transportwege zählen zur Umweltbilanz |
| Pflanzenkohle | möglicher Klimanutzen | Risiken durch Schadstoffe, Zertifizierung wie EBC wichtig |
Holzfasern: ein Rest aus dem Sägewerk
Holzfasern für Torfersatz werden aus unbehandelten Sägeresthölzern hergestellt. Verwertet wird also ein Rest aus der Holzverarbeitung. Im Substrat bauen Mikroorganismen die Fasern ab und können dabei Stickstoff binden, während Kompostanteile in derselben Mischung Phosphor und Kalium liefern.
Kompost: als Anteil, nicht pur
Als Anzuchterde taugt reiner Kompost nicht, weil sein Nährstoffgehalt hoch ist. In torffreien Erden steckt er deshalb als Anteil einer Mischung.
Mit eigenem Kompost kannst du für robuste Jungpflanzen selbst mischen: ungedüngt, aus je 1 Teil Quarzsand, Gartenerde und reifem Kompost. Für empfindliche Aussaaten ist das keine pauschale Empfehlung, die Einschränkungen stehen ebenfalls im Überblick zu Aussaat und Anzucht.
Kokosfasern und Kokosmark: Reststoff mit langen Transportwegen
Kokossubstrate verwerten einen Reststoff. In ihre Umweltbilanz gehören aber auch die Herstellung und die langen Transportwege. Das Wort torffrei beantwortet bei Kokos also nur die Moorfrage und nicht die ganze Bilanz.
Dieselbe Abwägung gilt für Kokos-Quelltabletten. Du kannst sie ohne zusätzliche Anzuchterde verwenden; wie es danach mit den Nährstoffen weitergeht, hängt von Kultur und Produkt ab.
Pflanzenkohle: möglicher Klimanutzen, Risiko Schadstoffe
Pflanzenkohle heißt auch Biochar und ist aus Terra-Preta-Mischungen bekannt. Die Kohle entsteht, wenn organisches Material unter Sauerstoffausschluss verkohlt. Dem möglichen Klimanutzen stehen Risiken durch Schadstoffe gegenüber. Achte deshalb auf eine anerkannte Zertifizierung wie EBC.
Was ändert sich beim Gießen und Düngen mit torffreier Erde?
Beim Gießen reicht der Blick auf die Oberfläche nicht. Bei torffreien und torfreduzierten Substraten kann sie schon trocken sein, während der untere Topfbereich noch nass ist. Ich stecke den Finger in die Erde und hebe den Topf an, bevor ich zur Kanne greife.
Beim Düngen gilt: nicht auf Verdacht. Bei Gemüsejungpflanzen können im Substrat bereits genügend Nährstoffe enthalten sein, und auch organische Dünger können bei übermäßiger Gabe den Pflanzen und der Umwelt schaden. Die Einzelheiten zu beidem stehen im Überblick zu Aussaat und Anzucht, in den Abschnitten Gießen und Düngen.
Wohin mit gebrauchter und übriger Erde?
Zur Umweltbilanz gehört auch, was nach der Saison mit der Erde geschieht. Krankheitsfreie gebrauchte Erde aus Töpfen und Kästen kannst du weiterverwenden. Diese Erde darf auf den Kompost, auf Baumscheiben und eingearbeitet aufs Gartenbeet. Gesunde Kräutertöpfe leere ich im Herbst über dem Kompost aus.
Im Beet können Kompost und GründüngungGründüngung ist eine Bodenpflegemaßnahme: Auf freie Beete säst du Pflanzen, die den Boden schützen und verbessern sollen. Sie werden meist nicht geerntet, sondern abgemäht, als Mulch liegen gelassen oder flach eingearbeitet. den Humusgehalt und damit die Wasserspeicherung des Bodens verbessern.
Erde aus Gefäßen mit abgestorbenen oder kranken Pflanzen und Wurzelfäule-Erregern verwendest du nicht noch einmal als Pflanzsubstrat.
Taugt alte Erde noch für die Aussaat?
In regelmäßig gedüngter gebrauchter Blumenerde können sich Nährsalze anreichern, weil Pflanzen die enthaltenen Nährstoffe unterschiedlich stark verbrauchen. Bei Aussaaterde sollte der Salzgehalt dagegen unter 0,5 g/l liegen. Alte Erde mit frischer Erde und Kompost aufzubereiten ist deshalb keine allgemeine Empfehlung für die Aussaat.
Wie lagerst du übrige Erde?
Unbenutzte Reste lagerst du im Gebinde dunkel, kühl und trocken, angebrochene Säcke verschließt du gut. Kauf trotzdem nur, was du in der Saison verbrauchst. Bei längerer Lagerung können die organischen Bestandteile torffreier und torfreduzierter Erde Nährstoffe freisetzen und dadurch den Salzgehalt erhöhen. Lange gelagerte Blumenerde kann außerdem einen veränderten pH-Wert und eine schlechtere Struktur haben.
Riecht frisch geöffnete, organisch gedüngte Erde intensiv, ist das allein kein Grund zum Wegwerfen. Der Geruch kann durch mikrobielle Umsetzung entstehen und beweist für sich keinen Verderb.
Ich schreibe das Kaufjahr mit wasserfestem Stift auf jeden angebrochenen Sack. Für die Aussaat öffne ich im Frühjahr einen frischen Sack, die Reste aus dem Vorjahr kommen in die Kübel.

