Düngung bei Trockenheit: wann, womit und wie stark du Balkonpflanzen düngst
- Düngerlösung gibst du nur auf feuchte Erde, damit die Wurzeln keinen Schaden nehmen.
- Bei großer Hitze und langen Trockenphasen setzt du die Lösung schwach konzentriert an und gießt sie auf die Erde, nicht über die Pflanzen.
- Welke Blätter können Trockenstress oder eine beginnende Wurzelfäule anzeigen, deshalb prüfst du vor jeder Gabe die Feuchte tiefer im Topf.
- Organische Dünger setzen ihre Nährstoffe über Mikroorganismen frei, und das läuft bei Wärme und Bodenfeuchte besser.
- Kranke Kübelpflanzen düngst du erst wieder, wenn sie sich erholt haben.
Wenn die Balkonkästen nach einem heißen Tag schlaff in der Sonne hängen, liegt der Griff zur Düngerflasche nahe. Ich nehme an solchen Tagen zuerst die Gießkanne. Düngerlösung gehört nur auf feuchte Erde, denn auf trockener Erde kann sie die Wurzeln schädigen.
Bei Trockenheit passt du drei Dinge an: wann du düngst, welche Düngerform du wählst und wie stark du die Lösung ansetzt. Die Reihenfolge bleibt dabei gleich: erst gießen, dann düngen.
Warum Dünger auf trockener Erde den Wurzeln schadet
Pflanzenwurzeln nehmen Nährstoffe als Ionen auf, die im Bodenwasser gelöst sind. Für Kübelpflanzen gilt außerdem: Düngerlösung kommt nur auf feuchte Erde, um Wurzelschäden zu vermeiden. In staubtrockener Erde fehlt also genau das Wasser, in dem die Nährstoffe gelöst an die Wurzel kommen, und statt einer Versorgung riskierst du Schäden an den Wurzeln.
Erst die Feuchte prüfen, dann düngen
Die Oberfläche allein reicht als Test nicht. Bei torffreier Erde kann sie schon trocken wirken, während das untere Drittel des Topfes noch feucht ist. Ich prüfe deshalb die Feuchte weiter unten mit dem Finger und hebe kleinere Töpfe an, um ihr Gewicht zu fühlen.
Auch welke Blätter sind kein eindeutiges Signal. Schlaffe, welke Blätter können TrockenstressTrockenstress entsteht, wenn eine Pflanze mehr Wasser verdunstet, als sie aus dem Boden nachholen kann. Sie welkt zuerst, bei anhaltendem Mangel werden Blattränder braun und die Wurzeln können dauerhaft geschädigt werden. anzeigen, aber ebenso eine beginnende WurzelfäuleBei Wurzelfäule faulen die Wurzeln einer Pflanze und sterben ab, meist weil die Erde ständig nass ist und Sauerstoff fehlt. Oft sind Schadpilze beteiligt, und die Pflanze welkt trotz feuchter Erde.. Zusammen mit der trügerischen Oberfläche torffreier Erde heißt das: Ob ein welkender Kübel Wasser braucht, zeigt dir erst die Feuchte in der Tiefe.
Ist die Erde unten nass, obwohl die Pflanze welkt, gieße ich nicht nach und lasse auch den Dünger weg. Eine kranke Kübelpflanze bekommt erst wieder Dünger, wenn sie sich erholt hat.
So bereitest du die Erde auf die Düngergabe vor
Ist die Erde trocken, gieße ich so lange, bis das Substrat bis zum Topfboden durchfeuchtet ist. Einen ausgetrockneten Kübelballen kannst du tauchen, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen. Erst danach kommt die Düngerlösung dazu.
An heißen Tagen gieße ich morgens und bodennah. So bleibt das Laub weitgehend trocken, und die Gefahr von Pilzkrankheiten sinkt.
Obstbäume und Obststräucher im Kübel gießt du nach Empfehlung des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft gründlich, sobald die oberen 3 bis 5 cm des Substrats trocken sind. Fruchtgemüse in kleinen Balkongefäßen braucht an heißen Tagen jeden Tag Wasser, dazu kontrollierst du die Feuchte im Substrat laufend.
Wie stark du bei Hitze düngst
Die Grundmenge legt die Dosierungsanweisung auf der Packung deines Düngers fest. Bei großer Hitze und langen Trockenphasen setzt du die Lösung schwach konzentriert an und gießt sie auf die vorher angefeuchtete Erde, nicht über die Pflanzen. Wie viel schwächer, hängt an Pflanze und Produkt. Ich taste mich heran und schaue nach jeder Gabe auf die Blätter.
Schwach konzentriert heißt: weniger Dünger im selben Liter Gießwasser. Ist die Konzentration als Masse pro Volumen angegeben, entsprechen 0,1 % genau 1 g Dünger je Liter fertiger Lösung.
Was du als Dünger ins Gießwasser gibst, ist gelöstes Salz. Balkonblumen vertragen davon unterschiedlich viel:
| Balkonblume | Nährstoffbedarf | Salztoleranz |
|---|---|---|
| Knollenbegonie | hoch | niedrig |
| Fuchsie | hoch | niedrig |
| Geranie | mittel | hoch |
| Petunie | hoch | hoch |
Knollenbegonien und Fuchsien brauchen also viele Nährstoffe, vertragen aber wenig Salz. Bei ihnen achte ich in Hitzephasen besonders darauf, dass die Erde feucht und die Lösung schwach konzentriert ist.
Allgemeine Mengen findest du in zwei anderen Ratgebern: wie viel Flüssigdünger eine Topfpflanze pro Gabe bekommt und wie du Langzeitdünger, Granulat und Sticks dosierst.
Welche Düngerform in Trockenphasen passt
Wie sich mineralische, flüssige und organische Dünger grundsätzlich unterscheiden, steht im Abschnitt über Nährstoffe und Düngerarten im Balkon- und Kübelgarten. Für Trockenphasen zählt, was Hitze und Trockenheit an jeder Form ändern:
| Düngerform | Was Hitze und Trockenheit ändern | So gehe ich vor |
|---|---|---|
| Flüssigdünger und leicht lösliche mineralische Dünger | Sie können einen festgestellten Mangel in torffreier Erde vergleichsweise schnell ausgleichen. Bedarfsgerecht verteilte Gaben begrenzen Stickstoffverluste durch AuswaschungAuswaschung ist der Verlust von Nährstoffen, die Niederschlagswasser aus dem Wurzelraum in tiefere Bodenschichten und bis ins Grundwasser spült. Besonders betroffen ist Nitrat, die Form, in der mineralischer Stickstoff im Boden größtenteils vorliegt.. | Ich gebe sie schwach konzentriert auf feuchte Erde und verteile die Gaben. |
| Umhüllte DepotdüngerDepotdünger ist ein mineralischer Dünger, dessen Nährstoffe von einer Hüllschicht ummantelt sind. Durch diese Hülle werden sie nicht auf einmal, sondern langsam nach und nach freigesetzt. | Die Hülle verzögert die Freisetzung. Wie viel frei wird, hängt von Feuchtigkeit, Temperatur und Formulierung des Produkts ab. | Ich beobachte die Pflanze, bevor ich zusätzlich flüssig dünge. |
| Organische Dünger | Mikroorganismen setzen die Nährstoffe frei, begünstigt durch Wärme und Bodenfeuchte. | Ich lasse die Erde nicht austrocknen, damit die Freisetzung in Gang bleibt. |
| Blattdünger | Starke Sonne erhöht das Risiko von Salz- und Verbrennungsschäden. | In praller Sonne sprühe ich nicht, sondern bei bedecktem Himmel oder abends. |
Bei leicht löslichen mineralischen Düngern begrenzen bedarfsgerecht verteilte Gaben die Stickstoffverluste durch Auswaschung. Fruchtgemüse in kleinen Gefäßen braucht an heißen Tagen täglich Wasser, deshalb verteile ich gerade dort die Gaben über die Saison, statt den ganzen Vorrat auf einmal ins Gießwasser zu geben.
Wann du in Trockenphasen düngst
An Hitzetagen richtet sich die einzelne Gabe nach der Feuchte im Topf.
An heißen Tagen gieße ich morgens zuerst alle Kästen und Kübel bodennah. Die Düngerkanne setze ich erst danach an und gebe die Lösung nur dort, wo die Erde schon durchfeuchtet ist.
Hast du eine Kübelpflanze gerade in ausreichend vorgedüngte Blumenerde umgetopft, braucht sie in den ersten 4 bis 6 Wochen keinen zusätzlichen Dünger. Wie es danach weitergeht, zeigt der Ratgeber, wie du frisch gepflanzte Balkonpflanzen bis zum Ende der Anwuchsphase düngst.
Auch nach einer langen Trockenphase gilt das Saisonende. Kübelpflanzen mit winterlicher Ruhephase düngst du von Ende April bis August, damit sie danach ausreifen können. Obst- und Ziergehölze bekommen nach Mitte Juli keinen stickstoffhaltigen Dünger mehr, damit ihre Triebe ausreifen. Den Ablauf über die ganze Saison beschreibt der Ratgeber, wie du Balkonpflanzen im Jahresverlauf düngst.
Gelbe oder braune Blätter in der Hitze
Blattvergilbung mit anschließendem Blattfall kann bei Zimmerpflanzen neben NährstoffmangelNährstoffmangel heißt, dass eine Pflanze von einem oder mehreren Nährstoffen zu wenig bekommt oder aufnehmen kann. Sie bleibt dann im Wachstum zurück und zeigt Verfärbungen, etwa hellgrünes oder vergilbendes Laub. auch von WasserstressWasserstress bedeutet, dass eine Pflanze zu wenig Wasser bekommt. Bei Gehölzen zeigt er sich oft erst einige Monate später durch Blatt- oder Nadelfall, schwaches Wachstum und höhere Anfälligkeit für Schädlinge und Krankheiten. kommen, im Kübel prüfe ich deshalb zuerst die Feuchte. Braune Blattränder mit braunen Wurzeln und weißem Belag auf der Erde können bei Zimmerpflanzen auf einen zu hohen Salzgehalt nach ÜberdüngungÜberdüngung heißt, dass ein Boden mehr Nährstoffe bekommt, als die Pflanzen brauchen. Die Überschüsse reichern sich im Boden an oder werden ausgewaschen und belasten dann Boden und Umwelt. hinweisen, dann wäre weiterer Dünger der falsche Schritt. Welche Zeichen auf welchen Nährstoff hindeuten können, findest du im Ratgeber zum Balkon- und Kübelgarten unter Nährstoffmangel und Überdüngung.
Topf und Erde: was die Wurzeln in der Hitze schützt
Schwarze Tomatentöpfe können sich bei stauender Hitze so stark erwärmen, dass Wurzeln am Topfrand Schaden nehmen. Solche Gefäße beschatte ich dann. Beim Buchsbaum im Kübel können geschädigte Wurzeln die Wasser- und Nährstoffaufnahme stören und so Blattschäden auslösen. Bei Blattschäden im Kübel schaue ich deshalb auch nach den Wurzeln, bevor ich nachdünge.
Bei Schmucklilien verbessert ausreichender Wurzelraum die Wasser- und Nährstoffversorgung. Wird ein Topf zu eng, wähle ich beim Umtopfen ein Gefäß, dessen oberer Durchmesser mindestens 2 cm größer ist als beim alten.
Substrate mit hohem Holz- oder Kokosfaseranteil sind leicht und gut durchlüftet, speichern aber weniger Wasser und brauchen häufigere Feuchtekontrollen. Perlit und Blähton haben als Zuschläge eine geringe Wasserkapazität, VermiculitVermiculit ist ein natürliches Mineral, das durch starkes Erhitzen zu einem leichten, porösen Granulat aufgebläht wird. Als Zusatz in Anzucht- und Pflanzerden lockert es das Substrat und speichert Wasser sowie gelöste Nährstoffe. eine mittlere. Welche Erde zu welcher Pflanze passt, steht im Ratgeber zum Balkon- und Kübelgarten unter Erde und Substrat.
