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Wurzelaktivatoren für Stecklinge und Jungpflanzen: Wirkstoffe, Methoden, Selbermachen

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 6 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Auxin ist ein Pflanzenhormon, das an Stecklingen die Bildung neuer Wurzeln anregen kann.
  • Bei Gehölzstecklingen hängt das Bewurzeln auch vom physiologischen Alter des Triebs, von Verletzungen und von den Bedingungen nach dem Stecken ab.
  • Bei selbst angesetzten Auszügen wie Weidenwasser kannst du den Gehalt nicht messen; die Bedingungen für den Steckling schaffst du dagegen selbst.
  • Stecklinge gehören in nährstoffarme Vermehrungserde, der Salzgehalt von Aussaaterde sollte unter 0,5 g/l liegen.
  • Mykorrhiza-Präparate brauchen lebende Wurzeln und bringen selbst keine Nährstoffe mit.
Handvoll dunkler Kompost als organischer Dünger vor jungen Gartenpflanzen
Foto: Juan J. Morales-Trejo · Pexels License · Quelle ↗

Du hast Stecklinge geschnitten, und im Regal steht ein Wurzelaktivator, der kräftige Wurzeln verspricht. Ob er hilft, hängt auch am Trieb, an der Erde und am Standort. Ich bereite deshalb zuerst Töpfe und Erde vor und entscheide danach, ob ein Präparat dazukommt.

Was ist ein Wurzelaktivator?

Wurzelaktivatoren sind Präparate, die als Starthilfe für die Wurzelbildung im Handel sind. Wie viel du nimmst, steht jeweils auf der Packung. Wie sie sich neben Flüssigdünger, Granulat und Düngestäbchen einordnen, findest du im Überblick über Düngerarten und Düngerformen.

Wie hilft Auxin Stecklingen beim Bewurzeln?

Auxin ist ein Pflanzenhormon, das an Stecklingen die Bildung von Adventivwurzeln anregen kann. So heißen Wurzeln, die am Trieb neu entstehen statt aus der Keimwurzel eines Samens. Auch in Algen- und Pflanzenextrakten können Pflanzenhormone stecken, dort zählen sie zu den biostimulierenden Inhaltsstoffen.

Bei Gehölzstecklingen spielen außerdem das physiologische Alter des Triebs, Verletzungen und die Kulturbedingungen nach dem Stecken eine Rolle. Ein Hormonpräparat kann die Wurzelbildung also anregen, ersetzt aber weder einen passenden Trieb noch gute Bedingungen danach.

Marias Erfahrung

Ich beschrifte jeden Stecklingstopf mit Pflanze und Datum und notiere, ob und womit ich getaucht habe. Beim Umtopfen sehe ich nach, welche Töpfe durchwurzelt sind, und gleiche das mit meinen Notizen ab.

Kann ich einen Wurzelaktivator für Stecklinge selber machen?

Als Hausrezept kursiert zum Beispiel Weidenwasser, das aus Weidentrieben angesetzt wird und dem wurzelfördernde Stoffe nachgesagt werden. Pflanzenextrakte können Pflanzenhormone enthalten. Wie viel davon in deinem Glas landet, kannst du zu Hause aber nicht messen. Schon bei Pflanzenjauche schwankt der Nährstoffgehalt mit Pflanzenart, Zustand und Erntezeit. Für einen selbst angesetzten Auszug kann dir deshalb niemand eine verlässliche Menge oder Wirkung nennen.

Selbst in der Hand hast du die Bedingungen, von denen das Bewurzeln abhängt:

  • Für Stecklinge von Balkon- und Kübelpflanzen nimmst du Aussaaterde, bei Bedarf mit Sand gemischt, und saubere Gefäße.
  • Erde aus Töpfen, in denen Pflanzen an Wurzelfäule erkrankt sind, verwendest du nicht wieder.
  • Jedes Gefäß braucht Abflusslöcher, damit überschüssiges Wasser ablaufen kann.
  • Frisch gesteckte Stecklinge stellst du hell, aber nicht in grelle Sonne.
  • Unter einer Folienhaube schaust du täglich nach und lüftest kurz.
Häufiger Fehler

Stecklinge in reinen Kompost stecken, weil er nach guter Erde aussieht. Wegen seiner hohen Nährsalzkonzentration kann reiner Kompost Keimlingswurzeln Wasser entziehen. In selbst gemischter Anzuchterde bleibt Kompost deshalb nur ein Anteil.

Zahl im Blick

Der Salzgehalt von Aussaaterde sollte unter 0,5 g/l liegen, für Pikiererde gilt ein Salzgehalt bis 1,5 g/l. Bei Aussaat und Stecklingsvermehrung sollte Kompost meist höchstens 20 Volumen-% der Anzuchterde ausmachen.

Und Brennnesseljauche?

Pflanzenjauche ist ein Dünger und kein Wurzelaktivator. Stecklinge sollen in nährstoffarmer Vermehrungserde wurzeln, deshalb gehört Jauche nicht in den Stecklingstopf, solange noch keine Wurzeln da sind. Bekommt eine bewurzelte, wachsende Jungpflanze später Brennnesseljauche, verdünnst du die fertige Jauche im Verhältnis 1:20 mit Wasser. Allgemeingültige Mengen oder Abstände gibt es für Jauchen nicht, weil Pflanzenbedarf und vorhandene Nährstoffe verschieden sind.

Tauchen oder gießen: Wie kommt das Präparat an den Steckling?

Stecklinge tauchen

Tauchpräparate als Pulver, Gel oder Lösung sind für das untere Ende des Stecklings gedacht. Ich tauche nie direkt in Dose oder Flasche, sondern fülle für jeden Durchgang ein sauberes Schälchen. Reste kommen danach nicht zurück in die Packung. Das Pflanzloch steche ich mit einem Hölzchen vor, damit ich den getauchten Steckling nicht durch die Erde drücken muss. Wie lange und wie tief du tauchst, legt die Gebrauchsanleitung fest.

Mit dem Gießwasser geben

Flüssige Präparate gibst du mit dem Gießwasser an Stecklinge und Jungpflanzen. Enthält das Mittel Nährsalze, kommt die Lösung wie Flüssigdünger nur auf bereits feuchte Erde, damit hohe Salzkonzentrationen die Wurzeln nicht schädigen. Vor dem Gießen prüfst du die Feuchte auch unter der Oberfläche. Torffreie Erde kann oben schon trocken und weiter unten im Topf noch nass sein.

Wasser, das nach dem Gießen im Übertopf steht, kippe ich aus. Dauerhaft gefüllte Übertöpfe können Luftmangel im Substrat verursachen und Wurzeln absterben lassen.

Wie viel und wie oft?

Menge und Abstand der Gaben legt die Gebrauchsanleitung des jeweiligen Produkts fest. Worauf du bei Zeitpunkt, Kombination mit Dünger und Lagerung achtest, steht im Ratgeber darüber, wie du Zeitpunkt, Dosierung und Ausbringung abstimmst. Dort geht es auch darum, was du an Wirkung erwarten darfst.

Was bringen Mikroorganismen und Nährstoffe im Präparat?

Mikroorganismen

Arbuskuläre Mykorrhizapilze sind für Wachstum und Vermehrung auf eine Wirtspflanze angewiesen, ein solches Präparat muss also an lebende Wurzeln. Ein frisch geschnittener Steckling hat diese Wurzeln noch nicht, das Präparat passt deshalb eher zum Umtopfen bewurzelter Jungpflanzen als ins Tauchbad. Mehr zu Pilzen, Bakterien und Bodenleben findest du im Ratgeber darüber, wie Mykorrhiza, Bakterien und Bodenleben im Beet wirken.

Nährstoffe

Manche Präparate enthalten Nährstoffe oder Humin- und Fulvosäuren, die über Chelatbildung zur Verfügbarkeit von Nährstoffen beitragen können. Ist ausreichend Phosphat vorhanden, kann das die Ausbildung der arbuskulären Mykorrhiza unterdrücken. Ein phosphatreiches Mittel und ein Pilzpräparat ergänzen sich also nicht automatisch.

Welcher Wurzelaktivator passt? Was das Etikett verrät

Unter dem Namen Wurzelaktivator werden Produkte aus verschiedenen Rechtsbereichen verkauft, und davon hängt ab, was vor dem Verkauf geprüft wurde. Ich lese deshalb zuerst Produktart, Inhaltsstoffe und Gebrauchsanleitung, bevor ich ein Mittel für meine Stecklinge kaufe.

Angabe auf der Packung Was du daraus ablesen kannst
Pflanzenstärkungsmittel Gehört zum Pflanzenschutzrecht. Es braucht keine Zulassung, muss vor dem Inverkehrbringen aber dem BVL mitgeteilt werden. Die Listung setzt keinen Wirksamkeitsnachweis voraus, und die Unbedenklichkeit wird nicht wie bei Pflanzenschutzmitteln durch Studien geprüft.
Bodenhilfsstoff oder Pflanzenhilfsmittel Fällt unter das Düngerecht.
EU-Pflanzenbiostimulans Fällt unter das EU-Düngemittelrecht.
Nährstoffgehalte Das Mittel liefert Nährstoffe mit. Du rechnest sie an, wenn du weitere Düngergaben bemisst, genauso wie die Grunddüngung der Erde.
Spurennährstoffe Stehen gesondert auf dem Etikett.
Mikroorganismen Wie gut sie wirken, hängt von Boden, Klima, den schon vorhandenen Mikroben und der Produktqualität ab.
Eintrag in einer FiBL-Betriebsmittelliste Zeigt die Prüfung auf Öko-Konformität, belegt aber nicht automatisch eine unabhängig geprüfte Wirksamkeit.
Gebrauchsanleitung Maßgeblich für Menge und Anwendung.
Mini-Checkliste

Steht die Produktart auf der Packung? Nennt die deutschsprachige Kennzeichnung bei einem Pflanzenstärkungsmittel die Bezeichnung, den Verantwortlichen und eine Gebrauchsanleitung? Sind Nährstoffe und Spurennährstoffe aufgeführt? Ist das Mittel für Stecklinge ohne Wurzeln gedacht, oder braucht es wie ein Mykorrhizapräparat lebende Wurzeln?

Mythos-Check

„Mit Wurzelaktivator wurzelt jeder Steckling.“ Bundesweite Ringversuche haben Pflanzenstärkungs- und Hilfsmittel an Zierpflanzen geprüft: Unterschiede in der Qualität zeigten sich selten, und beobachtete Effekte ließen sich nicht sicher wiederholen. Ein Präparat kann unterstützen, passende Triebe und gute Bedingungen ersetzt es nicht.

Achtung

Ich bewahre Wurzelaktivatoren verschlossen und außer Reichweite von Kindern und Haustieren auf. Bei nährstoffhaltigen Mitteln gilt dasselbe wie bei Blumendünger: Hat ein Kind vermutlich eine größere Menge geschluckt, rufst du ein Giftinformationszentrum oder die Kinderarztpraxis an. Bei Vergiftungsverdacht beim Haustier kontaktierst du sofort eine Tierarztpraxis und nimmst die Verpackung mit. Gib keine Hausmittel und löse kein Erbrechen aus.

Wie geht es mit den bewurzelten Jungpflanzen weiter?

Hat ein Steckling Wurzeln gebildet, topfst du ihn als Jungpflanze weiter. Pikiererde sollte leicht und gut durchlüftet sein, dazu feucht, nährstoffarm und frei von Schädlingen und Krankheitskeimen. Schwach aufgedüngte Pikiererde eignet sich auch zum Topfen salzempfindlicher Pflanzen. Lass beim Umtopfen in einen Topf mit Abflusslöchern 1 bis 2 cm Gießrand unter dem Topfrand frei.

Bleiben Jungpflanzen nach dem Pikieren bleich, dünn und weich, kann zu wenig Licht oder zu viel Wärme dahinterstecken. Auch Zeichen, die nach Nährstoffmangel aussehen, können von Sauerstoffmangel, einem ungünstigen pH-Wert oder unausgewogenen Nährstoffverhältnissen kommen. Bevor du bei schwachen Jungpflanzen zu einem Präparat greifst, prüfst du deshalb Licht, Wärme und die Feuchte im Topf.

Wenn Gemüse-Jungpflanzen ins Beet umziehen, plane ich ihren Platz im Beetplaner mit Zehrer-Einstufung und Anbaupausen.

Und bei Bäumen, Sträuchern und im Beet?

Wurzelaktivatoren werden auch für Neupflanzungen im Beet und an Gehölzen angeboten. Ob sich das bei Gehölzen lohnt, klärt der Ratgeber darüber, was Wurzelaktivatoren Bäumen und Sträuchern kurz- und langfristig bringen. Einen Überblick, wo Wurzelaktivatoren eingesetzt werden und was sie Pflanzen bringen können, gibt ein eigener Beitrag.

Häufige Fragen

Was sind Wurzelaktivatoren und wie funktionieren sie?
Wurzelaktivatoren sind Präparate, die als Starthilfe für die Wurzelbildung verkauft werden, zum Beispiel für Stecklinge und Jungpflanzen. Je nach Produkt enthalten sie Pflanzenhormone wie Auxin, Algen- oder Pflanzenextrakte, Mikroorganismen oder Nährstoffe. Auxin kann an Stecklingen die Bildung neuer Wurzeln anregen, eine sichere Wirkung garantiert aber kein Präparat. Wie viel du nimmst, steht auf der Packung.
Wie fördern Wurzelaktivatoren das Wachstum von Stecklingen und Jungpflanzen?
Das Pflanzenhormon Auxin kann an Stecklingen Adventivwurzeln anregen, also Wurzeln, die am Trieb neu entstehen. Bei Gehölzstecklingen hängt das Bewurzeln aber auch vom physiologischen Alter des Triebs, von Verletzungen und von den Bedingungen nach dem Stecken ab. Deshalb gehören Stecklinge in nährstoffarme Vermehrungserde, und Stecklinge von Balkon- und Kübelpflanzen unter einer Folienhaube kontrollierst du täglich und lüftest kurz. Ein Präparat kann unterstützen, ersetzt diese Bedingungen aber nicht.
Welche besonderen Wirkstoffe enthalten Wurzelaktivatoren?
Je nach Produkt enthalten Wurzelaktivatoren Pflanzenhormone wie Auxin, das an Stecklingen die Wurzelbildung anregen kann. Algen- und Pflanzenextrakte können ebenfalls Pflanzenhormone mitbringen, Humin- und Fulvosäuren können über Chelatbildung Nährstoffe besser verfügbar machen. Bestimmte Bodenbakterien und Pilze können Phosphor und Stickstoff leichter verfügbar machen oder das Wurzelwachstum anregen. Welche Stoffe enthalten sind, steht auf dem Etikett.
Wie wendet man Wurzelaktivatoren bei Stecklingen und Jungpflanzen richtig an?
Für Stecklinge tauchst du das untere Ende nach Packungsangabe in Pulver, Gel oder Lösung. Danach steckst du den Steckling in nährstoffarme Vermehrungserde in einem sauberen Gefäß. Flüssige Mittel mit Nährsalzen kommen wie Flüssigdünger nur auf bereits feuchte Erde, damit hohe Salzkonzentrationen die Wurzeln nicht schädigen. Mykorrhiza-Präparate brauchen den Kontakt zu lebenden Wurzeln und passen deshalb eher zum Umtopfen bewurzelter Jungpflanzen als zum frisch geschnittenen Steckling.
Wie unterscheiden sich Wurzelaktivatoren von herkömmlichen Düngemitteln?
Dünger liefern Nährstoffe, die Pflanzen über die Wurzeln in mineralisch gelöster Form aufnehmen. Wurzelaktivatoren werden als Starthilfe für die Wurzelbildung angeboten und können Hormone, Extrakte oder Mikroorganismen enthalten. Auch rechtlich gibt es Unterschiede: Pflanzenstärkungsmittel gehören zum Pflanzenschutzrecht, Bodenhilfsstoffe und Pflanzenhilfsmittel zum Düngerecht, EU-Pflanzenbiostimulanzien zum EU-Düngemittelrecht. Enthält ein Wurzelaktivator Nährstoffe, rechnest du sie bei weiteren Düngergaben mit an.
Wie funktioniert die Symbiose zwischen Mykorrhiza-Pilzen und Pflanzenwurzeln?
Mykorrhizapilze können ihre Wirtspflanze mit Phosphat, Nitrat und Wasser versorgen und bekommen im Gegenzug Assimilate, also Stoffe aus der Photosynthese der Pflanze. Arbuskuläre Mykorrhizapilze bilden dafür in den Zellen der Wurzelrinde verzweigte Arbuskeln, an denen Pilz und Pflanze Stoffe austauschen. Die Pilze erschließen Nährstoffe, die schon im Boden sind, bringen selbst aber keine mit. Ist ausreichend Phosphat vorhanden, kann das die Ausbildung dieser Mykorrhiza unterdrücken.
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